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Joachim Storck, Irmgard Plößl (Hrsg.): Handbuch Arbeit - Wie psychisch erkrankte Menschen [...]

Cover Joachim Storck, Irmgard Plößl (Hrsg.): Handbuch Arbeit - Wie psychisch erkrankte Menschen in Arbeit kommen und bleiben. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. 432 Seiten. ISBN 978-3-88414-593-7. 39,95 EUR.
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Thema

Der Herausgeberband in der dritten aktualisierten und überarbeiteten Auflage thematisiert die Bedeutung der verschiedenen Formen von Arbeit für psychisch erkrankte Menschen, sowie die aktuellen Rahmenbedingungen auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt. Durch ausgewählte Autoren und Autorinnen werden Chancen und Hemmnisse des derzeitigen Arbeitsmarktes in Deutschland aufgezeigt und die Rolle der professionell Tätigen aus multiprofessioneller Sicht mit einem dialogischem Ansatz beleuchtet. Der Anspruch der Herausgeber und Autoren ist es einen Leitfaden für professionell Tätige, Angehörige und Betroffene sowie ein Instrumentarium zur Qualitätsprüfung bestehender Angebote herauszugeben.

Herausgeber und Herausgeberin

Joachim Storck war bereits Herausgeber der ersten (2008) und zweiten (2010) Auflage welche unter dem Titel „Handbuch Berufliche Integration und Rehabilitation“ erschienen sind. Inzwischen im Ruhestand war die letzte berufliche Station die Geschäftsführung der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen (gpe) in Mainz.

Irmgard Plößl ist Herausgeberin der aktuellen dritten Auflage und Autorin verschiedener Fachbücher. Sie leitet die Abteilung für Berufliche Teilhabe und Rehabilitation des Rudolf-Sophien-Stifts in Stuttgart.

Entstehungshintergrund

Ausschlaggebend für das Entstehen der ersten Auflage waren die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und die eingeschränkten beruflichen Möglichkeiten psychisch erkrankter Menschen. Durch die starke positive Resonanz auf die erste und zweite Auflage waren die Herausgeber ermutigt eine erweiterte, aktualisierte und überarbeitete dritte Auflage zu veröffentlichen. Aktuellen Themen wie der Inklusionsdebatte wurden durch zusätzliche Kapitel Raum gegeben.

Aufbau und Inhalt

Die Beiträge der insgesamt 40 Autoren und Autorinnen sind in neun Hauptkapitel unterteilt.

Kapitel I Inklusion, Empowerment, Barrierefreiheit wird ausschließlich von den Herausgebern gestaltet. Hier werden zunächst sehr einfühlsam die Barrieren aller Beteiligten (Erkrankter, Arbeitgeber, Angehöriger…) dargestellt. Verwoben mit Fachinformationen und prägnanten Praxisbeispielen wird immer wieder die Rolle der Fachkräfte thematisiert. Im darauf folgenden Text werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Besonderheit des deutschen Arbeitsmarktes durch die WfbM und aktuelle Änderungen wie das persönliche Budget thematisiert. Abschließend wird auf die Versorgungslücke von adäquaten Arbeitsplätzen verwiesen.

Das umfangreiche zweite Kapitel Bedeutung von Arbeit – Grundlagen besteht aus sieben Beiträgen. Einleitend schildert ein Betroffener seinen Weg in Arbeit mit allen Chancen und Hemmnissen. Gefolgt von einer Betrachtung der historischen Entwicklung der Bedeutung von Arbeit für psychisch Erkrankte Menschen.Der folgende Text beschäftigt sich mit der Frage ob es Kriterien für eine positive Arbeit gibt. Im nächsten Beitrag werden empirisch abgesicherte Modelle des Supported Employment ausgewertet. Anschließend wird wird die Struktur des deutschen Arbeitsmarktes bewertet. Der sechste Text vertieft die Bedeutung von Arbeit für psychisch Erkrankte und stellt die Anforderungen des Arbeitsmarktes den Möglichkeiten psychisch Erkrankter gegenüber. Hierbei werden auch aktuelle Missstände verdeutlicht. Abschließend wird die Bedeutung eines verlässlichen Ansprechpartners für alle Beteiligten dargestellt, sowie die Bedeutung der Hilfeplanung für einen gelingenden Integrationsprozess in Arbeit. Gefolgt von Beispielen was für Menschen in verschiedenen Belastbarkeitsstufen möglich sein könnte.

Die Sicht der Nutzerinnen und Nutzer wird in Kapitel III in vier Beiträgen dargestellt. Es beginnt mit dem Erfahrungsbericht einer Betroffenen, die sich gegen die Empfehlungen der Profis entschied und seit Jahren erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig ist. Gefolgt von einem Fachbeitrag der sich kritisch mit der Beteiligung der Psychiatrieerfahrenen am Prozess der Integration in Arbeit auseinander setzt. Des Weiteren stellt die EX-IN Erfahrungsexpertin Svenja Bunt ihr Erleben von Barrieren in den Köpfen der Menschen und real vorhandenen dar. Abschließend wird das Berufsbild des EX-IN-Genesungsbegleiters vorgestellt, mit dem Anliegen dieses Berufsbild nicht nur bekannter zu machen sondern es in wenigen Jahren als fest integriert zu erleben.

Auch der Sicht der Arbeitgeber gibt das Buch in Kapitel IV Raum. Wieder wird als Einführung in die Thematik der Bericht einer Betroffenen gewählt, die sich als Jobnomadin bezeichnet. Der nachfolgende Text setzt sich mit der selten im Fokus liegenden Sichtweise und den Bedürfnissen der Arbeitgeber auseinander um Möglichkeiten zur Gestaltung eines tragfähigen Arbeitsverhältnisses aufzuzeigen. Elke Stein beschreibt anschließend Wege um potenzielle Arbeitgeber für die Einstellung psychisch Erkrankter Menschen zu gewinnen. Intensiv wird behandelt wie passende Arbeitsbedingungen bereits im Vorfeld ermittelt und Arbeitsplätze gestaltet werden können. Gefolgt von einem Interview mit dem Unternehmer Matz Mattern der seit Jahren Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in seinem Unternehmen beschäftigt. Im abschließenden Text wird die Rolle von Kollegen und Kolleginnen in den Fokus gesetzt und das H-I-L-F-E-Konzept vorgestellt.

Aufgrund umfangreicher und verwirrender Rechtsgrundlagen, Zuständigkeiten und Zugangsvoraussetzungen werden in Kapitel V die Rechtlichen Rahmenbedingungen und die Sicht der Leistungsträger thematisiert. Martin M. (NACHNAME FEHLT) stellt Eingangs seine Erfahrungen mit den Zuständigkeiten in seinem Arbeitsprozess dar. Gefolgt von einer Darstellung der rechtlichen Grundlagen, die es jedem ermöglicht persönliche Ansprüche zu erkennen. Auch neuere Ansätze wie das Persönliche Budget werden thematisiert. Welche Vor- und auch Nachteile mit einem Schwerbehindertenausweis verbunden sind stellt Joachim Storck in seinem Text ausführlich dar. Zudem werden in diesem Kapitel die Aufgaben und die Möglichkeiten des Jobcenters und die damit verbunden rechtlichen Rahmenbedingungen aufgezeigt.Gefolgt von einer Darstellung der Aufgaben und Möglichkeiten der Agenturen für Arbeit und den Unterstützungsleistungen des Integrationsamts.

Die Grundlage und der Beginn eines gelungenen Integrationsprozesses in Arbeit wird in Kapitel VI Methoden und Handwerkszeug der beruflichen Beratung und Planung thematisiert. Zu Beginn schildert eine Psychiatrieerfahrene ihre klare Vorstellung ihrer beruflichen Tätigkeit und die Umsetzung. Anschließend stellt Christiane Haerlin Beispiele von Beratungssituationen vor sowie das Konzept des Kölner Kreisbilds und Instrumentariums. Der folgende Text beschäftigt sich mit der Arbeitsdiagnostik als Grundlage einer realistischen beruflichen Perspektive und zeigt die verschiedenen verwendbaren Instrumente auf. Die bereits im ersten Kapitel angesprochene Bedeutung einer gelungenen Hilfeplanung wird im Beitrag von Petra Gromann vertieft. Der letzte Beitrag stellt das Schulungsprogramm ZERA vor. Ein Gruppentrainingsprogramm das Teilnehmer bei der Entwicklung einer realistischen Zukunftsperspektive unterstützen soll.

Kapitel VII Vorbereitung auf berufliche Teilhabe: Trainingsprogramme und Maßnahmen zur Qualifizierung, Beruflichen Bildung und Eingliederung beginnt dem Interview von Heinz Z. der erfolgreich durch einen Integrationsfachdienst in Arbeit integriert wurde. Anschließend vertieft Hermann Mecklenburg die Grundlagen der Rehabilitation und lässt wie schon im vorangehenden Kapitel C.Haerlin das Kölner Instrumentarium mit einfließen. Der folgende Beitrag macht die Bedeutung der psychiatrischen Kliniken im Integrationsgeschehen deutlich, vertieft durch Fallbeispiele. Der vierte Beitrag zeigt anhand des Beruflichen Trainingszentrum Köln wie Wiedereingliederungsaktivitäten erfolgreich eingesetzt werden, durchwoben mit aktuellen Statistiken. Auch Angelika Adams-Flach thematisiert wie Berufliche Rehabilitation gelingen kann, mit dem Fokus auf der Arbeit in multiprofessionellen Teams anhand des ATRIUM Mainz. Die beiden abschließenden Texte stellen die Arbeit der Werkstätten für Behinderte und der Integrationsfachdienste dar.

Das achte Kapitel beschäftigt sich mit Jungen Erwachsenen mit psychischer Erkrankung. Das einleitende Interview beschreibt den schwierigen Weg einer jungen Frau bis zum erfolgreichen Abschluß ihrer Ausbildung. Im nachfolgenden Beitrag stellt Christopher Haas die besonderen Anforderungen an die Unterstützung von jungen Erwachsenen dar. Anschließend werden die Aufgaben und Möglichkeiten der Agenturen für Arbeit aufgezeigt. Als Beispiel in der Praxis erfolgreicher Konnzepte wird im nächsten Text das Zsl Mainz e.V. vorgestellt.

Mit Kapitel IX Formen der beruflichen Teilhabe – angepasste Arbeit endet das Buch. Frank P. schildert im Erfahrungsbericht wie stabilisierend es für ihn ist in Arbeit eingebunden zu sein. Michael Schweiger stellt in seinem Beitrag dar, wie unterstütze Beschäftigung den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen kann. Dem folgt eine Darstellung des Aufgabenfelds der Integrationsbetriebe. Des Weiteren wird im Kapitel die Arbeit der Integrationsfachdienste, der Möglichkeiten von Zuverdienstangeboten und -firmen sowie der Werkstätten für Behinderte vertiefend thematisiert.

Fazit

Der Anspruch der Herausgeber mit diesem Buch sowohl Laien verständlich zu informieren wie auch Fachleuten ein Leitfaden zu sein ist ein sehr hoher. Den meisten Autoren gelingt es, ihr umfangreiches Wissen in verständlicher Sprache zu formulieren, so das die Inhalte auch der Zielgruppe der Angehörigen und Interessierten zugänglich sind. Einem hohen wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden gelingt den Beiträgen jedoch nur vereinzelt. Auf 413 Seiten werden die wichtigsten Arbeitsmethoden für professionell Tätige mit fundiertem Wissen von Autoren aus verschiedenen Disziplinen dargestellt, was es ermöglicht sich in verschiedene Arbeitsfelder hinein zu versetzen. Dieser Perspektivwechsel kann eine multiprofessionelle Zusammenarbeit erleichtern und stößt einen Prozess der Reflexion der eigenen beruflichen Tätigkeit an. Immer wieder wird in den Beiträgen auf die besondere Rolle der professionell Tätigen als verbindlicher Ansprechpartner thematisiert, so das ein sehr konkretes Arbeitsfeld und Arbeitsbild entsteht. Dies stützt den Anspruch ein Leitfaden zu sein. Die Fallbeispiele und Erlebnisberichte sorgen für eine Nähe zur Praxis und für ein besseres Verständnis der Adressaten.

Der dritten Auflage gelingt es alle für dieses Arbeitsfeld relevanten Bereiche vertiefend zu thematisieren, ohne sich zu überfrachten. Es ist wünschenswert, dass es sich in der Praxis als Leitfaden durchsetzt und gerade im Bereich der Bildungsträger ein breites Publikum erreicht.


Rezensentin
Anna-Lena Mädge
BA Soz.Päd./Soz.Arb.
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Zitiervorschlag
Anna-Lena Mädge. Rezension vom 02.07.2015 zu: Joachim Storck, Irmgard Plößl (Hrsg.): Handbuch Arbeit - Wie psychisch erkrankte Menschen in Arbeit kommen und bleiben. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. ISBN 978-3-88414-593-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18671.php, Datum des Zugriffs 18.07.2018.


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