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Monika Alisch (Hrsg.): Sozialraum und Governance

Cover Monika Alisch (Hrsg.): Sozialraum und Governance. Handeln und Aushandeln in der Sozialraumentwicklung. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 240 Seiten. ISBN 978-3-8474-0642-6. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 38,20 sFr.

Beiträge zur Sozialraumforschung, Bd. 12.
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Thema

Soziale Räume als Gestaltungs- und Handlungsräume gehören nicht nur denen, die sie beplanen oder besitzen; sie gehören zunehmend denen, die sie mit Leben und Kommunikation erfüllen, in ihnen handeln und interagieren, (Be-)deutungsmuster in Abhängigkeit der Raumgestaltung entwickeln und sich auf diese Weise Räume aneignen, sie besetzen.

Die Ausgestaltung und Entwicklung sozialer Räume wird zunehmend zu einem Aushandlungsprozess zwischen den verschiedenen Akteuren, die verantwortlich sind für diesen Raum, und Bewohner dieser Räume sind verantwortlich für die sie umgebende räumliche Gestalt! Sie erkennen dies immer mehr und deshalb sind politische Entscheidungen auf kommunaler Ebene – was die Sozialraumentwicklung angeht – immer schwieriger, weil auch Bürger als Akteure in diesen Entscheidungen „mitspielen“ wollen.

Herausgeberin

Monika Alisch ist Professorin an der Hochschule Fulda und leitet das Zentrum „Gesellschaft und Nachhaltigkeit – Centre of Research for Society and Sustainability“.

Autorinnen und Autoren

Die Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Stadt- und Regionalentwicklung, der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Sozialraumentwicklung und -organisation und der Partizipationsforschung.

Aufbau und Einführung

Das Buch gliedert sich nach einer Einführung durch die Herausgeberin in zwei große Kapitel mit jeweils fünf bzw. vier Beiträgen.

  1. (Sozial-)Raumentwicklungsprozesse und Logiken des Handelns
  2. Bewohnerinteressen: „Good local Governance“ oder „schwache Interessen“?

Abschließend folgt ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren.

Zu: Sozialraum und lokale Governanceprozesse – Handeln und Aushandeln in der Sozialraumentwicklung (Monika Alisch)

Monika Alisch gibt in dieser Einführung einen Überblick über die Beiträge in diesem Buch. Zuvor setzt sie sich aber mit dem Begriff der Governance auseinander. R. Mayntz versteht ihn eher als Regelung, Schimanik/Lange meinen, diese Regelung ist organisiert und führt entweder zu wechselseitigen Anpassungen und gegenseitigen Abhängigkeit verschiedener Akteure oder zu einem Konsensfindung in Vergemeinschaftungsprozessen, also zu einer Form des Zusammenkommens, in der Staat, Wirtschaft und Gesellschaft eine Verantwortungseinheit bilden.

Diese Diskussion wird ebenso ausführlich geführt wie die von Governance und Government in der Policy-Forschung.

Weiter argumentiert die Autorin, dass Governance einerseits als ein normatives Konzept geführt wird, andererseits wird der Begriff aber auch für die Beschreibung realer netzwerkartiger Aushandlungsprozesse benutzt.

Die Überschriften der beiden großen Kapitel deuten auch auf diese Unterscheidung hin. Mit Good Governance wird ein normatives Konzept guter Regierung (guther policy) diskutiert und es werden die Kriterien erörtert, die diese Beurteilung zulassen. Die daraus sich entwickelnden Logiken des Handelns werden dann im ersten großen Kapitel mit Hinweisen auf die Beiträge noch verdeutlicht; im zweiten Teil geht es dann eher um Beispiele der Sozialraumentwicklung in diesem Sinne von Good Governance, ebenfalls mit Hinweisen auf die verschiedenen Beiträge.

Zu I: (Sozial-)Raumentwicklungsprozesse und Logiken des Handelns

Zu: Der „Sprung über die Elbe“ - Zivilgesellschaftliche Strategien der Teilhabe an Stadtentwicklungsprozessen auf den Hamburger Elbinseln (Jonas Hufeisen)

Hamburg hat sich in den letzten Jahren mit Großprojekten einen Namen gemacht – und Großprojekte scheinen ein Trend zu sein in der Stadtentwicklungspolitik – zumindest in Großstädten. Und in dem Spannungsverhältnis von Wohnen und Leben, Raum und Hafen, Industrie und Verkehr werden Sorgen und Ängste der Bewohnerschaft virulent, die nach Beteiligung rufen.

Dies ist das Thema, das Hufeisen in seinem Beitrag am Beispiel der Hamburger Elbinseln entfaltet und erörtert. Dabei geht es dem Autor um die Frage, welche Strategien zivilgesellschaftliche Akteure entwickeln, um Teilhabe und Einflussnahme zu sichern und um Interessen zu artikulieren und durchsetzen zu können.

Zunächst erörtert der Autor diese Art der Stadtentwicklung als eine Problembearbeitung durch Festivalisierung und der fragt sich wie Governance hier zu realisieren ist. Dies wird vor dem Hintergrund der Internationalen Bauausstellung IBA diskutiert.

Wie wird nun Partizipation realisiert, geht es doch bei der Festivalisierung eher um die Sicherung von Loyalität und Akzeptanz, als um sachbegründete Diskurse? Dazu werden vom Autor in Anlehnung an M. Alisch Kriterien für gelingende Partizipation entfaltet und die Beteiligung beim „Sprung über die Elbe“ beschrieben.

Weiter werden vom Autor ausführlich und detailliert Protest und zivilgesellschaftliches Engagement als Formen der Teilhabe beschrieben, die über formale und institutionalisierte Formen der Beteiligung hinausgehen. Dabei identifiziert der Autor in Anlehnung an Gersting u. a. folgende Typen zivilgesellschaftlichen Engagements:

  • Lokale Betroffenen-Proteste,
  • Gesellschaftspolitische Kritik,
  • Interessenvermittlung und Vernetzung.

Zu: Wohnungslosenhilfe im Kontext urbaner Transformationsprozesse in Berlin-Neukölln (Mark Borne)

Nach einer allgemeinen Kritik der bisherigen Auseinandersetzung mit Wohnungslosigkeit, Wohnungsnot und Wohnraumverknappung geht der Autor auf die spezifische Ausgangslage ein und beschreibt das Problem, diskutiert strukturelle Erklärungsansätze für Wohnungslosigkeit und ihre Ursachen, um dann auf das quantitative und qualitative Ausmaß der Wohnungslosigkeit in Berlin zu kommen.

Weiter stellt er eine Erhebung mit biographisch-narrativen Interviews vor und diskutiert deren Ergebnisse. Dabei diskutiert der Autor ausführlich eine Typologie zu persistierender Wohnungslosigkeit unter folgenden Aspekten:

  • Verdeutlichung der momentanen Lebenslage in der Wohnungslosigkeit,
  • Einschätzungen zur Situation und Chancen auf dem Wohnungsmarkt,
  • Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt.

Zu: Planungsperspektiven in der Stadt(teil-)entwicklung – Akteurslogik und Urban Governance (Michael John)

Nach einer allgemeinen Hinführung zum Thema entfaltet der Autor seine Fragestellung und stellt das Untersuchungsdesign vor. Es geht um die Frage, welche unterschiedlichen Perspektiven der Stadtteilentwicklung denkbar sind, wie sich diese Perspektiven unterscheiden und was ihnen gemeinsam ist. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie sich die unterschiedlichen Planungsperspektiven auf die konkrete Planung auswirken.

Der Autor untersucht dies in einem Wiener Quartier, das durch Neubau von Wohnungen und der Schaffung von Infrastruktur einem starken Wandel unterliegt.

Im weiteren Verlauf beschäftigt sich der Autor zunächst mit dem Begriff von Governance und diskutiert die Kriterien der „Good Governance“.

Das Raumverständnis der Planungsakteure, die Raummodelle haben ja Auswirkungen auf die Planung. In den Interviews ist das deutlich geworden. Die Flächennutzungsplanung erhält administrativ zugewiesene Areale, die überplant werden sollen – bei Neubaugebieten ist Partizipation nicht möglich, weil die Akteure (die Bewohner) noch fehlen. Allerdings unterscheiden sich die Planungsvorstellungen der Stadtplanung von den Vorstellungen, die Leitungspersonen aus der Sozial- und Jugendplanung haben.

Dieser Unterschied ist auch erkennbar, wenn es um die Frage der Bedeutung von Partizipation geht und welche Akteure auch einbezogen werden müssen.

Der Autor plädiert hier für einen integrativen Ansatz in der Stadtentwicklung, denn nur der „garantiert“ eine „Good Governance“. Dies begründet und entwickelt er am Beispiel der „local Governance“.

Zu: „die Idee kam aus meinem Kopf“ - Fragen an subjektive Selbstverständlichkeiten von Akteur_innen Sozialer Arbeit (Simone Oros, Carola Schilling und Alexandra Woite)

Zunächst entfalten die Autorinnen ihre Fragestellung – eingebettet in eine allgemeine Einführung in ihr Thema. Es geht um Selbstverständlichkeiten alltäglicher Praxis Sozialer Arbeit unter dem Aspekt von kultureller Vielfalt. Die Autorinnen wollen selbstverständlich gewordene Denkmuster auf den Ebenen der Steuerung, der Organisation und der Ausführung analysieren. Dabei helfen ihnen entsprechende Theorieansätze der Wissenssoziologie (Mannheim) der Bedürfnisinterpretation (Fraser) und der Umgang mit kultureller Vielfalt (Kalpaka). Diese Ansätze werden kurz erörtert.

Die Autorinnen setzen sich mit Datenmaterial aus einer Reihe von qualitativen Interviews mit sozialpädagogischen Fachkräften in der Migrationsarbeit auseinander, um dem Wirklichkeitsempfinden von Akteuren der Sozialen Arbeit nachzuspüren. Dabei stellt sich heraus, dass gerade das Spannungsverhältnis von selbstorganisierten älteren Migranten und den Professionellen schwierig ist. Einmal mehr ist es das Dilemma der Steuerungsinstanz zwischen Amt und sozialpädagogischen Anforderungen, institutionellen Rahmenbedingungen und assoziativem Handeln, Bedürfnisartikulation und Bedürfniserfüllung. In dieser institutionellen Realität haben Leitungspersonen und sozialpädagogische Fachkräfte auch Spielräume. Wie unter diesen Bedingungen zu handeln ist, entfalten die Autorinnen ausführlich.

Zu: Im Einsatz für die Sozialraumorientierung – Ein Beispiel zur Governance in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe (Daniel Singer)

Vor dem Hintergrund eines Praxisforschungsprojektes in Gröpelingen – einem Bremer Stadtviertel - entfaltet der Autor seine Fragestellung. Zuvor diskutiert der den Begriff der Sozialraumorientierung kritisch, um dann nach den subjektiven Sichtweisen und Interpretationen zum Konzept der Sozialraumorientierung bei Professionellen der Sozialen Arbeit zu fragen.

Der Sozialraum Gröpelingen/Walle wird dann als Planungseinheit vorgestellt, die sich aus den Stadtteilen Gröpelingen und Walle zusammensetzt und durch seine Nähe zu Hafen, Werft und Industrie einen Wandel vom klassischen Arbeiterviertel zum Quartier durchgemacht hat, in dem Arbeit und Wohnen miteinander verbunden werden kann.

Dass der Begriff Sozialraumorientierung vielfältig ist, hat die Literatur bereits deutlich gemacht; auch unter den professionell Handelnden ist das so. Dies wird mit einer Reihe von Zitaten aus den Interviews belegt.

Danach fragt der Autor nach den Herausforderungen von Sozialraumorientierung. Dabei spielt Kooperation und Beteiligung eine entscheidende Rolle. Aber es gibt auch Grenzen des Sozialraums, die oft auch administrativ gesetzt sind. Deshalb bedarf es eines reflexiv-räumlichen Verständnisses von sozialer Arbeit.

Zu: II. Bewohnerinteressen: „Good local Governance“ oder „schwache Interessen“?

Zu: Zum Scheitern eines Ansatzes partizipativer, sozialraumorientierter Jugendhilfeplanung (Katharina Barleben, Roger Glaser, Kristjana Krawinkel)

Das Autorenteam beschäftigt sich mit der Jugendhilfeplanung als Teil der Sozialplanung auf kommunaler Ebene. Auf sehr konkreter und praktischer Ebene wird vorgestellt, wie in einer Kommune Partizipation der unterschiedlichen öffentlichen und privaten Akteure zum Tragen kommt und wie eine partizipativ organisierte Sozialraumanalyse realisiert werden kann. Dazu dienten eine Planungswerkstatt und Interviews mit Verantwortlichen.

Allerdings ist dieser Ansatz gescheitert und es geht im weiteren Verlauf um die Analyse der Hintergründe für dieses Scheitern.

Dies alles wird ausführlich dargestellt und erörtert.

Zu: Wohnen im Alter – Bedürfnisse zwischen Projektzielen, Projektsteuerung und Interpretation (Yvonne Rubin)

Am Beispiel eines im Programm Soziale Stadt involvierten Eschweger Quartiers und vor dem Hintergrund eines Quartierskonzepts, das sich am Bedarf und an den Bedürfnissen älterer Menschen im Quartier orientiert, fragt die Autorin in ihrem Beitrag, was nunmehr aus den Bedürfnissen der Älteren geworden ist.

Zunächst stellt die Autorin Eschwege mit seinen Besonderheiten und Herausforderungen vor. Eschwege – eine Stadt im früheren Zonenrandgebiet, mit ländlicher Siedlungsstruktur und geringer Siedlungsdichte hat alle Bedingungen für eine älter werdende und schrumpfende Stadt. Das Wohngebiet, wo das Projekt „Wohnen im Alter“ angesiedelt ist, ist im Programm der Sozialen Stadt. Dieses Projekt wird ausführlich dargestellt. Dabei geht es auch um die Frage, wie die Betroffenen beteiligt werden und wie damit umgegangen wird, dass die Bedürfnisse der Betroffenen mit den Zielen der Projektträger nicht kongruent sind, wie die Wohnungswirtschaft im Dilemma zwischen Markt und den Bedürfnissen zurecht kommt, wie Pflegstrukturen entwickelt werden müssen und wie sich diese Vorstellungen in ein Quartierskonzept integrieren lassen.

Zu: Dabeisein ist eben nicht alles - Partizipationsrealitäten von Projektverantwortlichen und Projektnutzenden (Monika Alisch, Patricia Hofmann)

Wo bleiben die schwachen Interessen, die Benachteiligten, die ihre Interessen nicht artikulieren (können) und wird dies dem normativen Anspruch einer Good local Governance gerecht? Es geht den Autorinnen in diesem Beitrag um die Frage, wie im Spannungsverhältnis von Professionellen und Nutzern mit schwachen Interessen Handlungs- und Gestaltungsspielräume geschaffen werden können. Der Hintergrund der Analyse ist ein Projekt der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck „Diakonische Gemeinde - Armut bekämpfen“, das im Wesentlichen für die wahrgenommene lokale Armutsproblematik sensibilisieren will und die Teilhabe sozial und ökonomisch benachteiligter Menschen stärken will.

Zunächst werden Verständnisse von Partizipation und die Stufen der Partizipation in Anlehnung an M. Wright vorgestellt, mit Zitaten aus Interviews unterlegt und ausführlich diskutiert. Daraufhin diskutieren die Autorinnen - ebenfalls mit Zitaten aus Interviews – Aspekte der Partizipation im Projektalltag wie Beziehungen und Teilhabechancen, Barrieren auf Seiten der „zu Beteiligenden“, Barrieren durch die Orientierung an den gegebenen Strukturen und Gelingensbarrieren durch unterschiedliche Partizipationsansprüche.

Zum Schluss wird nochmal die Frage aufgeworfen, auf welchen Ebenen die Unterscheidung von schwachen und starken Interessen virulent wird.

Zu: Die Wiener Agenda 21 als Good-Governace-Modell? – Ein besonderer Blick von Akteur_innen auf ihren Stadtteil (Anja Bederke und Anneke Schilling)

Einleitend erläutern die Autorinnen den Kontext, in dem Wien mit der Agenda 21 verbunden ist und sie erörtern ihr Verständnis von Governance auf der lokalen Ebene, das sehr stark mit dem Begriff der Beteiligung verbunden ist. Betroffene sollen zu Akteuren werden.

Die konkrete Umsetzung der Agenda 21 unter besonderer Berücksichtigung des Partizipationsverständnisses untersuchen sie in einem Wiener Stadtteil; sie gehen dabei besonders auf die Prozessförderung nachhaltiger Stadtteilentwicklung durch kooperative Projekte auf lokaler Ebene ein. Den Stadtteil stellen die Autorinnen als einen „unspektakulären“ Vorstadt-Stadtteil vor. Durch narrativ-fokussierte Interviews von Schlüsselpersonen wollen die beiden Autorinnen etwas von der individuellen Einbettung dieser Personen in den sozialräumlichen Kontexts dieses Stadtteils erfahren.

Weiter diskutieren die Autorinnen Ansprüche und Kriterien von Good Governance und wie sie nachgewiesen werden können. Dabei beschreiben sie in Anlehnung an Damkowski/Rösener Merkmale von Good Governance und wie diese Merkmale operationalisiert werden können.

Sehr ausführlich gehen sie zunächst auf die Lokale Agenda 21 in Wien ein, beschreiben die Lokale Agenda als Wiener Gesellschaftsvertrag mit Good Governance-Ausrichtung, um dann Wien-Stadlau als Aktionsbereich der Lokalen Agenda Wien vorzustellen und Aspekte von Good Governance auf lokaler Ebene herauszuarbeiten. Sie fragen dabei nach Partizipation als wirksamem Bestandteil in diesem Prozess, diskutieren den Eigensinn der Handelnden, beschäftigen sich mit Fragen der Kooperation und Netzwerkarbeit versus Macht, Hierarchien und Seilschaften, erörtern Ressourcen von Aktivierung und Empowerment als Voraussetzung für Partizipation und fragen, ob das Stadtteilnetzwerk ein Debattierclub sei.

Alle Beiträge schließen jeweils mit einer ausführlichen Literaturliste.

Diskussion

Sozialraumentwicklung in der konkreten Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Akteuren bedarf offensichtlich einer eigenen Logik des Denkens und Handelns und einer anderen Methode, mit der man sich den Zugang zu den unterschiedlichsten Akteuren verschafft. Vor allem bedarf sie eines anderen Planungsverständnisses als dem, das wir als klassische Stadtplanung oder Stadtentwicklungsplanung kennen. Denn Aushandeln ist mehr als Kompromisse schließen oder denkbare Wege des Minimalkonsenses finden. Aushandeln ist eine diskursive Methode, in der alle Beteiligten den Anspruch haben, dass ihre Argumente Geltung besitzen, sinnhaft sind.

Das ist vielleicht die Erkenntnis, wenn man die Beiträge alle gelesen hat. Was dabei Governance ist oder sein sollte, wird unterschiedlich thematisiert und erschließt sich einem in einigen Beiträgen eher augenfällig, in anderen bedarf es einiger „Übersetzungsarbeiten“. Die Projekte, die im zweiten Kapitel vorgestellt werden machen auch deutlich, dass Good Governance auch sehr Unterschiedliches sein kann. Und was mehr oder weniger thematisiert wurde, aber immer deutlich wurde: Good Governance ist an den lokalen Sozialraum gebunden, an Aushandlungsprozesse, in der die konkreten Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort eingebracht werden können in die Planungs- und Politikverständnisse kommunalen Regierens.

Fazit

Das Buch bietet einen guten Überblick über Ansätze der Sozialraumentwicklung und über gute Projekte, in denen nachvollziehbar ist, was Good Governance ist oder sein kann.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 07.08.2015 zu: Monika Alisch (Hrsg.): Sozialraum und Governance. Handeln und Aushandeln in der Sozialraumentwicklung. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-8474-0642-6. Beiträge zur Sozialraumforschung, Bd. 12. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18682.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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