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Ralf Schwarzer (Hrsg.): Gesundheitspsychologie

Rezensiert von Prof. Dr. Johanna Hartung, 11.04.2006

Cover Ralf Schwarzer (Hrsg.): Gesundheitspsychologie ISBN 978-3-8017-1500-7

Ralf Schwarzer (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 635 Seiten. ISBN 978-3-8017-1500-7. 129,00 EUR. CH: 204,00 sFr.
Reihe: Enzyklopädie der Psychologie. Themenbereich C Theorie und Forschung. Serie X Gesundheitspsychologie, Band 1
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Zum Thema

Die Gesundheitspsychologie  - ein expandierendes Teilgebiet der empirischen Psychologie - bearbeitet den wechselseitigen Einfluss biologischer, psychischer und sozialer Faktoren auf die Beeinträchtigung und auf die Förderung von Gesundheit. Sie liefert theoretische Modelle, Interventionskonzepte und Wirksamkeitsstudien zur Förderung gesundheitsrelevanter Einstellungen und Verhaltensweisen, zum Abbau gesundheitsriskanten Verhaltens sowie zur Bewältigung chronischer Erkankungen.

Die erste Band zur Gesundheitspsychologie im Rahmen der "Enzyklopädie der Psychologie" liefert eine komprimierte Darstellung grundlegender gesundheitspsychologischer Fragestellungen, Theorien, Forschungsmethoden, Befunde und Interventionsansätze.

In der folgenden Vorstellung der Inhalte wird jeweils ein Beitrag exemplarisch herausgegriffen und etwas ausführlicher vorgestellt, der für die Sozale Arbeit von besonderem Interesse sein dürfte.

Teil I: Grundlagen und Perspektiven der Gesundheitspsychologie

Einführend bietet Ralf Schwarzer einen Überblick über die Gesundheitspsychologie. Gemeinsamkeiten und Akzentuierungen zwischen Gesundheitspsychologie, Verhaltensmedizin und Public Health werden von Jochen Haisch herausgearbeitet.

Es folgen Aufsätze, die grundlegende Konzepte und empirische Befunde zu universellen und spezifischen Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit sowie auf gesundheitsrelevantes Verhalten unterschiedlicher Personengruppen bearbeiten:

  • Subjektive Konzepte und Theorien von Gesundheit und Krankheit (Toni Faltermaier)
  • Geschlecht und Gesundheit (Monika Sieverding)
  • Alter und Gesundheit (Susanne Wurm & Clemens Tesch-Römer)
  • Familie und Gesundheit (Joachim Weiß)
  • Gesundheitspsychologie des Kindes- und Jugendalters (Franz Petermann & Sandra Winkel)
  • Persönlichkeit und Gesundheit (Hannelore Weber)
  • Emotion, Emotionsregulation und Gesundheit (Harald C. Traue, Andrea Horn & Henrik Kessler)
  • Wahrnehmung und Verarbeitung gesundheitlicher Risiken (Britta Renner & Harald Schupp)
  • Psychoneuroimmunologie (Nicolas Rohleder, Jutta M. Wolf & Clemens Kirschbaum)

Der Beitrag von Franz Petermann und Sandra Winkel zur Gesundheitspsychologie des Kindes- und Jugendalters integriert eine salutogenetische und eine pathogenetische Perspektive. Dies geschieht sowohl bei der Vorstellung relevanter Risiko- und Schutzfaktoren für die gesundheitliche Entwicklung, als auch bei der Klassifikation unterschiedlicher Präventionsansätze, die sich an der Entwicklung, der Lebenswelt und den Ressourcen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Beispielhaft für unterschiedliche Problembereiche und Gestaltungsmöglichkeiten von gesundheitspsychologischen Programmen werden in der Praxis erprobte Konzepte vorgestellt: (1) Prävention von Adipositas, (2) Prävention von suizidalem Verhalten bei Jugendlichen, (3) Patientenschulung für asthmakranke Kinder und Jugendliche.

Teil II: Stress und Krankheit

Im zweiten Teil des Buches werden theoretische Modelle, Forschungsinstrumente, Befunde und Interventionsansätze zu den Themenbereichen Stress, Stressbewältigung und Krankheitsverarbeitung vorgestellt:

  • Stress- und Copingstrategien (Peter Schulz)
  • Kritische Lebensereignisse und Gesundheit (Thomas Klauer & Werner Greve)
  • Verwitwung: psychosoziale und gesundheitliche Aspekte (Wolfgang Stroebe & Margaret S. Stroebe)
  • Verarbeitung somatischer Krankheiten (Meinrad Perrez & Gisela Michel)
  • Stress am Arbeitsplatz (Johannes Siegrist)
  • Interventionen zur Reduktion von Stress und Stressauswirkungen in der Arbeit (Sabine Sonnentag, Michael Frese & Joachim Coch)
  • Soziale Unterstützung (Nina Knoll & Ralf Schwarzer)
  • Psychosoziale Aspekte der Krebserkrankung ( Monika I. Hasenbring & Steffen Taubert)
  • Das Konzept der Lebensqualität in der gesundheitsbezogenen Forschung (Sonja Böhmer & Ulrike Ravens-Sieberer)

In ihrem Beitrag zur Sozialen Unterstützung plädieren Nina Knoll und Ralf Schwarzer für ein differenzierteres forschungsmethodisches Vorgehen, um die differentiellen Effekte und anzunehmenden Wirkmechanismen sozialer Unterstützung auf Gesundheit, Stress- und Krankheitsbewältigung aufzuklären. Mithilfe von Beispielitems der Berliner Social Support Skalen (BSSS) wird die Differenzierung des Konstruktes in emotionale, informationelle und instrumentelle Unterstützung veranschaulicht, sowie die Notwendigkeit der Erhebung von Einschätzungen aus unterschiedlichen Perspektiven (des Hilfeempfangenden, des potentiell Unterstützenden sowie eines außenstehenden Beurteilenden) erläutert. Befunde zur Stress- und Krankheitsbewältigung bei Paaren unterstützen die Forderung einer Erweiterung der individuumsbezogenen Analyseeinheit. Als mögliche Mechanismen bei der stressmildernden Wirkung sozialer Unterstützung werden emotionale und kognitive Prozesse, gesundheitsrelevante Verhaltensweisen und biologische (z.B. immunologische und endokrine) Reaktionen diskutiert.

Teil III: Gesundheitsverhalten und Gesundheitsförderung

Im dritten Teil des Buches werden auf der Basis theoretischer Modelle zum Gesundheitsverhalten spezifische gesundheitsrelevante Verhaltensweisen sowie Handlungsfelder und Interventionskonzepte der Gesundheitsförderung thematisiert:

  • Modelle der Gesundheitsverhaltensänderung (Urte Scholz & Ralf Schwarzer)
  • Koronares Risikoverhalten (Anja Leppin)
  • Ernährung, Körpergewicht und Gewichtsregulation (Claus Vögele)
  • Körperliche Aktivität (Reinhard Fuchs)
  • Rauchen (Stefan Keller & Jochen René Thyrian)
  • Konsum von Alkohol und Drogen über die Lebensspanne (Martin Pinquart, Karina Weichold & Rainer K. Silbereisen)
  • Entwicklungsorientierte Prävention von Substanzmissbrauch und problematischem Glücksspielverhalten im Kindes- und Jugendalter (Herbert Scheithauer, Franz Petermann, Gerhard Meyer & Tobias Hayer)
  • Sexualverhalten und HIV-Prävention (Anand Pant)
  • Gesundheitsförderung (Matthias Jerusalem)
  • Rehabilitation (Uwe Koch & Jürgen Bengel)
  • Compliance als universelles Problem des Gesundheitsverhaltens (Ralf Schwarzer & Aleksandra Luszczynska)

In ihrem Beitrag zur entwicklungsorientierten Prävention von Substanzmissbrauch und problematischem Glücksspielverhalten im Kindes- und Jugendalter greifen Herbert Scheithauer, Franz Petermann, Gerhard Meyer und Tobias Hayer beispielhaft ein stoffgebundenes und ein stoffungebundenes Suchtverhalten auf. Auf der Basis von empirischen Studien werden sowohl störungsspezifische als auch -übergreifende risikoerhöhende und -mildernde Bedingungen für die Entwicklung und Aufrechterhaltung dieser Störungen benannt. Zudem werden Modelle, die das Zusammenwirken verschiedener Einflussfaktoren im Prozess der Entwicklung beschreiben, vorgestellt und damit die Ziele und Ansatzpunkte einer frühzeitigen, entwicklungsorientierten Prävention prägnant begründet.

Zielgruppe

Das vorliegende Werk setzt die Konzeption der "Enzyklopädie der Psychologie" fort, durch ausgewiesene Expertinnen und Experten einen qualitativ hochwertig aufbereiteten Überblick über ein Teilgebiet der Psychologie zu liefern, der sowohl innerhalb des Faches Psychologie als auch in den Nachbarwissenschaften und für Praktiker nutzbar ist.

Anmerkungen, Empfehlung

Leserinnnen und Leser finden in dem Band eine fundierte Darstellung und kritische Reflexion gesundheitspsychologischer Konstrukte, Theorien, Forschungsdesigns, Erhebunginstrumente, empirischer Befunde, Interventionsansätze und Wirksamkeitsstudien. Die Beiträge variieren hinsichtlich der Akzentuierung der genannten Aspekte.

Zudem variieren sie deutlich hinsichtlich der für die Lektüre und Bearbeitung des jeweiligen Textes vorausgesetzten Fachkenntnisse (bzgl. Terminologie, biopsychologischer und forschungsmethodischer Spezifika). So dürften einige Aufsätze eher geeignet sein, die interne Expertendiskussion anzuregen, während andere Aufsätze auch für Studierende der Psychologie und anderer gesundheitswissenschaftlicher Fachgebiete sowie für PraktikerInnen komprimiertes gesundheitspsychologisches Wissen zu Verfügung stellen, offene Forschungsfragen thematisieren und interessante Handlungsperspektiven eröffnen.

Fazit

Insgesamt liefert der erste Band zur Gesundheitspsychologie in der mehr als 50 Bände umfassenden "Enzyklopädie der Psychologie" einen eindrucksvollen Beitrag zur Dokumentation des wissenschaftlichen Fortschritts der Gesundheitspsychologie als eine  - wie Ralf Schwarzer als Mitautor und Herausgeber des Werkes formuliert -  "aufstrebende Teildisziplin innerhalb der Psychologie".

Rezension von
Prof. Dr. Johanna Hartung
Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Fachgebiet Psychologie
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Es gibt 13 Rezensionen von Johanna Hartung.

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Zitiervorschlag
Johanna Hartung. Rezension vom 11.04.2006 zu: Ralf Schwarzer (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. ISBN 978-3-8017-1500-7. Reihe: Enzyklopädie der Psychologie. Themenbereich C Theorie und Forschung. Serie X Gesundheitspsychologie, Band 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1869.php, Datum des Zugriffs 15.08.2022.


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