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Sigrid Leitner: Soziale Altenarbeit und Alterssozialpolitik

Cover Sigrid Leitner: Soziale Altenarbeit und Alterssozialpolitik. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2015. 128 Seiten. ISBN 978-3-89974-932-8. 9,80 EUR.
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Thema

Der absolut und relativ zunehmende Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung gerade in Deutschland wirft materielle, kommunikative und gesundheitsfürsorgerische Fragen auf. Vor allem auch Soziale Arbeit wird künftig verstärkt mit der Bereitstellung und Erschließung von Hilfen für die Altenpopulation konfrontiert sein. In diesem Sinn legt Sigrid Leitner im Wochenschauverlag ein 125seitiges Bändchen zur Sozialen Altenarbeit und Alterssozialpolitik mit einer Skizzierung der Einkommenssituation, der Pflegeversorgung und speziellerer Sozialbedarfe alter Menschen vor.

Autorin

Professorin Dr. phil. habil. Sigrid Leitner lehrt Sozialpolitik und Soziale Arbeit an der Fachhochschule Köln und ist am dortigen Institut für Angewandtes Management und Organisation in der Sozialen Arbeit IMOS tätig.

Aufbau und Inhalt

Der vorwiegend für das Bachelor-Studium der Sozialen Arbeit gedachte Band „Soziale Altenarbeit und Alterssozialpolitik“ führt kurz und knapp in das Gebiet der Sozialen Altenarbeit ein. Kompakt werden folgende Felder angerissen:

  • materielle Alterssicherung,
  • Ansprüche auf pflegerische Versorgung
  • Problemlagen besonderer Alten-Gruppen wie Menschen mit Behinderung, Migranten, Wohnungslosen, Psychischkranken und Dementen sowie Homosexueller, Straffälliger und Abhängiger.

Diskussion

Die Soziale Altenarbeit und Alterssozialpolitik lehrende Autorin Sigrid Leitner versucht, diese ihre beiden Lehrgebiete in einem Kompaktwiederholungs-Lehrbuch von 125 Seiten darzustellen. Diese Quadratur des Kreises ist grundlegend dank einer sprachlich griffigen Darstellung und in komprimierter Verbalisierung gelungen. Natürlich bleiben in einem solchen Schnelldurchlauf Lücken; es kann vieles aufgezählt werden, was auch noch berücksichtigt gehörte wie Steuerfreibeträge, die Zulagenmodi bei privaten Alterssicherungen, die Besteuerung von Renten, der Missbrauch bei gerichtlichen Betreuungen, die Nachteilsausgleiche für Schwerbehinderte und ähnliches.

So ist schon die Gewichtung des Büchleins mit je 17 Seiten für die Alterssicherung und für die Pflege und 60 Seiten für die Alten-Klientel nicht unproblematisch, weil in solch kursorischer Darstellung Genaueres über die Hilfsquellen und den Zugang zu ihnen auf der Strecke bleiben muss, auch wenn die Autorin selbst recht gewandt zwischen den Grundsätzen der verschiedenen Sozialgesetzbücher SGB V, SGB VI, SGB IX, SGB XI und SGB XII umher springt. Für die unkundige Leserschaft fehlt da die grundlegende Übersicht. Da kann man nur hoffen, dass die Sozialrechts-Veranstaltungen curricular ergänzend vorbereitet haben. Das mindert natürlich den Wert des Buches für eine Leserschaft, die nicht in der durch das Buch angedachten Studiensequenz steht. Die Mängel von Bologna lassen grüßen!

In der Abhandlung des Drei-Säulen-Modells der Alterssicherung ist die private Säule doch etwas pauschal-optimistisch (Seite 20: „15,6 Millionen Riester-Verträge“) dargestellt. Bezugszahlen über die Risiko-Unterworfenen und die Fragen von Kostenbelastung und Risiken der Versicherten fehlen.

Bei der Darstellung des wachsenden Pflegebedarfs hätte die Medikalisierungsthese gegen die Kompressionstheorie abgewogen werden sollen. Das 1.000-Stunden-Modell der Freistellung bei familialer Pflegeleistung mit (Neu-)Ausrichtung der Hilfesysteme mit Lohnausgleich hätte auf die Freistellungs-Notwendigkeiten am Arbeitsplatz mit 25 Wochen (gegenüber derzeit 10 Tagen) herunter gerechnet werden sollen. Die Leistungen der Pflegeversicherung auf Seite 33 sind noch nach dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz von 2013 mit den Sätzen von 2014 angegeben (mit Fehler in Stufe III Zeile 1 von 11550 EUR und dem in Zeile 4 verrutschten Pflegegeld bei Demenz); sie hätten mit denen des Pflege-Stärkungsgesetzes von 2014 für 2015 aktualisiert werden sollen. Positiv ist der Exkurs zum nötigen wirksamen Entlassungsmanagement durch den Krankenhaussozialdienst.

Das umfangreiche Kapitel über die Soziale Altenarbeit driftet stark in ein zufälliges Nebeneinander von möglichen, aber nicht immer relevanten Problemsituationen im Alter ab. Die einzelnen Abschnitte sind hier im Vergleich zur voran gegangenen, übrigen, knapp gefassten Darstellung hier sehr ausführlich behandelt. Mit Interesse nimmt man viele geschilderte Modellprojekte zur Kenntnis, was aber wiederum für die Zufälligkeit und Volatilität der Darstellung einsteht. Für viele Problemgebiete wie Alte mit Behinderung, Alter und Sucht, Alter und Migration und Alterspsychiatrie gibt es inzwischen ja einschlägige Monografien.

Positiv zu vermerken ist, dass die Autorin viele Alternativen zur tristen Problemsituation einer belasteten Altersklientel aufzeigt wie eine stärker steuerfinanzierte Grundsicherung, eine wirksamere Entlastung der Familien-Pflegenden, eine Ausrichtung der offenen Altenhilfe an den Wünschen und an den Bedürfnissen der alten Menschen und eine Menschenrechts-basierte Grundhaltung der belasteten Altenklientel gegenüber.

Fazit

Ein brauchbares, in vielem etwas stark kursorisch-knappes, auf das Studium zugeschnittenes Buch zum Einlassen in das Handlungsfeld der klientstützenden Sozialen Altenarbeit zu einem Studierenden-freundlichen Preis.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 21.04.2015 zu: Sigrid Leitner: Soziale Altenarbeit und Alterssozialpolitik. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-89974-932-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18716.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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