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Peter-Matthias Gaede, Christiane Breustedt u.a.: We the children

Cover Peter-Matthias Gaede, Christiane Breustedt, Jürgen Heraeus: We the children. 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention. Edition Lammerhuber (Baden) 2014. 293 Seiten. ISBN 978-3-901753-74-9. D: 49,90 EUR, A: 49,90 EUR, CH: 64,30 sFr.
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Thema

Das Fotobuch „We the Children“ hat ausschließlich Kinder und deren Lebensumstände zum Inhalt. Bilder und Bildgeschichten über Kinder erzählen, berichten und klagen an. Die Bilder werden mit ausgewählten Artikeln der UN Kinderrechtskonvention verknüpft. So geraten sie zu einer Illustration des Rechts, die kontrastiert, ernüchtert, ja beschämt.

Herausgeber

Als Herausgeber des Fotobandes sind UNICEF, GEO und die Edition Lammerhuber sowie Peter-Matthias Gaede, Christiane Breustedt und Jürgen Heraeus zu nennen.

Eingebettet und erläutert werden die Fotos durch Beiträge von Peter Matthias Gaede, Jürgen Heraeus, Kerstin Bücker und Christiane Breustedt. Christiane Breustedt war Chefredakteurin von GEO saison und verfasste beschreibende Texte zu den jeweiligen Fotos.

Von Matthias Gaede, vormals Chefredakteur bei Geo, stammt ein Artikel zum Thema „Das Recht, gesehen zu werden“ (34-42).

Jürgen Hereaus, seit 2008 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Komitees für UNICEF e.V., und Kerstin Brücker, Bereichsleiterin für Kommunikation und Kinderrechte beim Deutschen Komitee für UNICEF e.V., schreiben ebenfalls Texte zu den Fotografien.

Alle Texte dieses Bandes sind parallel in deutscher und englischer Sprache verfasst.

Entstehungshintergrund und Aufbau

25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention verbinden sich mit Kinderbildern. Alle Bilder in diesem Buch wurden in dem Wettbewerb „UNICEF Foto des Jahres“ prämiert, ein Wettbewerb, den es seit 2000 gibt. Von daher ist das ein oder andere Foto vielen Lesern wohlbekannt. Lebensumstände, Schwierigkeiten und Nöte von Kindern werden auf sehr eindrucksvolle Weise gezeigt.

Der Leser findet zu Beginn jeder Fotostrecke eine Kurzbeschreibung der Lebenssituation des abgebildeten Kindes und eine knappe Einführung in das Leben und Werk des jeweiligen Fotografen. Häufig aufrüttelnd, manchmal aber auch erläuternd wird ein bestimmter Artikel der UN- Kinderrechtskonvention dagegengesetzt. Ergänzt wird der Fotoband durch den Abdruck der UN-Kinderrechtskonvention in englischer Sprache.

Inhalt

Peter Matthias Gaede schreibt über das „Das Recht gesehen zu werden“ (34-42). Er schildert die unterschiedlichsten Lebensumstände von Kindern dieser Welt. Die Geschichte der Kinderrechte illustriert und erklärt er sehr anschaulich und eindrücklich in dem er Janusz Korczak und dessen Lebenswerk in knappen Zügen vorstellt. Er beschreibt die letzten Tage von Korczak und seinen Gang mit den Kindern seines Waisenhauses in das Warschauer Ghetto. Er führt dem Leser vor Augen unter welchen Bedingungen Kinder heute leben müssen, an wie vielen Stellen es schreiendes Unrecht gibt und wie weit die Welt von der Umsetzung der UN- Kinderrechtskonventionen noch entfernt ist.

Jede der zahlreichen Fotoreportagen über die „Situation der Kinder unserer Welt“ beginnt mit einer Doppelseite. Neben einem sehr großen Bild – meist in Farbe – findet sich in deutscher und englischer Sprache ein Text, der die Geschichte genau dieses – meist namentlich – genannten Kindes erzählt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Beschreibung, warum oder wodurch dieses Kind in diesem Zustand ist, oder welche Umstände dazu geführt haben, dass dieses Kind nunmehr so aussieht. In großen Lettern, und damit mahnend, findet man den zugeordneten Artikel aus der UN-Kinderrechtskonvention.

So wird beispielsweise das sehr stark unter Hunger leidende Kind Marisela vorgestellt (154f). Hier wird dann Artikel 24 das „Recht auf Gesundheit“ abgedruckt. Die Vernachlässigung der Gesundheit dieses Kindes rührt den Leser unmittelbar an. Auf den darauffolgenden Seiten findet man noch weitere Bilder des gleichen Fotografen zu diesem Thema.

Der Leser wird durch Kinder, die ihm in den Bildern begegnen, mit den vielfältigsten Problemen auf unserer Welt konfrontiert. Missstände und Ungerechtigkeiten zeigen sich nur in den sichtbaren Spuren an den Kindern. Die Geschichten und Bilder erzählen von den Folgen verschiedenster Kriege für Kinder: so findet man die Geschichte eines Mädchens in Aleppo, das durch Bombensplitter getroffen wurde (70f), oder Kinder, die durch die Langzeitfolgen des Austritts von giftigen Stoffen im indischen Bhopal schwerstbehindert sind (114-119). Der Leser trifft auf Kinder, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ausgegrenzt werden. Deren weitere Entwicklung ist ungewiss und diese Unsicherheit und Bedrohung zeigen auch die Fotos in aller Deutlichkeit (88-93). Gleichzeitig erkennt der Leser in sichtbaren Behinderungen länger zurückliegende Ereignisse, wie z.B. die verheerenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Folgen des Vietnamkrieges (32f). Häufig sieht der Leser die Kinder in ihrer ganzen Verlassenheit und ohne Hilfestellung durch Erwachsene, wie Eltern oder andere Menschen. Es finden sich aber auch Bilder von Kindern in schwierigsten Situationen, ihnen wird Hilfestellung und Unterstützung gewährt und zugleich spiegelt sich Elend und Verzweiflung oft auch in den betreuenden Menschen.

Die Bilder schockieren und faszinieren. Sie führen klar vor Augen wie schwierig und problematisch das Leben für viele Kinder dieser Welt ist. Die Faszination erklärt sich durch das unmittelbare Angesprochen werden. Man kann sich der Wirkung der Bilder nicht entziehen. Aber allen Bilder ist gemeinsam, dass die abgebildeten Menschen Würde ausstrahlen, wenngleich ihr Leid uns unendlich zu rühren vermag. So schreibt Gaede: „Das Recht der Kinder, in Würde, gesund, wohlgenährt, gewaltfrei aufzuwachsen, zur Schule gehen zu dürfen, im Krieg und auf der Flucht beschützt zu werden und, wenn sie behindert sind, besondere Fürsorge zu erhalten, ist keine Frage karikativer Gönnerhaftigkeit. Es ist völkerrechtliche Verpflichtung, vor 25 Jahren beschlossen. Fehlt, dass sie eingelöst wird. Und so ist dieses Buch, es sei noch einmal geschrieben, eine schroffe Erinnerung an das, was auf der Agenda der Weltfamilie steht.“ (42)

Diskussion und Fazit

Der Bildband spricht in erster Linie, und das sehr überwältigend, den Leser über die ergreifenden und zugleich schönen Bilder an. Die abgebildeten Menschen zeigen uns schonungslos ihr Leid. Wir werden berührt. Aber diese Form der Berührung führt nicht zu hilflosem Mitleid, vielmehr packt den Leser ein großer Zorn.

Dass sich Leid – ausgelöst durch unterschiedlichste Ereignisse und Situationen – am stärksten und ergreifendsten in Kindern zeigen kann, weiß man. Aber hier spürt man es und merkt, wie die Wut von einem Besitz ergreift. Der Bildband zeigt uns Schreckensszenarien dieser Welt, die man kennt oder zu kennen glaubt, gespiegelt in den Auswirkungen und fürchterlichen Folgen für die Kinder dieser Welt.

Die Einblendung einzelner Artikel der UN-Kinderrechtskonvention verstärkt die Erschütterung beim Leser. Aber der wertschätzende Umgang, der sich auch in dem äußeren Rahmen der Fotodokumentation zeigt, kann dem Vertrauen und dem Geschenk der Kinder, den Betrachter anzublicken, gerecht werden und gibt auch dem Betrachter die Chance diese würdevolle Form der Begegnung zu spüren.

Diesem umfangreichen, großformatigen, repräsentativen und sehr sorgfältig gestalteten Fotobuch möchte man zahlreiche Leser wünschen.


Rezensentin
Christiane Bartosch


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Zitiervorschlag
Christiane Bartosch. Rezension vom 14.03.2016 zu: Peter-Matthias Gaede, Christiane Breustedt, Jürgen Heraeus: We the children. 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention. Edition Lammerhuber (Baden) 2014. ISBN 978-3-901753-74-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18727.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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