socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Christa Kaletsch: Demokratietraining in der Einwanderungs­gesellschaft

Cover Christa Kaletsch: Demokratietraining in der Einwanderungsgesellschaft. Aktive Schülervertretung für Schüler, Lehrer und Eltern. Debus Pädagogik Verlag (Schwalbach/Ts.) 2013. 239 Seiten. ISBN 978-3-95414-019-0. D: 14,80 EUR, A: 15,30 EUR, CH: 21,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Kinder und Jugendliche dazu zu ermutigen, ihre Rechte wahrzunehmen, ist auch eine Aufgabe der Schule. Gruppenpädagogik und Gruppendynamik bieten eine Fülle von Übungen an, die solche Lernprozesse befördern können.

Autorin

Christa Kaletsch hat am Programm „Demokratie lernen und leben” der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (2002-2007) mitgewirkt und ist als Trainerin und Beraterin tätig.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation ist eine Neuauflage des gleichen Buches aus dem Jahr 2007.

Aufbau

  • Das Buch stellt im Teil A(S. 15-50) Grundfragen der Demokratiepädagogik in der Schule dar.
  • In einem Zwischenteil B(S. 51-60) werden verschiedene Übungen zu Trainingseinheiten zusammengestellt.
  • Im Hauptteil B (über 170 Seiten) werden acht verschiedene Kategorien von Übungen präsentiert, die z.B. dazu beitragen sollen, die Rolle der Schülervertreter zu klären, kommunikative Fähigkeiten zu entwickeln, rationale Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, sich für die Menschenrechte zu engagieren.

Inhalt

Demokratietrainings sind eine Einladung an Kinder und Jugendliche, sich eigener Interessen und Bedürfnisse bewusst zu werden, sich über die Realitäten ein Urteil zu bilden, Vorschläge und Forderungen zu entwickeln, sich mit anderen Personen und Gruppen innerhalb und außerhalb der Schule auseinanderzusetzen. Dabei sind es die Grundrechte laut Grundgesetz, die Menschenrechte, insbesondere die Kinderrechtskonvention, die die Rechte von Schülern begründen, auch der Kinder und Jugendlichen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Die Aktivitäten von Schülern, als gewählte Schülervertreter oder punktuell engagiert, tragen dabei zur Schulentwicklung bei und sollten von den Lehrkräften und den Eltern, nicht als Alibi, nicht manipulativ für eigene Ziele, sondern nach Kräften fair unterstützt werden.

In der der ersten Phase eines Trainingsprogramm sind gegenseitige Interviews in Zweiergruppen hilfreich, um „anzukommen” und Bedürfnisse zu klären. Die Schüler könnten sich auch darüber austauschen, was für sie „Demokratie” bedeutet. Mit der hier „Augenblicke” genannten Übung (Zuordnung zu diversen Bezugsgruppen) wird die Vielfalt von Rollen und Identitäten sichtbar. „Meine Schokoladenseiten” reflektiert Stärken und Schwächen und bereitet Teambildung vor.

Das Rollenspiel (Situation: reservierter Platz im Zug ist besetzt) soll konstruktive Konfliktlösung aufzeigen und Tipps für „stressige Alltagssituationen”, gerade auch als Schülervertreter abwerfen.

Planspiele wie „Die menschenfreundliche Stadt” oder die Inszenierung von Entscheidungszwang (individuell, immer größere Gruppen) sollen klären, wie Interessen fair, aber wirksam durchgesetzt werden können. Die Autorin macht dabei deutlich, dass Demokratie fälschlicherweise oft auf Mehrheitsentscheidung reduziert wird, aber auch Minderheitenrechte verlangt!

Eine Gruppe von Übungen, kritische und kontroverse Debatten nämlich, betrifft speziell die Rechte von minderjährigen Flüchtlingen. Wie sollen sich Schülervertreter verhalten, wenn einem Mitschüler, der in Deutschland aufgewachsen ist, mit seinen Eltern die Abschiebung in deren Herkunftsland droht?

Diskussion

Das vorliegende Buch versammelt eine Vielzahl von Übungen, die großenteils aus anderen Handreichungen, etwa zur außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit, bekannt sind. Das Besondere ist, dass sie in die Schule eingebracht werden sollen. Ob und wie sich dann Schüler, Lehrer, Eltern wirklich verändern, wird nicht dokumentiert: Es reicht m.E. nicht, die Themen anzuschneiden, gute Praxis muss sichtbar werden.

Begrifflich liegt die Autorin öfter schief. So werden die Ziele der Übungen „Themen” genannt, Kompetenzen und Aktivitäten vermischt. Begriffe wie „Selbstautonomie” sind entbehrlich. Einen Schwerpunkt bilden die sog. Dilemmata, die in Wirklichkeit lediglich Konflikte zwischen Beteiligten oder Optionen der Akteure bezeichnen.

Es trifft zu, dass Deutschland die Rechte von minderjährigen Flüchtlingen lange Zeit nicht angemessen, nämlich so wie das Kinder- und Jugendhilfegesetz es verlangt, beachtet hat. Ansonsten ist die betreffende Passage im Buch zu diesem Thema (auch zum protokollarischen Vorbehalt zur Konvention) inzwischen überholt.

Fazit

„Demokratie in der Schule” bleibt ein wichtiges Thema der politischen Bildung. Ansatzpunkte finden sich im vorliegenden Band durchaus, müssten aber dringend aktualisiert und durch Praxisberichte verifiziert werden.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
E-Mail Mailformular


Lesen Sie weitere Rezensionen zu früheren Auflagen des gleichen Titels: Nr.6783


Alle 121 Rezensionen von Wolfgang Berg anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 10.04.2015 zu: Christa Kaletsch: Demokratietraining in der Einwanderungsgesellschaft. Aktive Schülervertretung für Schüler, Lehrer und Eltern. Debus Pädagogik Verlag (Schwalbach/Ts.) 2013. ISBN 978-3-95414-019-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18729.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Stellenangebote

Vorstand (w/m/d), Aschaffenburg

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung