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Franz Petermann, Dieter Vaitl (Hrsg.): Entspannungs­verfahren

Cover Franz Petermann, Dieter Vaitl (Hrsg.): Entspannungsverfahren. Das Praxishandbuch. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 5., überarbeitete Auflage. 473 Seiten. ISBN 978-3-621-28125-6. D: 54,00 EUR, A: 55,60 EUR, CH: 69,50 sFr.
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Thema

Entspannungsverfahren leisten bei zahlreichen Störungsbildern und in vielen Therapierichtungen einen wichtigen Beitrag zum Behandlungserfolg. Das Praxishandbuch enthält detaillierte Beschreibungen zu allen wissenschaftlich anerkannten Entspannungsverfahren. Des Weiteren wird deren Anwendung bei verschiedenen Störungsbildern bei Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen ausführlich thematisiert. Einzelne Kapitel widmen sich zudem der Neurobiologie und der Behandlung mit Psychopharmaka im Kontext des Einsatzes von Entspannungstechniken. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um die 5. Überarbeitete Auflage.

Herausgeber

Der Herausgeber Franz Petermann ist Direktor des Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation an der Universität Bremen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Psychologie in der Kinderheilkunde sowie die Behandlung von Entwicklungs- und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Herausgeber Dieter Vaitl ist Direktor des Bender Instituts of Neuroimaging der Universität Gießen und Leiter des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg.

Aufbau

Anliegen der beiden Herausgeber ist es, Praktiker_innen kompaktes Basiswissen über die wissenschaftlich anerkannten Entspannungsmethoden zu liefern, insbesondere

  • sollen kurz gefasste Basisinformationen zu den verschiedenen wissenschaftlich anerkannten Entspannungsmethoden geliefert werden.
  • sollen die vielfältigen Anwendungsgebiete einheitlich aufbereitet werden, um Praktiker_innen eine entsprechende Übersicht und Bewertung zu erleichtern.
  • sollen die wichtigsten Anwendungsgebiete in ihren spezifischen Vorgehensweisen leicht nachvollziehbar und genau dargestellt werden.

Das Buch umfasst vier Teile:

  1. Grundlagen der Entspannung (Neurobiologische Grundlagen und Psychopharmaka)
  2. Entspannungsverfahren (Schwerpunkte: Autogenes Training, Biofeedback, Hypnose, Meditation, Progressive Muskelentspannung)
  3. Anwendungsbereiche bei Erwachsenen (Schwerpunkte: Stress, Angststörungen, Asthma bronchiale, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Insomnien, Schmerzen, Fibromyalgie (FM), Psychoonkologie, Entspannungsverfahren in der Zahnheilkunde, Sexuelle Funktionsstörungen, Somatoforme Störungen, Burnout, Sport und Bewegung)
  4. Anwendungsbereiche bei Kindern und Jugendlichen (Aggressives Verhalten, Angststörungen, Chronische Kopfschmerzen, Funktioneller Bauchschmerz, ADHS, Neurodermitis und Schmerz bei invasiven Behandlungen sowie Stress).

Ausgewählte Inhalte

Exemplarisch soll hier das erste Kapitel „Entspannungsverfahren – eine Einführung“ genauer beleuchtet werden.

Bei den im Buch besprochenen Entspannungsverfahren handelt es sich ausschließlich um standardisierte Entspannungsverfahren aus dem klinischen Kontext, die zur Behandlung psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen entwickelt wurden: Hypnose, autogenes Training, meditative und imaginative Verfahren, progressive Muskelentspannung und Biofeedback. Die Autoren verweisen darauf, dass sich ihre Entwicklung und Legitimation jeweils aus sehr zeitgebundenen Vorstellungen hergeleitet haben und werten es als großen Vorteil, dass Forschungen der letzten Jahrzehnte dazu beigetragen hat, sie aus der jeweiligen Fixierung auf eine schulische Denkweise herauszulösen und eher die Gemeinsamkeiten als das Trennende zu betonen. So sei eine Kooperation der einzelnen Disziplinen ermöglicht worden. Herausgearbeitet wird auch, dass die hier vorgestellten Entspannungstechniken „keine außergewöhnlichen Phänomene darstellen, sondern dass sie zum normalen Verhaltensrepertoire des Menschen gehören. Es handelt sich um Ressourcen, die in jedem Menschen schlummern. Zu ihrer Aktivierung aber bedarf es bestimmter Methoden und Techniken.“ (18)

Die Autoren betonen, dass es Störungsbilder gibt, bei denen Entspannungstechniken als zentrale Behandlungsmethode eingesetzt werden können (z. B. spezifische Phobien) und solche, bei denen sie insbesondere als zusätzliche therapeutische Maßnahme (z. B. Krebs) fungieren können.

Die Autoren verweisen darauf, dass sich trotz der großen Unterschiede die es zwischen den verschiedenen Entspannungsmethoden gibt, auch Gemeinsamkeiten erkennen lassen:

  • Selbstkontrolle
  • Schulung der Konzentration
  • Beruhigung
  • Steigerung des Wohlbefindens.

Im weiteren wird ausgeführt, dass sich wie bei anderen Interventionen auch für die anerkannten Entspannungsmethoden die Frage nach der Wirksamkeit und differentiellen Indikation stellt. Dabei verweisen die Autoren darauf, dass die Wirksamkeit bei bestimmten psychischen und somatischen Störungen für Autogenes Training, Meditationsverfahren und die Progressive Muskelentspannung inzwischen belegt ist, während es in Bezug auf die Frage nach der differentiellen Wirksamkeit bislang noch kaum Forschungsergebnisse gibt.

Dabei haben in den letzten zwanzig Jahren insbesondere Forschungen auf dem Gebiet der Neuropsychologie, der Psychophysiologie und der experimentellen Psychologie zu einem besseren Verständnis der Prozesse beigetragen, die beim Entspannungsprozess auf körperlicher und auf der Bewusstseinsebene in Gang gesetzt werden.

Typisch für diese Verfahren ist, dass sie in der Regel leicht zu erlernen sind, und rasch ihre Wirksamkeit entfalten. Wesentlich ist dabei die regelmäßig Übung. Kritisch merken die Autoren an, dass es geschehen kann, dass Entspannungstechniken ihre „Attraktivität verloren und schal wurden, sobald die biologische Kunstfertigkeit, sich zu entspannen, beherrscht wurde.“ (25)

Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang davon, dass es gälte, eine Kultur der Entspannung zu fördern. Aus diesem Grunde halten sie die Verbreitung des Wissens über die Bedeutung von Entspannung und die relevanten Anwendungsmöglichkeiten für notwendig.

Die Autoren unterscheiden in ihren Ausführungen die relevanten Entspannungstechniken bei Störungsfeldern bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen. In Bezug auf Erwachsene halten sie die vorgestellten Techniken sinnvoll vor allem in Bezug auf Angststörungen. Zusätzlich befürworten sie den Einsatz bei bestimmten chronischen körperlichen Erkrankungen, wie etwa Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rheuma einerseits und psychosomtischen Störungen wie Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und zu guter Letzt auch bei der Optimierung von Leistungsfähigkeit im Alltag, etwa bei der Arbeit oder dem Sport.

Wichtige Einsatzfelder bei Kindern und Jugendlichen sind auch hier zunächst einmal Angststörungen, daneben aber auch ADHS und alterstypische psychosomatische und somatische Störungsbilder. Vor allem aber empfiehlt sich der Einsatz von Entspannungstechniken bei Kindern und Jugendlichen als präventive Maßnahme.

Ganz entscheidender Faktor ist nach Einschätzung der Autoren die fachliche Kompetenz der Therapeut_innen, sowie eine gründliche medizinische bzw. psychologische Diagnostik im Vorfeld. Seitens der Patient_innen ist eine positive Einstellung, Offenheit und Vertrauen unabdingbar. Studien haben außerdem belegt, dass sich Vorerfahrungen mit Entspannung und die Motive der Teilnehmenden, als relevante förderliche Faktoren erwiesen haben.

In der Regel folgen die Darstellungen hinsichtlich der Einsatzbereiche bei Erwachsenen bzw. bei Kindern und Jugendlichen jeweils einer ähnlichen Struktur: zunächst wird die Symptomatik beschrieben, dann das spezifische Störungsmodell als Ansatzpunkt für den Einsatz von Entspannungstechniken identifiziert, das jeweilige Vorgehen wird skizziert. Es werden Indikationen und Kontraindikationen beschrieben und am Ende der Artikel Aussagen zur empirischen Absicherung gemacht.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Werk ist mit dem Untertitel „Praxishandbuch“ versehen, ein Anspruch, den es auf ganzer Linie einlöst. Die wichtigsten anerkannten Entspannungstechniken werden auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes beschrieben und im Hinblick auf ihre mögliche Indikation bewertet. Die zahlreichen Abbildungen ermöglichen eine schnelle Erfassung der relevanten Informationen. Additiv ergänzen einzelne Hintergrundartikel die generelle Wirkungsweise dieser Entspannungstechniken, etwa aus neurobiologischer Perspektive. Sehr schön ist auch das ergänzende umfangreiche Glossar.

Beispielhaft ist die Möglichkeit, dass sich der/die Leser_in durch den Erwerb des Printexemplares auch das Recht erwirbt, das Handbuch komplett und kostenfrei Downloaden zu können.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 09.09.2015 zu: Franz Petermann, Dieter Vaitl (Hrsg.): Entspannungsverfahren. Das Praxishandbuch. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 5., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-621-28125-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18753.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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ISSN 2190-9245

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