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Olaf-Axel Burow: Team-Flow Gemeinsam wachsen im kreativen Feld

Cover Olaf-Axel Burow: Team-Flow. Gemeinsam wachsen im kreativen Feld. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 220 Seiten. ISBN 978-3-407-36569-9. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Autor

Olaf-Axel Bulow ist Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel, Autor zahlreicher Fachbücher zu Pädagogik, Schul- und Organisationsentwicklung, Kreativitätsforschung und Zukunftsgestaltung. Er unterstützt Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Fragen kreativer Zukunftsgestaltung und synergetischer Potenzialentwicklung.

Thema und Zielsetzung

Der Autor macht in fünf Kapiteln bewusst, dass es nicht nur kreative Einzelpersonen gibt, sondern dass es so etwas wie Teamkreativität geben kann und zunehmend braucht. Er zeigt, dass das bewusste Überschreiten von Regeln kreative Prozesse in Gang zu setzen vermag und was es braucht, um Teams kreativer werden zu lassen.

Inhaltlicher Überblick

In einer Theorie der kreativen Felder sind für die Freisetzung des eigenen kreativen Potenzials laut Burow folgende Faktoren entscheidend:

  • Kreative erkennen frühzeitig ihre eigene Berufung
  • Sie formulieren diese als anziehende Vision auch gegen Widerstände
  • Es gelingt ihnen, ein geeignetes Synergiefeld zu suchen, das Team-Flow ermöglicht.
  • Sie verfügen über Intuition – zur richtigen Zeit das richtige Gespür

Mit dem Konstrukt der Teamkreativität geht der Autor wohltuend über die üblichen Kreativitätsmethoden hinaus. Er führt die Improvisation als kreatives Element ein und bezeichnet die improvisierende Jazzband als Führungsmodell der Zukunft. Dazu gesellt sich die Unordnung als weiteres kreatives Element. Weitere Elemente sind die Revision des Bewusstseins und des kreativen Ortes gefolgt von förderlichen Überzeugungen und des kreativen Zusammenspiels von Fussballern. Diese Elemente überträgt der Autor zusammen mit dem Vorbild der Jazzband auf andere Bereiche. Der Team Flow gelingt insbesondere dann, wenn Spezialistentum zugunsten von „Diskursgemeinschaften“ überwunden wird. Schließlich sieht er sieben Schlüssel zum Freisetzen des kreativen Potenzials:

  1. Innovationen entwickeln sich Schritt für Schritt aus einer Kette oft unscheinbarer Beiträge
  2. Erfolgreiche Teams praktizieren „tiefes zuhören“. Trainierte Spieler im Impro-Theater hören auf die Idee der anderen, während sie eigene Ideen entwickeln.
  3. Die Teammitglieder greifen die Ideen der anderen auf.
  4. Erst im Nachhinein wird die Bedeutung jeder einzelnen Idee deutlich.
  5. Im Prozess tauchen überraschende Fragen auf.
  6. Innovation alleine durch Improvisation ist ineffizient.
  7. Innovationen entwickeln sich „bottom up“.

Anschließend geht der Autor auf die Bedingungen für den Team-Flow ein. Er nennt hier ein attraktives Gruppenziel, eine offene Aufgabenstellung und kreative Konkurrenz sowie das Nutzen von Fehlschlägen und die Risikobereitschaft als wesentliche Bedingungen. Er greift weiters auf Csikszentmihály zurück: Klarheit der Rolle, Interesse an der gemeinsamen Tätigkeit, Raum für Möglichkeiten, Vertrauen ins Team sowie eine komplexe Herausforderung. Literaturtipps des Autors vermögen den interessierten Leser zwischendurch weiterzuführen. In einem weiteren Abschnitt legt der Autor dar, dass es Kreativität nur in Plural gibt und es einer kreativen Umgebung für die Entfaltung von Personen bedarf.

In einem weiteren Kapitel geht es um die Überschreitung von mentalen Grenzen für die Kreativität ausgehend von einem antikreativen Arbeitsplatz. Transferaufgaben etwa zu den die Kreativität behindernden Konflikten sollen den Leser in der Umsetzung unterstützen, auch wenn sie manchmal etwas abgehoben erscheinen – vielleicht deswegen.

Die Möglichkeiten der Förderung persönlicher Kreativität beginnen mit einem Satz von Einstein: „Inmitten von Schwierigkeiten liegen günstige Gelegenheiten.“ An Hand mehrerer Sätze weist der Autor auf förderliche Bedingungen oder Verhaltensweisen hin. So etwa zeichnen sich erfolgreiche Kreative durch eine gewisse Unangepasstheit aus und bewahren so ihren Selbstbezug, zudem hilft das Bewahren einer eigenen klaren Linie. Besonders wesentlich erscheint dabei dem Autor das Erkennen und Überwinden von negativen Glaubenssätzen und -systemen.

Im letzten Kapitel geht der Autor der Frage nach, ob man kreative Felder erzeugen kann. Schließlich sieht er das Schaffen eines kreativen Feldes als einen experimentellen Vorgang bis hin zum Schaffen von Freiräumen und das Finden von kreativen Partnern.

Fazit

Das Buch legt sehr eindrucksvoll dar, dass es zunehmend nicht um die einzelne Person als Genie, sondern um eine günstige Kombination mit einem kreativen Umfeld geht. Der Abschied vom Genie als Einzelperson wird offensichtlich. Ob das Erzeugen eines kreativen Feldes so einfach gelingt oder ob es manchmal auch zufällig günstige Konstellationen sind, bleibt dem/r LeserIn überlassen. Insgesamt wieder einmal ein Zugang zur Kreativität, der über reine Kreativitätsmethoden wohltuend hinausgeht.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 03.06.2015 zu: Olaf-Axel Burow: Team-Flow. Gemeinsam wachsen im kreativen Feld. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-407-36569-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18777.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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