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Armin Nassehi (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Ausbeutung

Cover Armin Nassehi (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Ausbeutung. Murmann Verlag (Hamburg) 2014. ISBN 978-3-86774-417-1. 1,49 EUR.

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Thema

Der Essayband beschäftigt sich aus unterschiedlichen Perspektiven und Fragestellungen mit dem Thema „Freiheit und Gleichheit“ im Widerstreit mit dem Begriff der „Ausbeutung“. Die AutorInnen kommen aus folgenden Bereichen: Politologie, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Ökologie, African Studies, Kunst, Literatur und Journalismus.

Herausgeber

Dr. Armin Nassehi ist Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Aufbau und Inhalt

  1. Armin Nassehi: Editorial
  2. Thomas Palzer: Brief eines Lesers
  3. Sudhir Venkatesh: Freiheit im Untergrund. Die Gangsterökonomie in New York
  4. Georg von Wallwitz: Der große Schwund. Warum das Loslassen nützlich ist
  5. Hansjörg Küster: Mensch und Natur. Innovation, Ausbeutung, Übernutzung
  6. Erich Weede: Freiheit impliziert Ungleichheit. …Ungleichheit impliziert Ansporn und Chance
  7. Regine Schmeken: Glamour
  8. Elmar Altvater: Die Dialektik der Ausbeutung. Ohne Ausbeutung keine Moderne, mit Ausbeutung keine Zukunft
  9. Dirk Baecker: Der Arbeitkraftsunternehmer. Arbeit im Zeichen ihrer Kritik
  10. Armin Nassehi: Arbeit 4.0
  11. Gerhardt Klas: Mythos Mikrokredit. Warum Kleinstdarlehen die Armen noch ärmer macht
  12. Elísio Macamo: Vorsprung durch Aufklärung. Ein Märchen, an das Europäer nach wie vor glauben
  13. Dorthe Nors: Der Buddhist

Der Schriftsteller Thomas Palzer beschäftigt sich in seinem Beitrag unter anderem mit der Selbstausbeutung in seiner eigenen Zunft. Er spricht von der euphemistisch so genannten „Gratiskultur“ und dem jedem Autor bekannten Anruf, bei dem man um einen schönen Text gebeten wird, für den man leider nur ein Zeilenhonorar von Null Cent erhält.

Sudhir Venkatesh zeigt mit seiner ethnografischen Herangehensweise, dass die „unsichtbare Gangsterökonomie“ in New York nach den gleichen Regeln handelt wie das freie Unternehmertum in der sichtbaren Welt.

Georg von Wallwitz macht sich Gedanken zu den Begriffsreihen „Freiheit/Gleichheit/Brüderlichkeit“ und „Freiheit/Gleichheit/Ausbeutung“.

Hansjörg Küster: Die Forderung nach der Schonung der Natur zielt darauf, eine Natur zu schonen, die selbst Ergebnis einer kulturgeschichtlichen rekonstruierbaren Ausbeutung ist – einer Ausbeutung der Natur übrigens. Er plädiert für eine Strategie, die zwar lokal ansetzt, sich aber irgendwie aufs Ganze richten muss.

Erich Weede stellt die Hypothese auf, dass der Kapitalismus als Ungleichheitskatalysator die Voraussetzung für Demokratisierung erzeugt hat.

Regine Schmeken liefert unter dem Titel „Glamour“ fünf Schwarz-Weiß-Fotografien.

Das Fazit von Elmar Altvater zur gegenwärtigen Form der Ausbeutung lautet: Die Ausbeutung bleibt. Aber die über den Rand des humanitär Erträglichen Gekippten werden heute wieder inkludiert, nachdem sie exkludiert worden sind. Das ist ein Trost, von dem einige zufrieden sagen werden: Besser als gar nichts.

Gerhardt Klas geht scharf ins Gericht mit den Methoden der Mikrokredit-Finanzunternehmen, deren philanthropisches Geschäftsmodell die Vergabe von Kleinstkrediten an Arme ist, zumeist Frauen in den Entwicklungsländern. Er verweist auf Studien aus Bangladesh und dem Sudan, die folgendes zeigen: 5 bis 10% schaffen mit Hilfe der Mikrokredite den Sprung aus der Armut, 50% stagnieren auf dem gleichen Niveau und 40% versinken noch tiefer in die Armut.

Die Anthropologin Lamia Karim nennt das Modell der Mikrokredite „Ökonomie der Beschämung“.

Elísio Macamo nimmt die inneren Widersprüche der expandierenden kolonialen Aufklärung aufs Korn, die Freiheit in Abhängigkeit und Asymmetrie ummünzt.

Dorthe Nors´ Erzählung „Der Buddhist“ beschreibt jemanden, der bei bestem Willen in etwas gerät, was er nicht will, oder doch? Man weiß es nicht.

Fazit

Ein lesenswerter Essayband aus der Kursbuch-Reihe zu verschiedenen Facetten des Themas „Freiheit und Ungleichheit“, kontrovers in den Inhalten und Schlussfolgerungen.

Zielgruppen

Alle politisch aufgeschlossenen Leser, die sich nicht nur für Gedankengänge des Mainstream interessieren.


Rezensent
Prof. Dr. Uwe Helmert
Sozialepidemiologe


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Zitiervorschlag
Uwe Helmert. Rezension vom 18.05.2015 zu: Armin Nassehi (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Ausbeutung. Murmann Verlag (Hamburg) 2014. ISBN 978-3-86774-417-1. Kursbuch 179. E-Book. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18797.php, Datum des Zugriffs 23.07.2017.


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