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Inga Bodenburg: Inklusion in Kitas für 0- bis 3-Jährige

Cover Inga Bodenburg: Inklusion in Kitas für 0- bis 3-Jährige. Begabungen und Förderbedarfe erkennen. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2015. 144 Seiten. ISBN 978-3-589-24833-9. 20,95 EUR.
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Autorin

Die Autorin Inga Bodenburg war Studiendirektorin und arbeitet seit 1979 in der Aus-und Weiterbildung sozialpädagogischer Fachkräfte in Hamburg mit den Schwerpunkten Frühpädagogik und Integration von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter.

Zielgruppen

AdressatInnen sind pädagogische und therapeutische MitarbeiterInnen, die in inklusiven Einrichtungen arbeiten oder sich auf eine solche Tätigkeit vorbereiten. Sie werden im Resümee explizit gebeten, ihre eigene Meinung zu den Vorschlägen dieses Buches zu äußern.

Aufbau und Inhalte

Nach einem Vorwort der Verfasserin ist das Buch in vier Kapitel gegliedert:

  1. Inklusion in der Kita
  2. Vielfalt in der Kindergruppe
  3. Das Konzept der Frühförderung
  4. Sprachförderung bei den Jüngsten.

Im Vorwort legt Bodenburg dar, dass sich ihre praktischen Beispiele auf Beobachtungen in Einrichtungen der „Elbkinder-Vereinigung Hamburger Kitas gGmbH“, ehemals Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten, beziehen. Berichte über Kinder aus unterschiedlichen Hamburger Kitas fasst sie aus Gründen besserer Lesbarkeit in einer fiktiven Kindergruppe zusammen.

1. Inklusion in der Kita

Nach einer Begriffsklärung wird in diesem Kapitel die Umsetzung von Inklusion in Hamburger Kitas dargestellt und die Rolle der Weiterbildung erörtert. Eine wichtige Rolle spielen hierbei „wahrnehmen“ und „feinfühlig reagieren“. Da sehr junge Kinder (mit oder ohne Einschränkungen) ihre Bedürfnisse, Absichten und Gefühle nicht verbal äußern können, lernen die TeilnehmerInnen an den Weiterbildungen, diese zu „lesen“ und schnell zu reagieren, weil der Spannungsbogen der Kinder noch gering ist (S. 25).

Wenn ErzieherInnen und TherapeutInnen die überkommene defizitorientierte Sichtweise überwinden wollen, müssen Sie zuerst lernen, eigene Stärken wahrzunehmen und darauf aufzubauen. Das ist ein Schwerpunkt innerhalb der Weiterbildung.

2. Vielfalt in der Kindergruppe

In diesem Kapitel, das den Hauptteil des Bandes ausmacht, werden insgesamt 9 Kinder anderer Nationalität, mit Behinderungen und aus sozial belasteten Familien, aber auch ein Kind das man als „hochbegabt“ bezeichnen kann, vorgestellt.

Das Kommunikationsverhalten von nicht oder kaum sprechenden Kindern wird einfühlsam geschildert. Erwachsene und andere Kinder beobachten genau und versuchen, die Bedürfnisse des Kindes zu erfassen und seine Kommunikation zu verbessern. Am Beispiel des ein Jahr und drei Monate alten Kuntay werden die Prinzipien dargestellt, mit welchen ein Dialog angestrebt wird. Kuntay ist türkischer Herkunft. Schon bald nach der Geburt wurden bei ihm eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, hypotoner Muskeltonus und verzögerte motorische und geistige Entwicklung festgestellt. Die Prinzipien sind: genaues Beobachten und verbale Rückversicherung, Kontingenzprinzip (Einstellen des eigenen Verhaltens in Tempo, Inhalten und Ausdruck von Gefühlen auf dasjenige des Kindes) sowie Spiegeln (Wiedergabe von Lauten, Mienenspiel und Gebärden des Kindes).

Differenzierte Schilderungen kindlicher Verhaltensweisen finden sich auch zu anderen Bereichen (u.a. Sozialverhalten).

3. Das Konzept der Frühförderung

In Hamburg gibt es seit 2009 eine interdisziplinäre Frühförderung für Kinder von 0-3 Jahren, in welcher heilpädagogische, ärztliche und medizinisch-therapeutische Leistungen auf einander abgestimmt werden und durch ein interdisziplinäres Team je nach Bedarf in der Frühförderstelle, in Kitas oder zu Hause angeboten werden. Inhaltlich steht die ressourcenorientierte Förderung im Mittelpunkt, die sich auf Stärken und Kompetenzen des Kindes und seiner Familie aufbaut und so das Selbstwertgefühl des Kindes und die Sicherheit der Familie stärkt (S. 123).

4. Sprachförderung bei den Jüngsten

In diesem Kapitel werden Prinzipien der Sprachförderung wie Beobachten sprachfördernder Potenziale, Reflexion des eigenen Sprachverhaltens sowie am Beispiel der „Konsultationskita“, einem Sprachförderungsprojekt des Deutschen Jugendinstituts, an welchem bundesweit 4000 Kitas teilnehmen, auch konkrete Hilfsmittel wie Büchertaschen, Ich-Bücher und Fotobücher sowie Leseecken vorgestellt.

Im abschließenden Resümee fasst Bodenburg wesentliche Prinzipien der pädagogischen Arbeit in Kitas zusammen, die sich zum Teil am von der GEW herausgegebenen „Index für Inklusion“ orientieren und als Checkliste für gelungene Inklusion gesehen werden können. Hervorzuheben sind hier die drei R: „Respekt, Response und angemessenes Reagieren führen dazu, dass alle Kinder sich als beachtenswert fühlen können“ (S. 140).

Diskussion und Fazit

Neben zahlreichen Anregungen, die pädagogische und therapeutische MitarbeiterInnen in Kitas durch die vorgestellten Kinder erhalten, macht der Band auch deutlich, dass inklusive Einrichtungen besser als Sondereinrichtung geeignet sind, insbesondere Kinder mit gering ausgeprägten Kommunikationsmöglichkeiten zu fördern, weil der Umgang mit sprechenden Kindern die Anregungen durch die MitarbeiterInnen ergänzt. In den Beispielen wird ebenso deutlich, dass Ressourcenorientierung und Wertschätzung als zentrale Prinzipien inklusiver Pädagogik Marginalisierung und Diskriminierung von Kindern verhindern.

Deswegen wird der Band einem Anspruch gerecht, durch praxisbezogene Darstellungen inklusive Pädagogik in den ersten Kitajahren einen Beitrag zur Qualifizierung der MitarbeiterInnen und zum Ausbau inklusiver frühpädagogischer Arbeit zu leisten.


Rezensent
Prof. i.R. Manfred Baberg
Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsgebiete u.a. Behindertenarbeit und Integrationspädagogik in den Studiengängen Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und Integrative Frühpädagogik
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Zitiervorschlag
Manfred Baberg. Rezension vom 29.10.2015 zu: Inga Bodenburg: Inklusion in Kitas für 0- bis 3-Jährige. Begabungen und Förderbedarfe erkennen. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2015. ISBN 978-3-589-24833-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18825.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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