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Martina Zemp, Guy Bodenmann: Partnerschafts­qualität und kindliche Entwicklung

Cover Martina Zemp, Guy Bodenmann: Partnerschaftsqualität und kindliche Entwicklung. Ein Überblick für Therapeuten, Pädagogen und Pädiater. Springer (Wiesbaden) 2015. 46 Seiten. ISBN 978-3-662-45185-4. D: 9,99 EUR, A: 10,27 EUR, CH: 12,50 sFr.
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Autorin und Autor

Dr. phil. Martina Zemp ist als Oberassistentin und Postdoc am Lehrstuhl der Klinischen Psychologie an der Universität Zürich tätig. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich Kinder/Jugendliche sowie Paare/Familien.

Guy Bodenmann ist Ordinarius für Klinische Psychologie an der Universität Zürich. Als Schwerpunkte seiner Arbeit gelten ebenfalls Kinder/Jugendliche sowie Paare/Familien.

Entstehungshintergrund

Verschiedenste Studienergebnisse zeigen auf, dass sich destruktive Paarkonflikte und Trennungen von Eltern ungünstig auf die kindliche Entwicklung auswirken können. Oftmals erleben Kinder diese Konflikte als bedrohlich und sie erfahren durch eine Trennung die Fragilität ihres Lebensentwurfs. Kinder sehen sich damit konfrontiert, die neuen Eindrücke und Erfahrungen in ihr Weltbild zu integrieren und sich an die neue Lebenssituation anzupassen.

Das vorgelegte Buch von Martina Zemp und Guy Bodenmann setzt sich zum Inhalt, forschungsbasiert die Auswirkungen von destruktiven Paarkonflikten auf die Kinder darzustellen, die Risikofaktoren auszuleuchten, welche mit der Scheidung der Eltern auf die kindliche Entwicklung einwirken sowie Bedingungen darzulegen, wie die negativen Folgen einer elterlichen Scheidung auf die Kinder möglichst minimal gehalten werden können, stets mit dem Blick auf das Wohl des Kindes. Auch wird in diesem Band auf professionelle Unterstützungsangebote für betroffene Kinder und Eltern eingegangen.

Als die drei Zielgruppen benennen die Autoren insbesondere

  1. Dozierende und Studierende aus den Fachbereichen der Medizin, Psychologie und anverwandter Fachbereiche
  2. Fachkräfte aus dem Bereich Therapie, Pädagogik, Pädiatrie sowie alle im Feld tätigen, die mit Kindern, Jugendlichen, Paaren und Familien arbeiten
  3. Eltern und Paare

Das Buch ist in der Reihe der „Essentials“ erschienen und will in kompakter Form die aktuelle Fachdiskussion skizzieren und diese für PraktikerInnen zugänglich machen. Auch soll die Reihe als Einstieg und Einführung in ein aktuelles Thema genutzt werden können.

Aufbau und Inhalt

Das Essential gliedert sich in fünf Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Die Folgen von destruktiven Paarkonflikten für Kinder
  3. Scheidung der Eltern als Risikofaktor für die kindliche Entwicklung
  4. Zum Wohle des Kindes – Negative Folgen von Partnerschaftsstörungen vorbeugen
  5. Zusammenfassung und Schlusswort.

In der Einleitung zeigen die Autoren unter Hinweis auf die aktuellen Erkenntnisse der Entwicklungs- und Klinischen Psychologie auf die Rolle der Familie hin: Einerseits wird sie als wichtige Quelle von Ressourcen für ein Kind gesehen, da in der Familie die Grundlage für eine gesunde Entwicklung geschaffen wird. Gleichzeitig kann sie aber auch der bedeutende Entstehungsort von Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung sein, wenn Partnerschaftsstörungen die emotionale Sicherheit des Kindes bedrohen. Konflikte in einer Partnerschaft und einer Familie sind Teil eines jeden Zusammenlebens. Entscheidend für die kindliche Entwicklung ist jedoch vorrangig die Art der Konfliktkommunikation sowie die Qualität der Problemlösung. Bestehen chronisch ungelöste Paarkonflikte, kann eine Trennung im Sinne des Wohls des Kindes sein – insbesondere dann, wenn nach der Trennung die gemeinsame Sorge um die Kinder konstruktiv und kompromissbereit ist.

In Kapitel 2 stehen die Folgen von destruktiven Paarkonflikten von Kindern im Mittelpunkt. Die Autoren differenzieren zunächst, dass Konflikte zum Familienalltag gehören und Kinder sogar von einer konstruktiven Konfliktaustragung profitieren können. Destruktive Problemlösungen können jedoch schädlich auf die Kinder wirken. Die Autoren definieren an der Stelle die Charakteristika von destruktiven Paarkonflikten, benennen problematische Verhaltensweisen und weisen auf die Extremform der Destruktivität hin, indem Gewaltausübung und deren Verbreitung einbezogen wurden. Anschließend wird auf die kurz- und langfristigen Auswirkungen von destruktiven Paarkonflikten sowie auf die kindlichen Reaktion unter Einbeziehung der Faktoren Geschlecht und Alter eingegangen. Gegen Ende des Kapitels werden die Rolle der emotionalen Sicherheit sowie die Wechselwirkungen zwischen partnerschaftlichen und kindlichen Problemen vertieft.

Kapitel 3 setzt sich mit der Scheidung der Eltern als Risikofaktor für die kindliche Entwicklung auseinander. Die Autoren verweisen auf Studienergebnisse, welche zeigen, dass eine Scheidung neben den destruktiven Paarkonflikten zu den bedeutendsten Prädiktoren für eine psychische Störung im Kindes- oder Jugendalter zählen. Das Unterkapitel 3.1 geht intensiv auf die Auswirkungen der Scheidung auf das Kind ein. Es werden die Phasen beschrieben, die Kinder infolge einer Trennung der Eltern durchleben und potentielle Beeinträchtigungen in den kindlichen Entwicklungsbereichen benannt. Das folgende Unterkapitel befasst sich mit der Fragestellung, ob eine Scheidung eher ein kurzfristiges Anpassungsproblem darstellt oder ob sie mit einem chronischen Leiden einhergeht. Die möglichen Auswirkungen werden bis ins Erwachsenenalter und zur eigenen Art der Familiengründung dargestellt. Im Anschluss wird diskutiert, inwiefern Mädchen und Jungen im Umgang mit der elterlichen Scheidung Unterschiede im Verhalten zeigen und wie konkret das kindliche Alter die Reaktion auf die Scheidung beeinflusst. Daraufhin stellen die Autoren mögliche Erklärungsmechanismen für die negativen Folgen einer Scheidung vor, die in der einschlägigen Fachliteratur aktuell diskutiert werden. Das letzte Unterkapitel fragt, ob es „positive“ Scheidungen gibt und weist darauf hin, dass eine Scheidung dem Wohl des Kindes dienlich sein kann, wenn eine beständige Negativität zwischen den Eltern hierdurch beendet wird und die Eltern nach der Trennung konstruktiv in den Belangen des Kindes zusammen wirken, so dass die neue Situation von den Kindern als Entlastung erfahren wird. Zudem weisen sie jedoch auf Studienergebnisse hin, die aufzeigen, dass Kinder, bei denen Eltern kooperativ zusammen arbeiteten, in verschiedenen untersuchten Aspekten nicht besser abschlossen als Kinder, deren Eltern sich nach der Scheidung parallel oder alleine um die Kinder kümmerten, so dass die Frage nach einer „positiven“ Scheidung kontrovers bleibt. Abschließend zeigen die Autoren empirisch fundiert Schutzfaktoren auf, die Kindern bei dem Durchleben einer Scheidung helfen können, so bspw. die gründliche Information über die Aspekte und Konsequenzen der Trennung und Scheidung, beständige Strukturen sowie eine sichere emotionale Beziehung zu den Eltern.

Möglichkeiten der Vorbeugung von negativen Folgen von Partnerschaftsstörungen werden in Kapitel 4 behandelt. Im 1. Unterkapitel wird beschrieben, was als Kennzeichen einer positiven Konfliktkommunikation betrachtet werden kann, mit deren Grundlage die Gefahr einer Partnerschaftsstörung bzw. folglich auch einer Trennung verringert werden kann. Als professionelle Hilfsangebote wird hier die Teilnahme an einem Präventionsprogramm vorgestellt. Das 2. Unterkapitel befasst sich mit der Unterstützungsmöglichkeit und der Wirksamkeit der Scheidungsmediation sowie den Bedingungen für einen konstruktiven Scheidungsverlauf. Das anschließende Unterkapitel macht sich die Scheidungsvereinbarung zum Thema. Es werden auf Unterstützungsmöglichkeiten hingewiesen, die zum Ziel haben, die Kooperation und Erziehungskompetenz geschiedener Eltern zu stärken. Auch wird auf Angebote für Kinder eingegangen, welche von einer Scheidung der Eltern betroffen sind. Bei elterlichen und kindlichen Unterstützungsmöglichkeiten wird jeweils auf die wirksamen Elemente der Angebote eingegangen und Ergebnisse von Evaluationsstudien verschiedener Programme kurz vorgestellt.

In Kapitel 5 werden die zentralen Definitionen und Erkenntnisse der vorherigen Kapitel kurz und prägnant zusammengefasst.

Zusammenfassung und Fazit

Das vorgestellte Essential vermittelt Fachkräften aus der Praxis sowie Lernenden in der Ausbildung kompakte und fundierte Kenntnisse zu den Auswirkungen, die destruktive Paarkonflikte, Trennung und Scheidung auf die kindliche Entwicklung haben können. Darüber hinaus bringt das Essential Aspekte auf den Punkt, die Kinder unterstützen, eine elterliche Trennung und Scheidung möglichst gut zu überstehen. Auch werden Unterstützungsmöglichkeiten sowohl für Eltern als auch für Kinder im Scheidungsprozess vorgestellt.

Das Essential zeichnet sich dadurch aus, dass die aktuelle Forschungslage spannend, prägnant und gut verständlich aufgearbeitet wird. Durch den Verweis auf aktuelle Studienergebnisse haben die NutzerInnen des Essentials die Möglichkeit, sich zielgerichtet weiter zu informieren. Auch werden Studienergebnisse mit kontroversen Aussagen gegenübergestellt und weiterer Forschungsbedarf angedeutet. Merksätze am Ende einiger Teilkapitel fassen die zentralen Inhalte stichwortartig zusammen, so dass die Leserinnen und Leser sich schnell einen Überblick über die zentralsten Inhalte verschaffen können.

Der Ratgeber eignet sich neben den Fachkräften auch für Paare und Eltern, die sich über das Thema informieren möchten. Emotionale Prozesse, welche im Laufe der Trennung und Scheidung ablaufen, werden hier dargestellt, die Auswirkungen auf die Kinder beschrieben und Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt, so dass dieser Band einen Beitrag leisten kann, den Blick auf die Bedürfnisse des Kindes wieder zu stärken.

Somit ist das Essential ein fundiertes, kompaktes und differenziertes Buch für all jene, die sich im privaten oder beruflichen Kontext mit dem Thema auseinandersetzen.


Rezensentin
Sandra Ebert
M.A. in Bildungswissenschaften, B.A. in Sozialer Arbeit, Systemische Beraterin, Supervisorin und Coachin
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Zitiervorschlag
Sandra Ebert. Rezension vom 09.09.2015 zu: Martina Zemp, Guy Bodenmann: Partnerschaftsqualität und kindliche Entwicklung. Ein Überblick für Therapeuten, Pädagogen und Pädiater. Springer (Wiesbaden) 2015. ISBN 978-3-662-45185-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18847.php, Datum des Zugriffs 20.09.2017.


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