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Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde

Cover Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2014. 4., völlig überarbeitete Auflage. 331 Seiten. ISBN 978-3-8462-0261-6. D: 48,00 EUR, A: 49,40 EUR, CH: 63,90 sFr.
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Thema und Hintergrund

Betreuungsbehörden – in manchen Bundesländern auch als Betreuungsstellen bezeichnet – nehmen immer mehr Aufgaben im Betreuungswesen wahr, beispielsweise die Rechtsberatung zu Vorsorgevollmachten oder die Anfertigung des obligatorischen Sozialberichts für das Betreuungsgericht. Das „„Handbuch Betreuungsbehörde““ stellt die Organisationsprinzipien und die Aufgaben von Betreuungsbehörden bzw. Betreuungsstellen detailliert dar. Die bundes- und landesrechtlichen Grundlagen werden erläutert und unter Rückgriff auf einschlägige Rechtsprechung und juristische Kommentarliteratur in ihrer Bedeutung für die Arbeit in den Betreuungsbehörden ausgewertet und konkretisiert. Zudem wird sich auf etliche, in der Praxis erprobte Konzepte und Vorgehensweisen bezogen. Durch das umfangreiche Stichwortverzeichnis eignet sich das Handbuch auch und vor allem als Nachschlagewerk in der alltäglichen Praxis der Betreuungsbehörden und -gerichte.

Das „Handbuch Betreuungsbehörde“ erscheint nunmehr in der vierten Auflage und wurde vollständig überarbeitet. Seit der Vorauflage aus dem Jahr 2006 haben materielles und formelles Betreuungsrecht etliche Änderungen erfahren – neben dem am 01.09.2009 in Kraft getretenen FamFG hat vor allem das am 01.07.2014 in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Funktionen der Betreuungsbehörde grundlegenden Einfluss auf die Arbeit der Betreuungsbehörden genommen. Die sich aus den gesetzlichen Änderungen ergebenden neuen (oder präzisierten) Anforderungen wurden vollumfänglich in der Neuauflage berücksichtigt. Auf die in der Vorauflage noch enthaltene CD-ROM mit unmittelbar ausfüllbaren Formularen und Mustern wurde nun verzichtet – stattdessen sind entsprechende Dokumente und weitere Arbeitshilfen online unter der im Buch genannten URL verfügbar.

Das Werk richtet sich vorrangig an Mitarbeiter von Betreuungsbehörden sowie an Menschen, die beruflich eng mit Betreuungsbehörden zusammenarbeiten und sich für Aufbau, rechtliche Grundlagen und Arbeitsweisen der Betreuungsbehörden interessieren; genannt seien hier beispielsweise Berufsbetreuer, Mitarbeiter von Betreuungsvereinen und Betreuungsrichter. Obwohl die rechtlichen Grundlagen sowie die Auswertung einschlägiger Rechtsprechung und juristischer Kommentarliteratur das Fundament des Buches darstellen, ist es auch für Nichtjuristen leicht verständlich und nachvollziehbar.

Autoren

Die beiden praxiserfahrenen Autoren, Horst Deinert, Dipl.-Sozialarbeiter, Dipl.-Verwaltungswirt, Verwaltungswissenschaftler, und Guy Walther, Dipl.-Sozialpädagoge, sind ausgewiesene Experten der betreuungsrechtlichen Materie und durch zahlreiche, einschlägige Veröffentlichungen bekannt.

Aufbau und Inhalt

Das insgesamt 331 Seiten umfassende Handbuch gliedert sich in fünf Kapitel und schließt mit einem Stichwortverzeichnis. Die einzelnen Kapitel sind teilweise tief untergliedert, auf die Verwendung von Randnummern wurde verzichtet. Wichtige Stichwörter sind im Fließtext hervorgehoben. Im Anhang ist auf 56 Seiten eine Auswahl einschlägiger bundesrechtlicher Vorschriften abgedruckt.

Im ersten Kapitel wird die Bildung von Betreuungsbehörden nachgezeichnet. Neben Ausführungen zur sachlichen und örtlichen Zuständigkeit werden unter anderem die landesrechtlichen Besonderheiten bei der Bildung von örtlichen und überörtlichen Betreuungsbehörden übersichtlich dargestellt.

Im zweiten Kapitel werden die Aufgaben im Vor- und Umfeld von Betreuungen erläutert. Bei der Darstellung der Förderung von Betreuungsvereinen wird auf die unterschiedlichen Vorgaben zur Finanzierung eingegangen, die gängige Förderungspraxis in Abhängigkeit von den Haushalten der Länder und Kommunen – statt in Abhängigkeit von den Bedarfen der Vereine – wird kritisiert. Die Aufgabe der Gewinnung von Betreuern wird durch die Darstellung von erprobten Strategien zur Gewinnung von Ehrenamtlern praxisnah unterfüttert. Besonders detailliert erfolgt die Darstellung der Unterschriftenbeglaubigung nach § 6 BtBG, das Muster eines Beglaubigungsvermerks wird gleich mitgeliefert. Bei den weiteren Aufgaben der Betreuungsbehörden nach Landesrecht sowie der Anerkennung von Betreuungsvereinen werden landesrechtliche Besonderheiten übersichtlich dargestellt. Die Ausführungen zur Pflicht zur Einführung und Fortbildung von Betreuern werden ergänzt um Stichworte zu möglichen Inhalten der Fortbildungen, als bewährtes Praxisbeispiel wird das hessische Curriculum zur Schulung ehrenamtlicher Betreuer vorgestellt.

Im dritten Kapitel wird die Funktion der Betreuungsbehörde als Betreuungsgerichtshilfe erläutert. Sehr ausführlich wird das Thema Datenschutz behandelt, wobei auch Fragen der Aktenführung und zum Umgang mit EDV behandelt werden. Die Darstellung des sog. Sozialberichts erfolgt ebenfalls sehr praxisnah, es werden Überlegungen zu den gewünschten Inhalten wie auch zum methodischen Vorgehen bei der Anfertigung des Berichts vorgenommen. Bei den Ausführungen zur Aufgabe der Benennung von Betreuern werden nicht nur die (gesetzlichen) Mindestanforderungen an den Betreuer beschrieben, sondern auch Vorschläge gemacht, in welchen Fällen eher ein Berufsbetreuer zu benennen wäre und welche fachlichen Qualifikationen von diesem ggf. erwartet werden können. Ebenfalls in diesem Kapitel angesprochen werden die Stellung der Behörde in Betreuungs- und Unterbringungsverfahren, Grundlagen der Vollzugshilfe und Mitteilungspflichten des Berufsbetreuers. Die Darstellung der Aufgaben der Vor- und Zuführung ist mit einer Checkliste versehen, die den Ablauf fahrplanmäßig erklärt. Die Ausführungen zu den Mitteilungspflichten des Berufsbetreuers enthalten praktische Beispiele bzw. Mustervordrucke zu § 10 VBVG und § 1897 Abs. 8 BGB.

Obwohl der Behördenbetreuer in der Praxis kaum vertreten ist, ist der Behördentätigkeit als Betreuer ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Grundzüge der Führung der rechtlichen Betreuung werden dargelegt, wobei vor allem die Besonderheiten der Behördenbetreuung – beispielsweise die Rechtsstellung des Behördenbetreuers, Haftungsfragen und die Ansprüche der Behörde gegen den Betreuten – hervorgehoben werden.

Bei den im letzten Kapitel ausgesprochenen Empfehlungen zum Anforderungsprofil von Betreuungsbehörden findet sich noch einmal eine Zusammenfassung der Aufgaben der Betreuungsbehörde nebst tabellarischen Übersichten zu den Einzelaufgaben, Kalkulationen zum zeitlichen Aufwand sowie das Muster einer Stellenbeschreibung für Mitarbeiter von Betreuungsbehörden.

Diskussion

Das „Handbuch Betreuungsbehörde“ eignet sich zum einen hervorragend als Einführung in die Tätigkeit der Betreuungsbehörden. Der schlüssige und gut nachvollziehbare Aufbau – von der Bildung der Behörde über ihre konkreten Tätigkeiten bis hin zu Empfehlungen zu einem konkreten Anforderungsprofil – lässt ein umfangreiches und klar konturiertes Bild entstehen. Grundlegende Kenntnisse im Bereich des Betreuungswesens sind für das Verständnis allerdings hilfreich.

Zum anderen eignet sich das Werk auch und vor allem als Nachschlagewerk in der alltäglichen Praxis der Betreuungsbehörden und -gerichte – das äußerst umfangreiche und gut durchdachte Stichwortverzeichnis ermöglicht dem Nutzer, schnell die Antwort auf seine Frage zu finden, ohne vorher lange über ein vermeintlich zutreffendes Stichwort nachdenken zu müssen. Die Orientierung im Text wird durch Hervorhebung von zentralen Begriffen und Schlüsselwörtern erleichtert.

Die rechtlichen Grundlagen der Arbeit der Betreuungsbehörden werden thematisch sinnvoll zusammengefasst und in ihrer Bedeutung für die Praxis erläutert, wozu auch obergerichtliche und höchstrichterliche Rechtsprechung sowie die einschlägige Kommentarliteratur ausgewertet wurden. Die Rechtslage nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Funktionen der Betreuungsbehörde wird umfangreich dargestellt.

Das Handbuch ist mit einem Blick aus der Praxis heraus geschrieben. Einzelne in der Praxis zumindest regelmäßig vorkommende Tätigkeiten, z.B. die Unterschriftenbeglaubigung nach § 6 BtBG, werden in erfreulicher Tiefe behandelt, wodurch sich das Handbuch auch bei komplexeren Fragestellungen als nützlich erweist. Hilfreich sind auch die gelegentlichen Handreichungen für die Praxis, sei es die Vorstellung von Strategien zur Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer, oder aber der Abdruck eines beispielhaften Beglaubigungsvermerks. Vor allem diese Praxisbeispiele tragen dazu bei, die teilweise etwas abstrakten Ausführungen mit Leben zu füllen und für die Arbeit in der Praxis zu übersetzen – stellenweise mag sich der Leser mehr Praxisbeispiele und Muster wünschen, da gerade diese häufig eine gute Orientierung bieten. Die im Anhang abgedruckten Rechtsvorschriften wären – zumal sie nicht einmal alle Vorschriften, die im Handbuch herangezogen werden, umfassen – erlässlich gewesen.

Fazit

Für Mitarbeiter von Betreuungsbehörden kann das mittlerweile zum Standardwerk avancierte „Handbuch Betreuungsbehörde“, sowohl als erster Handgriff zur Beantwortung von einfachen und komplexeren Fragen in der alltäglichen Arbeit, als auch für neue Mitarbeiter zur Einführung in die Materie, wertvolle Dienste leisten. Aber auch für andere Akteure des Betreuungswesens, die mit Betreuungsbehörden zusammenarbeiten – seien es Mitarbeiter von Betreuungsvereinen oder Rechtspfleger an Betreuungsgerichten – kann das Handbuch als Nachschlagewerk empfohlen werden.


Rezensent
Dipl.-Soz.Arb. Michael Fischer
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Zitiervorschlag
Michael Fischer. Rezension vom 26.06.2015 zu: Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2014. 4., völlig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8462-0261-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18855.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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