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Holger Lindemann: Die große Metaphern-­Schatzkiste

Rezensiert von Elisabeth Vanderheiden, 07.08.2015

Cover Holger Lindemann: Die große Metaphern-­Schatzkiste ISBN 978-3-525-40256-6

Holger Lindemann: Die große Metaphern-Schatzkiste. Systemisch arbeiten mit Sprachbildern ; mit 12 Tabellen ; Online-Materialien zum Buch: die Metaphern-Datenbank, Kopiervorlagen und Beratungsvideos. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. 2., korrigierte Auflage. 267 Seiten. ISBN 978-3-525-40256-6. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 38,90 sFr.

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Thema

Die Arbeit mit Metaphern ist eine zentrale Technik in der systemischen Beratung und Therapie, in der Organisations- und Teamentwicklung, in Supervision, Coaching und nicht zuletzt in der hypnotherapeutischen Arbeit. Für die erfolgreiche Arbeit mit Metaphern ist ein Grundverständnis für den Aufbau und die Funktion von Metaphern, die Kenntnis von Methoden zur Arbeit mit Metaphern und ein entsprechender Metaphern-Wortschatz erforderlich. Dies möchte die große Metaphern-Schatzkiste bieten. Für die sichere Verwendung von Metaphern hat Holger Lindemann Grundprinzipien der Arbeit mit Metaphern formuliert, zahlreiche beraterische und therapeutische Methoden zusammengetragen, in denen Metaphern eine zentrale Rolle spielen, und eine Systematik für die Verwendung von Metaphern entworfen. Anschauliche Texte, Beispiele und Grafiken geben zahlreiche Anregungen für die praktische Arbeit. Eine ergänzende Website bietet eine Metaphern-Datenbank mit über 20.000 Einträgen, zahlreiche Druckvorlagen und Arbeitsblätter sowie Beratungsvideos mit Praxisbeispielen.

Autor

Holger Lindemann ist Diplom-Pädagoge und Systemischer Supervisor (SG). Er ist als Dozent für Sonderpädagogische Psychologie an der Universität Oldenburg und freiberuflich als Fortbildner, Supervisor und Organisationsberater tätig.

Aufbau

Das Buch umfasst 14 Kapitel:

  1. Vorwort
  2. Metaphern: Definitionen und Formen
  3. Prinzipien und Techniken der Arbeit mit Metaphern
  4. Arbeiten mit einfachen sprachlichen Metaphern
  5. Arbeiten mit komplexen Erzählformen
  6. Arbeiten mit Gedichten und Liedern
  7. Arbeiten mit Bildern
  8. Arbeiten mit Skulpturen und Architektur
  9. Arbeiten mit bewegungs- und handlungsorientierten Methoden
  10. Ablaufpläne für die Arbeit mit Metaphern
  11. Themenbereiche von Metaphern
  12. Die Systematik der Metaphern-Datenbank
  13. Danksagung
  14. Quellen

Inhalt

Der Autor definiert Metaphern wie folgt: „bildhaft bzw. metaphorisch sind einzelne Begriffe, Begriffsgruppen und Sätze, weil sie sich in ihrem Wortsinn auf andere Bereiche beziehen, als den, auf den sie angewendet werden.“ (11). Er betont, dass eine Metapher immer aus mehreren Ebenen besteht: „einer direkten, wörtlich zu nehmenden und einer oder mehreren übertragenen Bedeutungen“ (11).

Funktion der Metapher, so Lindemann, ist die Übertragungsmöglichkeit von einem Bereich auf einen anderen: „Hierbei kann es sich um einfache Bezeichnungen und Beschreibungen von Gegenständen, Personen und abstrakten Begriffen handeln, aber auch um bildhaft formulierte Lebensweisheiten, die Schilderung von Ereignissen oder um ganze Geschichten.“ (11f).

Er klassifiziert mehrere Grundformen sprachlicher Metaphern, die von einfachen sprachlichen Metaphern, etwa im Sinne assoziativer Begriffe oder Redewendungen über Sprichwörter, Sinnsprüche und Aphorismen bis hin zu komplexen Erzählformen reichen können. Lindemann empfiehlt den Einsatz von Metaphern für beraterische und therapeutische Kontexte, da sie einerseits einen relevanten Beitrag dafür leisten können, dass Themen von einer impliziten auf eine explizite Reflexionsebene gebracht werden können, vor allem aber auch, weil Metaphern dazu beitragen: „zwischen assoziierten und dissoziierten Schilderungen zu wechseln, um an die Sprache des Gegenübers anzuknüpfen, ihn gezielt zu anderen Bilderwelten zu führen oder um Trance- oder Hypnosezustände zu erzeugen.“ (27)

In Kapitel 4 widmet sich der Autor der häufigsten Form der Arbeit mit Metaphern, nämlich ihrer sprachlichen Verwendung. Dies erachtet er vor allem daher als sinnvoll, dass hierdurch nicht nur eine andere Sprachweise, sondern auch eine andere Sichtweise auf Probleme und mögliche Lösungswege eingeführt wird. Er verweist darauf, dass sich dieser Perspektiv- und Verhaltenswechsel auch neurobiologisch begründen lässt: „da das Sprachverständnis in anderen Hirnarealen lokalisiert ist als das räumliche und bildliche Vorstellungsvermögen“ (37) und so die Interpretationsbereiche verschiedener Hirnareale einbezogen werden. Er stellt verschiedenste Methoden des Arbeitens mit einfachen sprachlichen Metaphern vor. Dazu führt er jeweils ein in eine bestimmte Methode, etwa das implizite oder explizite Verwenden von Metaphern, und verbindet dies – je nach Bedarf – mit drei verschiedenen Formen von Praxistipps:

  • Hinweise zu den Onlinematerialien
  • Empfehlungen für Materialien und Arbeitshilfen
  • Übungen zur Selbstreflexion und Erprobung der vorgestellten Methode.

Im Folgekapitel befasst sich Lindemann intensiver mit komplexeren metaphorischen Erzählformen, also Geschichten, Erzählungen, Märchen, aber auch Fabeln, Anekdoten und Witzen. Für deren Einsatz spricht aus seiner Sicht insbesondere, dass sie „ zusammenhängende Muster aus Personen, Rollen, Orten, Gegenständen und Geschehnissen bilden“ (57). Bei der Auswahl einer Geschichte gilt es, die/den Klient_in zu einem Vergleich mit der eigenen Situation bzw. dem Anliegen anzuregen, im Sinne eines Hinweises, Ratschlages, einer Warnung oder eines kreativen Impulses. Im Rahmen dieses Kapitels befasst sich der Autor explizit mit Geschichten und Erzählungen, Märchen, Sagen, Mythen und Legenden, Fabeln, Gleichnisse und Parabeln, Anekdoten, Gedankenexperimenten, Dilemmata und Paradoxien, Witzen sowie dem Entwerfen eigener Geschichten mit Unterstützung von sogenannten Symbolwürfeln.

Das sechste Kapitel widmet sich – mit drei Seiten leider nur sehr knapp - dem Einsatz von Liedern und Gedichten, die er besonders deshalb wegen ihrer „Grenzüberschreitungen und Tabubrüche“ schätzt. Er lobt außerdem ihre „Außerwirkliche Qualität“ (83), aber auch ihre Bildhaftigkeit, die Ferne zur Alltagssprache und die starke emotionale Dimension. Der Autor macht einige Vorschläge für den Einsatz dieser beiden Textformen, auch hier versehen mit Reflexionsfragen.

Das anschließende Kapitel beleuchtet die Arbeit mit Bildern näher, sowohl im Hinblick auf das Herstellen von Bildern, die Arbeit mit Bildvorlagen als auch die Nutzung von Bildern als Assoziationsvorlage. Ausführlich werden Freies Malen, Bilder von Objektivationen und Personifikationen, Problem- und Lösungsbilder, Bilderwürfel, Cartoons und viele weitere Methoden beleuchtet und durch konkrete Reflexionsfragen, wie sie im Beratungsgespräch zum Einsatz kommen könnten, ergänzt.

Ein weiteres Kapitel widmet sich der metaphorischen Arbeit mit Skulpturen und Architektur, die in diesem Zusammenhang als Umschreibungen von Aufstellungen verstanden werden müssen. Auch hier stellt der Autor nicht nur sehr ausführlich verschiedene Methoden, Materialien und Einsatzbereiche vor, sondern benennt ebenfalls sehr konkrete Gesprächsimpulse und beschreibt prototypische Abläufe. Er nimmt dabei nicht nur Bezug auf die klassischen Materialen wie das Aufstellungsbrett, Bodenankern oder der Aufstellungsarbeit mit Stellvertreter_innen etc, sondern bietet auch Hinweise für den Einsatz von LEGO-Steinen, Holzfiguren oder Fingerpuppen, aber auch Büromaterialien oder Alltagsgegenständen.

Bewegungs- und Handlungsorientierte Metaphern stehen im Mittelpunkt eines weiteren Kapitels, das insbesondere fokussiert auf Psychodrama, Hand- und Fingerpuppen, Musizieren und Tanzen, Rituale, Artefakte, Talismane und Amulette.

Ein umfangreiches Kapitel widmet sich dem Einsatz von Metaphern in komplexeren Einsatzsettings, z. B. im Rahmen eines sogenannten Pfades der Veränderung, orientiert an den SCORE und PELZ-Modellen, der Heldenreise, dem 15-Punkte-Programm „Ich schaff´s“ von Ben Furman und sowie dem von Furman und Ohola entwickeltem Beratungsformat „Reteaming“. Während die bislang beschriebenen Methoden eher situativ eingesetzt werden können, sind die hier dargestellten Methoden dazu geeignet ganze Beratungsverläufe zu strukturieren. Auch hier finden sich wie in den anderen Methodenkapiteln zahlreiche Reflexionsfragen, aber zusätzlich detailreiche ausführliche Ablaufpläne und umfangreiche Hinweise und Abbildungen bezüglich des Einsatzes der zahlreichen Vorlagen aus dem Downloadbereich, inklusive einiger Beratungsvideos, die ebenfalls kostenfrei auf der Website zur Verfügung gestellt wurden.

Die letzten Kapitel widmen sich den Themenbereichen, denen sich die Metaphern zuordnen lassen, sowie der Einführung in die Arbeit mit der Metaphern-Datenbank, die über die ergänzende Homepage nutzbar ist: Zu den 20.000 Einträgen gehören Personenbegriffe, Orte, gegenständliche und abstrakte Begriffe, Tätigkeiten, Eigenschaften, Redewendungen und Sprichwörter, die nach verschiedenen Themenbereichen sortiert sind. Die Datenbank kann durch eigene Kategorien und Einträge ergänzt werden, über die Suchfunktion können eigene Listen erstellt und Datensätze für einzelne Klient_innen angelegt werden. Außerdem stehen zum Download bereit:

  • Bildvorlagen: Alle im Buch vorgestellten Bildvorlagen sind als einzelne PDF-Dateien auf der Webseite hinterlegt.
  • Kopiervorlagen für Sprichwörter- und Zitatezettel: Für die Nutzung zufällig gezogener Sprichwörter und Zitate gibt es eine PDF-Kopiervorlage mit über 1.000 Sprichwörtern und Zitaten.
  • Beratungsvideos: Zu der im Buch vorgestellten Methode der Heldenreise befinden sich zwei Beratungsvideos auf der Webseite, die die Vorgehensweise veranschaulichen.
  • Strukturkarten: Zu den Methoden »Pfad der Veränderung« und Heldenreise stehen Strukturkarten in verschiedenen Größen als PDF-Datei zur Verfügung.
  • Arbeitsblätter: Zu einigen im Buch enthaltenen Übungen liegen Arbeitsblätter im PDF-Format vor.

Fazit

Lindemann bietet in seinem Buch zahlreiche und inspirierende Anregungen, wie mit Metaphern in ganz unterschiedlichen Settings gearbeitet werden kann. Es ist sehr kenntnisreich verfasst, die langjährige Erfahrung, das große Wissen über und die hohe Affinität zur Arbeit mit Metaphern ist jederzeit spürbar und wird auch durch die Online-Ergänzungen dokumentiert. Häufig sind Online-Materialien zu Büchern wenig innovativ und bieten kaum Mehrwert. Das ist hier dezidiert anders: Die Online-Materialien, die hier entwickelt und bereit gestellt wurden, bieten entweder einen besonderen Komfort, z. B. weil ein Arbeitsblatt oder eine Kopiervorlage zum Download angeboten wird, so dass die entsprechende Vorlage nicht aufwendig aus dem Buch hochkopiert oder händisch erstellt werden muss. Zugleich wird aber auch die besonderen Möglichkeiten des Internets genutzt, in dem etwa Beratungsvideos zur Verfügung gestellt wurden, vor allem aber die Entwicklung und kostenfreie Bereitstellung der Datenbank ist lobend zu erwähnen. In diesem Fall entsteht durch die Bereitstellung von Online-Material tatsächlich ein großer Zusatznutzen.

Der Autor erhebt den Anspruch, Grundprinzipien der Arbeit mit Metaphern zu formulieren, zahlreiche beraterische und therapeutische Methoden zusammengetragen zu haben, in denen Metaphern eine zentrale Rolle spielen, und eine Systematik für die Verwendung von Metaphern zu entwerfen. Es darf behauptet werden, dass er diesen Anspruch einlösen kann. Kritisch angemerkt sei lediglich, dass das Kapitel „Arbeiten mit Gedichten und Liedern“ deutlich zu knapp gefasst ist und unter dem Möglichen bleibt. Dies darf bei der nächsten Überarbeitung gerne noch ausgefeilt werden.

Für alle Menschen, die gerne mit Metaphern arbeiten, enthält Lindemanns Buchs gut aufbereitete wertvolle und vielseitige Anregungen und ist zugleich eine sehr inspirierende Lektüre.

Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Es gibt 184 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden.

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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 07.08.2015 zu: Holger Lindemann: Die große Metaphern-Schatzkiste. Systemisch arbeiten mit Sprachbildern ; mit 12 Tabellen ; Online-Materialien zum Buch: die Metaphern-Datenbank, Kopiervorlagen und Beratungsvideos. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. 2., korrigierte Auflage. ISBN 978-3-525-40256-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18912.php, Datum des Zugriffs 07.02.2023.


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