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Ludger Kühling: Das Problem, der Spruch, die Lösung

Rezensiert von Elisabeth Vanderheiden, 28.07.2015

Cover Ludger Kühling: Das Problem, der Spruch, die Lösung ISBN 978-3-525-40373-0

Ludger Kühling: Das Problem, der Spruch, die Lösung. Aphorismen in Beratung, Therapie und Supervision. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. 144 Seiten. ISBN 978-3-525-40373-0. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,50 sFr.

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Thema

Bei dem vorgestellten Werk handelt es sich um ein Paket aus einem Buch und einer Kartensammlung mit 86 Aphorismen. Ludger Kühling zeigt in seinem Buch unterschiedliche Möglichkeiten auf, wie diese Sprüche für die Soziale Arbeit, Therapie und Weiterbildung genutzt werden können. Anliegen des Buches ist es mit Unterstützung durch das mitgelieferte Kartenset mit 86 Sprüchen eine sogenannte Sprücheberatung anzubieten, von der der Autor sagt: „Fordern Sie Ihre Klienten heraus und bieten Sie einen selbstgeschaffenen Raum für neues, alternatives Denken. Die Beratungsform kann als Kurzzeitberatung oder im Rahmen eines längeren Beratungsgesprächs praktiziert werden.“

Autor

Ludger Kühling ist Philosoph, empirischer Kulturwissenschaftler und katholischer Theologe, M.A. Er ist als systemischer Familientherapeut, Berater und Supervisor (DGSF), als Dozent für Systemische Beratung (SG) tätig und Gesellschafter des Systemischen Instituts Tübingen.

Aufbau

Das Buch umfasst zehn Kapitel:

  1. Sprüche und Aphorismen
  2. Sprüche in psychosozialen Kontexten
  3. Konstruktivismus und der Spruch als Bedeutungsgeber
  4. Wie sich systemische und philosophische Praxis ergänzen und befruchten
  5. Kommentierte Sprüche
  6. Sprücheberatung als „Universalmethode“
  7. Problemlagen, Themen und Fragestellungen im Kontext der Sprücheberatung
  8. Methoden für die Arbeit mit Sprüchen in Supervision, Teamentwicklung und Fortbildung
  9. Methoden der Ressourcenorientierten Teamarbeit – angereichert mit Sprüchen
  10. Der systemische Methodenkoffer – erweitert mit Sprüchen.

Inhalt

In Kapitel I und II definiert Kühling zunächst einmal den Begriff „Aphorismen“ und grenzt ihn von „Sprüchen“ ab. Er weist darauf hin, dass wesentliches Kennzeichen der aphoristischen Texte ist, dass sie „pointieren, generalisieren, hervor heben und sich immer distanzieren von einem irgendwie gearteten wissenschaftlichen Anspruch.“ (16). Er verweist darauf, dass die Lesenden sich bei der Lektüre in einem jeweils spezifischen Gefühlszustand befinden, ihn/sie bestimmte Fragestellungen und Themen beschäftigen, die Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Interpretation des Textes haben.

In Kapitel III bezieht Kühling den Konstruktivismus und das Handlungsmodell „Philosophische Praxis“ (Thomas Stölzel) in seine Überlegungen mit ein. Dabei geht es im weniger um ausgefeilte theoretische Überlegungen als ganz einfach darum, die „vielfältigen Möglichkeiten des Arbeitens mit Sprüchen theoretisch zu untermauern“ (18). Er faltet dies am Begriff des „Problems“ aus, das erst dadurch zum Problem wird, dass ein Mensch sich dazu entscheidet, eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Verhaltensweise als Problem zu bewerten und damit zu konstruieren. In Folge werden für das Problem dann Ursachen konstruiert, Lösungs- und Bewältigungsstrategien generiert und faktisch so auch Verhaltensweisen angepasst. Werden dabei Sprüche, Aphorismen oder Erzählungen eingesetzt, ereignet sich der „kommunikative Akt der Bedeutungsgenerierung“ (18). Systemisch interpretiert kann das bedeuten, dass Menschen so animiert werden, „neue Beschreibungen für Problemlagen und neue Erklärungsmodelle…zu entwickeln“, aus denen sich im Idealfall neue Handlungs- und alternative Lösungsideen ableiten lassen.

In Kapitel IV stellt Kühling die 29 Annahmen zur Philosophischen Praxis von Stölzel vor, kommentiert sie sodann aus systemischer Sicht. Die Philosophische Praxis hält er insbesondere deshalb als Referenzrahmen für geeignet, weil diese auf diejenigen Theorien fokussiere, die mit den Geschichten bzw. Sprüchen zusammen hängen: „Das bedeutet, kurz gesagt, dasjenige, was jeder Mensch als implizite Lebensphilosophie im Laufe seines Lebens entwickelt hat, zu explizieren und damit einen bewußten und selbstverantwortlichen Umgang zu eröffnen:“ (23).

Damit legt er gewissermaßen das theoretische Fundament für das nächste Kapitel V, in dem die 86 Spruchkarten kommentiert werden. Dabei folgt er jeweils einem bestimmten Schema: zunächst werden die Sprüche vorgestellt. Es erfolgt ein Hinweis auf den Autor bzw. die Autorin, ergänzt um die Geburts- und Sterbedaten. Es folgt eine Interpretation oder Deutung des Autors, die er analog zum Wirkungsprinzip des Konstruktivismus etwas humorvoll als „nicht ganz richtig und auf keinen Fall wahr“ beschreibt, „denn sie wollen als interpretative Anregungen verstanden werden.“ (11). Dann werden Fragen präsentiert, die in Weiterbildung, Therapie oder Beratung zum Einsatz kommen könnten und am Ende jeweils recht konkrete Handlungsanregungen bzw. Ratschläge aufgeführt. Diese Kommentierungen nehmen den größten Teil des Buches ein.

In Kapitel VI führt der Autor in die von ihm entwickelte Methode der „Sprücheberatung“ ein, die er als Universalmethode versteht. Er betrachtet diese Methode als eine „Form der Ultrakurzberatung“, die in faktisch jedem Beratungszusammenhang zum Einsatz kommen könne. Er präsentiert die verschiedenen Phasen der Sprücheberatung:

  • Vorstellung der Methode
  • Einwilligung zur Methode
  • Problemformulierung. Schilderung der Schwierigkeiten und Entwicklung einer Fragestellung
  • Der Spruch wird gezogen
  • Nachdenken über die Lösungsoptionen des Spruches
  • Hilfreiche Annahmen des Beraters im Kontext der Sprücheberatung.

In Kapitel VII Problemlagen, Themen und Fragestellungen im Kontext der Sprücheberatung unterbreitet der Autor Vorschläge, wie sich eine Beraterin/ein Berater auf die Arbeit mit dem Einsatz von Sprüchen in der Beratung vorbereiten kann und listet dazu auch eine Vielzahl von möglichen thematischen Einsatzfeldern auf, die mit Vorschlägen für Fragen versehen werden, die sich beim Beratungsgespräch als hilfreich erweisen könnten. Die Liste der Thema reicht dabei von Beziehung über Erziehung, vom Rauchen bis zur Sexualität, vom Urlaub bis zur Aggression, von Geld zu Ordnung etc.

Die Kapitel VIII Methoden für die Arbeit mit Sprüchen und Supervision, Teamentwicklung und Fortbildung und Kapitel IX Methoden der Ressourcenorientierten Teamarbeit enthalten sehr konkrete Einsatzvorschläge wie mit den Karten z. B. im Kontext der kollegialen Beratung, der Supervision, der Intervision, der Fallreflexion und des Casemanagements und auch in anderen Beratungskontexten gearbeitet werden kann.

Explizit dem Einsatz der vorgestellten Methoden in Beratung, Sozialer Arbeit, Therapie und Supervision etc. widmet sich das letzte Kapitel X mit dem Titel Der systemische Methodenkoffer – erweitert mit Sprüchen. Exemplarisch wird hier der Einsatz im Kontext von Auftragskarussel, VIP-Karte, Team- oder Gruppenbrett, Genogramm, Erfolgsauswertung, Zeitlinie und Externalisierung vorgestellt.

Den Abschluss des Kapitels bietet eine kleine Sammlung von 10 Aphorismen über die sogenannte Brauchbarkeit von Sprüchen.

Fazit

Kühling bietet in seinem Buch zahlreiche und inspirierende Anregungen, wie mit den ausgewählten Sprüchen, aber auch ganz allgemein mit Sprüchen und Zitaten in unterschiedlichen Kontexten gearbeitet werden kann. Dabei stellt der Autor auch theoretische Referenzrahmen zur Verfügung. Relevante Bezugsgrößen sind hier z. B. der Konstruktivismus und die Systemische Beratung oder auch das Handlungsmodell „Philosophische Praxis“ (Thomas Stölzel). Den größten Teil des Buches machen Kommentierungen und Vorschläge für den Einsatz der Sprüche in diversen professionellen Kontexten aus. Dabei versteht der Autor – durchaus angemessen – seine Kommentierungen als Vorschläge und Denkanregungen.

Das ist eine praxisnahe anwendungsorientierte Buch-Kartensammlungs-Kombination. Für alle Menschen, die gerne mit Zitaten, Aphorismen, Sprüchen arbeiten, enthält es gut aufbereitete wertvolle und vielseitige Anregungen und ist zugleich eine sehr angenehme, anregende Lektüre. Das Buch ist so angelegt, dass ein Durcharbeiten des gesamten Buches genau so möglich ist wie die Lektüre eine einzigen Kapitels, weil es vielleicht gerade schnell gehen muss und dringend ein frischer Impuls für das nächste Beratungsgespräch benötigt wird…

Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Es gibt 184 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden.

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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 28.07.2015 zu: Ludger Kühling: Das Problem, der Spruch, die Lösung. Aphorismen in Beratung, Therapie und Supervision. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. ISBN 978-3-525-40373-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18913.php, Datum des Zugriffs 07.02.2023.


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