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Barbara Strohschein: Die gekränkte Gesellschaft

Cover Barbara Strohschein: Die gekränkte Gesellschaft. Das Leiden an Entwertung und das Glück durch Anerkennung. Riemann Verlag (München) 2015. 360 Seiten. ISBN 978-3-570-50178-8. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

Nie gab sich unsere Gesellschaft selbstbewusster und freier als heute – und nie war der Hunger nach Anerkennung so groß. Barbara Strohschein untersucht in ihrem Buch ein Phänomen, das wir täglich beobachten: die Erfahrung der Entwertung. Die Folgen: sichtbare und unsichtbare Gewalt. In jahrelanger Recherche hat die Autorin erforscht, wie Entwertung den Menschen zu schaffen macht: in der Familie, in der Selbstwahrnehmung, in Bezug auf den Körper, am Arbeitsplatz, beim Sex, in der Wissenschaft und im Glauben an nichts oder an Gott. Die Philosophin zeigt Wege aus dieser Negativspirale auf: Indem wir Anerkennung als Lebensprinzip entdecken, Selbsterkenntnis fördern und Empathie entwickeln, können wir zu einem gelingenden Miteinander finden.

Autorin

Barbara Strohschein ist promovierte Philosophin. Sie arbeit als Werte-Expertin in eigener Praxis als Beraterin und Coach.

Entstehungshintergrund

Nach dem Entschluss, sich mit der Thematik Entwertungen zu befassen, begann die Autorin im Auftrag des Hamburger Instituts für Friedens- und Konfliktforschung eine Studie zu schreiben über den „Wert des Menschen in der Globalisierungsdebatte, in der Humankapitaldebatte, in der Genforschung und den Medien“. Nach Beendigung der Studie hielt die Autorin Vorträge zu diesen Themen und führte weitere Untersuchungen durch. Aus diesem Kontext entstand die vorliegende Buchpublikation.

Aufbau

Das Buch ist gegliedert in vier Teile mit insgesamt achtzehn Kapiteln:

Einleitung

Teil I: Wie finden Entwertungen statt? Was sind Werte?

  • 1. Entwertungen – wirksam und unbewusst
  • 2. Werte – gefordert und verdrängt
  • 3. Wie Werte und Entwertungen zusammenhängen

Teil II: Die Familie als Schlüssel: Wie Entwertungen wirken und wie Werte vermittelt werden

  • 4. Wie und warum in Familien entwertet wird
  • 5. Entwertungen als Ausdruck des Systems
  • 6. Die ungewollten Ursachen der Entwertungen
  • 7. Was in der Kindheit geschah, wirkt lange nach

Teil III: Die heutigen Schauplätze der Entwertungen

  • 8. Schauplatz – Wer bin ich? Und was bin ich wert?
  • 9. Schauplatz Körper – Zwischen Selbstentwertung und Perfektionistischen
  • 10. Schauplatz Sex, Liebe und Ehe – Wer ist begehrenswert?
  • 11. Schauplatz Arbeit – Entwertung durch Reduktion und Funktionalisierung
  • 12. Schauplatz Wissenschaft – Die Überwindung von Krankheit und menschlichem Makel
  • 13. Schauplatz Gott und Religiosität – Selbsterhöhung oder Selbsterniedrigung?

Teil IV: Das Glück durch Anerkennung: Ideen, Anleitungen und konkrete Projekte

  • 14. Was wir von den Philosophen lernen können – Selbstbestimmung
  • 15. Ich in Beziehung zu mir – Selbstwert erfahren durch Selbsterkenntnis
  • 16. Wir in sozialen Beziehungen – Anerkennung als Lebensprinzip
  • 17. Empathie – Voraussetzung und Ziel für Wertschätzung und Glück
  • 18. Gelebte Werte, konkrete Projekte

Im Folgenden werden einige zentrale Abschnitte des Buchs exemplarisch vorgestellt.

Zur Einleitung

In der Einleitung benennt die Autorin die folgenden vier Leitfragen für ihre Studie:

  1. Wer ist so gekränkt, so entwertet worden, dass das Zurückschlagen unvermeidlich wird?
  2. Was geschieht hier unbewusst und unvermeidlich?
  3. Wie ließe sich dieser Teufelskreis bewusst machen und aufbrechen?
  4. Welche Ideen und Anleitungen brauchen wir, um diese Prozesse zu erkennen und damit aufzuhören?

Diese Fragen betreffen ebenso die Gewaltakte in Kriegen wie auch die vielen Entwertungsereignisse in unserer Gesellschaft. Eines wurde der Autorin im Laufe ihrer weiteren Arbeit klar: Die Philosophie befasst sich in der Regel weitaus häufiger mit Bewusstsein, mit Erkenntnis und mit dem Normativen als mit dem Unerkannten. Warum sollte sich Philosophie nicht ebenso mit dem Unbewussten auseinandersetzen? Die Erforschung des Unbewussten ist ja nicht nur ein Thema für Psychologen und Psychoanalytiker. Zudem gibt es Philosophen, für die das Unerkannte und Nichtbewusste von zentralem Interesse war. Ermutigt hat die Autorin der Mut der Philosophen, die genau dies getan haben und deshalb in diesem Buch eine wichtige Rolle spielen. Diese vier Philosophen gingen an die „Wurzel“, waren radikal, haben nicht normativ gedacht, sondern die menschliche Natur ergründet, durch Erfahrungen an und mit sich selbst: Sören Kierkegaard (1813-1855), Arthur Schopenhauer (1788-1860), Friedrich Nietzsche (1844-1900) und Ernst Bloch (1885-1977). Sie haben etwas zu denken gewagt, ohne auf Gewinn, Lob und Erfolg zu spekulieren. Keiner von ihnen hatte eine sichere, gut dotierte, lebenslange Professorenstelle. Sie lebten in einer durchaus gefährlichen Freiheit. Ihr Philosophieren war angetrieben von eigenen Erfahrungen, von der Lust und dem Leid des Forschens und dem unbedingten Drang, einer Sache auf die Spur zu kommen. Sören Kierkegaards Leiden und Denken kreiste um das Menschheitsthema Schuld und Gewissen. Arthur Schopenhauer wollte den blinden Willen überwinden und kämpfte um Selbstbeherrschung. Friedrich Nietzsche rang um seine existenzielle und geistige Selbstbestimmtheit. Ernst Bloch rief dazu auf, die Hoffnungslosigkeit zu überwinden und das richtige Hoffen zu erlangen. Diese Philosophen begriffen, wie und warum Menschen gekränkt werden, auch, weil sie selbst gekränkt worden, durch Nichtbeachtung, Angriffe und in familiären Konflikten – so wie andere Menschen auch. Insgesamt geht es der Autorin in dem Buch nicht um die Philosophie im fachakademischen Sinn, sondern um Philosophie als Lebenshaltung und Lebensweisheit.

Zu Teil 1

Die Entwertung als ein psychischer Abwehrmechanismus gehört zu den eher primitiven Abwehrmechanismen und bildet den Gegenpol zur Idealisierung. Als Schutzmechanismus wird Entwertung zur Stabilisierung des Selbstwertgefühls eingesetzt und dient der Abwehr von Neidgefühlen. Der Autorin geht es in dem Buch nicht um eine wissenschaftlich-theoretische Klärung des Begriffs der Entwertung. Sie interessiert sich vielmehr für die von Entwertungen betroffenen Individuen. Dazu sind einfühlsame Beobachtungen, Mitgefühl, Analyse und Erklärung notwendig. Dies geschieht durch Alltagsbeobachtungen, Interviews und Erfahrungen aus der Beratungspraxis der Autorin. Diese werden ergänzt um Auszüge aus Biografien, Reportagen und Dokumenten.

Entwertungen geschehen oft spontan. Sie finden immer in Beziehung statt. Sie sind können sowohl beabsichtigt als auch nicht beabsichtigt sein. Sie geschehen sowohl bewusst als auch unbewusst. Die Motive dafür sind sehr vielfältig. Wertschätzung hingegen ist Ausdruck von Akzeptanz und erzeugt Akzeptanz. Die Ab- und Entwertungen hingegen kränken zumeist nachhaltig. Kaum einer der Betroffenen wehrt sich dagegen in dem Moment, in dem ihm dies geschieht. Die Gegenreaktion folgt meist viel später. Bei einer nächsten Gelegenheit kränkt der Gekränkte einen anderen. Und so entstehen „Teufelskreise“. Eine ungute Stimmung macht sich breit. Misstrauen wächst, man ist lustlos und vermeidet Kontakte.

Diese Konflikte sind teuer. Sie kosten Zeit und Kraft und machen müde, mutlos und krank. Die Ursachen sind je nach Beziehungsgefüge unterschiedlich. Persönliche Selbstbehauptungswünsche, ökonomische und politische Interessen oder Macht sind einige dieser Ursachen. Sie haben in der Regel einen gemeinsamen Nenner und werden in einem Teufelskreis evident: Der Ab- und Entwertung geht häufig ein Gefühl der eigenen Bedrohung voraus. Wer nichts zu befürchten hat und über ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl verfügt, hat auch keinen Anlass, jemand anderen abzuwerten. Abgesehen davon leben wir in einer Gesellschaft, in der selten Lob und Anerkennung ausgesprochen werden. Die Art und Weise, wie Menschen, die über ein geringes Selbstbewusstsein verfügen und viele Abwertungen erfahren haben, damit umgehen ist sehr unterschiedlich und vielfältig:

  1. durch Abhärtung: Es ist weitverbreitet, dass Menschen mit mangelndem Selbstbewusstsein sich „panzern“. Sie meinen auf Anerkennung nicht angewiesen zu sein und schotten sich ab. Infolgedessen kann das mangelnde Mitgefühl mit sich selbst leicht zu einem mangelnden Einfühlungsvermögen für andere führen, ohne dass dies dem Betreffenden bewusst wird.
  2. durch Macht: In persönlichen Kleinkriegen, durch Machtspiele und – in gravierendster Form – durch Mobbing wird das mangelnde Selbstbewusstsein vermeintlich wiederhergestellt.
  3. durch Kontrolle: Wer oft durch Kränkungen oder Abwertungen verletzt worden ist, neigt dazu, ständig aufzupassen, damit ihm dies nicht wieder passiert. Solch ein Mensch versucht, alles und jeden zu kontrollieren. Jeder der sich dieser Kontrolle entzieht, handelt sich ein, abgeurteilt zu werden.
  4. durch Bestrafungen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen: Geldentzug, körperliche Gewalt und Beschimpfungen sind ein probates Mittel auf allen Ebenen. Der sichtbarste Weg wird beschritten durch Zuschlagen, Drangsalieren, Missbrauchen und Quälen, sowohl auf der körperlichen wie seelischen Ebene.
  5. durch das Androhen von Sanktionen: Dieses Machtmittel funktioniert im privaten wie im beruflichen und im politischen Bereich.
  6. durch Zerstören und Vernichten: Jemand der sich beleidigt und gekränkt, macht den anderen fertig oder/und etwas kaputt, was dem anderen gehört. Es kann sich dabei auch um eine gute Idee, einen neuen Plan, einen guten Ruf oder einen persönlichen Gegenstand handeln.
  7. durch stilles Leiden: Aus Angst vor möglicherweise weiteren Entwertungen verzichtet ein Mensch darauf, sich zu wehren. Dieses stille Leiden führt langfristig zur Verbitterung. Wer verbittert ist, entwertet nicht nur sich selbst, sondern auch andere.
  8. durch Selbstoptimierung: Das ist ein Weg, den heute viele Menschen gehen, um mit einem schwankenden Selbstwertgefühl zurechtzukommen. Es werden Kurse für Rhetorik, für die richtige Mimik, für das perfekte Styling besucht, und die Trainer dafür werden hochbezahlt. Tatsächlich aber sind es oft sehr vergebliche Versuche, ein angeschlagenes Selbstwertgefühl zu reparieren.
  9. durch Buhlen um Lob und Anerkennung: Dabei geht es auch um Selbstoptimierung, durch die man sich nicht nur selbst aufwertet, sondern erreichen will, von anderen bewundert zu werden. Ungeheurer Aufwand wird betrieben, um anerkannt zu werden: Durch Schönheitsoperationen, Kleiderkäufe, Internetauftritte, Ansammlung von Statussymbolen wird der Versuch unternommen, dem Maßstab zu entsprechen, der heute gilt: perfekt zu sein auf allen Ebenen.
  10. durch Anstrengungen: Wer sich gekränkt fühlt, strengt sich bis über die Grenzen der Erschöpfung an, mit dem Ziel, anerkannt zu werden, und zwar durch noch mehr Leistung, die noch mehr Stress und inneren Druck erzeugt.
  11. die Kompensation durch inneres Wachstum und Weisheit: Im besten Fall kann es passieren, dass ein Mensch, selbst wenn er nicht geliebt und anerkannt wird oder wurde, durch bestimmte Erfahrungen weise wird. Er kann, ohne inneren Schaden zu nehmen, bewusst auf das verzichten, was andere Menschen für ihr Selbstwertgefühl dringend brauchen: die ständige Anerkennung von außen. Das können Menschen mit einem starken Gottesglauben sein. Oder es handelt sich um Menschen, die durch einen langen Schulungsweg gegangen sind. Sie haben es gelernt, ohne dauernde Bestätigung ihrer selbst gewiss zu sein.

Jeder Mensch hat einen Wert an sich und kann anerkannt werden. Jemanden anerkennen heißt, ihm/ihr zuhören, empathisch sein, Lob und Kritik aussprechen, eine eigene Position beziehen und dem anderen erlauben, seine eigene zu vertreten.

Zu Teil 2

Selbst wer stolz auf seine Familie ist und die Anverwandten liebt, kann oft nicht umhin, die Familie als Hort der Neurosen und Abhängigkeiten leidvoll wahrzunehmen und sie keineswegs nur als Stätte der Geborgenheit und des Zusammenhalts zu erleben. Die Kleinfamilie erzeugt vermutlich weit mehr Probleme als die früheren Großfamilien, in denen die Kinder bei Weitem nicht so emotional abhängig von Mutter und Vater waren. Sie hatten auch andere Bezugspersonen. In den heutigen Familien sind Mutter, Vater und die Kinder oftmals nur lose mit Verwandten assoziiert. In vielen Familien fehlt der Vater. Ebenso häufig finden wir Patchworkfamilien vor. Diese Konstellationen beeinflussen natürlich auch die emotionalen Beziehungen und das Selbstwertgefühl aller Beteiligten.

Warum ist die Familie so wichtig, um das Leiden an Entwertung heute zu verstehen? Das Leben eines jeden Menschen beginnt in einer Familie. Dort wird er geprägt. Die Eltern haben oft ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber und sehr unterschiedliche Wertvorstellungen. Die erfahrenen Bewertungen und die vermittelten Werte, die ein Kind miterlebt, wirken ein ganzes Leben lang nach. Selten ist die Kindheit ein Ort der Wertschätzung, Erfüllung und Liebe gewesen. Das geschah nicht etwa aus einer bösen Absicht oder einer persönlichen Schuld der Eltern. Sie übernehmen die Werte der Gesellschaft, in der sie leben und die sie prägen. Sie richten sich an den Erziehungsprinzipien aus, die sie in ihrem eigenen Leben erlebt haben. Ein wichtiger erster Schritt wäre, den Eltern Wege aufzuzeigen, wie sie trotz eigener Problem und Unsicherheiten befähigt werden, ihre Kinder zu verstehen, und ihnen begreiflich zu machen, welche enorme Bedeutung die Kindheit hat: nicht nur für die Lebensgeschichte des Einzelnen, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Zu Teil 3

In diesem Kapitel geht es um die Frage, wie die Menschen heute sich selbst und die soziale Realität wahrnehmen? Der Blick geht dabei in zwei Richtungen. Er geht nach innen – in uns selbst. Wie erleben und verarbeiten Menschen seelisch die Entwertungen? Und der Blick geht ebenso nach außen, in die sozialen Realitäten. Wie finden die wahrnehmbaren und trotzdem nicht wahrgenommenen Entwertungen statt? Es ist ein liebevoller Blick, um den es der Autorin hier geht, verbunden mit der Absicht, das aufzuspüren, was Leiden verursacht, und auf das zu schauen, was glücklich macht.

Schauplatz Körper: Der Anspruch an einen Menschen, der für wert erachtet wird zu leben, konzentriert sich heute auf die körperliche Unversehrtheit. So wünschenswert Gesundheit und Schönheit sind, so wenig sagt beides etwas über die gesamten Qualitäten eines Menschen aus. Wer körperlich unversehrt und gesund ist, ist deshalb nicht automatisch schon glücklich. Und ein Mensch, der krank und behindert ist, muss keineswegs immer und durchweg unglücklich sein. Aber aus dem berechtigten Anspruch der einzelnen Kranken auf Gesundheit ein abstrakt geltendes Ziel für den Wert des Menschen abzuleiten bedeutet die Diktatur der Gesundheit und der Makellosigkeit. Unser Körper trägt unsere Erfahrungen. Das ist ein Grund, ihn wertzuschätzen und nicht wie ein Objekt nach Idealbildern zurechtzuschustern, abzulehnen oder abzuschätzen.

Schauplatz Sex, Liebe und Ehe: Welche Bedeutung hat Sex für das Selbstwertgefühl? Und in welcher Weise fühlen sich Männer und Frauen von heute als sexuelle Wesen be- und entwertet? Kaum ein menschliches Potenzial ist so sagen- und gefühlsumwoben und auch problembehaftet wie die Sexualität. Das Selbstwertgefühl steigert sich um ein Vielfaches, wenn sich ein Mensch begehrt fühlt. Es geht in den Keller, wenn sie oder er sich nicht begehrt fühlt. Die Frustration in Sachen Sex und die damit verbundene, gefühlte Abwertung ist nicht selten ein Grund dafür, dass Männer wie Frauen Macht und Kontrolle über andere ausüben wollen, in ihren Beziehungen oder auf gesellschaftlicher Ebene.

Schauplatz Arbeit: Arbeiten bedeutet heute zum Großteil, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen, gestresst und fremdbestimmt zu sein, unter Arbeitsdruck und Kontrolle zu stehen, unentwegt von anderen bewertet zu werden, sich anpassen und befürchten zu müssen, gemobbt oder arbeitslos zu werden. Das sind lauter Faktoren, die mit Angst und Ohnmacht verbunden sind. Die Entwertung des Menschen in der Arbeitswelt hat in der Regel ökonomische Verluste zur Folge. Zunehmende und kostspielige Phänomene sind Mobbing und Korruption. Wenn am Arbeitsplatz Wertschätzung praktiziert wird, die auch Kritik einschließt, sind die Mitarbeiter weitaus weniger krank und besser motiviert. Das Entscheidende dabei ist, sich von den überkommenen Menschenbildern „Der Mensch als Maschine“, „Der Mensch als Rädchen im Getriebe“ und „Der Mensch als Leistungsträger“ zu verabschieden, mit der Frage: Was brauchen wir, damit Arbeit Freude macht und nicht zu Entwertungen führt, die krank und unglücklich machen? Dazu gehört, zu fühlen und zu begreifen, dass Menschen lebendige Wesen mit einer eigenen Lebensgeschichte sind und nicht automatisierbare Leistungsträger.

Diskussion

Das Anliegen der Autorin, den LeserInnen eine Philosophie der Lebenshaltung und Lebensweisheit zu vermitteln, gelingt nicht nur durch die theoretischen Erläuterungen, sondern in besonderem Maße durch die vielen alltagsnahen Beispiele aus den verschiedenen Schauplätzen von Entwertungen.

Zielgruppen

Zielgruppen sind weniger fachakademische Philosophen als vielmehr LeserInnen, die etwas darüber erfahren möchte, wie die Philosophie die individuelle Lebenshaltung und Lebensweisheit schulen kann.

Fazit

Ein sehr lesenswertes Buch einer praktizierenden Philosophin, deren Anliegen es ist, die Philosophie auch für interessierte Laien nutzbar zu machen, um Anerkennung als Lebensprinzip zu entdecken und Empathie zu entwickeln, um dadurch im Alltag zu einem gelingenden Miteinander der Menschen zu gelangen.


Rezensent
Prof. Dr. Uwe Helmert
Sozialepidemiologe


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Zitiervorschlag
Uwe Helmert. Rezension vom 29.07.2015 zu: Barbara Strohschein: Die gekränkte Gesellschaft. Das Leiden an Entwertung und das Glück durch Anerkennung. Riemann Verlag (München) 2015. ISBN 978-3-570-50178-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18935.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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