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Konrad Fees: Geschichte der Pädagogik

Cover Konrad Fees: Geschichte der Pädagogik. Ein Kompaktkurs. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 321 Seiten. ISBN 978-3-17-028739-6. 34,99 EUR.
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Autor

Professor Dr. phil. habil. Konrad Fees, Jg. 1959, lehrt am Institut für Technologie in Karlsruhe. Er war Realschullehrer in Stuttgart und ist nun Inhaber des Lehrstuhls für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik.

Thema und Zielsetzung

Im Buchtitel und in der Einleitung stellt der Autor das Buch „Geschichte der Pädagogik“ als ein Lehrbuch und als Kompaktkurs vor. Das Buch soll einen Überblick „über Entwicklungsschritte der gesamten Pädagogikgeschichte geben“ (S. 9). Das Lehrbuch richtet sich an Studierende der Pädagogik und interessierte Personen. Mit dem formulierten Anspruch sind hohe Erwartungen seitens der Leserin verknüpft.

Aufbau

Die vorliegende „Geschichte der Pädagogik“ hat sieben Themengebiete, die sich in 25 Kapitel mit Unterkapiteln gliedern. Der Autor greift die antike Erziehung (Paideia) und ihr Bildungsverständnis, die christlich-kirchliche Bildungsidee des Mittelalters und das 18. Jahrhundert, als das pädagogische Jahrhundert, auf. Ausführungen zur Reformpädagogik sowie zur Professionalisierung der pädagogischen Berufe im 20. Jahrhundert folgen. Im Schlusskapitel fasst Fees seine Überlegungen zu den grundlegenden Merkmalen einer Pädagogikgeschichte zusammen. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen Hinweis zur Epoche und den zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Leserschaft bekommt viele Details zur Schulentwicklung, zum Bildungsverständnis und zur Entwicklung der Universitäten vor Augen geführt. Offen bleibt, welche Fragestellung der Autor verfolgt, so dass unklar bleibt, warum der Verfasser gerade diese Facette des Fachgebietes aufgreift.

Inhalt

Die Begriffe Erziehung und Bildung werden als Vorgang der Kultursicherung definiert (vgl. S. 11). Eine Definition von Pädagogik fehlt.

Der Autor des Buches beginnt seine Darstellung der „Geschichte der Pädagogik“ mit dem antiken Verständnis über den Pädagogen. In der Polis verlief die Sozialisation des kleinen Kindes in der Familie, bevor der „paidagogos“, ein Sklave, Jungen im Alter von sieben Jahren zu einem Lehrer begleitete. Das antike Gymnasium war, im Gegensatz zu heute, ein öffentlicher Platz zur körperlichen Ertüchtigung. Aristokratische Kinder lernten Musik und Literatur kennen, weil sie auf diese Weise mit den griechischen Göttern verbunden waren, deren Kraft sie im Vollzug kultischer Rituale erlebten. „Das ethische Modell schlechthin repräsentierten die Werke Homers, die Ilias und die Odyssee“ (S.51). Während der Antike hatten die wissenschaftlichen Institutionen, Platons philosophische Akademie und die Rhetorikschulen der Sophisten, bereits einen großen Bekanntheitsgrad. Die Sophisten setzten Maßstäbe, die bis heute für die Philologie gelten (vgl. S. 60). Die römische Erziehung sei, so der Verfasser, eine Sonderform der hellenistischen (vgl. S. 61). Für die Menschen der Antike war die Hingabe an die Gemeinschaft und den Staat das höchste Erziehungsideal. Der Verfasser thematisiert die Struktur und politische Funktion der Polis, die platonische Ideenlehre sowie die Erziehungs- und Unterrichtsmethode und antike Hochschulbildung.

Mit dem Ende der Antike habe, so der Autor, ein Kulturverfall stattgefunden und die deutsche Pädagogik sei aus der mittelterlichen Kirchenpolitik und Theologie heraus entwickelt worden (vgl. S. 74). Der Verfasser beschreibt die frühmittelalterliche klösterliche Sozialisation. Für die Landbevölkerung war das Arbeiten und das Brauchtum einzige Bildungsquelle. Märchen, Sagen, Legenden, Volkslieder und Balladen erzählten davon, wie das Leben gemeistert werden konnte (vgl. S. 81). Die kulturelle Konsolidierung von Bildung habe über die Ritter sowie die Entwicklung der Städte während des Hoch- und Spätmittelalters stattgefunden.
Die hochmittelalterliche Ständegesellschaft, bestehend aus Klerikern und Laien, Großgrundbesitzern und Rittern, entwickelte eigene kulturelle Verhaltensweisen. Der Merkantilismus hatte die Güterproduktion verändert. Märkte und Handelsbeziehungen ermöglichten neue Berufe wie Händler und Handwerker und Handelsgesellschaften mit entsprechenden Bank- und Finanzmärkten entwickelten sich.
In Kloster-, Dom-, und Stiftsschulen lernten Kinder vor allem Latein und in städtischen Schulen, an denen Schulmeister in Schreibschulen, Winkel- oder Klippschulen unterrichteten, vor allem Lesen, Schreiben und Rechnen. Im Spätmittelalter wurde die akademische berufliche Bildung durch die von Zünften ergänzt. Die eigentliche Berufsbildung erzeugte nun auch neue Arten von Wissen. Während dieser Zeit entwickelten sich auch spezifische Frauenberufe, z.B. der Beruf der Hebamme und der Apothekerin. Das mittelalterliche Wissenschaftsverständnis der Scholastik erschien, so der Verfasser, gegenüber der antiken Einteilung der Disziplinen und auch der Erkenntnismethoden rückständig.

Im Frühmittelalter war das wissenschaftliche Arbeiten vor allem ein Sammeln, Ordnen und Zusammenführen von Wissen. Im Hochmittelalter waren die Methoden des Dialogs bzw. der Disputation üblich geworden, um Wahrheit zu ermitteln. Während der Renaissance geriet diese Zielbestimmung von Wissenschaft ins Wanken, als das Zeitalter der großen Entdeckungen, so der Verfasser, ideengeschichtlich das Ende einer monistischen Weltauffassung markierte. Nach der Reformation sei die Neugestaltung des Schulwesens von Fürsten übernommen wurden, die allerdings, so Fees, Luthers Empfehlungen umsetzen, im Schulunterricht den Katechismus, die Bibel in deutscher Sprache und das Gesangbuch zu nutzen. Die Lutherbibel „wurde das erste Lesebuch der Deutschen und förderte die Vereinheitlichung der deutschen Sprache und die Entwicklung eines deutschen Nationalbewusstseins“ (S. 109). Der Autor benennt die Bedeutung weiterer Reformatoren und ihre Einflussnahme auf die protestantische Glaubenslehre und humanistische Bildung und Erziehung. Erwähnt werden auch die Vorstellungen über Erziehung, wie sie bei den Jesuiten tradiert wurde sowie der Einfluss des Pietismus auf Erziehung und Bildung. Die Bemühungen von Comenius um die allgemeine Didaktik, sowie das Aufkommen des Empirismus erleichterten, dass sich das Anliegen der Aufklärung und die eigentliche Entwicklung der modernen Bildungstheorie verbreiteten. John Lockes (1632-1704) politische Philosophie und empirische Erkenntnistheorie sowie Jean Jacque Rousseaus (1712-1787) Einfluss auf den modernen Bildungsgedanken werden vom Autor des Buches aufgegriffen.

Bis zur Aufklärung hatte sich die bürgerliche Gesellschaft formiert. Das allgemeine preußische Landrecht von 1794 anerkannte, so der Autor, Beamte und Gelehrte, Künstler, Kaufleute und Großunternehmer als Groß- bzw. Bildungsbürger. Zum Kleinbürgertum zählten Handwerker und kleine Gewerbetreibende. Im 19. Jahrhundert hatte Bildung die Funktion, das Bürgertum vom Adel abzugrenzen. Sozialer Status war mit dem Leistungsprinzip verbunden, das persönlichen Aufstieg ermöglichte. Ein Studium sicherte den sozialen Status (vgl. S. 190). Die bürgerliche Gesellschaft ermöglichte zudem die Rolle Hausfrau, Gattin und Mutter. Es gab auch eine entsprechende ärztliche Ratgeberliteratur, die das Selbststillen propagierte. 1794 wurde in Preußen die Pflicht der leiblichen Mutter zum Stillen rechtlich festgeschrieben (vgl. S. 193).

Auch im Kapitel über die Moderne werden sehr viele Informationen eingeführt, die aneinandergereiht, einen roten Faden vermissen lassen. Die Leserin fragt sich, woraufhin die Perspektiven ausgewählt wurden. Welche Fragestellung wird vom Autor verfolgt? Geht es um Unterricht, um das Erziehungsverständnis oder das Bildungswesen? Wird der formale Bildungsbegriff reflektiert oder die Bedeutung der Bildung für die sozialgeschichtliche Entwicklung der Gesellschaft rekonstruiert?

Viele Aspekte werden vom Autor gar nicht erwähnt, z.B. der Idealismus und das von Kant beeinflusste moderne Erziehungs- und Bildungsverständnis. Selbstverständlich war Bildung zur Zeit der europäischen Aufklärung Motor für den Modernisierungsprozess im Bereich der wirtschaftlichen Produktion, der technischen Revolution und im Bereich der Wissenschaft und des Erziehungs- und Bildungssystem. Im Kampf gegen den Pauperismus argumentierte der helvetische Aufklärer und Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) für ein Volksbildungssystem, weshalb sein Werk in diesem Buch ausführlicher dargestellt wird. Wilhelm von Humboldt (1767-1835) führte in seiner Position als Leiter der preußischen Sektion für den öffentlichen Unterricht 1809 das dreigliedrige Schulsystem (Grund- bzw. Elementarschule, Mittelschule, Gymnasium) in Deutschland ein. 1810 gründete er die Berliner Universität als Modell für wissenschaftliche Forschung, dem sich viele bereits bestehende Universitäten in Deutschland anschlossen. Auch Johann Friedrich Herbart (1776-1841), der Begründer der Pädagogik als eigenständige Wissenschaft, wird erwähnt (vgl. S. 222). Der Verfasser beschreibt darüber hinaus restaurative Kräfte und Stagnationen in der Entwicklung des Volksschulwesens, als Reaktion auf die 1848er Revolution. Erst mit der Gründung des Kaiserreichs 1871 änderten sich restriktive Vorschriften für das Bildungswesen und Unterrichtsstrukturen wurden verbessert (vgl. S. 233).

Das 19. Jahrhundert gilt in der Geschichtswissenschaft als Sattelzeit (Koselleck), denn hier entwickelten sich Problemstellungen der Moderne, die bis heute vorhanden sind. Der Verfasser erwähnt die Einführung von Lehrplänen und die für das Gymnasium bis heute üblichen Lehramtsprüfungen, die im staatlichen Schulsystem des 19. Jahrhunderts festgeschrieben wurden. Die sogenannte Reifeprüfung galt als Voraussetzung für den Besuch der Universität.

Die Reformpädagogik wird als die pädagogische Gegenwelt der Moderne erwähnt. Der Autor stellt sie als eine internationale Bewegung vor, die sich um 1890 als Bewegung zur Erneuerung der Gesellschaft durch Erziehung bildete. „Wenn diese Erneuerungsbewegung modern scheint, so ist sie tatsächlich rückwärtsgewandt und antimodern. Sie stößt sich an Erscheinungen der Moderne wie der Orientierung an Rationalität und Effizienz, moderner Arbeitsteiligkeit, Unübersichtlichkeit der politischen, sozialen, technischen Prozesse, Zersplitterung der Wissenschaft, Auflösung eines verbindlichen Wahrheitsbegriffes“ (S. 246-247). Der Verfasser verhandelt die Arbeitsschul- und Landerziehungsheimbewegung und auch die Montessori- und Waldorfpädagogik sowie die Jena-Plan-Pädagogik von Peter Petersen. Fees weist ausdrücklich darauf hin, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Volksbildung etabliert und soziale Allokation ohne Bildung nicht mehr vorstellbar war. Im Buch geht der Verfasser davon aus, dass Differenzierungen und eine Professionalisierung der Pädagogik erst jetzt möglich waren, ohne zu benennen, woraufhin er diese Begriffe fokussiert. Der Text nennt die Schulpolitik, wie sie in Artikel 143-149 der Weimarer Verfassung neu geregelt wurde. Die allgemeine Schul- und achtjährige Volkschulpflicht und die Möglichkeit, eine der Neigung des Kindes entsprechende Schulform zu wählen, haben hier ihre Wurzel. Die Schule sollte sittliche Bildung, staatsbürgerliche Gesinnung und Berufsfähigkeit anstreben. Behinderte Kinder sollten in Sonderschulen entsprechend ihren Bedürfnissen beschult werden. Das dreigliedrige Schulsystem wurde um eine sechsjährige Mittelstufe, die sogenannte mittlere Reife, erweitert. Jetzt waren Zugänge zu Berufen in der Verwaltung, im Handel und in der Industrie mit einem mittleren Bildungsabschluss möglich. Das Gymnasium steuert, bis heute, die Zugänge zu den akademisch erworbenen Berufen. Die Lehrerbildung sollte flächendeckend akademisiert werden. Den Universitäten des Landes garantierte Artikel 142 „Freiheit für Forschung und Lehre“ und Selbstverwaltungsrechte, die jedoch den Bestimmungen der neun Reichsländer unterstanden. Dass Frauen seit 1908 studieren durften, änderte nichts an der Tatsache, dass viele „Weimarer Professoren“ den Neuregelungen der Demokratie mit Skepsis gegenübertraten. Bereits Ende der 1920er Jahre formierten sich an den Universitäten nationalsozialistische Studierendengruppen (vgl. S. 291).

Im vorletzten Kapitel greift der Autor die Entwicklungen der Schule während der NS-Zeit auf. Namentlich erwähnt werden die NS-Pädagogen Ernst Krieck, Alfred Bäumler und Hans Schemm genannt, die das nationalsozialistische Erziehungssystem aufbauten. Benannt werden auch die nationalsozialistische Lehrergewerkschaft, Hitlerjugend und Jungmädel sowie die Gesetze, die die nationalsozialistische Gleichschaltung bzw. Säuberung ermöglichten. Der Autor verweist auf das Anliegen der Alliierten, das nationalsozialistische Gedankengut tilgen zu wollen und als Besatzungsmächte eine demokratische Erziehung einzufordern. Letztlich wurde das Weimarer Schulsystem wieder eingeführt. Leider fehlt eine kritische Auseinandersetzung bzw. Beschreibung der Pädagogik dieser Zeit.

Dem Verfasser erscheint wichtig, die erste bedeutende Schulreform von 1970-1980 ausführlicher darzustellen, die auf strukturelle Veränderungen zielte. Die Regelung eines Schuljahres, die Dauer der Schulzeit und die Wahl der Schultypen wurde jetzt in den Blick genommen. Die sogenannte Bildungskatastrophe fokussierte das Problem der ungenügenden Anschlussfähigkeit des technischen Wissens an die Entwicklungen der Supermächte und die fehlenden Schul- und Universitätsplätze. In den 1970er Jahren wurde ein quantitativer Ausbau der Schule gefordert. Dazu schlug der „Deutsche Bildungsrat“ die Gesamtschule vor und empfahl, arbeitsmarktrelevantes Wissen zu unterrichten.

Im Schlusskapitel erkennt der Verfasser dieses Buches das Problem der Diskontinuität von Geschichte und die enge Verzahnung von Erziehung und Bildung im religiösen System der Gesellschaft (vgl. S.313). Bildung hat die Funktion der sozialen Allokation. Die Institutionalisierung der Schule ermöglichte die pädagogische Professionalität. Auch wenn das erlangen der Hochschulreife heutzutage keine Exzellenz zum Ausdruck bringe, so der Autor, und auch nicht mehr ausreiche, um den sozialen Status bzw. Aufstieg zu sichern, sei sie so notwendig, wie nie zuvor. „Das Bildungssystem ist in einer Weise ausdifferenziert, wie das zu keiner historischen Stufe davor der Fall war“ (S. 318). Bildung ist pluralisiert und den Bedingungen des Marktes unterworfen „und damit der Gegebenheit von Halbwertzeiten ausgeliefert“ (S. 318).

Diskussion

Der Klappentext verspricht eine „Geschichte der Pädagogik“. Beim Lesen des Buches entpuppt sich das Vorhaben als Nachzeichnung einer Schulentwicklung. Der Autor verzichtet darauf, sein Vorhaben einer Geschichtsschreibung zu problematisieren. Er begründet aber auch nicht, warum Teilaspekte seiner „Geschichte der Pädagogik“ erwähnt bzw. unerwähnt bleiben. Dass ihn die Schule interessiert, wird deutlich, aber unklar bleibt, worum es geht.
Der Bildungsbegriff wird unsystematisch verwandt und häufig mit den Interessen der Kirchen und der Religionen verbunden. Ich habe mich gefragt, was der Autor damit sagen will und womit der Anspruch einer „Geschichte der Pädagogik“ als ein Lehrbuch legitimiert wird. Das Buch bleibt im Wesentlichen eine Darstellung verschiedener Etappen und Ideen zur Erziehung und Bildung, die im Wesentlichen das deutsche bürgerliche Erziehungs- und Bildungssystem betreffen. Metareflexionen fehlen. In der Einleitung betont der Autor zwar, dass seine historische Darstellung auf die Genese unserer Verhältnisse gerichtet sei, weshalb er „Umstände, Konzepte und Theorieentwürfe außer Acht“ lasse, die bei anderen Autoren breiten Raum einnehmen (S. 9). Die Beiträge von Schleiermacher, Natorp oder Bollnow hätten die pädagogische Realgeschichte kaum beeinflusst, weshalb sie nicht dargestellt werden (vgl. S. 9). Die Bedeutung dieser Aussage erschließt sich mir allerdings bis zum Schluss nicht. Natürlich fand ich es interessant zu lesen, welche Weichen z.B. während der Weimarer Republik gestellt wurden, aber was mag der Verfasser unter „Realgeschichte“ verstehen? Warum wird seine „Geschichte der Pädagogik“ als Kompaktkurs und Lehrbuch ausgewiesen? Der Verfasser schreibt darüber hinaus: „Der besseren Lesbarkeit halber wird auch weitgehend auf Literaturverweise verzichtet. Der Experte benötigt diese Verweise nicht, und den Novizen lenken sie nur ab. Die Referenzliteratur erscheint aber im Literaturanhang“( S. 10). Ein historisch orientiertes Lehrbuch bedarf aus meiner Sicht gerade der Quellenangaben. Die Gliederung dieses Buches ähnelt der von Albert Rebles „Geschichte der Pädagogik“ von 1975.

Eine „Geschichte der Pädagogik“ im Jahr 2015 sollte aber sicher auch die der DDR repräsentieren und neuere Auseinandersetzungen um z.B. die Kindheitsforschung und die geisteswissenschaftliche Pädagogik aufnehmen, die für die Schulentwicklung nicht unbedeutend war. Die Interpretation der nationalsozialistischen Erziehung, die durch die Art der Darstellung geschieht, provozierte mich sogar. Der Autor schreibt, dass die NS- Erziehung, was auch immer darunter verstanden wird, in den Jugendorganisationen stattgefunden habe. In der Schule habe sie sich bei Ritualen (Hitlergruß, Fahnenappell) und der Inszenierung von Festen gezeigt. Sie stelle „den einmaligen Fall einer extremen Hypertrophie der Erziehung auf deutschem Boden dar“ (S. 296). Diese Sicht greift zu kurz, bzw. verharmlost, was mithilfe von Erziehung passiert ist. Gerade durch das Erziehungssystem konnte sich der autoritäre Charakter ausbilden. Auch die Annahme einer „Stunde Null“, wie der Verfasser sie nennt, wird in historischen Kreisen nicht geteilt. Die heutige Krise der Erziehung und die Überbetonung von Bildung ließen sich vielleicht auch vor dem Hintergrund der deutschen Erziehungsgeschichte während des Dritten Reiches diskutieren. So frage ich mich erneut, welche Intention mit dem Vorhaben eines Kompaktkurses verbunden ist.

Fazit

Im Buch werden viele Details zum Bildungsverständnis der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit, sowie der Moderne vorgestellt. Vor allem wird die berufliche Bildung erwähnt, für die die Schule und auch die Universitäten zuständig waren. Die Zusammenstellung der Themengebiete bietet einen Überblick über Formen und Inhalte der Wissensvermittlung. Für die, die sich mit Hilfe des Buches einen Überblick über das Fachgebiet der Erziehungswissenschaft verschaffen wollen, reichen die Hinweise nicht. Wer sich für pädagogische Grundfragen der Erziehung und Bildung interessiert, wird darüber hinaus auch andere „Geschichten der Pädagogik“ lesen.


Rezensentin
Prof. Dr. Christiane Vetter
Leiterin der Studienrichtung Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
Homepage www.dhbw-stuttgart.de/themen/studienangebot/fakulta ...
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Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 23.06.2015 zu: Konrad Fees: Geschichte der Pädagogik. Ein Kompaktkurs. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-028739-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18966.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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