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Anja Lauterbach, Jens Kosmale: Reiserecht für Gruppenreisen

Cover Anja Lauterbach, Jens Kosmale: Reiserecht für Gruppenreisen. Die vertraglichen Beziehungen zwischen Reiseveranstalter und Reiseteilnehmer bei pädagogischen Gruppenreisen – speziell für Nicht-Juristen. 2004. 127 Seiten. 6,00 EUR.

Zu beziehen über: Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugendferiendienste e.V., Hannover, Tel.: 0511/ 1215-161, e-Mail: bej@bej.de oder über den Online-shop unter www.bej.de.


Zum Thema

Alljährlich werden die Medien im Spätsommer, Herbst und Winter, wenn die große Sommerreisewelle schon längst vorbei ist auf sie aufmerksam: Reisemängel und Schadensersatzansprüche. Was bei Pauschalreise gang und gäbe ist, macht auch vor den "pädagogischen Anbietern", Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbänden und Jugendorganisationen nicht halt. Umso wichtiger ist daher eine gründliche Vorbereitung des Trägers und Veranstalters und eine Sensibilisierung seiner Mitarbeiter auf den Themenkomplex der vertraglichen Beziehungen zwischen Reiseveranstalter und -teilnehmer. Nicht nur um zukünftige Ersatzansprüche abzuwehren, auch um für alle Beteiligten eine angenehme und stressfreie Gruppenreise zu ermöglichen ist ein Überblick über die juristische Materie unabdingbar.

Die Autoren

Jens-D. Kosmale zeichnet als Bearbeiter für das Buch verantwortlich. Der ausgebildete Diplompädagoge war lange Jahre Pädagogischer Referent und Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Ev. Jugendferiendienste e.V. (BEJ). Seit Juli 1999 ist er Geschäftsführer des Bundes Forum Kinder- und Jugendreisen e.V., dem die BEJ als Mitglied angeschlossen ist. Er ist unter anderem schon als Autor von "Reisemotiv Flirt und Liebe" (1988), "Mit dem Bus reisen" (1989, mit Otto Haussecker), "Freizeitküchenbuch" (1989, mit Ina Kern), sowie "Reiserecht für die Freizeitpraxis" (1988, mit Wolfgang Christian), dem Vorläufer des jetzt vorgelegten Arbeitshilfe in Erscheinung getreten.

Anja Lauterbach ist Rechtsanwältin und in Berlin bei einem Sprachreiseveranstalter angesellt. Sie arbeitete ehrenamtlich als Reiseleiterin beim 1991 in Halle gegründeten BEJ-Mitglied Akzent-Reisen e.V. und ab August 1997, während ihrer Zeit als Rechtsreferendarin, in der BEJ-Geschäftsstelle. Sie hat mit der vorherigen Grundüberarbeitung des Werkes die Grundlagen geschaffen und die Neuanpassungen an das aktuelle Reiserecht vorgenommen.

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Handbuch im DINA5-Format gliedert sich in 15 Kapitel, die in jeweils 5 bis 20 Seiten eine Thematik abhandeln. Nach einer Einführung zum Begriff der Pauschalreise und pädagogischen Reise, sowie der Einordnung der Gruppenreise in den Erziehungsauftrag und einem kurzen Abriss über die Entstehung des Reisevertragsrechts behandelt das Buch insbesondere die folgenden Aspekte:

  • Wer ist Reiseveranstalter?
  • Rechte des Reisenden
  • Umgang mit reklamierenden Gästen
  • Pflichten des Reisenden
  • Reklamationen durch minderjährige Reisende

Hinzu treten die Themenbereiche

  • "Reisevertragsrecht und Sexualstrafrecht",
  • Reisepreissicherungspflicht,
  • Informationspflichtverordnung,
  • Allgemeine Reisebedingungen (mit Formulierungshilfen)
  • sowie kurze Hinweise zu Gastschulaufenthalten und angemieteten Omnibussen.

In einem Anhang sind die gesetzlichen Regelungen der §§ 651a ff. BGB beigefügt. Die einschlägigen Vorschriften der BGB-Informationspflichtverordnung sind direkt in dem entsprechenden Kapitel wiedergegeben.

Das Buch ist als Nr. 2 in der Reihe "Neue Kleine Schriften" der BEJ erschienen.

Zielgruppe

Kosmale/Lauterbach richten sich mit ihrem "Reiserecht für Gruppenreisen" an die Träger, Veranstalter und Mitarbeiter von Rüstzeiten, Freizeiten, Ferienlagern und andere Kinder- und Jugendreisearten der Jugendhilfe. Sie wenden sich insbesondere an "Nicht-Juristen", sodass in der Leserschaft zwar das Wissen um die Eigenarten pädagogischer Gruppenreisen, nicht aber juristische Fachkenntnisse vorausgesetzt werden.

Einschätzung

"Dass bei einer Reise irgendetwas nicht richtig klappt, ist eigentlich eher die Regel als die Ausnahme." (S. 54) stellen Kosmale/Lauterbach wohl zu Recht in ihrem Handbuch fest und geben dem Leser direkt praktische Beispiele an die Hand:"Spätestens seitdem gerichtlichen entschieden worden ist, dass auch Jugendreisen einen Mindeststandard haben müssen, zu dem z.B. getrennte Waschgelegenheiten für Mädchen und Jungen gehören (AG Bielefeld), muss das Freizeitteam rund um die Ohr offene Ohren und Augen für eventuelle Schwachpunkte des Freizeitgeschehens haben. Einfach Mängel beginnen bei der defekten Steckdose neben dem Spiegel im Zimmer, was das Rasieren und Haare fönen erschwert, und gehen bis zu den im Preis enthaltenen Fahrrädern oder Kanus, um deren Pflege sich niemand kümmert, sodass die Zahl der einsatzfähigen Gerätschaften täglich sinkt."

Tatsächlich sind die Anknüpfungspunkte an pädagogische Jugendreisen vielfältig. Und eben dies begründet auch die Praxisrelevanz des Handbuches. Es nimmt den juristischen Laien an die Hand und führt ihn zunächst in das Gebiet des Reiserechts sehr allgemein ein, anschließend durch die Wirren der Informationspflichtverordnung ebenso wie durch das Dickicht der Reklamationen und der Reisepreissicherung.

Die Autoren stellen sehr versiert die unterschiedlichen möglichen Situationen nebeneinander dar und ermöglichen dem Leser so, die jeweils für ihn einschlägigen Regelungen zu adaptieren und als Vorschläge für eine Verbesserung der Reiseorganisation und -abwicklung aufzugreifen. Sind die Teilnehmer der geplanten Jugendreise beispielsweise älter als sieben Jahre, können die Ausführungen zu geschäftsunfähigen Reiseteilnehmern unberücksichtigt bleiben. Sind die Teilnehmer über 16 Jahre und ist die Fahrt nicht koedukativ ausgerichtet, kann auch die Problematik gemischter Schlafräume für den Einzelfall unbeachtet bleiben.

Erfreulicherweise bleibt die Subsumtion der vorgestellten Sachverhalte unter die gesetzlichen und vertraglichen Regelungen stets praxisnah und aktuell. Die Autoren vermeiden Fehler vergleichbarer Publikationen, die der Deutschen Bahn beispielsweise Behördenqualität unterstellen und Jugendleitern mitteilen, sie könnten die DB zur Beförderung von Teilnehmern verpflichten, die zurückgeschickt werden müssten. Kosmale/Lauterbach stellen in diesem Zusammenhang stattdessen die unterschiedliche Beurteilung der Rechtsprechung dar, wonach gerade die Anbieter pädagogischer Gruppenreisen auch mit schwierigen Teilnehmern umgehen können sollten. Ebenso stellen sie pflichtige Abmahnungen und die Abwicklung einer tatsächlich durchzuführenden vorzeitigen "Rückfahrt" detailliert dar. So kann das Handbuch sogar auf Gruppenreisen noch als Nachschlagewerk nützlich sein und nicht nur die Gestaltung von Allgemeinen Reisebedingungen (ARB) und Reiseausschreibungen im Vorfeld der geplanten Veranstaltung beeinflussen.

Die Autoren streifen zu Recht auch Randgebiete, wie beispielsweise die Frage danach, ob auch Seminare und Schulungen unter das Reisevertragsrecht und bspw. die Reisepreissicherungspflicht nach § 651k BGB fallen.

Fazit

Das Werk sollte gerade zum Jahreswechsel und innerhalb der Planung zukünftiger Reiseveranstaltungen Beachtung bei Trägern und Mitarbeitern der Jugendarbeit finden. Die sorgfältige Vorbereitung, die Erarbeitung von Allgemeinen Reisebedingungen, Storno-Klauseln und ähnlichem mehr kann dazu beitragen die pädagogische Arbeit auf Gruppenreisen zukünftig weniger mit rechtlichen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen zu belasten.


Rezension von
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 09.11.2004 zu: Anja Lauterbach, Jens Kosmale: Reiserecht für Gruppenreisen. Die vertraglichen Beziehungen zwischen Reiseveranstalter und Reiseteilnehmer bei pädagogischen Gruppenreisen – speziell für Nicht-Juristen. 2004. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1897.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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