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Michael Schmitz: Teamcoaching

Cover Michael Schmitz: Teamcoaching. Grundlagen, Anleitungen, Fallbeispiele. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 359 Seiten. ISBN 978-3-407-36605-4. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Wie Sie aus Einzelkämpfern ein Team schmieden – Große Erfolge schreiben wir oft großen Persönlichkeiten zu. Doch große Erfolge sind nicht das Werk Einzelner. Sie beruhen auf Teamarbeit und Kooperation. Damit das gelingt, bedarf es einer klaren Rollen- und Aufgabenverteilung, einer guten Kommunikationskultur und einer passenden Zusammenstellung des Teams. Persönlich Ambitionen müssen dabei mit Teamzielen austariert werden: Es muss sich für jeden lohnen, sein Bestes für das Team zu geben.

Dieses Buch soll Coaches, Trainer und Führungskräfte darin unterstützen, Teamarbeit effektiver zu gestalten, ohne dabei die persönliche Entwicklung einzelner Mitglieder zu vernachlässigen. Sein Konzept des funktionellen Teamcoachings verdeutlicht der Autor mit zahlreichen Beispielen aus der Wirtschaft und der Welt des Fußballs.

Autor

Dr. Michael Schmitzist selbstständiger Coach und unterrichtet als Professor für Psychologie und Management an der Lauder Business School in Wien.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch gliedert sich nach der einleitenden Begriffsklärung des funktionellen Teamcoachings und einer ausführlichen Begründung der Notwendigkeit und Effektivität von Teamarbeit in 17 Kapitel und das Literaturverzeichnis. Die einzelnen Kapitel werden durch Beispiele und Übungen ergänzt oder inhaltlich mit Fallbeispielen aufgearbeitet.

In der Einleitung legt der Autor die Definition des funktionellen Teamcoachings dar. Im funktionellen Coaching geht es darum, die Basisfähigkeiten z.B. Willensstärke aufbauen, Emotionen verstehen und zu managen, Regeln und Einflüsse der Macht verstehen, Vielfalt akzeptieren und wertschätzen…, zu entwickeln, ineinandergreifen, aufeinander aufbauen und sich wechselseitig verstärken zu lassen, um Effektivität und Effizienz des Teams und den Einzelnen zu fördern und zu stärken.

In einem zweiten Schritt begründet Schmitz die Notwendigkeit der Hervorhebung von Teamarbeit. Er nennt dies: Schluss mit der Heldenverehrung und meint damit, dass hinter jedem wirtschaftlichen oder auch sportlichem Erfolg, der einem einzelnen zugeschrieben wird, ein ganzes Team steckt, welches mit an dem Ziel gearbeitet hat. Es gibt keinen Erfolg ohne Team, und dennoch wollen die Menschen diese einzelnen Heldengeschichten, weil es oftmals auch leichter ist das Scheitern dem Einzelnen zuzuschreiben. Einer allein kann nicht wissen, was gut und richtig ist. Effektiv arbeitende Teams gelangen viel eher zu Lösungen durch unterschiedliches Wissen und diverse Erfahrungen und originelle Ideen.

Im ersten Kapitel arbeitet der Autor den Unterschied zwischen Leuten, Gruppen und Teams heraus und geht dabei ein auf die Teamgröße, auf den begrifflichen Unterschied „als Team“ oder „im Team“ und auf die verscheiden Aufträge und Rollen, die Teams übernehmen und ausfüllen sollen.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Aufstellungen, Abläufen und Prozessen von und in Teams. Dabei geht es um Themen wie „psychological safety“, meetings, sich selbststeuernde Teams, wechselnde Führung, Teamentwicklung (Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning) und die verschiedenen Rollen der einzelnen Teammitglieder.

Das Coaching und Führen von Teams beschreibt der Autor als eine der zentralen Kernkompetenzen der heutigen Führungskräfte im dritten Kapitel. Thematisiert werden u.a. Teamfitness, Übertragungsfallen, Coaching-Kompetenzen, Effektivität von Teams, proaktives Verhalten. Des weiteren gibt es konkrete Hinweise, wie Teams sich selbst reflektieren können, die Verantwortung für den Prozess übernehmen, die Aufgaben geklärt, Machtbedürfnisse ausgelotet und das Lernen in der Gemeinschaft mit Vereinbarungen funktioniert.

Im Kapitel Teaming geht es um die zweckmäßige Steuerung von Teams durch orientierende Fragestellungen, realistische Zielsetzung, Verständnis durch Feedback, Aufbau von Vertrauen und den Einsatz von „Tools“.

Das darauf aufbauende Kapitel Re-Teaming beschäftigt sich ausführlich mit einem Fallbeispiel, um dann auf die wichtigsten Bestandteile des Re-Teaming einzugehen: Bestandsaufnahmen, Lösungsansätze, Einzelinterviews, Coach-Reports für das Team, verborgene Ressourcen,das Merger-Management und die Förderung von Innovation.

Die folgenden zwei Kapitel beschäftigen sich mit guter Kommunikation und Konfliktmanagement, wobei der Fokus auf dem Senden von Botschaften, der Erklärung von Kommunikation, der Dynamik der Eskalation und einem Beispiel aus der Arbeitspraxis liegt.

Im achten Kapitel geht es um das Zusammenspiel von Verstand und Gefühl. Thematisiert werden Bauchgefühl, Risikomanagement, Fehlerkultur, Emotionsmanagement und das Denken in Gruppen.

In Kapitel neun geht es um den Willen, wie wir ihn beeinflussen können und erhalten Tipps und Leitideen.

Kapitel zehn beschäftigt sich mit Erfolgsmanagement, wie schafft man Zufriedenheit aber nicht Selbstzufriedenheit, wie ermöglicht man Teilerfolge und fördert Erfolgserlebnisse für die Teammitglieder.

Es gibt auch Trittbrettfahrer, Arschlöcher und Narzissten in Teams, beschreibt der Autor in Kapitel elf und beschäftigt sich hier mit dem Social Loafing, mit dem Loswerden der Arschlöcher und dem Umgang mit dem zunehmende Narzissmus in unserer Gesellschaft.

Kapitel zwölf beschreibt gesunde Teams und was dafür notwendig ist, wobei Gesundheitsmanagement, die Burnout-Falle, ein Belastungsquickcheck und ein zusammenfassendes „So geht es nicht weiter“ die Themen sind.

In Kapitel dreizehn geht es um die Chancen und Herausforderungen von Diversity in Teams und den Umgang und das Lernen von und mit Vielfalt.

Mit der Überschrift „Krisenfest“ in Kapitel vierzehn geht der Autor das Thema Krisen in Teams an, beleuchtet und hinterfragt die Abstürze, die Ursachen, das Vorwegnehmen, die Kommunikation und die Prophylaxe von und in Krisen.

Mit den Machtfaktoren in Teams setzt sich der Autor in Kapitel 15 auseinander. Er beschreibt und erklärt, wie Vorgesetzte ticken und setzt sich mit den Machtkämpfern auseinander.

Im sechzehnten Kapitel Topteams erklärt der Autor, wie das Coachen in den Führungsteams möglich wird und thematisiert dabei die Friktionen im Führungszirkel die Rolle des Vorsitzenden.

Das siebzehnte Kapitel schließlich befasst sich mit dem Thema Führung und Macht. Es wird der Frage nach den Eigenschaften guter Führungskräfte nachgegangen, es geht um neue Konzepte und alte Ideale, um die Organisation der kollektiven Vernunft, beschreibt anhand eines Beispieles Kollaboration und Widerstand, erklärt das Leadership neu und zieht mit der Überschrift „Den Klinsmann machen“ einen Vergleich zum Mannschaftssport Fußball, der mit der Person Klinsmann jemanden ins Team Nationalmannschaft holte, der das funktionelle Coaching in Profifußball einführte.

Diskussion

Michael Schmitz gliedert sein Buch übersichtlich und mit interessanten Fragestellungen und nimmt teilweise kein Blatt vor den Mund, indem er das Wort Arschloch für einen bestimmten Typ von Teammitgliedern benutzt. Schon auf dem Cover lässt er erkennen, dass ihm der Vergleich zum Profifussball wichtig ist und zeigt die Parallelen zum funktionellen Coaching in Teams von Unternehmen deutlich auf. Die angeführten Beispiele erleichtern das tiefere Verstehen und zeigen, wie Teams zusammengestellt werden, Prozesse gesteuert und Krisen bewältigt werden können. Teaming und Re-Teaming stellen dabei einen Schwerpunkt dar. Wie Führungskräfte Probleme und Rollen analysieren, sinnvoll intervenieren können oder sich auch mal zurückhalten sollen, damit die Teammitglieder ihre Kompetenzen selbstverantwortlich verbessern können, erklärt Schmitz sehr anschaulich und interessant.

Fazit

Der Autor setzt einen Meilenstein, in dem er von Beratern und Managern fordert, das Coachen von Teams als eine umfassende Aufgabe zu begreifen, die Anregungen aus unterschiedlichen Disziplinen vereint. So ist erfolgreiches Teamcoaching möglich, dies zeigt Schmitz anhand von vielen Beispielen.

Das Buch ist für alle, die über den Tellerrand schauen und aus den Bereichen Pädagogik, Soziologie und Psychologie lernen möchten, um so das eigene, vorhandene Wissen als Führungskraft, Coach und Trainer zu ergänzen und erweitern.


Rezensent
Michael Kobbeloer
ist Autor, Trainer und Vortragsredner. Er erlebte das Bildungssystem aus allen Perspektiven und gab zuletzt seinen Beruf als Studiendirektor und Leiter einer Fachschule auf. Mit "emodaktik® - lernen erLeben" hat er sein Konzept der "Emotionalen Didaktik" umgesetzt und begleitet Lehrende auf dem Weg in ein zukunftsorientiertes Bildungssystem. Er ist unter anderem zertifizierter Trainer für emotionale und erfahrungsorientierte Lernmethoden sowie LernPROzess-Trainer
Homepage www.kobbeloer.de
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Zitiervorschlag
Michael Kobbeloer. Rezension vom 14.09.2015 zu: Michael Schmitz: Teamcoaching. Grundlagen, Anleitungen, Fallbeispiele. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-407-36605-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18990.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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