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Theodor M. Bardmann: Die Kunst des Unterscheidens

Cover Theodor M. Bardmann: Die Kunst des Unterscheidens. Eine Einführung ins wissenschaftliche Denken und Arbeiten für soziale Berufe. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2015. 338 Seiten. ISBN 978-3-658-08629-9. D: 18,99 EUR, A: 19,52 EUR, CH: 24,00 sFr.
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Thema

Das Buch ist eine Einführung ins wissenschaftliche Denken und Arbeiten für soziale Berufe. Auf der Grundlage eines unterscheidungstheoretischen Ansatzes werden anhand aktueller Debatten wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen ausführlich erläutert und veranschaulicht. Der Autor befasst sich unter anderem mit folgenden Themen: Wie unterscheiden sich Wahrheitsbegriffe? Wie unterscheiden sich Bildungskonzepte? Wie unterscheiden sich Kinder- und Menschenbilder?

Autor

Prof. Dr. Theodor M. Bardmann ist Soziologe und arbeitet als Professor für Medienkommunikation an der Hochschule Niederrhein und ist Privatdozent an der RWTH Aachen.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Das Buch umfasst die folgenden zehn Kapitel:

  1. Wie unterscheidet sich wissenschaftliches Denken und Arbeiten von anderen Denk- und Arbeitsweisen?
  2. Wie unterscheiden sich Wahrheitsbegriffe?
  3. Wie unterscheiden sich Bildungskonzepte?
  4. Wie unterscheiden sich Kinder- und Menschenbilder?
  5. Planung und Zufall
  6. Reden und Schweigen
  7. Lesen und Schreiben
  8. Denken und Präsentieren
  9. Formalien und Muster
  10. Zitieren und Plagiieren

Das Buch ist unterteilt in einen analytisch gehaltenen Teil (Kapitel 1-4) und einen mehr praktisch orientierten Teil (Kapitel 5-10).

zu Kapitel 1: Wissenschaftliches Denken und Arbeiten

Zunächst werden die Unterschiede zwischen Alltagswissen und wissenschaftlichem Wissen dargestellt. Danach geht der Autor auf wissenschaftliches Denken und Handeln in den folgenden Bereichen ein: (1) Massenmedien (2) Kultur (3) Religion (4) Politik (5) Rechtswesen (6) Wirtschaft (7) Familie (8) Medizin (9) Erziehung (10) Soziale Arbeit. Soziale Arbeit zielt darauf ab, die Probleme zu bearbeiten, die durch die verschiedenen Systeme der modernen Gesellschaft zwar erzeugt, aber nicht gelöst werden. Soziale Arbeit bemüht sich darum, dass möglichst alle Menschen an allen gesellschaftlichen Funktionssystemen teilhaben können (Inklusion). Wer aus einzelnen oder mehreren Systemen ausgeschlossen wird (Exklusion), wer z.B. keine Arbeit, keine Wohnung oder keinen ausreichenden Gesundheitsschutz hat, soll von der Sozialen Arbeit wieder inkludiert werden. Im System der Sozialen Hilfe erscheinen die Fälle als KlientInnen, die sich nicht aus eigener Kraft zu helfen vermögen. Der Klient ist das Medium der Sozialen Hilfe wie es das Kind in der Erziehung und der Patient für das Gesundheitswesen ist. Hier nun erscheinen einige Paradoxien, die die Soziale Hilfe unter Verdacht geraten lassen:

  • Sie muss diejenigen, denen sie helfen will, für hilflos erklären (Stigmatisierungsverdacht)
  • Sie profitiert immer auch selbst von der Hilfe, die sie anderen bietet (Motivverdacht)
  • Sie verschärft oder erzeugt womöglich durch ihr tun die Probleme, die sie zu lösen vorgibt (Effizienzverdacht).

Die zentralen Werte der Sozialen Arbeit sind Soziale Gerechtigkeit, Menschenwürde, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Diese Werte lassen sich nicht wissenschaftlich begründen, sondern müssen diskursiv erwirkt und ethisch vertreten werden. Deshalb sind Ethiken, die sich keiner Organisations- oder Programmraison unterwerfen, unverzichtbarer Bestandteil dieser Profession.

zu Kapitel 2: Wahrheitsbegriffe

Wer sich im Rahmen eines Hochschulstudiums auf wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen einlässt, bekommt es mit Prinzipien und Funktionsweisen eines gesellschaftlichen Teilbereichs zu tun, dessen Aufgabe darin besteht, neue wahrheitsfähige Aussagen zu produzieren. Was aber meint Wahrheit? Sie gilt es

  • untereinander abzugrenzen, und zugleich gegen
  • vorwissenschaftliche Weisheitsideale und
  • alltagswissenschaftliche Wahrheitsansprüche, wie sie vornehmlich in Konflikt- und Streitsituationen zum Ausdruck gebracht werden, zu profilieren.

In ideengeschichtlicher Perspektive wird die Vielfältigkeit der im Laufe der Zeit entwickelten Wahrheitsideen kenntlich gemacht. Danach erläutert der Autor wichtige wissenschaftliche Wahrheitsbegriffe: (1) Wahrheit als absolutes Wissen (2) Wahrheit als objektive Erkenntnis (3) Wahrheit als sprachliche Leistung (4) Wahrheit als Konstruktion.

zu Kapitel 5: Planung und Zufall

Das wichtige Thema Planung des Studium wird auf gerade einmal fünf Seiten abgehandelt. Demgegenüber nimmt das Unterkapitel „Lob des Zufalls“ mit insgesamt 19 Seiten einen weitaus größeren Raum ein. Planung meint, den rationalen und rationellen Umgang mit Zeit bezogen auf einen zukünftigen Zeitraum. Planung beinhaltet:

  1. die Ausformulierung von Zielen
  2. die Definition von Arbeitsschritten
  3. die Planung eines begrenzten Zeitraums zur Umsetzung der Arbeitsschritte und zur Erreichung der Ziele
  4. die Evaluation der Umsetzung der Arbeitsschritte und der Erreichung der Ziele

Generell ist es sinnvoll, sich einen sinnvollen Studiumsplan zurechtzulegen, der den persönlichen Verhältnissen und den jeweiligen Ausstattungen Rechnung trägt. Zugleich sollte man aber daran denken, dass nicht alles planbar ist. Ergebnisse des eigenen Handelns sind auch von Zufällen abhängig, die wir unmöglich kontrollieren können und die wir oft unverdient auf unserem Konto verbuchen können. Eine präzise Planung ist immer ein Gegenmittel gegen Zufälle, somit auch gegen die unverdienten Zufälligkeiten und Kontingenzen. Der Plan soll sie neutralisieren. Als Zufall werden Ereignisse bezeichnet, die wir nicht erwarten, die in der Strukturiertheit, die wir der Welt zugeschrieben haben, nicht vorgesehen sind, deren kausalen Zusammenhänge wir nicht durchschauen, die aber dennoch bedeutsam für uns sind. Und eben diese Momente, die sich unserer bewussten Wahl entziehen, geben oft den Ausschlag für den weiteren Verlauf unseres Lebens und Handelns. Wie soll nun mit Zufällen am besten umgegangen werden? Insgesamt lassen sich drei mögliche Positionen gegenüber dem Zufall unterscheiden:

  1. der Rationalismus, der den Zufall auszuschließen und als Chimäre abzutun versucht
  2. der Irrationalismus, der sich dem Zufall ausliefert und jeden Plan als Teufelswerk denunziert, und dazwischen rangiert
  3. der Kompatibilismus, der Absichten und Pläne und unbeabsichtigte Zufälle als vereinbar begreifbar möchte.

Zahlreiche Aktivitäten, die wir in unserem Leben allgemein, aber auch im Feld unseres professionellen Tuns als besonders wichtig erfahren, enthalten in ihrem Kern Momente des Zufalls. An ihnen soll verdeutlicht werden, wie wichtig der Zufall ist, und dass er nicht als Randerscheinung nur beiläufig behandelt werden darf. Wir müssen ihn neben der Planung als konstitutives Element in unser professionelles Tuns anerkennen. Wenn der Planung und dem Plan besondere Bedeutung beigemessen wird, wird leicht vergessen, dass wir im Laufe des Lebens ungeheuer viel ungeplant – quasi en passant – lernen. Wir lernen, insbesondere in den ersten Lebensjahren, das meiste implizit und inzident, unbewusst und mehr oder weniger zufällig. Es macht geradezu einen wichtigen Aspekt der Intelligenz aus, nicht intendierte Lernchancen und zufällig sich bietende Informationen opportunistisch zu nutzen. In der Wissenschaft kommt es zu neuem Wissen typischerweise dann, wenn wir bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen, Umwege zu gehen, Irrwege in Kauf zu nehmen und uns auf Intransparenzen einzulassen. Auch wenn die Wissenschaft in weiten Teilen, etwa in der experimentellen Laborforschung, bewusst darauf setzt, den Zufall soweit als möglich aus dem Erkenntnisprozess auszuschließen, sollte man die Rolle des Zufalls bei der Erkenntnisgewinnung nicht unterschätzen. Hier einige Beispiele für „Zufallserfindungen“: das Penicillin (Alexander Fleming), die Gravitationsgesetze (Isaac Newton), die Röntgenstrahlen (Wilhelm Conrad Röntgen), der Tintenstrahldrucker (im Hause Canon), Vaseline, Post-it-Klebezettel, Teflon, Dynamit und Viagra. Wenn wir uns in unseren Forschungen immer nur an die zuvor formulierten Ziele, Pläne und Hypothesen halten, schaffen wir es allenfalls, das Erwartete zu bestätigen oder zu widerlegen. Wir stießen aber nie auf das völlig Unerwartete. Hinsichtlich zentraler Tätigkeiten in sozialen Berufen – gedacht ist an Helfen, Lernen, kreatives Gestalten, Spielen und Forschen – kommt man nicht allein mit Planen und Plänen aus. Wir müssen uns, ob wie es nun mögen oder nicht, zumindest dosiert auf den Zufall und das Unplanbare einlassen. Für das Studium rät der Autor daher, sich auch auf Themen, Veranstaltungen und Personen einzulassen, die auf den ersten Blick nicht auf dem geradlinigen Weg liegen, sich einladen, inspirieren und irritieren zu lassen.

zu Kapitel 6: Reden und Schweigen

Wenn Sie ein Studium in den Sozialwissenschaften aufnehmen, werden Sie es maßgeblich mit Texten zu tun bekommen, gesprochen und geschrieben. Sie werden viel reden, viel zuhören, viel lesen und einiges schreiben müssen. Reden, Schweigen, Zuhören, Lesen, Recherchieren, Schreiben, Denken, und Präsentieren (kurz: RSZLRSDP) sind Vollzüge, die keiner verbindlichen Linearität folgen. Sie ereignen sich in keinem geordneten Nacheinander, aber alle Stationen und Stadien müssen durchlaufen werden. Der Zirkel des RSZLRSDP ist die Quelle wissenschaftlichen Wissens. Ihm entspringen die Ideen für Wortmeldungen, Diskussionsbeiträge, Hausarbeiten und Abschlussarbeiten sowie für Forschungsprojekte und Buchpublikationen. Die Ideen entspringen nicht einfach nur dem Kopf eines oder einer Studierenden. Sie entspringen vielmehr dem Wechselspiel von Denken und Kommunikation. Nach Heinrich von Kleist verfertigen sich die Ideen beim Reden, das heißt in der Kommunikation. Sie verdanken sich nicht allein dem Einfallsreichtum oder der Genialität der Denkenden, sondern vielmehr den laufenden Debatten und Diskursen, die von Denkprozessen begleitet werden. Die Diskurse speisen das Denken, und das Denken liefert das Futter. Es reicht nicht aus, wenn Ideen allein im Kopf eines einsam Studierenden aufleuchten. Alles entscheidend ist, dass sie in der Kommunikation „zünden“. Sie müssen in der Kommunikation unter KommilitonInnen, Lehrenden, FachkollegInnen, ExpertInnen anschlussfähig sein. Wissenschaftliche Ideen erweisen sich erst als solche, wenn Sie sich in laufende Debatten einbinden lassen: Sie müssen an den wissenschaftlichen Diskursen ansetzen, sie erweitern, bereichern und deren Lücken füllen. Sie müssen passen zur noch zu leistenden wissenschaftlichen Arbeit.

Reden: In ihrem Studium werden Ihnen nicht nur viele fremde Texte nahegebracht, man erwartet auch von Ihnen, dass sie Texte beisteuern, in mündlicher wie in schriftlicher Form. Bezüglich der mündlichen Form, der Rede, werden Sie nahezu täglich aufgefordert, Beiträge zu liefern. Sie sollen ihre Vorstellungen erläutern, Ihre Meinung äußern, eine Einschätzung abgeben und Stellung beziehen. Neben kleineren Wortbeiträgen verlangt man von Ihnen oft auch, eigene Vorträge vor Publikum zu halten. In der Regel handelt es sich dabei um Einzel- oder Gruppenreferate. Das Studium ist eine ausgezeichneter Übungsraum, um sich im Reden vor Menschen zu trainieren. Wer die Gelegenheit nutzt, seine Präsentationskompetenz zu schulen, wird für seine spätere berufliche Arbeit, in der immer wieder eigene Redebeiträge erwartet werden, viel profitieren können. Referate haben eine Doppelfunktion. In der Vorbereitung auf sie sollen Sie etwas lernen. In der Darbietung der Referate sollen sie Ihrer Zuhörerschaft etwas lehren.

Schweigen: Was wir der Welt im Reden abgewinnen, was Teil der Rede wird, hinterlässt unweigerlich Opfer. Die Welt kann nicht als Einheit kommuniziert werden, sondern nur als Differenz zwischen Gesagtem und Ungesagtem. Was in der Kommunikation Unausgesprochen bleibt – Menschen, Dinge, Probleme, Themen –, sind die Opfer des Gesagten. Manchmal melden sich diese Opfer zu Wort. Meist werden sie nicht vernommen. Manchmal reden andere für sie, FürsprecherInnen, RepräsentantInnen, AnwältInnen. Wo den VertreterInnen sozialer Berufe die Gelegenheit der Rede gegeben wird, geht es häufig um Themen und Inhalte, die von vielen gern verschwiegen würden. Aber gerade deshalb sollte die Rede genutzt werden, das Schweigen zu brechen, um denen beizustehen, deren Stimme ansonsten stumm bliebe. Manche nehmen den beredeten Teil der Welt für die Welt und vergessen dabei den verschwiegenen, stummen, stillen Teil. Die generelle Alternative zum Reden ist das Schweigen, das nicht mehr als Kommunikation verstanden sein möchte und eben darin Kommunikation ist. Die Gesellschaft kennt das Schweigen als eine solch paradoxe Form der Kommunikation in vielfältigen Ausprägungen:(1) als beredtes Schweigen (z.B. des Meisters (Gurus) gegenüber seinen Schülern), (2) als verschweigendes Schweigen (z.B. Verheimlichung, Tabuisierung), (3) als strategisches Schweigen (z.B. aus Furcht vor Entdeckung und Strafe), (4) als eisiges Schweigen (z.B. als Ausdruck von Ablehnung, Hass oder Verachtung), (5) als kollektives Schweigen (Schweigemärsche, Schweigeminute), (6) als individuelles Schweigen (z.B. verletztes Schweigen nach einem Streit, Schweigen aus Scham), (7) als rituelles Schweigen vor allem im religiösen Kontext (z.B. in Kirchen während liturgischer Feiern, bei Begräbnissen, in Schweigeorden), (8) als konzentriertes Schweigen auch in profanen Zusammenhängen (Meditation, Schachspiel), (9) als heilendes Schweigen (z.B. in therapeutischen Zusammenhängen), (10) als alarmierendes Schweigen (der Alten, der Kranken, der Lebensmüden, der Enttäuschten und Verbitterten), das wir am liebsten therapieren möchten, (11) als sittliches Schweigen, das taktvoll Peinlichkeiten zu vermeiden sucht und mitmenschliche Rücksichtnahme übt, (12) als verordnetes bis gesetzlich geregeltes Schweigen (von „Ruhe“ und „Bitte nicht eintreten“ über amtliche Schweigepflicht (z.B. für Ärzte, Geistliche) bis hin zur Zensur, dem Verbot öffentlichen freimütigen Redens und Schreibens), (13) als erkauftes, semifreiwilliges Schweigen (Bestechung, Korruption), (14) als erschlichenes, semifreiwilliges Schweigen (z.B. in Form von massenmedialer Berieselung, die eine kritische Öffentlichkeit unmerklich zum Erliegen bringt und die Menschen zu schweigenden ZuhörerInnen und ZuschauerInnen macht), (15) als erpresstes oder erzwungenes, unfreiwilliges Schweigen (Befehl, Gewalt, Zwang, Gefängnis, Manipulation der Körper, Androhung von Folter bis hin zur Tötung), und nach alledem (16) als das kurz- und langfristige Schweigen (von der nachdenklichen Gesprächspause bis zum krankhaften Verstummen aufgrund einer Schockerfahrung oder Traumatisierung). Auch das Schweigen ist also eine Form der Kommunikation. Das Schweigen ist Kommunikation, indem es anderen den Raum bietet, sich zu äußern. Es ist zugleich Gelegenheit, anderen zuzuhören. Das zuhörende Schweigen (in Gesprächen, im Unterricht, bei Vorträgen) wie auch das konzentrierte Schweigen (in Bibliotheken und Lesesälen oder am eigenen Arbeitsplatz) sind im Kontext der wissenschaftlichen Kommunikation unverzichtbar.

Kapitel 9: Formalien und Muster

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Richtlinien, Formalien und Muster zur Gestaltung von wissenschaftlicher Manuskripte dargestellt. Folgende Elemente eines Manuskripts werden genauer angesprochen: Titel und Zwischentitel, Motto, Widmung, Geleitwort, Vorwort, Verzeichnisse, Einleitung, Hauptteil, Schluss, Anhang, Überleitungen, Absätze. Danach geht der Autor auf folgende Manuskripttypen ein: Protokoll, Thesenpapier, Portfolio, Referat, Seminararbeit, Hausarbeit, Praktikumsbericht, Klausur, Bachelor- und Masterdarbeit, Dissertation und Habilitation. Am Schluss werden folgende Muster bereitgestellt: Muster für das Titelblatt für Referate, Seminar- und Hausarbeiten sowie für Praktikumsberichte, Muster für das Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis und Literaturverzeichnis.

Diskussion

Das Buch hebt sich deutlich von vielen anderen Ratgebern zum Studium der Sozialen Arbeit ab. Auf der Grundlage eines unterscheidungstheoretischen Ansatzes werden wissenschaftliche Inhalte und Diskurse sowie die Grundzüge des wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens insbesondere in den Sozialwissenschaften dargestellt. An der Gewichtung der Themen im mehr praktisch orientierten Teil des Buches wird deutlich, worauf es dem Autor in besonderem Maße ankommt. Kapitel 5: Lob der Planung (6 Seiten) und Lob des Zufalls (19 Seiten), Kapitel 6: Reden (2 Seiten) und Schweigen (5 Seiten), Kapitel 7: Lesen (33 Seiten) und Schreiben (21 Seiten), Kapitel 8: Denken (16 Seiten) und Präsentieren (11 Seiten), Kapitel 10: Zitieren (13 Seiten) und Plagiieren (22 Seiten).

Insbesondere vor dem Hintergrund des „Bologna Prozess“ ist das Buch von besonderem Interesse für Studierende aller Fachrichtungen. Laut Liessmann (2007) steht Bologna für eine wirtschaftsnahe, praxisorientierte Berufsausbildung im verschulten, kostensparenden Bachelor-Kurzstudium. Neben einem Wildwuchs an zertifizierten Studiengängen und Studienabschlüssen hat Bologna zu einem „Modularisierungswahn“ geführt, der die thematische Selbstbestimmung und methodische Freiheit der Hochschulen drastisch einschränkt. Die Möglichkeiten für individuelle Zugänge, originelle Forschungsansätze und unorthodoxe Fragestellungen schwinden. Das gesamte Studium und alle Studienleistungen werden nach dem European Credit Transfer System (ECTS) verrechnet. ECTS sollen dem student work load (Arbeitsaufwand in Stunden) entsprechen. Eine durchquantifizierte Modulstruktur macht aus dem Studium ein Setzkastensystem: nicht dynamisches Erkennen, Begreifen, Verstehen und Reflektieren zählt, sondern pragmatisches Zusammenbasteln von unzusammenhängenden Bausteinen. Studierende jonglieren mit Leistungspunkten durch Kombination von Modulen jenseits aller Begeisterung für die Wissenschaft. Fast alle Steuerungs- und Kontrollverfahren wurden nicht aus den inneren Bedürfnissen und Strukturen der Universitäten entwickelt, sondern von außen, vor allem aus dem Bereich der Unternehmensberatung und der ihnen angeschlossenen Managementtechnologien übernommen.

Literatur: Konrad Paul Liessmann (2007): Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft

Zielgruppen

Studierende der Sozialen Arbeit, der Erziehungswissenschaften und der Pädagogik, sowie der Sozial- und Kulturwissenschaften

Fazit

Klar strukturiert, gut verständlich geschrieben und in der Lehre erprobt, führt dieses Buch ins Studium sozialer Berufe ein. An gut ausgewählten Inhalten und Debatten werden wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen anschaulich gemacht. Zugleich wird eine Fülle an nützlichen Hinweisen zu praktischen Vorgehensweisen und wissenschaftlichen Arbeitstechniken vorgestellt. Das Buch kombiniert somit reflexives und und instrumentelles Wissen. Auf der Grundlage eines unterscheidungstheoretischen Ansatzes werden wissenschaftliche Inhalte und Diskurse sowie wissenschaftliche Techniken und Formalien so zusammengeführt, dass aus ihnen wichtige Impulse für ein ambitioniertes Studium und eine eigenverantwortliche Praxis zu ziehen sind.


Rezensent
Prof. Dr. Uwe Helmert
Sozialepidemiologe


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Zitiervorschlag
Uwe Helmert. Rezension vom 22.07.2015 zu: Theodor M. Bardmann: Die Kunst des Unterscheidens. Eine Einführung ins wissenschaftliche Denken und Arbeiten für soziale Berufe. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2015. ISBN 978-3-658-08629-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19002.php, Datum des Zugriffs 16.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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