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Volker Premper, Bernd Sobottka: Pathologisches Glücksspielen

Cover Volker Premper, Bernd Sobottka: Pathologisches Glücksspielen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 256 Seiten. ISBN 978-3-621-28216-1. D: 44,95 EUR, A: 46,50 EUR, CH: 57,90 sFr.
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Thema

Das verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramm zur Problematik des pathologischen Glücksspielens vermittelt Therapeuten, wie sie pathologische Glücksspieler wirksam unterstützen können, zukünftig glückspielfrei zu leben, d.h. ohne die Ausübung von Glücksspielen das eigene Leben gestalten können. Nach einer theoretischen Einführung erläutern Volker Premper und Bernd Sobottka die Rahmenbedingungen der Behandlung. Anschließend werden in modularer und manualisierter Weise zehn Behandlungsbausteine dargestellt, die durch sieben optionale Module ergänzt werden können. Neben dem Gruppenprogramm wird auf die Besonderheiten des Beratungssettings und der Nachsorgebehandlung eingegangen.

Autoren

Volker Premper und Bernd Sobottka können auf einen reichen klinischen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In der AHG (Allgemeinen Hospitalgesellschaft) Klinik Schweriner See in Lübstorf, Mecklenburg-Vorpommern, in der die Autoren langjährig tätig sind, wurden seit 1997 ca. 1.750 pathologische Glücksspielerinnen und Glücksspieler behandelt. Die Klinik ist Mitglied in einer AHG Arbeitsgruppe von neun Kliniken, acht Adaptionseinrichtungen und sechs soziotherapeutischen Einrichtungen, die beginnend mit einer Klinik im Jahr 1986 inzwischen jährlich über 1.200 stationäre Behandlungen in diesem Indikationsgebiet durchführt haben.

Hintergrund

Das exzessive Glücksspiel wurde erstmals 1985 im DSM-III-R definiert. Ebenfalls seit Mitte der 1980er-Jahre hat die Beratung und Behandlung pathologischer Glücksspieler in Deutschland Eingang in die klinische Praxis gefunden. Mit Beginn der 1990er-Jahre wurden die Grundlagen für systematische glücksspielspezifische Behandlungsprogramme gelegt.

Der überwiegende Teil der Behandlungen pathologischer Glücksspieler findet heute im Rahmen der medizinischen Rehabilitation statt; hier wiederum weit überwiegend in Form stationärer und medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen. Es sind jedoch auch teilstationäre und ambulante Rehabilitationen möglich. Der Anteil letzterer steigt kontinuierlich an. Ein geringer Anteil pathologischer Glücksspieler wird im Rahmen einiger spezialisierter Institutsambulanzen, in Allgemeinkrankenhäusern und im Rahmen ambulanter Psychotherapie behandelt.

Aufbau und Inhalt

Das Behandlungsmanual gliedert sich in drei Teile.

  1. Im ersten Teil geben die Autoren einen Überblick über verschiedene Aspekte des Störungsbildes des Pathologischen Glücksspiels, insbesondere zum Erscheinungsbild, zur Epidemiologie, zu Komorbiditäten, zu Definitionskriterien und der Klassifikation von Pathologischem Glücksspiel sowie zur Diagnostik und Differentialdiagnostik. Indem die Autoren verschiedene Erklärungsansätze vorstellen, verdeutlichen sie, dass die Entstehung des Pathologischen Glücksspiels multifaktoriell bedingt ist. Das Kapitel schließt mit einem Beitrag zu dem Stand der Therapieforschung.
  2. Im zweiten Teil werden die Rahmenbedingungen erläutert, unter denen die Behandlung des Störungsbildes stattfinden kann, und es wird auf Besonderheiten eingegangen, die dabei zu beachten sind. Besondere Berücksichtigung finden auch die sozialrechtlichen Gegebenheiten, die derzeit für die Behandlung pathologischer Glücksspieler in Deutschland zu beachten sind. Daran anschließend werden in modularer und manualisierter Weise die störungsspezifischen Behandlungsbausteine dargestellt, welche das Gruppentherapieprogramm konstituieren. Das Behandlungsprogramm ist primär kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientiert. An vielen Stellen wird auf bisherige Behandlungsansätze Bezug genommen, diese werden integriert und zu einem kognitiv-behavioralen Gesamtbehandlungskonzept zusammengeführt. Die Beschreibung der zehn störungsspezifischen Behandlungsmodule wird ergänzt um die Darstellung von sieben optionalen Modulen. Das Behandlungsprogramm ist insgesamt so aufgebaut, dass es sowohl im ambulanten wie auch im stationären Setting eingesetzt werden kann.
  3. Für die Praxis ist insbesondere der Anhang interessant, welcher verschiedene Arbeitsmaterialien und weiterführende Adressen enthält.

Diskussion

Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsmanual bietet wichtige Hinweise für Fachpersonen, welche in der stationären und/oder ambulanten Therapie tätig sind und mit pathologischen Glücksspielern arbeiten, die Hilfe in Anspruch nehmen. Epidemiologische Studien zeigen auf, dass nur ein sehr geringer Anteil an Pathologischen Glücksspielern in irgendeiner Form von Behandlung ihrer Glücksspielprobleme in Anspruch nimmt. Die Vermittlung von Pathologischen Glücksspielern an das spezialisierte Beratungs- und Behandlungssystem bleibt für die Praxis als Herausforderung bestehen.

Fazit

Das Manual richtet sich durch den Fokus auf die Behandlung an Berufsgruppen, die im therapeutischen Bereich tätig sind. Es überzeugt vor allem durch seine verständliche Sprache und die ausgeprägte Anwendungsorientierung. Besonders der zweite Teil „Therapiemanual“ bietet einen umfassenden Überblick und vertieften Einblick über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von pathologischen Glücksspielern im ambulanten und/oder stationären Bereich. Die beschriebenen Module sind jedoch auch für Fachpersonen aus Psychologie, Pädagogik und Sozialer Arbeit interessant, die in Beratungssettings klientenzentrierte Arbeit leisten. Die Arbeitsmaterialien sind auch über die Landesgrenzen hinaus im gesamten deutschsprachigen Raum anwendbar.

Insgesamt überzeugt das kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsmanual mit den verschiedenen anwendungsorientierten Modulen durch seinen Praxisbezug.


Rezension von
Dr. Suzanne Lischer
Dozentin und Projektleiterin Hochschule Luzern
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Zitiervorschlag
Suzanne Lischer. Rezension vom 20.10.2015 zu: Volker Premper, Bernd Sobottka: Pathologisches Glücksspielen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-621-28216-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19004.php, Datum des Zugriffs 31.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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