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Laura Diedrich, Sebastian Fischer u.a.: Gesundheit im Unternehmen

Cover Laura Diedrich, Sebastian Fischer, Kai-Michael Kleinlercher, Wulf Rössler: Gesundheit im Unternehmen. Psychosoziale Ressourcen erhalten, Potenziale entwickeln. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 147 Seiten. ISBN 978-3-17-026088-7. 29,99 EUR.
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Thema

Das Buch „Gesundheit im Unternehmen“ thematisiert die Auswirkungen der Arbeit auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Es wird erläutert, welche Faktoren psychische Erkrankungen bedingen, welche Auswirkungen sie sowohl für den einzelnen Mitarbeiter, als auch für das Unternehmen haben können. Darüber hinaus werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die psychosozialen Belastungen der Mitarbeiter erkannt, Ressourcen gestärkt und welche Lösungsansätze wie entwickelt werden können.

Autorteam

Professor Dr. med. Wulf Rössler, Laura Diedrich, Dr. Sebastian Fischer und Kai-Michael Kleinlercher arbeiten am Projekt „UBalance – Mental fit im Job“ des Innovations-Inkubators der Leuphana Universität. Professor Dr. med. Wulf Rössler hat in Heidelberg Medizin und anschließend Psychologie studiert und ist jetzt Seniorprofessor an der Leuphana Universität.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in fünf Kapitel untergliedert.

Nach einer ausführlichen Beschreibung, wie Belastung am Arbeitsplatz entsteht, wie sich diese auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken und was Unternehmen allgemein tun können, um die Gesundheit der Mitarbeiter positiv zu beeinflussen, wird erklärt, wie in der Organisation selbst eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur gestaltet werden kann. Es wird zudem erläutert, welche Lösungen für den einzelnen Mitarbeiter erarbeitet werden können, um Belastungen und psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Der anschließende Praxisleitfaden konkretisiert, wie genau gesundheitsförderliche Maßnahmen angegangen werden können. Am Ende wird noch einmal verdeutlicht, warum es in Zeiten der Globalisierung so wichtig ist, auf die Gesundheit der Mitarbeiter großen Wert zu legen.

Im ersten Kapitel „Schöne neue Arbeitswelt – vom Arbeiten in Zeiten des Wandels“ wird darauf hingewiesen, dass viele Menschen ihre Arbeit nicht als Mittel zum Zweck sehen, sondern die Erwartungshaltung haben, dass die Bedürfnisse Kompetenz, Autonomie und soziale Zugehörigkeit erfüllt werden. Jedoch befriedigen viele Unternehmen diese Bedürfnisse nicht oder nur teilweise, stattdessen sind die Arbeitnehmer andauernden Stressoren ausgesetzt. Die Folgen von zu viel Stress und zu hoher Belastung sind neben der stetig wachsenden Zahl an psychischen Erkrankungen die ansteigenden Kosten, welche sich unter anderem durch lange Fehlzeiten oder auch sinkender Job Performance äußern. Daher ist es wichtig, dass die Unternehmen auf den Ebenen der Unternehmenskultur und der Arbeitsplätze Verhältnisprävention betreiben, durch welche Belastungen, die auf die Mitarbeiter einwirken, verhindert oder reduziert werden können. Durch die Gesundheitsförderung lassen sich ebenso gesundheitsrelevante Ressourcen stärken, die sich positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken. Daher ist es wichtig, die Arbeit gesund zu gestalten, da sie einen wesentlichen Einfluss auf den Gesundheitszustand, das Wohlbefinden und die Weiterentwicklung der Mitarbeiter nehmen kann.

Das zweite Kapitel „Die Organisation im Fokus: Wenn die Unternehmenskultur zu Belastung bei Mitarbeitern führt“ zeigt auf, dass auf der Organisationsebene eines Unternehmens angesetzt werden sollte, um ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil die Grenzen zwischen dem Arbeits- und Privatleben, z.B. durch mobile Arbeitsformen oder individualisierte Arbeitszeitregelungen, zunehmend verschwimmen und somit systematische Erholungsphasen reduzieren, was häufig dazu führt, dass die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bei der Arbeit reduziert wird. Ein gesundes Organisationsklima beinhaltet regelmäßige und konstruktive Feedbacks, die Wertschätzung der Mitarbeiter und Kollegen, das Aufzeigen von (kollektivem) Mitgefühl und das Vorhandensein psychologischer Sicherheit. Psychologische Sicherheit äußert sich darin, dass Mitarbeiter bei beispielsweise Teambesprechungen ihre Meinungen äußern können, ohne negative Sanktionen zu fürchten zu müssen. Die zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit gilt nachweislich als erheblicher Stressor der hiesigen Arbeitswelt.

Im dritten Kapitel „Der Arbeitsplatz im Fokus: Wenn Besonderheiten der Arbeitssituation zur Belastung werden“ werden Lösungsansätze zur Verminderung der Gesundheitsrisiken beim einzelnen Mitarbeiter bzw. bei Mitarbeitergruppen betrachtet. Dies hat den Vorteil, dass die Maßnahmen auf den Einzelnen zugeschnitten werden und nicht mehr die ganze Organisation betreffen. Führungskräfte können schon mithilfe eines geringen Aufwands und kleinen Änderungen dafür sorgen, dass die individuellen Herausforderungen der Mitarbeiter nicht zur Belastung werden, da sich diese negativ auf die Gesundheit, Leistung und Motivation auswirkt. So können durch klare Arbeitsanweisungen, regelmäßige Teambesprechungen, gemeinsam erarbeitete Richtlinien zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, flexible Arbeitszeiten, ausreichendes Honorieren guter Leistungen und das Schaffen von Kontrollmöglichkeiten der Mitarbeiter über ihre eigene Tätigkeit Stressoren und Belastungen am Arbeitsplatz wesentlich reduziert oder präventiv verhindert werden.

Das vierte Kapitel „Praxisleitfaden: Wie setze ich die Maßnahmen in meinem Unternehmen praktisch um?“ beschreibt, wie Lösungen zielgenau auf die tatsächlichen Probleme angepasst werden. Dabei spielt der Einsatz der evidenzbasierten Unternehmensführung eine wichtige Rolle, da durch ein systematisches Vorgehen die Probleme identifiziert und geeignete Lösungen entwickelt werden. Die richtige Planung von Maßnahmen ist ebenso ein wichtiger Aspekt für die Zielerreichung. Mithilfe von beispielsweise Mitarbeiterbefragungen können nützliche Informationen gewonnen und geeignete Ziele abgeleitet werden. Zu den ausgewählten Zielen werden danach verstärkt Informationen gesammelt, die als Grundlage für die Planung der Zielerreichung gelten. Allgemein ist zu beachten, dass weder zu viele, noch zu wenige Interventionen positive Effekte bewirken. Daher gilt für das Unternehmen eine Balance zu finden, die optimale Bedingungen für Ressourcen und Potenziale der Mitarbeiter bietet.

Im abschließenden fünften Kapitel „Zusammenfassung und Ausblick“ werden die wichtigen Faktoren für die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in einem Unternehmen, die Bedürfnisse der und die Anforderungen an die Mitarbeiter noch einmal kurz und prägnant repetiert. Des Weiteren wird empfohlen, dass Unternehmen u. a. interne Weiterbildungsmaßnahmen, Workshops und regelmäßige Teambesprechungen anbieten, um Mitarbeitern in Zeiten der Globalisierung nicht nur das Gefühl von Autonomie, sondern auch das der sozialen Zugehörigkeit zu vermitteln.

Diskussion

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit der Mitarbeiter wesentlich zur Leistungsfähigkeit, Motivation und zum Unternehmenserfolg beitragen. Doch bisher haben sich viele Unternehmen nur auf somatische Interventionen fokussiert. Dieses einseitige Denken scheint nun (zumindest theoretisch) aber ein Ende zu haben. Den Autoren des Buches gelingt es, dem Leser einen umfassenden Einblick in das Thema Arbeit und psychische Gesundheit zu gewähren. Mithilfe von Fallbeispielen, Exkursen sowie den genaueren Erläuterungen der Hintergründe können die verschiedenen Themen gut verstanden und nachvollzogen werden. Es werden viele unterschiedliche Gestaltungsmaßnahmen beschrieben, die zu einer sich auf die psychosoziale Gesundheit positiv auswirkenden Unternehmenskultur beitragen und ein gesundes Arbeitsumfeld begünstigen. Dennoch ist zu beachten, dass manche Interventionen in der Praxis wahrscheinlich nur schwer umzusetzen und aufrecht zu erhalten sind. Das Buch eignet sich vor allem für diejenigen Führungskräfte, die hinsichtlich der Aufrechterhaltung, Förderung oder Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter aktiv werden möchten.

Fazit

Das Buch „Gesundheit im Unternehmen“ verdeutlicht, warum die Beachtung der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter wichtig ist. Es werden konkrete Interventionsmaßnahmen beschrieben, um positive Bedingungen für die psychosoziale Gesundheit der Mitarbeiter zu schaffen und Belastungen bei der Arbeit zu vermindern. Das Buch eignet sich sehr gut für (zukünftige) Führungskräfte, die sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sorgen und Handlungsbedarf sehen, sowie für all diejenigen, die sich für die Thematik psychische Gesundheit in Verbindung mit Arbeit interessieren.


Rezensent
Prof. Dr. Dieter Ahrens
MPH Hochschule Aalen Studiengang Gesundheitsmanagement
Homepage www.htw-aalen.de/studium/gm/
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Rezensentin
Jessica Selzer
B. A., seit Oktober 2016 Masterstudentin in Public Health an der Universität Bielefeld
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Zitiervorschlag
Dieter Ahrens/Jessica Selzer. Rezension vom 22.09.2015 zu: Laura Diedrich, Sebastian Fischer, Kai-Michael Kleinlercher, Wulf Rössler: Gesundheit im Unternehmen. Psychosoziale Ressourcen erhalten, Potenziale entwickeln. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-026088-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19013.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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