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Sabine Hering, Richard Münchmeier: Geschichte der Sozialen Arbeit - Quellentexte

Cover Sabine Hering, Richard Münchmeier: Geschichte der Sozialen Arbeit - Quellentexte. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 272 Seiten. ISBN 978-3-7799-1448-8. 24,95 EUR.
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Thema

Die beiden Herausgeber_innen legen Quellentexte zur Geschichte Sozialer Arbeit vor. Sie betonen, dass die exemplarische Auswahl an Texten in engem Zusammenhang zu ihrem ersten Band „Geschichte der Sozialen Arbeit. Eine Einführung“ (vgl. die Rezension) von 2014 steht. Die thematische Systematik ist dabei zum Teil beibehalten worden, während an der chronologischen Systematik festgehalten wurde. Die Herausgeber_innen formulieren den Anspruch, dass die Texte der Publikation möglichst repräsentativ Themen, Thesen und Diskurse des jeweiligen Zeitabschnitts darstellen.

Herausgeber_innen:

Sabine Hering war Forscherin, Planerin und Dozentin an den Universitäten in Tübingen und Kassel. Nach ihrer Habilitation (Erziehungswissenschaft und Frauenbildung) war sie Professorin an den Universitäten Frankfurt/Main und Siegen. Außerdem ist sie Gründerin des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel und Sprecherin des Zentrums für Gender-Studies.

Richard Münchmeier war bis 2009 Professor für Sozial- und Jugendpädagogik in Kassel, Leipzig und an der FU Berlin und Gastprofessor in Fribourg/Schweiz, Buenos Aires/Argentinien, Santiago/Chile. Davor war er u.a. als Leiter der Abteilung für Jugend- und Jugendhilfeforschung am Deutschen Jugendinstitut München tätig.

Zielgruppe

Auf dem Klappentext sind dazu Studierende genannt, die sich mit der Geschichte Sozialer Arbeit befassen. Ebenso sehe ich Lehrende der Sozialen Arbeit als Zielgruppe, da mit Quellentexten in Lehrveranstaltungen gearbeitet werden kann. Inwiefern Praktiker_innen an Quellentexten Interesse haben, liegt wohl im jeweiligen geschichtlichen Interesse oder auch Arbeitsfeld (bspw. Kapitel vier und acht zur Jugendfürsorge) begründet.

Aufbau

Der Inhalt wird anhand der zehn Kapitel aufgezeigt, jedes Kapitel umfasst fünf bis 13 Quellentexte und wird von den Herausgeber_innen kurz eingeführt. Titel(-teile) der Quellentexte sind im Folgenden hervorgehoben.

Zu 1: Texte zur Not und Verelendung sowie zur Nächstenliebe und Sozialreform im 19. Jahrhundert.

Texte dieses Abschnitts umreißen beispielhaft drei Ansätze zur Lösung der sozialen Frage. Anhand eines Auszugs aus dem allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten gegen das sog. Bettlerunwesen wird ein eher repressiver und sozialdisziplinierender Ansatz illustriert.

Auszüge der Studie zur Lage der arbeitenden Klasse in England und dem Manifest der kommunistischen Partei veranschaulichen Gedanken zur politisch-ökonomischen Revolution.

Die weiteren Quellen setzen bei Sozialreformen und Modernisierung der Armenfürsorge an. Den Anfang macht Wichern, zum einen mit der Begründung des Zentralausschusses für Innere Mission 1848 und zum anderen mit der Denkschrift an die deutsche Nation. Im Gegensatz zu Marx und Engels sieht er als Ursache der Verelendung die Sittenlosigkeit und Entchristlichung. Als Mitbegründerin der Diakonie in Deutschland spricht Sieveking sich in Fehler im Verkehr mit den Armen dagegen für einen wertschätzenden Umgang mit diesen aus.

Die Reform der Armenfürsorge vollzog sich besonders auf kommunaler Ebene, dies wird in den Auszügen zum Elberfelder System und der Reform der Armenpflege deutlich.

Zu 2: Texte zur Armenfürsorge und Sozialpolitik im Kaiserreich

Eine aktuell anmutende Rede des Ökonomen Schmoller anlässlich der Eisenacher Versammlung zur sozialen Frage 1872 macht den Anfang, er fordert eine gezielte Sozialpolitik ein. Eine Beschreibung der Aktivitäten von Staat und Zivilgesellschaft der damaligen Zeit lässt sich der Rede die Sociale Wohlfahrtspflege in Deutschland auf der Pariser Weltausstellung 1900 entnehmen.

Es folgen eine Beschreibung der Verwaltung der offenen Armenpflege der Stadt Berlin, die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 als Impuls der Sozialgesetzgebung (enthält die sog. Bismarcksche Sozialgesetzgebung) sowie das Gesetz über den Unterstützungswohnsitz.

Grundsätze der Armenpflege und die Frage nach dem Recht von Frauen auf Mitwirkung in derselben legt Radomski dar, die Frau in der öffentlichen Armenfürsorge. Moser, Mitbegründerin der sozialen Frauenschulen in der Schweiz, berichtet aus der Praxis der Hilfsarbeit. Die Arbeiterbewegung empfand die Sozialgesetzgebung als unzureichend und verfasste sozialistische Forderungen für die Arbeiterwohlfahrt. Im Kaiserreich entstanden (nach der bereits gegründeten Inneren Mission) der Charitas-Verband für das katholische Deutschland und der Hilfsverein der Deutschen Juden.

Zu 3: Texte zur Professionalisierung und Frauenbewegung

Hier geht es v.a. um die Initiativen der Frauenbewegung, durch die Soziale Arbeit wesentlich zu einem professionell fundierten Beruf geworden ist. Im Text Caritas und Soziale Arbeit beschreibt Bäumer, eine der bedeutendsten Vertreterin der deutschen Frauenbewegung, den Übergang von traditioneller Armenpflege und caritativer Einzelfallhilfe zur modernen Wohlfahrtspflege. Grundlage waren sozialpolitische Motive und ausgebildete Fachkräfte.

In einem weiteren ihrer Texte, der Sinn sozialer Arbeit, geht es um die Aufgaben und Ziele Sozialer Arbeit: „Soziale Berufsarbeiter sind von Beruf Reformer, Umgestalter, sonst wird ihre Arbeit ein mechanisches Handwerk“ (S. 84). Münsterberg, überzeugter Vertreter des sozialen Frauenberufs, nennt Ziele der weiblichen Hilfstätigkeit und verknüpft damit erfolgreich Weiblichkeit und Fürsorge. So positiv die damalige Wirkung war, hat sie bis heute zur Stereotype der Sozialen Arbeit als Frauenberuf beigetragen.

Salomon, eine weitere Schlüsselfigur Sozialer Arbeit, berichtet über die Entstehung der Frauen- und Mädchengruppen für soziale Hilfsarbeit, und wie dies zur Gründung der ersten Frauenschule 1908 in Berlin geführt hat. In einem weiteren Text nimmt sie außerdem eine Bestandsaufnahme vor, die Wohlfahrtsschule in der sozialen Entwicklung unserer Zeit.

Eine Initiatorin des 1916 gegründeten Berufsverbandes für Wohlfahrtspflegerinnen (der Deutsche Verband der Sozialbeamtinnen), Israel, schließt mit der Erkenntnis, dass neben der Professionalisierung die Verberuflichung eine zentrale Voraussetzung der Etablierung des sozialen Frauenberufs war.

Zu 4: Texte zu Jugendbewegung und Jugendfürsorge

„Ein Dokument der Sorgen von Erwachsenen um eine missratene Jugend (vor allem im Proletariat) ist die Schrift […] über die Halbstarken“ (S. 93) – diese und ähnliche Wahrnehmungen werden gefasst unter dem Begriff der Jugendverwahrlosung.

Reaktionen dazu stellen die beiden preußischen Ministerialerlasse betreffs Jugendpflege (1911, 1913) dar, die Pflege der Jugend wird zur obersten nationalen Aufgabe erklärt. Der von Giesecke verfasste Bericht der Wandervogel ist ein anschauliches Beispiel des von der Jugend neu entdeckten Jugendwanderns.

Das Einladungsschreiben zum Meißnerfest zeigt die ethischen Grundsätze dieser Bewegung. Duensing berichtet als Leiterin aus der Arbeit der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge – ein Fallbeispiel.

Überlegungen zur Pflege der schulentlassenen weiblichen Jugend schließen das Kapitel ab.

Zu 5: Texte zur Sozialen Arbeit im Ersten Weltkrieg und in der Umbruchszeit

Im Text Einheit im nationalen Fühlen, Wollen und Handeln wird die nationale Euphorie durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs belegt. Lüders betont das Einheitsgefühl durch den Krieg, das alte Gegensätze von Klasse und Geschlecht aufhebt.

Diese Euphorie ist auch bei Salomon lesbar, sie beschreibt die Aufgaben der Kriegsfürsorge in der Engel des Todes geht durch die Lande.

Weiter werden Aufbau und Aufgaben der Frauenreferate im Kriegsamt und Entwicklungen der sozialen Berufsarbeit im Kriege beschrieben. Der letztgenannte Text wendet sich ebenso wie Bäumer in soziale Zukunftsfragen gegen die diskriminierende Armenfürsorge und verficht die reformierte Wohlfahrtspflege.

Die Sorge, dass mit der Regierungsübernahme der Sozialdemokraten eine totale Verstaatlichung und damit der Ausschluss von Verbänden und Kirchen folgt, prägt diese Zeit, wie am Quellentext ist soziale Arbeit im neuen Staat noch möglich? deutlich wird.

Die Sozialdemokratin Fürth blickt mit ihrem Text die Welt ist aus den Fugen in die Zukunft und dringt mit ihrer Entwicklung von Ideen zur Geburtenregelung bereits in die Eugenik vor.

Zu 6: Texte zur Sozialhygiene, Eugenik und Betriebssozialarbeit

Diese drei Themenbereiche widmen sich der Frage, welche Rolle Sozialer Arbeit in der Gesundheitsfürsorge in Deutschland zufällt. Die Grundlagen und Vorbedingungen des ‚Gesundgeborenwerdens‘ zeigen den schmalen Grat zwischen politischen Bemühungen um die Volksgesundheit und eugenischen Steuerungsmaßnahmen.

Deutlicher nennt die Ärztin Bluhm die aus ihrer Sicht notwendigen Schritte zu Sozialpolitik und Rassenhygiene. Einen Schritt weiter geht der Ökonom Goldscheid, der neben der Güterökonomie für eine Menschenökonomie plädiert.

Die letzten beiden Quellentexte des Kapitels widmen sich der Fabrikfürsorge – heute Betriebssozialarbeit. Mit der Frau in der Gewerbeaufsicht wird zum einen die Perspektive zum Schutz der Arbeiter_innen, zum anderen Ordnung und Disziplin als Aufgabe der Fabrikfürsorgerin (Fabrikpflege) deutlich.

Zu 7: Der Wohlfahrtsstaat in der Weimarer Republik

Bäumer stellt in ihrem Text die Ursprünge und Aufgaben der Sozialpädagogik dar, auch indem sie Bedeutung und Aufgaben in Abgrenzung zur Pädagogik darlegt.

Ein zentrales Thema greift ein Vortrag der Pariser Weltkonferenz zur Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik1928 auf, die öffentliche und die freie Wohlfahrtspflege – über die Beziehungen dieser zueinander. Aufbauend auf dieser strukturell kaum zu lösenden Konkurrenz wird das Wohlfahrtssystem in Deutschland nach 1918 beschrieben.

Kraus, Sozialpolitikerin, macht sich Gedanken zur sozialen Frauenarbeit und weist auf den langen Schatten der Armenfürsorge hin, welcher die Modernisierung erheblich behindert hat, während Baum die Aufgaben der Familienfürsorge darlegt. Ihre Ausführungen machen auch die Konzentration von Spezialfürsorgern in einer ganzheitlichen Familienfürsorge deutlich.

Die Einführung der Arbeitslosenversicherung 1927 erweitert die Bismarcksche Sozialgesetzgebung entscheidend, jedoch wird auch die Restriktivität des Gesetzes klar „…die Arbeitslosen sollen sich täglich melden und sind gezwungen, jede zumutbare Arbeit anzunehmen“ (S. 181).

Gründungen von Wohlfahrtsverbänden prägen die Weimarer Republik, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz und der Deutsche paritätische Wohlfahrtsverband werden hier in Quellentexten dargelegt.

Als ein Diskussionsforum ist die Gilde Soziale Arbeit seit den 1920er Jahren bis heute aktiv. „Die Auswirkungen der Reformen der Verwissenschaftlichung der Ausbildung und die Weiterentwicklung der Forschungsaktivitäten im Bereich der Sozialen Arbeit werden in den beiden abschließenden Artikeln beschrieben“ (S. 158): der Anteil der Wissenschaften an der sozialen Berufsausbildung von Bäumer sowie Forschungen über Bestand und Erschütterung der Familie von Salomon.

Zu 8: Texte zur Krise der Jugendfürsorge in der Weimarer Republik

Das Verhältnis zwischen der älteren und der jüngeren Generation ist im Nachgang des Ersten Weltkriegs nachhaltig beeinflusst, Autoritäten und Sicherheiten werden in Frage gestellt – dies reflektiert Herrmann in ihrem Text die soziale und geistige Lage nach dem Ersten Weltkrieg – Formen der Verwahrlosung in den1920er Jahren.

Lampel sammelt Dokumente und Berichte von Fürsorgezöglingen, die die Zustände in den Heimen veranschaulichen: Rede eines sechzehnjährigen Arbeiterjungen, wie er sie gedacht hat. Neue reformpädagogische Ansätze und deren Scheitern beschreibt der Bericht über den Lindenhof -Werden und Wollen.

Das Abkühlen des pädagogischen Optimismus beschreibt Litt in Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik. Dieser Schlüsseltext befasst sich mit der realistischen Wende, er setzt den Ansprüchen und Zielen der reformpädagogischen Bewegung eine Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen entgegen. In der Praxis blieb die Frage, „wohin mit den Unerziehbaren“ (S. 204).

Eiserhardt analysiert in das praktische Bedürfnis für ein Bewahrungsgesetz das Hauptproblem, nämlich den Kreis der Betroffenen anhand von Kriterien einzugrenzen – womöglich wegen dieser Schwierigkeit wurde bis zum Ende der Weimarer Republik kein solches Gesetz verabschiedet.

Zu 9: Soziale Arbeit in der NS-Zeit

Der Leiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) Hilgenfeldt beschreibt die Idee der nationalsozialistischen Wohlfahrtspflege. Der Gedanke der Volksgemeinschaft ist dabei Mittel und Ziel aller Aktivitäten – die Umsetzung klingt hier (1937) noch nicht an.

In den Verordnungen 1934 und 1940 zur Hitlerjugend wird der Geist der Zeit sehr deutlich, auch die Veränderung zum deutlich politischen Zweck.

Noch im Jahr 1942 begrüßt Bäumer in zehn Jahre NS Volkswohlfahrt die Vorteile gegenüber der Wohlfahrtspflege.

Die tatsächlichen Auswirkungen der NS-Ideologie beschreibt Salomon in ihren Lebenserinnerungen im Bericht über ein Gestapo Verhör, das zu ihrer Ausweisung führte. Weiter veranschaulicht wird dies durch das Merkblatt für die Mitnahme von Umzugsgut durch Auswanderer 1939.

Zu 10: Soziale Arbeit in der Nachkriegszeit

Die ersten Quellentexte dieses Kapitels verdeutlichen die soziale Situation von Adressat_innen Sozialer Arbeit: Flüchtlingstagebuch, das Leben von Displaced Persons in Lagern, Vergewaltigungen durch die Rote Armee sowie gefährdete Jugend.

Angesichts der Notstände der Nachkriegszeit werden die speziellen Aufgaben Sozialer Arbeit beschrieben, Wiederaufbau in „schicksalsschwerer Zeit“, ebenso wie die Situation des Fürsorgewesens nach dem Kriege. Hier werden grundlegende Prinzipien der zukünftigen Wohlfahrtspflege im Westen formuliert.

Der Gedanke der Individualisierung und Subsidiarität grenzt sich dabei ab von der Allzuständigkeit des Staates im Osten, als Beispiel dient ein Auszug aus dem Familiengesetzbuch in der DDR.

Achinger beschreibt in Neuordnung der sozialen Hilfe – der Widerstreit der Meinungen, v.a. die unterschiedlichen Konzepte der Wohlfahrt bzgl. ihrer Finanzierbarkeit.

Die Schwierigkeit eines Neustarts wird ebenso bei Heerdegen und dem Neubeginn des Berufsverbandes deutlich. Der Vorgängerverband des heutigen DBSH, der DBS, verdeutlicht im Berufsbild1950 eben dieses zur damaligen Zeit. Den Wandel der Organisationen – von einem ausschließlich weiblichen zu einem männlich konnotierten Verband – bewegt Weber zu einem Plädoyer für einen Frauenberufsverband.

Der Band wird durch ein Personenregister zu den Quellentexten vervollständigt.

Diskussion

Zeitgenössische Texten spiegeln stets Zeitperspektiven wieder, anhand von Stimmungslagen, Haltungen, etc., spezifische Ausdrucksformen, die der Zeit geschuldet sind, veranschaulichen diese meist eindrücklicher als „bloße“ Auf- oder Erzählungen – dies ist in meinen Augen eine klare Stärke der Sammlung solcher Quellentexte. Daher ist es ein Verdienst der Herausgeber_innen, diese Texte für Studierende, Lehrende und Praktiker_innen verfügbar gemacht zu haben.

Durch die klare Gliederung und jeweils kurze Einordnung durch die Einleitung lässt sich dieses Lesebuch gut handhaben, der geschichtliche Zusammenhang wird in aller Kürze hergestellt, jedoch in der Regel kaum bewertet. Kritisch anzumerken ist, dass die Herausgeber_innen zwar erwähnen, dass sie „Kürzungen und sprachliche `Modernisierungen´“ (S. 13) vorgenommen haben, diese an Ort und Stelle der Texte für den_die Leser_in jedoch nicht gekennzeichnet sind, lediglich an manchen Stellen ist ein … vermerkt.

Interessant ist ein Überblick über die Verteilung der Autor_innen der Quellentexte, es sind 36 weibliche und 30 männliche Autor_innen, wobei auffällt, dass – passend zur Historie – im Kapitel fünf ausschließlich weibliche Autorinnen erscheinen. Einige Personen erscheinen mehrmals, führend sind hier mit je sechs Texten Gertrud Bäumer und Alice Salomon.

Beachtenswert sind m.E. Dokumente, wie etwa das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten: Gegen das sog. „Bettlerunwesen“, Gesetzestexte oder Verordnungen, diese sind in manchen Formulierungen und Aussagen erschreckend aktuell. Genau hier sehe ich auch Potential, diese Texte nicht nur in Geschichte Sozialer Arbeit einzusetzen, sondern bspw. in Sozialpolitik, Ethik oder bzgl. spezifischer Handlungsfelder im Studium Sozialer Arbeit (BA wie MA). Hinzuzufügen wären in meinen Augen noch Texte und eine Einordnung der neueren Geschichte, bspw. vom BSHG zu den Grundsätzen des „Forderns und Förderns“ von heute, also die neuere Geschichte Sozialer Arbeit, der „neueste“ Quellentext stammt aus dem Jahr 1966.

Fazit

Das Buch bietet eine historische Rekonstruktion Sozialer Arbeit anhand von ausgewählten Quellentexten, die in zehn Kapiteln von den Herausgeber_innen chronologisch geordnet und in aller Kürze eingeführt werden. Mit vielen Texten bzw. Textauszügen wird die Professions- und Diskursgeschichte Sozialer Arbeit zeitgenössisch anschaulich „er-lesbar“, wobei die Bewertung zum Großteil selbständig erfolgen muss. Damit haben sie ihrem Anspruch, die Zeitabschnitte repräsentativ darzustellen, zumindest bis Mitte der 1960er Jahre Genüge getan.

Zielgruppe sind Studierende Sozialer Arbeit, Lehrende, die mit entsprechenden Texten arbeiten wollen und geschichtlich interessierte Praktiker_innen.


Rezension von
Prof. Dr. Andrea Dischler


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Zitiervorschlag
Andrea Dischler. Rezension vom 05.06.2015 zu: Sabine Hering, Richard Münchmeier: Geschichte der Sozialen Arbeit - Quellentexte. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. ISBN 978-3-7799-1448-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19015.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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