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Linda Brackwehr, Claude-Hélène Mayer: Der Einsatz von Aufstellungsarbeit in der Mediation

Cover Linda Brackwehr, Claude-Hélène Mayer: Der Einsatz von Aufstellungsarbeit in der Mediation. Peter Lang Verlag (Bern · Bruxelles · Frankfurt am Main · New York · Oxford) 2015. 120 Seiten. ISBN 978-3-631-66382-0. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 34,00 sFr.

Studien zur interkulturellen Mediation, Bd. 6.
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Thema

Themenschwerpunkt des Buches ist die Präsentation der Ergebnisse einer qualitativen Studie über Anwendungsbeispiele zur Aufstellungsarbeit im Mediationsprozess. Das Buch zeigt konkrete Beispiele und stellt auch die Verbindung zu den theoretischen Grundlagen her. Fokussiert werden die Gründe, die Herausforderungen und Grenzen der Kombination von Aufstellungsarbeit und Mediation.

Autorinnen

Linda Brackwehr hat einen Masterabschluss in „Intercultural Communication Studies“ an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) mit dem Schwerpunkt Migration, Ethnizität, Ethnozentrismus. Derzeit ist sie im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration tätig.

Claude-Hélène Mayer, PhD (Rhodes University) ist Kultur- und Wirtschaftswissenschaftlerin, Promotion Ethnologie, PhD Management. Senior Research Associate und Distinguished Visiting Professor der Rhodes University in Grahamstown, Südafrika. Visiting Professor der Univeristy of South Africa. Sie ist Privatdozentin an der Europa Universität Viadrina Frankfurt/Oder. Sie ist Mediatorin und Ausbilderin für Mediation (BM), Systemische (Familien-)Therapeutin (SG), Management-Coach.

Aufbau

Das Buch umfasst fünf Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Begriffsklärung und Theorie: Mediation und Aufstellungsarbeit
  3. Forschungsmethodik
  4. Ergebnisse
  5. Fazit

Inhalt

In Kapitel 1 des Buches wird der Forschungsgegenstand genauer erläutert, der Stand der Forschung präsentiert und in die Struktur des Werkes eingeführt. In Kapitel 2 werden die für den empirischen Teil notwendigen relevanten theoretischen Hintergründe und Begriffe vorgestellt: z.B. die Beschreibung des Mediationsverfahrens, die hierbei relevanten Ansätze und „Schulen“, die Rolle und Haltung des Mediators/der Mediatorin und die Besonderheiten bei Mediationen im Interkulturellen Kontext. Darüber hinaus wird die Theorie und Praxis der Aufstellungsarbeit erläutert unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wurzeln und Entstehungsgeschichte. Unterschiedliche Aufstellungsmethoden werden vorgestellt und die Haltung und Rolle der Aufstellungsleitung diskutiert.

In Kapitel 3 schließt sich die Einführung in die Forschungsmethodik an, indem Forschungszweck und -ziele vorgestellt werden. Im anschließenden vierten Kapitel werden die empirischen Ergebnisse dargestellt und interpretiert. Ein abschließendes Fazit ist in Kapitel 5 nachzulesen, in dem auch offene Fragen diskutiert werden und ein Ausblick präsentiert wird.

Es wurden insgesamt 9 leitfadenbasierte qualitative Interviews geführt. Als Ergebnis läßt sich festhalten, dass Aufstellungsarbeit durchaus als ergänzende Methode im Mediationsprozess geeignet ist: „Zusammenfassend kann dazu festgehalten werden, dass das systematische und aktionsgeleitete Vorgehen der Aufstellung Arbeit (1) teils überraschende, nicht vorhersehbare Einsichten in die dem Konflikt zugrunde liegenden Beziehungsdynamiken der der Betroffenen gibt und (2) in der Konsequenz alternative Handlungs- und Lösungsoptionen für die Konfliktbewältigung in der Mediation aufzeigt. Durch das persönliche Erleben und die räumliche Abbildung des Konfliktes ermöglicht Aufstellungsarbeit den Medianden eine weitere Ausdrucksform ihrer inneren Positionen im Bezug auf das Konfliktverhältnis mit den damit einhergehenden Gefühlen, Bedürfnisse sowie Interessen und verkürzt ein teils langwieriges und sogar kräfteraubendes Mediationsgespräch.“ (95)

Aufstellungsarbeit unterstützt und ergänzt das Methodenportfolio des/der Mediator_in in vielfacher Hinsicht:

  • Ein Perspektivwechsel wird ermöglicht durch das Hineinstellen in die Position der Gegenseite. Das kann zu mehr Empathie führen.
  • Durch die räumliche Positionierung der Mediand_innen kann ein Veränderungsprozess ausgelöst werden.
  • Neben der kognitiven Dimension wird so insbesondere die emotionale Dimension aktiviert.
  • Die Situation des Konfliktes kann so anders sichtbar und verdeutlicht werden.
  • Systemzusammenhänge werden anders erkennbar.
  • Beziehungsstrukturen werden spür- und erlebbar.
  • Neue Lösungsoptionen können aufscheinen.
  • Neue Erkenntnis über Konflikthintergründe können gewonnen werden.
  • Es kann zu einem Ausdruck verborgener Interessen kommen.
  • Sprachliche Barrieren können überwunden werden.
  • Den Mediand_innen steht ein nonverbales Ausdrucksmittel zur Verfügung.
  • Der gegenseitige Verständnisprozess wird gefördert.
  • Es können Bewegungsimpulse ausgelöst werden.
  • Eine starke Nachwirkung kann so initiiert werden.

Aufgrund ihrer Untersuchung kommen die Autorinnen zu der Einschätzung, dass sich Aufstellungsarbeit sehr gut als ergänzende Methode in der Mediation eignet. Sie kann dabei sowohl unterstützende als auch begleitende Funktion haben und bietet nach Aussagen der Expert_innen einen deutlichen Mehrwert. Dieser stellt sich für die einzelnen Phasen des Mediationsprozesses durchaus unterschiedlich dar: „Sinnvolle Anknüpfungspunkte finden sich in den Aussagen der interviewten Experten zufolge in alle Mediationsphasen, in denen der Konflikt aktiv bearbeitet wird (Phasen 1-4) und darüber hinaus in der Vorphase der Mediation. Die Ergänzung und Unterstützung der Basismethoden der Mediation durch Aufstellungsarbeit kann zu einer wirksamen Lösung des Konfliktes und Versöhnung der Konfliktparteien beitragen.“ (96).

Fazit

Die beiden Autorinnen gehen der Frage nach, wie Aufstellungsarbeit das Methodenrepertoire der Mediation unterstützen und ergänzen kann. Sie kommen dabei zu der Einschätzung, dass Aufstellungsarbeit eine bedeutsame Rolle für die Konfliktklärung einnehmen kann. Anhand zahlreicher Anwendungsbeispielen zeigt das Buch in vergleichender Perspektive die Bandbreite von Einsatzmöglichkeiten und stellt eine Verbindung zu den relevanten theoretischen Kontexten her.

Das Buch bietet eine sehr fundierte und spannende Lektüre und stellt einen wichtigen Beitrag zu einem bislang noch weitgehend unbeachteten Zugang zur Mediation dar. Empfehlenswert!


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 21.10.2015 zu: Linda Brackwehr, Claude-Hélène Mayer: Der Einsatz von Aufstellungsarbeit in der Mediation. Peter Lang Verlag (Bern · Bruxelles · Frankfurt am Main · New York · Oxford) 2015. ISBN 978-3-631-66382-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19031.php, Datum des Zugriffs 09.12.2019.


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