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Christina Buchner: Brain-Gym & Co

Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 27.08.2015

Cover Christina Buchner: Brain-Gym & Co ISBN 978-3-932098-01-7

Christina Buchner: Brain-Gym & Co. Kinderleicht ans Kind gebracht. VAK Verlags GmbH (Kirchzarten) 1997. 239 Seiten. ISBN 978-3-932098-01-7.
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Thema

Manche Kinder brauchen Förderung beim Lernen. Auf der Grundlage von Brain-Gym®-Übungen wird gezeigt, wie einfach und spielerisch Förderung sein kann. Die vorgestellten Übungen lassen sich in den täglichen Unterricht integrieren.

Autorin

Christina Buchner ist Rektorin einer Grundschule in München. Sie beschäftigt sich intensiv damit, Unterrichtsmethoden zu entwickeln, die erfolgreiches Lernen für Kinder möglich machen. Sie entwickelte aus dieser langjährigen pädagogischen Tätigkeit u.a. eine eigene Leselehrmethode, Bücher über Konzentrations-, Meditations- und Bewegungsübungen für Kinder sowie einen neuen Rechenlehrgang für elementare Mathematik. Im VAK Verlag hat sie mittlerweile acht Bücher veröffentlicht. Sie gibt ihr Wissen in Vorträgen und Seminaren zur Lehrerfortbildung und Elternschulung in Deutschland, Österreich und Italien weiter.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in der 7. Auflage erschienen. Es umfasst 239 Seiten. Es gliedert sich in fünf Kapitel und einem Literatur – und Quellenverzeichnis. Es enthält zahlreiche Fotos und Bilder zur Erläuterung der Übungen.

  • Kapitel I: Einführung
  • Kapitel II: Überkreuzbewegungen und Überkreuzmuster
  • Kapitel III: Im Gleichgewicht von Körper Geist und Seele
  • Kapitel IV: Schreiben – Schwerstarbeit für unser Gehirn
  • Kapitel V: Paralipomena
  • Literatur- und Quellenverzeichnis

Das erste Kapitel gibt eine Einführung. Die Autorin beschreibt,  dass das „Wie“ noch wichtiger ist als das „Was“.

Im zweiten Kapitel Überkreuzbewegungen und Überkreuzmuster wird erläutert, wie Überkreuzbewegungen langsam und systematisch aufgebaut werden. Es werden die klassischen Überkreuzbewegungen vorgestellt und einige Tricks gegeben, um ihre Durchführung zu erleichtern. Anschließend werden verschiedene Varianten der sog „Cross Crawls“ vorgestellt. Dabei geht es auch um zentrale Grundsätze kinesiologischer Übungen.

Das dritte Kapitel handelt vom Gleichgewicht von Körper Geist und Seele. Die vorgestellten Übungen bauen sich langsam auf. Dabei ist ein gut funktionierendes Vestibularsystem wichtig. Die sog. Zentrierung ist die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Schwerkraft. Am Ende wird ein Überblick über Übungsmöglichkeiten für Ruhe und Gleichgewicht gegeben.

Das vierte Kapitel thematisiert das Schreiben als Schwerstarbeit für unser Gehirn. Behandelt werden die Körperhaltung und Muskelbeherrschung, das Überqueren der Mittellinie, die Koordination der Bewegungsabläufe und die emotionale Dimension. Am Ende des Kapitels findet die Leserschaft eine Übersicht über Übungsmöglichkeiten für den Bereich „Schreiben“.

Das fünfte Kapitel mit dem Titel Paralipomena handelt von Ausgelassenem bzw. Ergänzungen, damit meint die Autorin Inhalte, die zu wenig für ein eigenes Kapitel hergeben und dennoch benannt werden sollten. Die Autorin warnt in diesem Kapitel eindringlich davor, Heilsversprechen zu machen, diese schaden dem Ruf der Edu-Kinesiologie. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass selbst ernannte Fachleute ihr „Wissen“ nach Kurzkursen zu Geld machen, ohne über ausreichendes Wissen und Erfahrung zu verfügen, was dem Ruf der Methode ebenso schadet. In diesem Kapitel erläutert sie eine Methode, die in der Kinesiologie nicht unumstritten ist, weil die Wirkweise für Außenstehende schlecht zu vermitteln ist: „Das Rubbeln der Knöpfe“. Dabei geht es darum, bestimmte Punkte zu stimulieren. Dennison hat diese Anschaltübung oder man nennt sie auch Energieübung  entwickelt. Es gibt drei Arten von „Knöpfen“: die Gehirnknöpfe, die Erdknöpfe und die Raumknöpfe. Buchner setzt in ihrer Klasse nur die Gehirnknöpfe ein, aber erst dann, wenn die Kinder Erfahrung mit den Übungen haben. Von dieser Basis aus spricht sie Übungseinheiten mit den Eltern ab, damit diese dann zuhause fortgeführt werden können.

Das Buch endet mit einem Literatur- und Quellenverzeichnis.

Diskussion

Der Begriff Kinesiologie ist aus dem griechischen Wort "Kinesis" für Bewegung und "Logos" für Lehre abgeleitet. Die Kinesiologie entwickelte sich als „Applied Kinesiology“ in den 1960er Jahren durch den amerikanischen Chiropraktiker Dr. George Goodheart. Sie wird mittlerweile in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel zur Identifizierung von Stressfaktoren oder bei Lernproblemen angewandt. Kinesiologie ist eine Methode, die den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit wahrnimmt, was bedeutet, dass Befunde nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit emotionalen und mentalen Einflüssen und Abhängigkeiten, betrachtet werden.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Ansatz in verschiedene Fachrichtungen wie der Medizin, der Psychologie, der Musiktherapie, im Sport/Wellnessbereich und in der Pädagogik hinein. Die in diesem Buch vorgestellten Übungen stammt aus der Edu – Kinesiologie, die von dem Ehepaar Gail und Paul Dennison entwickelt wurde. „Edu“ steht dabei für „education“ (englisch für Erziehung) und „kinesis“ (griechisch für Bewegung). Bei diesem Ansatz geht es darum, Kindern (und Erwachsenen) das Lernen zu erleichtern. Es wird davon ausgegangen, dass man Lerninhalte schneller aufnehmen kann, wenn sie mit bestimmten Bewegungen den Energiefluss im Körper und die Vernetzung der Gehirnhälften verbessern. Im Vordergrund steht das Individuum und neben den lerngymnastischen Übungen („Brain Gym“) wird auch immer das Lernmilieu untersucht und in Balance gebracht.

Christina Buchner nennt ihr Buch "Brain-Gym & Co.", weil sie nicht nur über die bekannten Brain-Gym Übungen schreibt, sondern auch viele von ihr selbst entwickelte oder von anderen übernommene Übungen aufführt. Im Laufe ihrer 30 jährigen Arbeit als Grundschulpädagogin hat sie sich ein großes Erfahrungswissen erworben, auf diesem Hintergrund hat sie das Buch geschrieben, dass mittlerweile in der 7. Auflage erschienen ist. Das spricht für sich. Leicht verständlich zeigt sie Möglichkeiten, wie man in kleinen Teilschritten stufenweise und systematisch vorgehen kann. Ihre Beschreibungen sind mit zahlreichen anschaulichen Fotos und Zeichnungen versehen. Neben den Übungen enthält es erklärende Informationen über die Entstehung oder Ursachen vieler Lernprobleme.

Auch das Thema Ruhe und Entspannung hat seinen Platz, das ist wichtig. Viele Kinder erleben ihren Schulalltag als stressig. Die hier vorgestellten Entspannungsübungen tun gut und führen schnell zu Erfolgen.

Die Methode ist wissenschaftlich nicht bewiesen und wird deshalb z.B. von den Krankenkassen nicht übernommen. Einige Annahmen aus den 1960er Jahren sind mittlerweile überholt. Dennoch spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, die Basisübungen in spielerischer Form in den pädagogischen Alltag einzubauen und damit Kinder zu animieren, aktiv zu werden. Ein Schritt, Probleme zu bearbeiten ist, die Passivität aufzugeben und aktiv etwas zu tun. Das erleben der eigenen Wirksamkeit ist eine wichtige Erfahrung für jeden Menschen.

Fazit

Manche Kinder brauchen Förderung beim Lernen. Auf der Grundlage von Brain-Gym®-Übungen wird gezeigt, wie einfach und spielerisch Förderung sein kann. Übungen aus der Kinesiologie können Kinder unterstützen, in ein inneres Gleichgewicht zu kommen. Diese einfachen Übungen lockern auf, aktivieren und helfen, eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder lernen und sich entwickeln können. Sie lernen nebenbei, dass man etwas für das eigene Wohlbefinden tun kann, in dem man mit einfachen Mitteln aktiv wird.

Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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Es gibt 272 Rezensionen von Petra Steinborn.

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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 27.08.2015 zu: Christina Buchner: Brain-Gym & Co. Kinderleicht ans Kind gebracht. VAK Verlags GmbH (Kirchzarten) 1997. ISBN 978-3-932098-01-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19035.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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