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Franziska Müller, Cord Jakobeit u.a. (Hrsg.): Entwicklungs­theorien

Cover Franziska Müller, Cord Jakobeit, Elena Sondermann, Ingrid Wehr, Aram Ziai (Hrsg.): Entwicklungstheorien. Weltgesellschaftliche Transformationen, entwicklungspolitische Herausforderungen, theoretische Innovationen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 521 Seiten. ISBN 978-3-8487-0844-4. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR, CH: 70,90 sFr.
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Thema

Der Sammelband zum Thema „Entwicklungstheorien“ beschäftigt sich mit den folgenden drei zentralen Themenfeldern der deutschen politikwissenschaftlichen Entwicklungsforschung: Weltgeschichtliche Transformationen, Entwicklungspolitik im engeren Sinne sowie Dekonstruktion und Rekonstruktion von Entwicklungstheorien.

HerausgeberInnen

  • Dr. Franziska Müller arbeitet am Institut für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt
  • Elena Sondermann arbeitet am Institut für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen
  • Prof. Dr. Cord Jakubeit arbeitet am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg
  • PD Dr. Aram Ziai arbeitet im Fachgebiet Entwicklungspolitik und Post-Koloniale Studien an der Universität Kassel

Entstehungshintergrund

Bei dem Sammelband handelt es sich um das Sonderheft 48 der Politischen Vierteljahresschrift (PVS), die von der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft herausgegeben wird. Die insgesamt 18 Beiträge greifen eine Vielzahl entwicklungspolitischer Themen und entwicklungstheoretischer Debatten auf und nähern sich diesen mit Hilfe unterschiedlicher theoretischer Ansätze. Gemeinsam ist den AutorInnen ein Bewusstsein für die tiefgreifenden Veränderungen ihres Forschungsgegenstandes und das Anliegen, auf Herausforderungen für und blinde Flecken der Entwicklungsforschung hinzuweisen und über eurozentrierte Sichtweisen hinauszugehen. Der Band möchte einerseits einen kritischen Überblick über den state of the art der Entwicklungspolitik bieten und gleichzeitig einige spannende und innovative Ansatzpunkte für die weitere Forschung aufzeigen.

Das letzte PVS-Sonderheft zur Entwicklungstheorie und -politik erschien 1985. Zentrales Anliegen war es damals, eine Bilanz der politikwissenschaftlichen Dritte-Welt-Forschung in der Bundesrepublik Deutschland zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt galt das Interesse der Autoren (sic!) einer Bestandsaufnahme: Angesichts einer im Umbruch befindlichen Entwicklungsforschung richtete sich der Fokus darauf, sich mit der „Dritte-Welt-Forschung“ auseinanderzusetzen und insbesondere deren Titel, Gegenstand und Methodik kritisch zu rezipieren. Intensiv wurden Debatten geführt um Bezeichnungen wie „Entwicklungsländerforschung“, „Dritte-Welt-Forschung“ und „Entwicklungsforschung“ als einem multidisziplinären Sammelbegriff. Der Forschungsbegriff schien zusehends diffus geworden zu sein und sich überkommenen Kategorien zu entziehen. So fanden etwa kritische Hinterfragungen eigener Sprecherrollen als EntwicklungshifeexpertInnen sowie damals unorthodoxe Ansätze aus dem Feld feministischer Entwicklungsforschung oder aus der politischen Ökologie/Sozialökologie nur zögernd Eingang in die entwicklungstheoretischen und -politischen Debatten.

Seit dem letzten PVS-Sonderheft sind 30 Jahre vergangen. Drei Jahrzehnte, in denen sich der Gegenstandsbereich und die Rahmenbedingungen der Entwicklungsforschung grundlegend verändert haben. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes und der bipolaren Blockbildung zeichnet sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine polyzentrische Weltordnung mit signifikanten Machtverschiebungen ab. Das Interesse neuerer Entwicklungstheorien richtet sich darauf, diese vielschichtigen Dynamiken zeitgleicher Annäherungs- und Ausdifferenzierungsprozesse besser zu erfassen und zu analysieren. Doch auch die Anforderungen an Entwicklungstheorie im zweiten Verständnis als „Theorie der Entwicklungspolitik“ haben sich verändert: So gilt es, Ziele und Normen, Akteure und ihre Rollen sowie die Bedeutung und Legitimation von Entwicklungskooperation neu zu denken. Die drei unterschiedlichen Perspektiven auf das weite Feld der Entwicklungstheorien (weltgeschichtliche Transformationen, Entwicklungspolitik im engeren Sinne, Entwicklungstheorien) zeigen die Vielfalt der existierend Forschung auf.

Zu Teil 1 Weltgesellschaftliche Transformationen

Seit Ulrich Menzel zu Beginn der 1990er Jahre mit dem Schlachtruf vom „Ende der Dritten Welt“ und dem „Scheitern der großen Theorie“ die entwicklungspolitische und -theoretische Debatte in der Bundesrepublik anheizte, haben sich die globalen Ausdifferenzierungsprozesse, die den Ausgangspunkt seiner Streitschrift darstellten, noch weiter verstärkt. Im Kontext der Verschuldungskrise der 1980er Jahre sahen sich zahlreiche Länder des globalen Südens mit der Notwendigkeit einer verstärkten Integration in die internationalen Kapital- und Warenmärkte konfrontiert. Dennoch führten die erweiterten Austauschprozesse keineswegs immer zu gesellschaftlich nachhaltigen und umfassenden Verbesserungen im Lebensstandard der breiten Masse der Bevölkerung. In den Vereinten Nationen blieben die Bemühungen, veränderte geopolitische Machtverhältnisse auch in den Entscheidungsstrukturen zu reflektieren, bislang ohne Erfolg, wie sich dies in den gescheiterten Bemühungen um eine Reform des UN-Sicherheitsrats zeigt. Die in den 1990er Jahren gefeierte Idee des Problemlösens auf globaler Ebene ist an ihre Grenzen gestoßen.

Zusammenfassend lässt sich somit konstatieren, dass sich das internationale System zu Beginn des 21. Jahrhundert in einer grundlegenden Transformationsphase befindet, die auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Phänomen herausfordert. Auch wenn innerhalb und zwischen den verschiedenen akademischen Disziplinen noch heftig darüber gestritten werden mag, welche Gestalt eine neue Weltordnung letztendlich annehmen wird, so deutet sich bereits heute an, dass es weder eine unipolare, noch notwendigerweise ein „liberaler Leviathan“ sein wird oder dass gar die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem aufsteigenden Herausforderer China und dem amtierenden globalen Hegemon USA unvermeidlich wäre. Während einige Wissenschaftler angesichts des rapiden ökonomischen Aufstiegs Indien und Chinas und der dynamischen Entwicklung einiger ostasiatischer Staaten bereits eine Dominanz Asiens oder eine neue asiatische Hemisphäre im Entstehen sehen, mehren sich doch die empirischen Hinweise darauf, dass wir nach einer relativ kurzen Phase euro-amerikanischer Vorherrschaft zum Modell einer polyzentrischen Weltordnung zurückkehren. Wenn vom Übergang zu einer polyzentrischen Weltordnung die Rede ist, verbinden sich damit aber auch die Thesen einer „Provinzialisierung Europas“ oder einer „verwobenen Moderne“.

Claudia Derichs: Asiatische Zeitenwende? – Von der bipolaren zur polyzentrischen Weltordnung: In dem Beitrag wird der Übergang zu einer polyzentrischen Weltordnung aufgegriffen und die Frage nach den prägenden Linien und und Kristallisationszentren dieser im Werden begriffenen Weltordnung diskutiert. In ihm wird deutlich, dass der Westen seine Orientierungsfunktion zur Normsetzung und zum Normtransfer für nicht-westliche Länder eingebüßt hat und ein neuer Fokus auf regionale Governance sowie chinesische oder islamische Perspektiven auf die Internationalen Beziehungen immer mehr an Einfluss gewinnen.

Christian May, Tobias ten Brink und Andreas Nölke: Institutionelle Determinanten des Aufstiegs großer Schwellenländer: Eine global-politökonomische Erweiterung der Vergleichenden Kapitalismusforschung: Die Autoren untersuchen die Herausbildung solcher „varieties of capitalism“ angesichts eines Vergleich der BIC-Staaten (Brasilien, Indien und China), bei dem das Augenmerk auf der Erklärung des ökonomischen Bedeutungsgewinn dieser Länder liegt. Die Autoren weisen dabei nach, das die Faktoren der Loyalität und Reziprozität (im Sinne eines stabilen Beziehungsgeflechts in privat-öffentlichen Allianzen) wesentlich für die Herausbildung staatlich durchdrungener Marktökonomien und für deren Erfolge sind.

Sabine Kurtenbach und Ingrid Wehr: Verwobene Moderne und Einhegung von Gewalt: Die Ambivalenzen der Gewaltkontrolle: Die Autorinnen setzen sich mit der Verknüpfung von Modernisierungsprozessen und der Präsenz von Gewalt innerhalb moderner Gesellschaftsordnungen auseinander. Hierbei ist es wichtig, die Ausprägung von Gewaltordnungen nicht durch die anachronistisch anmutende Brille des Nord-Süd-Konfliktes zu betrachten, sondern vielmehr die Ambivalenzen von Gewalt bei der Staatenbildung und der Herausbildung gesellschaftlicher Ordnungen herauszuarbeiten und auf die transnationalen Verflechtungen von Staatsbildungsprozessen zu verweisen.

Ulrich Brand und Kristina Dietz: (Neo-)Extraktivismus als Entwicklungsoption? – Zu den aktuellen Dynamiken und Widersprüchen rohstoffbasierter Entwicklung in Lateinamerika: Während die Transformationspozesse auf den Weltmärkten in einigen Ländern und Regionen Industrialisierungsprozesse anstießen, führte der hiermit verbundene Ressourcenboom in anderen Ländern des Südens - insbesondere in Lateinamerika – zu einer Reprimasierung der Exportstrukturen und damit zu einer Rückkehr zu ressourcenbasierten Entwicklungsmodellen wie sie für die Region seit der Kolonialzeit charakteristisch waren. Am Beispiel des von Brasilien eingeschlagenes (neo-)extravistischen Entwicklungspfades thematisieren die AutorInnen, welches gesellschaftliche Naturverhältnis sich hierbei herausbildet und wie dabei sozialpolitische Anliegen und Naturnutzung miteinander verwoben sind. In diesem Kontext lässt sich aber auch fragen, inwieweit dieses ökonomische Wachstumsmodell ein Vorbild für andere Staaten aus dem globalen Süden darstellt und ob es bestimmte Formen der Süd-Süd-Kooperation unter (neo-)extravistischen Vorzeichen forciert.

Ganz anders als in Asien und Lateinamerika stellen sich die Transformationsprozesse von Staatlichkeit und Ökonomie in Subsahara-Afrika und deren wissenschaftliche Rezeption dar, wenngleich auch auf dem Nachbarkontinent die Bedeutung der Funktionalisierung als Rohstofflieferung seit den Phasen von Imperialismus und Kolonialismus ungebrochen geblieben ist. Die Analyse des politischen und ökonomischen Wandels in Subsahara-Afrika, sei es in der Darstellung von „Erfolgsgeschichten“ wie dem wirtschaftlichen Aufstieg Ruandas oder beim europäischen-skeptischen Blick auf „fragile Staatlichkeit“, fällt dabei polarisierend aus: Afrika wird in der einen Lesart als Region großer Möglichkeiten gesehen: Als Investitionsraum und als eine Region mit großem Potenzial für wirtschaftlichen Aufschwung, sozialer Entwicklung und kultureller Vielfalt. Die gegensätzliche Sichtweise auf Subsahara-Afrika ist von einem defizitären Blickwinkel geprägt und stellt die anhaltenden zwischen- und innerstaatlichen Kriege und Konflikte, sowie die großen sozialen Probleme (u.a. Krankheiten, Ungleichheiten, ausbleibende Bildungserfolge) in den Mittelpunkt. Die geringen Fortschritte vieler afrikanischer Länder bei den Millennium Development Goals (MDGs) scheinen hierfür einen vermeintlichen empirischen Beleg zu liefern.

Der kenianische Schriftsteller Binyavanga Wainaina (2005) hat in einem vielbeachteten Essay versucht, eine Handreichung für alle zu geben, die über Afrika schreiben wollen. Wichtig für den Erfolg beim westlichen Publikum – so seine ironische Botschaft – sei die beharrliche Wiederholung aller Stereotypen, die Afrika in der Wahrnehmung des Westens seit der Kolonialzeit und den „verlorenen Dekaden“ der 1980er und 1990er Jahre charakterisieren. Dagegen drängt sich neuerdings der Eindruck auf, als habe sich in der Rezeption des Westens alles umgekehrt. Statt von Hungerkatastrophen, HIV/AIDS und korrupten Politikern ist jetzt von mutigen jungen Unternehmern, Erfolgsgeschichten, hohen Wachstumsraten, der Allgegenwart mobiler Kommunikation und dem enormen Potenzial rasch expandierender Märkte auf dem Kontinent der Zukunft die Rede. Den Erfolgsmodellen wie Ruanda, Botswana, Ghana, Mauritius oder den Seychellen stehen die Beispiele gescheiterter und fragiler Staatlichkeit wie die Zentralafrikanische Republik, Somalia oder den Süd-Sudan gegenüber. Der binären Wahrnehmung und Polarisierung haftet jedoch weiterhin der Makel an, dass dabei das Gros der afrikanischen Staaten unsichtbar bleibt. Afrika ist „weder hoffnungsloser Fall noch Aufstiegswunder“.sondern der Kontinent zeigt je nach Land und Region sehr unterschiedliche Entwicklungen und Veränderungsprozesse, die es entgegen weit verbreiteter Pauschalurteile in ihrer Differenziertheit wahrzunehmen gilt.

Zu Teil 2 Entwicklungspolitische Herausforderungen und Debatten

Seit Ende 1990er Jahre konzentrierten sich die entwicklungspolitischen Debatten wieder verstärkt auf das, was bereits Anfang der 1970er Jahre als Kernthema etabliert wurde: die Armutsbekämpfung. Zentraler Referenzpunkt bei diesem Fokus waren im letzten Jahrzehnt die MDGs, die unter anderem eine Halbierung der Armut (genauer: der Anzahl der Menschen, die mit weniger als 1,25 PPP-$ am Tag auskommen müssen) bis zum Jahr 2015 vorsehen.

Guido Ashoff und Stephan Klingebiel: Transformation eines Politikfeldes: Entwicklungspolitik in der Systemkrise und vor den Herausforderungen einer komplexeren Systemumwelt: Seit Beginn der 2000er Jahre haben sich international zwei grundlegende Erkenntnisse hinsichtlich der Entwicklungspolitik durchgesetzt. Erstens befindet sie sich in einer Systemkrise. In der Art und Weise, wie sie organisiert ist und betrieben wird, ist sie Teil des Problems, zu dessen Lösung sie beitragen will. Die Antwort darauf ist der Versuch einer Systemreform, die in ihren Ambitionen und ihrer internationalen Anerkennung beispiellos in der Geschichte der Entwicklungspolitik ist. Zweitens hat sich die Systemumwelt der Entwicklungspolitik erheblich verändert. Das gilt sowohl für die Entwicklungsproblematik, auf die Entwicklungspolitik reagiert, als auch für den globalen Kontext, in dem sie agiert. Der Beitrag diskutiert beide Prozesse und zieht Schlussfolgerungen für die Entwicklungspolitik.

Philipp H. Lepenies: Die Politik der messbaren Ziele. Die Millennium Development Goals aus gouvernementalitätstheoretischer Sicht. Lehren aus der Fixierung globaler Entwicklungsindikatoren: Der Beitrag geht darauf ein, wie problematisch es ist, dass die MDGs ein Bild von Messbarkeit und Genauigkeit suggerieren, dass in der Realität nicht gegeben ist. Eng damit verbunden ist das grundlegende Problem der schwachen Datenverfügbarkeit in vielen betroffenen Ländern. In diesem Kontext illustriert der Beitrag, wie die MDGs als Ausdruck einer auf quantifizierbare Indikatoren verengten Politik eine Reihe von Schwierigkeiten mit sich bringen, die jedoch in der Debatte von den Institutionen systematisch übergangen worden sind. Auf diese Weise dienten sie als erfolgreiche Regierungstechnologien den institutionellen Eigeninteressen der Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ), die sich als tatkräftige Armutsbekämpfer inszenieren konnten.

Marcel M. Baumann, Gabriele Zdunnek und Thomas Zitelmann: Prozesse der „Versicherheitlichung“ von Entwicklungszusammenarbeit und zivil-militärischer Kooperation: In diesem Beitrag wird ein kritischer Blick auf Trends und Prozesse der zivilen Konfliktberatung und Krisenprävention in der sicherheitsbezogenen deutschen EZ geworfen. Es wird aufgezeigt, dass sich derzeitige Diskurse um nationale und globale Sicherheit in einem Spannungsfeld zwischen angestrebter „Zivilisierung“ von Konfliktbearbeitung und Krisenprävention sowie einer zunehmenden Diskussion von Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Praktiken zivilmilitärischer Zusammenarbeit bewegen.

Franziska Müller, Dana de la Fontaine und Elena Sondermann: Das Phänomen „neue Geber“: eine gabentheoretische Reflexion zu den aktuellen Dynamiken in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit: Die internationale Geberlandschaft sieht sich Beginn des Jahrtausends mit der wachsenden Bedeutung von neuen Staaten wie China, Indien, Brasilien und Südafrika in der EZ konfrontiert. Diese neuen Geber scheinen durch eine „alternative Praxis des Gebens“ neue finanzielle und politische Spielräume zu schaffen und dabei etablierte Kooperationsformen und Normen in Frage zu stellen. Der Beitrag nimmt diese (diskursive) Dichotomie zwischen neuen und etablierten Gebern als Ausgangspunkt und untersucht die (Austausch)Praktiken der Ressourcenallokation und die damit verknüpften Rollenverständnisse und Machtbeziehungen von Gebern. Die Autorinnen führen zunächst in die entwicklungstheoretische Rezeption ein und befassen sich dann mit den drei empirischen Fallbeispielen Indien, Brasilien und Südafrika. Insgesamt hat die Präsenz neuer Geber deutliche Auswirkungen auf die internationale Entwicklungspolitik. Über die Suche nach Kooperationsformen mit den neuen Gebern und ihre zunehmende Einbindung verändern sich Rollen und Machtverhältnisse in verschiedenen EZ-Arenen und werden Normen und Governanceformen internationaler Entwicklungspolitik in Frage gestellt.

Cornelia Ulbert: „More of the same“ oder struktureller Wandel? – Die neue Rolle nicht-staatlicher Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit: Bisher wurden nicht-staatliche Akteure von Staaten und internationalen Organisationen vielfach eher als entwicklungspolitische Finanzierungs- und Durchführungspartner angesehen. Mittlerweile üben sie jedoch eine stärkere politische Rolle aus, die darin besteht, die politische Agenda (mit) zu bestimmen. Der Beitrag überprüft daher zunächst den finanziellen Beitrag nicht-staatlicher Akteure in der EZ und differenziert das Spektrum der Akteure entlang unterschiedlicher Handlungslogiken. Um die Frage zu klären, ob nicht-staatliche Akteure tatsächlich zu strukturellem Wandel in der EZ beigetragen haben, wird die Effektivität des nicht-staatlichen Engagements sowie die Legitimität und Rechenschaftspflicht der unterschiedlichen nicht-staatlichen Akteurstypen kritisch beleuchtet.

Rahel Kunz und Helen Schwenken: MigrantInnen als HoffnungsträgerInnen in der Entwicklungszusammenarbeit? Geschlechterspezifische Subjektivitäten im migration-development-nexus: In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion wird die potenziell positive Rolle von MigrantInnen für die EZ betont. Dies übersetzt sich auf verschiedene Ebenen der Politik. Die Autorinnen erarbeiten Charakteristika dieser aktuellen Phase des migration development-nexus im Kontrast zu früheren Phasen und benennen deren Genderdimensionen. Empirisch analysiert werden erstens die internationale Diskursarena anhand das Global Forum on Migration and Development (GFMD) und zweitens das für Politiker zu Migration und Entwicklung paradigmatische Beispiel Mexiko. Mit Hilfe von Geschlechter- und Governancementalitätstheorien wird gezeigt, dass die Anrufung von geschlechterhierarchischen Subjektpositionen konstitutiv für das Regieren in diesem Feld ist. Geschlechterstereotype werden selektiv angerufen, bestimmte Verhaltensweisen als Norm gesetzt und in politische Interventionen übersetzt. MigrantInnen werden dabei zunehmend als neoliberale Subjekte angerufen und bei Migrantinnen wird darüber hinaus die Vulnerabilität betont. Eingebettet werden die Anrufungen in das Modell der heteronormativen transnationalen Familie, wodurch, so die Annahme, stabile gesellschaftliche Beziehungen und Rücküberweisungen gewährleistet werden sollen.

Aus den Beiträgen zu Teil 2 des Buches wird insgesamt deutlich, dass in den aktuellen Fachdebatten um die (Post-)MDGs, Wirksamkeit der EZ, neue Geber und private Akteure eine stärkere Bezugnahme auf entwicklungstheoretische Studien produktiv erscheint. Sie macht manche Neuerfindungen des Rades überflüssig und ermöglicht eine analytisch und historisch tiefergehende Einordnung weltgesellschaftlicher Transformationen und entwicklungspolitischer Neuerungen. Darüber hinaus erlaubt sie – in ihrem dritten Verständnis als Wissenssoziologie der Entwicklungstheorie – eine Hinterfragung der entwicklungspolitischen Praxis jenseits ihrer Selbstverständlichkeiten und Sachzwänge.

Zu Teil 3 Entwicklungstheorien: Dekonstruktion und Rekonstruktionen

Nach den heftigen Theoriedabatten über Entwicklungstheorien in den 1980er und 1990er ist es in der bundesrepublikanischen Entwicklungsforschung vergleichsweise ruhig geworden. Als Reaktion auf die vielfach verkündete „Krise“ der Entwicklungstheorie fand zunächst eine Hinwendung zur systematischen empirischen Forschung statt, die jedoch in der Regel auf eine Einordnung in einen größeren theoretischen Rahmen verzichtete. Theoretische Reflexionen blieben im letzten Jahrzehnt im deutschen Raum relativ selten.

Gerhard Hauck: Die Aktualität der „großen“ entwicklungstheoretischen Debatten der 1970er/80er Jahre: In dem Beitrag wird demonstriert, dass der Rückblick auf diese Auseinandersetzung auch heute noch durchaus produktiv und eine makrotheoretische Verortung höchst sinnvoll sein kann. Sein Ausgangspunkt sind vier konstitutive Annahmen der Modernisierungstheorien, die der Autor anhand einer Fülle von historischen und gegenwärtigen empirischen Beispielen ausführlich diskutiert und mit der dependenztheoretischen Kritik kontrastiert. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass sich Letztere zwar in einigen Punkten als unhaltbar erwiesen habe („ungleicher Tausch“), in anderen jedoch immer noch stichhaltig ist (z.B. Analyseeinheit Nationalstaat). In der Auseinandersetzung mit aktuellen entwicklungstheoretischen Ansätzen (Neopatrimonialismus, Neuinstitutionalismus, Multiple Moderne und Post-Development) illustriert er, dass die Verdrängung der Debatte zur unbemerkten Neuauflage fragwürdiger modernisierungstheoretischer Positionen führt – und dass eine intelligent reformulierte dependenztheoretische Position auch heute noch eine große Erklärungskraft besitzt.

Hans-Jürgen Burchardt und Elisabeth Tuider: Das vermachtete Subjekt: Feministisch-postkoloniale Perspektiven auf Entwicklung: Dieser Beitrag ist aus einer feministisch-postkolonialen Position geschrieben. Aus dieser erklärt er zunächst den evolutionistischen Tunnelblick der älteren Entwicklungstheorie sowie die stets präsente Annahme eines rationalen, männlich konnotierten, Nutzen maximierenden Subjekts. Auf dieser Grundlage wird im Folgenden die Gender-Perspektive zur intersektionellen Perspektive erweitert, die die Anerkennung von Differenzen zwischen Frauen und den Fokus auf die Überschneidung vielfältiger Unterdrückungsverhältnisse beinhaltet. Eine solche Perspektive ist im Unterschied zu traditionellen entwicklungstheoretischen Ansätzen in der Lage, die komplexe und umkämpfte Subjektorientierung als Gegenstandsbereich zu erschließen.

Aram Ziai: Post-Development-Ansätze: Konsequenzen für die Entwicklungstheorie: Post-Development (PD) Ansätze machen auf Machtverhältnisse in Theorie und Praxis der „Entwicklung“ aufmerksam und stellen diese grundlegend in Frage. Die Vieldeutigkeit des Entwicklungsbegriffs spiegelt sich allerdings auch in der PD-Kritik wider. Diese bezeichnete mit ihm eine herrschende Ideologie ebenso wie ein gescheitertes politische Projekt. Die oft pauschale Kritik der ersten PD-Welle machte den Weg frei für differenziertere diskurs-analytische und post-koloniale Arbeiten. Das zentrale Argument des PD, dass es sich bei „Entwicklung“ um einen eurozentristischen und machtverstrickten Diskurs handelt, wird heute zunehmend geteilt. Entwicklungstheorie und -praxis sollte daher den Entwicklungsbegriff vermeiden, ihre diskursiven und institutionellen Strukturen reflektieren und Alternativen erkennen und praktizieren.

Reinhart Kößler: Entwicklung: Zur Genealogie einer toten Metapher und den Folgen: Die Vorstellung einer nachholenden, an fortgeschrittenen Ländern orientierten und durch Industrialisierung bestimmten „Entwicklung“ hat das sozio-ökonomische Entwicklungsdenken von Anfang an bestimmt. Die in dem Beitrag vorgetragene Kritik richtet sich zum einen auf die Übertragung des Konzepts „Entwicklung“ selbst aus der Biologie, die in unlösbare, aber aufschlussreiche Schwierigkeiten führt. Damit verknüpft ist die Verhaftung des sozio-ökonomischen Entwicklungsdenkens im methodologischen Nationalismus. Dies wie auch der wenig eingestandene kolonialistische Einschlag ist eng verbunden mit einem der Begründer dieser Denkrichtung, Friedrich List. Anders als vielfach unterstellt, weist gerade er Wege, die allenfalls bestehende globale Hierarchien verschieben, im Kern aber reproduzieren werden. Fernab von alten Versprechen der Universalisierung erscheint „Entwicklung“ als positionelle Eigenschaft und ihre neuere Engführung auf Armutsbekämpfung daher nur konsequent. Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, an die Unterscheidung zwischen traditioneller und kritischer Theorie und damit an die Risiken und Probleme zu erinnern, die sich aus Erwartungen an Theorie ergeben, sie solle Handlungsanleitungen liefern.

Chris Methmann und Angela Oels: Ein neues Klima für Entwicklung? Die ökologische Gouvernementalität der Entwicklungspolitik: Dieser Beitrag analysiert genealogisch den Wandel der Problematisierung von Umwelt und Entwicklung in den letzten dreißig Jahren. Die AutorInnen zeigen, dass sich drei gouvernementale Rationalitäten aufeinandergeschichtet haben, die die Problematisierung von Umwelt und Entwicklung in je anderer Form bearbeitbar machen: (1) die „Nachhaltige Entwicklung“ des Erdgipfels von Rio 1992 als liberale Biopolitik, (2) die Einführung von Emissionsmärkten im „Kyoto-Protokoll“ und von „Public-Private-Partnerships“ auf dem Johannesburger Rio+10 Gipfel als fortgeschrittener Liberalismus, und (3) die jüngere Diskussion um „gefährlichen“ Klimawandel als Bedrohung für Entwicklung, die als Ökopolitik der Apokalypse bezeichnet wird. Die AutorInnen behaupten, dass die Rede vom gefährlichen Klimawandel zu einer Re-Legitimierung von fortgeschritten liberalem Regieren in der Entwicklungspolitik beiträgt. Im Norden bleiben grundlegende gesellschaftliche und ökonomische Strukturen unangetastet – es wird auf technologische Innovationen und grüne Märkte gesetzt. Der Süden hingegen wird über Hilfe zur Selbsthilfe auf Nachhaltigkeit und Resilienz verpflichtet.

Das Buch schließt mit zwei Beiträgen, die einen Außenblick auf die vorgestellten entwicklungstheoretischen und entwicklungspolitischen Argumentationen werfen. Zunächst diskutiert Elisio Macamo den in erster Linie in der deutschen Politikwissenschaft verankerten Sammelband aus der Perspektive eines Entwicklungssoziologens, der Afrikanische Studien in Basel lehrt. Hier noch der Grund, warum das Herausgeberquintett Elisio Macamo gebeten hat, diesen Beitrag zu schreiben. Unter den im Hinblick auf das Konzept des Sammelbandes ausgewählten 17 Beiträgen waren ursprünglich nur solche von deutschen AutorInnen (abgesehen von einem nicht ganz deutschen Mitherausgeber). Damit findet jedoch genau das statt, was Kum´a Ndumbe (2002) die Produktion von „Entwicklungstheorien über den Süden ohne den Süden“ genannt hat. Zwar erstreckt sich der Einfluss des Nordens auch auf WissenschaftlerInnen des Südens (über herrschende Diskurse, akademische Anschlussfähigkeit und Förderinstitutionen), dennoch war es ein Anliegen des Herausgeberteams, diesen Umstand nicht unkommentiert zu lassen.

In dem Schlussbeitrag zeigt Franziska Müller in einem fiktiven Dialog, wie Entwicklungspolitik und -denken in knapp 50 Jahren aussehen kann, und liefert damit einen satirischen und spannenden Schlussblick „zurück aus der Zukunft“.

Diskussion

Die Diskussion des Sammelbandes überlässt der Rezensent dem Entwicklungssoziologen Elisio Macamo. Sein Schlusskapitel mit dem Titel „Kunstgriffe gegen die entwicklungspolitische Rechthaberei“ soll das normative Rätsel und die Denkfehler aufzeigen und als kritischer Wegweiser für die LeserInnen dienen, die die Nase voll haben von der Rechthaberei der Entwicklungspolitik. Es stellt Kunstgriffe bereit, die den Leserinnen helfen sollen, mit einer gewissen Sicherheit nach einer objektiven Wahrheit im Dickicht des entwicklungspolitischen Diskurses zu suchen. Das normative Rätsel besteht in der Frage, ob Entwicklung Naturgesetzmäßigkeiten folgt, oder ob sie von Menschen geschaffen wird. Das Rätsel liegt darin, dass die Entscheidung zugunsten des Ersteren bedeuten würde, dass die besondere Erfahrung von bestimmten Regionen unerheblich für die heutigen Entwicklungsländer wäre, weil es nur eine Frage der Zeit wäre, bis auch sie sich entwickeln. Entscheidet man sich für die letztere Sichtweise, dann müsste man erklären können, warum die Entwicklungspolitik darauf besteht, Menschen Entwicklung beizubringen, die sie nicht wollen. Welche Antwort man auch immer bevorzugt, es scheint klar zu sein, dass die Grundlage für die entwicklungspolitische Diskussion eine andere ist: nämlich die historischen Zusammenhänge, die dazu geführt haben, das „Entwicklung“ ein handlungsrelevanter Begriff geworden ist – genau die Art von Diskussion, die nicht gepflegt wird.

Am Schluss des Beitrags benennt der Autor fünf Mythen der Entwicklungstheorien. Der erste Mythos lautet: Europa ist das Ereignis eines großen Entwurfs. Die Entwicklungspolitik, welche bekanntlich u.a. Afrika entwickeln sollte, geht von der Annahme aus, dass Europa ein Modell darstellt, das Afrika nachahmen sollte. Man entwickelt sich, um einigermaßen so auszusehen wie Europa, nur in schwarz. Um eine solche Annahme aufrechtzuerhalten, müsste man davon ausgehen, dass der europäische Werdegang zweckgerichtet war. Die Europäer müssen sich irgendwann hingesetzt und Entwicklungspläne geschmiedet haben, aus den Jahrhunderte später wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich relativ erfolgreiche Länder hervorgingen. Deswegen legte man viel Wert darauf, die Entwicklung Afrikas zu planen, die sogenannte geplante Entwicklung der institutionalisierten Entwicklungszusammenarbeit. Die UNDP finanzierte fleißig nationale Zukunftspläne für die afrikanischen Länder. Was man aber übersah war natürlich die wichtige Tatsache, dass Geschichte auch von Fehlern, Zufällen und unerwarteten Ereignissen geprägt ist. Und wenn es in Afrika mit der Entwicklung schief läuft, dann kann man immer auf die Korruption, Machtgier, Mentalität hinweisen, alles Vorwürfe, die seltsamerweise immer zu neuen Vorschlägen für die Rettung des Kontinents führen.

Der zweite Mythos kommt aus der Welt des Glücksspiels. In der Entwicklungspolitik stellt man sich die Welt als gerecht vor, das heißt als einen Ort, in dem alle Länder belohnt werden, die das Richtige tun. Hat ein Land weniger Probleme als andere, dann heißt das, dass dieses Land alles richtig gemacht hat. Und das mag stimmen. Aber es geht weiter. Hat ein Land viele Probleme, dann aller Wahrscheinlichkeit nach, weil seine Eliten alles falsch gemacht haben. Es spielt keine Rolle, dass man dabei zirkulär argumentiert, wie etwa im Falle von Botswana, wo es oft heißt, Botswana stehe gut da, weil es gut dasteht. Demnach genügt es das Richtige zu tun, um Erfolg zu haben bzw. jeder Erfolg ist eine Bestätigung des richtigen Handelns.

Der dritte Mythos hat etwas mit Politik zu tun. Die Welt hat Europa viel zu verdanken, insbesondere die Perfektionierung der Rolle der Politik in der Steuerung von Ländern. Allerdings führen Entwicklungspläne an sich nicht zur Entwicklung von Ländern, sondern lediglich zu Diskussionen, die darüber stattfinden. Anders gesagt: eine reelle Entwicklung braucht eine politische Diskussion, die zu lokalen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und nicht zu bloßen technischen Empfehlungen entwicklungspolitischer Beratung führt. Die Vorstellung, dass es Zutaten wie zivilgesellschaftliche Organisationen, Interessenvertretungen, gute Gesetze und eine demokratische Einstellung und Gesinnung geben muss, damit Entwicklung stattfinden kann, widerspricht der europäischen Erfahrung. Die Entwicklungspolitik hat sich immer als etwas verstanden, was über der lokalen nationalstaatlich Politik stand. Man geht allgemein in der entwicklungspolitischen Praxis einfach davon aus, dass das, was Deutschland als Entwicklungspolitik verlässt, technisch sauber sei und die Lösung für Afrikas Probleme darstelle. Man ist dann überrascht, wenn diese technischen Pakete in Afrika Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werden. Der Versuch dies zu verhindern, führt meist zur Entmündigung der AfrikanerInnen. Nichts hat Afrikas Entwicklung stärker beschädigt als die Außerkraftsetzung der Politik durch die Entwicklungspolitik.

Der vierte Mythos beschäftigt sich mit einer sehr problematischen Annahme. Der Annahme nämlich, dass Entwicklung perfekte Menschen braucht. Der Mythos funktioniert denkbar einfach. Man schaut sich „Kulturen“ an, die es geschafft haben, beispielsweise Europa und Asien. Man stellt fest, dass dort die Menschen fleißig und pünktlich sind. Und man nimmt an, dass in Afrika genau diese Eigenschaften fehlen. Man muss dabei nicht genau hinschauen. Die Tatsache, dass es dort nicht gut läuft, ist Grund genug, diese Annahme zu machen.

Der letzte Mythos hat viel mit Verantwortung zu tun. Entwicklungspolitik ist Machtausübung. Allerdings wird Macht sinnvoll ausgeübt, wenn sie mit Verantwortung eingesetzt wird. Und genau das ist die Problematik dieses Mythos: die Entwicklungspolitik tut so, als ob ihre Maßnahmen nicht folgenreich wären. In der Entwicklungspolitik wird Afrika so beschrieben, wie es vor der Intervention war, meistens sogar so, wie es vor der Kolonialzeit oder vor dem entwicklungspolitischen Eingriff war. Dass die meisten Probleme, die Afrika hat, von der entwicklungspolitischen Intervention erzeugt wurden, übersieht man leicht. AfrikanerInnen (Bauern, Politiker, Geschäftsleute usw., beiderlei Geschlechts) reagieren auf die Entwicklungspolitik und bringen dadurch Länder hervor, die wenig mit dem Bild zu tun haben, das wir von Afrika (vor der Intervention) haben. Hier begegnet uns die Verleugnung der Dynamik von Geschichte wieder.

Zielgruppen

Zielgruppen sind Forschende, Lehrende und Studierende aus den Disziplinen Politologie, Soziologie, Geschichte, Ethnologie und Kulturwissenschaften sowie die vielfältigen Akteure in der Entwicklungspolitik und der Entwicklungszusammenarbeit.

Fazit

Der Sammelband beschäftigt sich aus politikwissenschaftlicher Perspektive mit einer Vielzahl entwicklungspolitischer Themenstellungen und aktuellen entwicklungstheoretischen Debatten. Er liefert einerseits einen kritischen Überblick über den state of the art der deutschen Entwicklungsforschung und gleichzeitig einige spannende und innovative Ansatzpunkte für die weiter politologische Forschung zur Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam ist den 18 beteiligten AutorInnen ein Bewusstsein für die tiefgreifenden Veränderungen ihres Forschungsgegenstandes und das Anliegen, auf Herausforderungen für und blinde Flecken der Entwicklungsforschung hinzuweisen und über eurozentrierte Sichtweisen hinauszugehen.


Rezension von
Prof. Dr. Uwe Helmert
Sozialepidemiologe


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Zitiervorschlag
Uwe Helmert. Rezension vom 29.07.2015 zu: Franziska Müller, Cord Jakobeit, Elena Sondermann, Ingrid Wehr, Aram Ziai (Hrsg.): Entwicklungstheorien. Weltgesellschaftliche Transformationen, entwicklungspolitische Herausforderungen, theoretische Innovationen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8487-0844-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19074.php, Datum des Zugriffs 04.04.2020.


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