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Uwe Peter Kanning: Soziale Kompetenzen fördern

Cover Uwe Peter Kanning: Soziale Kompetenzen fördern. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2015. 2., überarbeitete Auflage. 139 Seiten. ISBN 978-3-8017-2697-3. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 32,50 sFr.

Reihe: Praxis der Personalpsychologie, Band 10.
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Thema und Zielgruppe

Das Buch richtet sich u.a. an Personalverantwortliche und Studierende betriebswirtschaftlicher und psychosozialer Fachgebiete. Es thematisiert die Entstehung sozial kompetenten Verhaltens und die vielfältigen Ursachen für sozial inkompetentes Verhalten im beruflichen Kontext, um dann insbesondere auf die Frage einzugehen, wie sich soziale Kompetenzen im Rahmen der Personalentwicklung fördern lassen.

Autor

Prof. Dr. Uwe Peter Kanning ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück und beschäftigt sich in der Forschung mit Personaldiagnostik, sozialen Kompetenzen und unseriösen Methoden der Personalarbeit.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in die folgenden fünf Kapitel:

  1. Soziale Kompetenz – Konzept und Bedeutung: Hier geht es um eine Abgrenzung von verwandten Konzepten wie sozialer oder emotionaler Intelligenz, sozialen Fertigkeiten oder interpersonalen Kompetenzen. Soziale Kompetenz wird als Oberbegriff gesehen und anhand von Studien in seiner Bedeutung reflektiert.
  2. Modelle der Entstehung und Förderung sozial kompetenten Verhaltens: Basierend auf Handlungstheoretischen Modellen wird die Steuerung des Sozialverhaltens als Regelkreis dargestellt. Im weiteren Verlauf werden bewusst geplante und automatisierte Handlungssteuerungen voneinander abgegrenzt und unterschiedliche Ursachen sozial inkompetenten Verhaltens analysiert.
  3. Analyse sozialer Kompetenzen: Als Methoden zur Messung sozialer Kompetenzen werden kognitive Leistungstests, Verhaltensbeobachtung, Verhaltensbeschreibungen und weitere Kompetenzindikatoren in ihrer Aussagekraft beleuchtet.
  4. Förderung sozialer Kompetenzen im Beruf: Kanning plädiert dafür, Weiterbildungsmaßnahmen in einen Gesamtprozess der Personalentwicklung einzubetten und stellt dann unterschiedliche methodische Zugänge innerhalb von Weiterbildungen vor.
  5. Fallbeispiele

Inhalt

Kanning betont zu Beginn des Buches, dass es das sozial kompetente Verhalten ebenso wenig gebe wie den ultimativen Mitarbeiter, der unabhängig von allen Rahmenbedingungen maximal erfolgreichen wäre. So müsse man definieren, was sozial kompetentes Verhalten für einen bestimmten Arbeitsplatz bzw. eine berufliche Aufgabe konkret bedeute. Bei der allgemeinen sozialen Kompetenz handelt sich um ein multidimensionales Konzept, das nach Kanning aus den Faktoren Offensivität, soziale Orientierung, Reflexibilität und Selbststeuerung zusammengesetzt ist. Hiervon abzugrenzen sind bereichsspezifische soziale Kompetenzen. Soziale Kompetenzen gehen mit zahlreichen positiven Begleiterscheinungen einher und werden oft als Schlüsselqualifikation und Voraussetzung für beruflichen Erfolg angesehen. Im Zusammenhang mit dem Führungserfolg werden die folgenden drei bereichsspezifischen Kompetenzen hervorgehoben: Das Bemühen der Vorgesetzten um gerechte Behandlung aller Mitarbeiter, die Motivierung der Mitarbeiter und die Übertragung von individuellen Arbeitsaufträgen, die eigenverantwortlich bearbeitet werden können.

Bei den Theorien zu sozial kompetentem Verhalten gibt es recht unterschiedliche Modelle. Kanning stellt zunächst ein Handlungstheoretisches Modell der elaborierten Steuerung des Sozialverhaltens vor: An eine Situationsanalyse schließen sich die Zieledefinition, die Handlungsauswahl und die Handlung an. Nach einer Evaluation beginnt der Regelkreis von neuem. Hierbei hängt es jedoch entscheidend davon ab, welche Ziele der Betroffene verfolgt, welche Handlungsoptionen zur Verfügung stehen und welche Fertigkeiten eingesetzt werden können. Im praktischen Leben wird das Sozialverhalten häufig automatisch gesteuert und mit Heuristiken vereinfacht. Ursachen sozial inkompetenten Verhaltens können sowohl akut als auch chronisch sein. Im Personalbereich kann man durch Personalauswahl und -platzierung, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung Einfluss nehmen.

Im dritten Kapitel behandelt der Autor recht ausführlich Methoden zur Messung sozialer Kompetenzen: Ein Problem kognitiver Leistungstests besteht in der hohen Korrelation mit der allgemeinen Intelligenz. Bei der Verhaltensbeobachtung stellt sich die Frage, wie Beobachter für ihre Aufgabe geschult wurden und welche Systematik sie verwenden. Verhaltensbeschreibungen werden kritisch beleuchtet: Kanning kritisiert, dass viele verbreitete Fragebögen grundlegende methodische Anforderungen nicht erfüllen und stellt den von ihm entwickelten ISK – einen Fragebogen, der mit Selbstbeschreibungen arbeitet – vor.

Bei der Förderung sozialer Kompetenzen im Beruf kommt es entscheidend darauf an, den gesamten Prozess der Personalentwicklung im Auge zu behalten. Dieser beginnt mit einer Bedarfsanalyse. Hieran schließt sich die konkrete Auswahl und Gestaltung der PE Maßnahme an. Besondere Bedeutung hat dann der Transfer in die Praxis, an den sich eine Evaluation anschließen sollte. Kanning beleuchtet im vierten Kapitel unterschiedliche Methoden, die in Trainingsmaßnahmen zum Einsatz kommen: Er beginnt mit Wissensorientieren Methoden und hebt hervor, dass der gern gescholtene Frontalunterricht zur Vermittlung von Wissen effektiver als sein Ruf sei, wenn Betroffene über die nötigen Fertigkeiten zur praktischen Umsetzung verfügen. Bei den Verhaltensorientierten Methoden geht der Autor insbesondere auf Rollenspiele (mit Videofeedback) und Verhaltensmodellierung ein. Im weiteren Verlauf werden Beratungsorientierte Methoden (Coaching) und Erlebnisorientierte Methoden kritisch beleuchtet.

Im fünften Kapitel skizziert der Autor drei Fallbeispiele:

  1. Ein Training zur Förderung der Kundenorientierung für Mitarbeiter des Amtes für Stadtplanung und Straßenbau,
  2. ein Training zur Förderung sozial kompetenten Führungsverhaltens und
  3. ein Training zur Professionalisierung von Feedbackgesprächen.

Diskussion

Das Buch vermittelt auf der Grundlage empirischer Forschungen und mit klaren Begriffsdefinitionen wesentliche Aspekte der Förderung sozialer Kompetenzen in beruflichen Kontexten. Hierbei wird besonders die Einbettung einzelner Maßnahmen in den gesamten Prozess der Personalentwicklung betont. Manches im Personalentwicklungsbereich wird kritisch beleuchtet. Allerdings weist das Kapitel Beratungsorientierte Methoden auch Schwächen auf: Bei der Darstellung des klassischen Coachings wird ein Kernelement – die ressourcenorientierte Vorgehensweise -überhaupt nicht dargestellt; stattdessen wird das Erarbeiten von Strategien zur Beseitigung eines Missstandes hervorgehoben. Auch das NLP wird sehr verkürzt dargestellt und dann als fragwürdiges Verfahren kritisiert, was natürlich angesichts des sehr unterschiedlichen Ausbildungsstandes mancher Berater durchaus zutreffen kann. Jedoch bleibt unerwähnt, dass man sich im akademischen (Psychologie-)studium häufig nicht tiefgründig mit dem Transfer des im Studium erworbenen Wissens in die berufliche Praxis befasst und die Förderung sozialer Kompetenzen in akademischen Studiengängen in der Regel nicht den Raum einnimmt, der in beruflichen Kontexten hilfreich wäre.

Fazit

Es handelt sich um ein wissenschaftlich fundiertes Buch zur Förderung sozialer Kompetenzen in beruflichen Kontexten. Ursachen für sozial inkompetentes Verhalten werden in knapper Form, jedoch vielschichtig beleuchtet. Besondere Schwerpunkte des Buches liegen im Bereich Diagnostik sozialer Kompetenzen und in der Frage, wie sich soziale Kompetenzen im Rahmen der Personalentwicklung fördern lassen. Hierbei wird die Notwendigkeit der Einbettung einzelner PE Maßnahmen in eine Bedarfsanalyse und in Bedingungen, die einen Praxistransfer unterstützen und evaluieren, hervorgehoben.


Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialmedizin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus - Senftenberg, Campus Cottbus Sachsendorf
Homepage www.b-tu.de/fg-sozialpsychiatrie/
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 17.12.2015 zu: Uwe Peter Kanning: Soziale Kompetenzen fördern. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2015. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8017-2697-3. Reihe: Praxis der Personalpsychologie, Band 10. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19083.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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