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Hedi Colberg-Schrader, Marianne Krug: Arbeitsfeld Kindergarten

Rezensiert von Michael Schnabel, 17.05.2005

Cover Hedi Colberg-Schrader, Marianne Krug: Arbeitsfeld Kindergarten ISBN 978-3-407-56255-5

Hedi Colberg-Schrader, Marianne Krug: Arbeitsfeld Kindergarten. Pädagogische Wege, Zukunftsentwürfe und berufliche Perspektiven. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. 184 Seiten. ISBN 978-3-407-56255-5. D: 14,00 EUR, A: 14,40 EUR, CH: 25,70 sFr.
Vom Beltz Verlag 2004 übernommene Ausgabe des ursprünglich bei Juventa 1999 erschienenen Buchs
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Einführung ins Thema

Neuerdings stehen Fragen der Bildung in der öffentlichen Debatte oben an, denn mehrere Untersuchungen konnten aufzeigen, dass das deutsche Bildungswesen im Vergleich zu anderen Ländern ins Hintertreffen geraten ist. Die Kritik erstreckte sich auch auf Kindergärten, weil angeblich in dieser pädagogischen Einrichtung die Fördermöglichkeiten für Kinder brach liegen.

Die vorliegende Veröffentlichung könnte in dieser Debatte Verständnishilfe sein. Sie möchte Entwicklungen der Elementarerziehung beschreiben und somit den Pädagogen/innen Anregungen für das Verständnis der pädagogischen Praxis in größeren Zusammenhängen geben und sie für eine Mitgestaltung des Arbeitsfeldes Kindergarten gewinnen. Es geht den Autorinnen nicht darum, einzelne Aspekte der Kindergartenpädagogik zu vertiefen, sondern eine Übersichtskarte zu skizzieren zur raschen Orientierung in der verwirrenden Vielfalt. "Es geht uns darum, die derzeitige Situation dieses Bereiches einzufangen und solche Anregungen zu geben, die die Beschäftigen ermuntern, ihr Arbeitsfeld in einer immer unübersichtlicher werdenden sozialpolitischen Landschaft "zu vermessen" und für sich selbst eine Orientierung für die zukünftige Arbeit zu finden." (S. 8)

Aufbau und Inhalte

Das Vorhaben der Kartographie des Kindergartenwesens wird in sechs größeren Kapiteln vorgenommen:

  1. "Kindergärten - ausdifferenzierte Landschaft" nimmt eine historische Ortsbestimmung vor. Dazu werden die Entstehung des Kindergartens erwähnt, biografisch von Kindergärten der Nachkriegszeit und 50er Jahre erzählt, die Neuorientierung der Pädagogik im Kindergarten in den 70er und 80er Jahren dargestellt und Probleme zur Jahrtausendwende skizziert.
  2. "Kinder - nicht mehr allein Privatsache von Eltern" beschreibt gesellschaftliche Einflüsse, die eine Erziehung im Kindergarten mitbestimmen: Das Familienleben erlebt einen Wandlungsprozess. Kinder wurden in der Gesellschaft eine Minderheit. Immer mehr Kinder wachsen in Armut auf. Konsum- und Medienwelt werben um Kinder. Rechte der Kinder sind Teil der öffentlichen Auseinandersetzungen.
  3. "Kindertageseinrichtungen - zwischen Nebenheimat und vermauerter Kindheit" liefert die pädagogische Einordnung des Kindergartenwesens. Dazu werden Lebensbedingungen der Kinder thematisiert, Möglichkeiten der Gemeinwesenorientierung aufgezeigt und Bildungsprozesse bei Kindern beschrieben. Äußerst umfänglich wird der Situationsansatz behandelt, indem Schlüsselsituationen erzählt und Projekte beschrieben werden. Ergänzend werden zentrale Diskussionsschwerpunkte zum Situationsansatz vorgetragen und Konzepte der Öffentlichkeitsarbeit vom Kindergarten aus angesprochen.
  4. "Orte für Kinder - lokale Profile und vielfältige Entwicklungen" zeigt auf, wie neue Formen der Kinderbetreuung entwickelt werden können. Die Kinderbetreuung soll sich auf die sich schnell verändernden Lebensbedingungen der Eltern einstellen und auf die aktuellen Anforderungen reagieren können. Weiterhin werden die Chancen einer Vernetzung von Kindertageseinrichtungen mit anderen Einrichtungen beschrieben.
  5. "Erzieherin - ein Beruf für's Leben?" Dieses Kapitel erörtert die zwiespältigen Perspektiven des Erzieherberufs: Einerseits bietet dieser Beruf eine Vielfalt an Betätigungsmöglichkeiten und zum anderen sind die Grenzen der Weiterentwicklung eng gezogen. Chancen der Profilierung werden im großen Angebot der Weiterbildung gesehen.
  6. "Arbeitsgesellschaft im Wandel - Kindgärten bewegen sich mit". Abschließend zeigen die Autorinnen auf, dass Familien in der Gesellschaft zunehmend isoliert leben und dem Kindergarten wächst dadurch immer mehr die Aufgabe zu, für Eltern zu einem Begegnungs- und Kommunikationszentrum zu werden. In diesem Zusammenhang wird die Vielfalt von Formen der Elternarbeit angesprochen.

Kommentar

Die vorliegende Veröffentlichung bietet Pädagogen/innen eine Vielfalt von Informationen zum Kindergartenwesen: Beginnend von den Anfängen des Kindergartens bis hin zu einer Ausdifferenzierung des Angebots, erweitert durch zukünftige Perspektiven in "Orten für Kinder". Es wird der Wandel des Familienlebens und der Lebensverhältnisse von Kindern dargestellt und wie die Kindergartenpädagogik auf diese Veränderungen reagiert hat. Es werden zentrale Schwerpunkte der jüngsten Auseinandersetzungen zur Kindergartenerziehung angesprochen, wie zum Beispiel die Gemeinwesenorientierung, Konzepte der Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Qualitätsmanagement. Weiterhin werden Fragen der Ausbildung und des Berufsbildes von Erzieher/innen diskutiert, sowie die Mitarbeit und Mitbestimmung von Eltern im Kindergarten. Besonders ansprechend ist die Vielfalt bei der Präsentation der Informationen: Tabellen, Schemas, Fragen- und Checklisten fordern auf, mit Hilfe der Ausführungen die eigene Praxis zu analysieren und zu strukturieren. Bei all der genannten Vielfalt und dem Aspektreichtum in den Ausführungen ist es insgesamt nicht gelungen "das Arbeitsfeld Kindergarten zu vermessen". Es fehlen zu viele wichtige Gesichtspunkte! Die Darstellung der pädagogischen Konzepte bleibt im Situationsansatz stecken. Vorhaben zur Entwicklung von Bildungs- und Erziehungsplänen wurden ausgeklammert. Neuere Forschungen aus der Entwicklungspsychologie, wie zum Beispiel Fragen zu Transitionen oder Überlegungen zur Resilienz, bleiben unbeachtet. Die inhaltlichen Schwerpunkte bleiben ganz an der Schilderung von Situationen verhaftet, sodass viele zentrale Inhalte der Kindergartenpraxis ausgespart bleiben. Methodisch-didaktische Überlegungen wurden nur auf die Projektarbeit reduziert.

Fazit

Trotz der genannten Lücken regt die Publikation zu einer Auseinandersetzung über Fragen des Kindergartenwesens an. Vor allem die Check- und Fragelisten können ermuntern, die eigene Praxis zu reflektieren.

Rezension von
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München

Es gibt 45 Rezensionen von Michael Schnabel.

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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 17.05.2005 zu: Hedi Colberg-Schrader, Marianne Krug: Arbeitsfeld Kindergarten. Pädagogische Wege, Zukunftsentwürfe und berufliche Perspektiven. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. ISBN 978-3-407-56255-5. Vom Beltz Verlag 2004 übernommene Ausgabe des ursprünglich bei Juventa 1999 erschienenen Buchs. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1912.php, Datum des Zugriffs 21.05.2022.


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