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Daniela Kobelt Neuhaus, Ludger Pesch: Das Methodenbuch zum Situationsansatz

Cover Daniela Kobelt Neuhaus, Ludger Pesch: Das Methodenbuch zum Situationsansatz. Planungsschritte in der Praxis umsetzen. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2015. 207 Seiten. ISBN 978-3-451-32894-7. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema und Autorenteam

Der bereits in den 1970er Jahren entwickelte Situationsansatz ist nach wie vor eine wichtige konzeptionelle Grundlage in der Elemantarpädagogik. Daniela Kobelt Neuhaus und Ludger Pesch – beide Expertin bzw. Experte für Qualität im Situationsansatz (EfQuiS) – möchten mit ihrem Methodenbuch zum Situationsansatz die zahlreich vorhandene theoretischen Literatur um ein praxisnahes Buch ergänzen.

Aufbau und Inhalt

Das Methodenbuch beginnt mit einer knappen Einführung in den Situationsansatz und einem Überblick über Planungsschritte im Situationsansatz: Analysieren/Erkunden, Entscheiden/Qualifikationsbestimmung, Handeln, Nachdenken/Reflektieren und Dokumentieren. Bei den einzelnen Methoden, die dann im Hauptteil des Buches vorgestellt werden, wird jeweils benannt, welche Planungsschritte durch diese Methode unterstützt werden.

Die einzelnen Methoden werden eingeteilt nach der Perspektive, die sie hauptsächlich erfassen. Im ersten Kapitel ist dies die Perspektive der Kinder, gefolgt von der der Eltern und dann der der pädagogischen Fachkräfte. Im vierten Kapitel geht es um die Perspektive des Teams und im fünften und letzten Kapitel werden Methoden vorgestellt, in denen mehrere Perspektiven berücksichtigt werden.

Zum Abschluss gibt es umfangreiche Arbeitsvorlagen zu den einzelnen Methoden (über siebzig Seiten).

Im ersten Kapitel, „Perspektive der Kinder“, wird beispielsweise das Ich-Buch zur Entwicklungsdokumentation beschrieben. Es wird gezeigt, wie man mit Kindern deren Lebenswelt erkunden kann, wie Kinderkonferenzen durchgeführt werden können und welche Abstimmungsmethoden man verwenden kann.

Im zweiten Kapitel zur „Perspektive der Eltern“, werden verschiedene Elternbefragungen vorgestellt, ein Aufnahme- und Anamnesebogen wird erklärt, es gibt eine Checkliste zum Beschwerdemanagement und einen Leitfaden für Entwicklungsgespräche mit Eltern.

Das dritte Kapitel zur „Perspektive der pädagogischen Fachkräfte“ ist besonders umfangreich. Hier werden u.a. verschiedene Beobachtungsverfahren vorgestellt. Einige Methoden beschäftigen sich mit dem Thema Schlüsselsituationen. Außerdem geht es um wichtige Grundlagen der Arbeit wie Vorurteilsbewusstsein, Inklusion und die eigene Berufsbiographie.

Im vierten Kapitel wird die Perspektive auf das Team erweitert. Es geht um Wochenreflexionen im Team, um Situationserörterungen und viele andere Methoden, um Teamgespräche zu strukturieren und zielgerichtet voranzubringen.

Im fünfte Kapitel, „Viele Perspektiven“, geht es um Methoden, mittels derer auch unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden können wie z.B. eine Checkliste für Anleitungsgespräche mit Praktikant/inn/en, Fishbowl, Kollegiale Beratung oder die Metaplan- und Moderationsmethode.

Alle Methoden werden kurz eingeleitet, indem sie in einen praktischen Kontext eingebettet und ihre Ziele definiert werden. Es gibt jeweils eine übersichtliche Materialliste und Hinweise zum Vorgehen. Zum Teil gibt es Tipps zur Dokumentation, Hinweise zur Weiterarbeit, Variationsmöglichkeiten und Quellenangaben, die einem die Möglichkeit geben, sich intensiver mit der Methode zu befassen.

Diskussion

Ich finde das Buch zunächst einmal ansprechend gestaltet. Es ist klar gegliedert und der Text wird durch Grafiken und Illustrationen hilfreich unterstützt, ohne dass hiermit Seiten geschunden werden.

Der Schwerpunkt wird, wie der Titel verspricht, auf praktische Methoden gelegt. Die notwendige theoretische Einführung ist knapp und prägnant. Zwischendurch gibt es immer wieder Erläuterungen, die in angemessener Art und Weise auf die konzeptionelle Einbettung der Methode verweisen.

Viele Methoden kenne ich auch aus anderen Zusammenhängen (wie z. B. die Metaplan-Methode) und auch die anderen sind wahrscheinlich nicht alle originell. Das Verdienst der beiden Autor/inn/en ist es, die Methoden konkret auf die Bedürfnisse der Elementarpädagogik zu beziehen und Materialien in Form von Fragebögen, Gesprächsleitfäden usw. zu liefern. Die Materialien sind so gestaltet, dass man sie unmittelbar als Kopiervorlage verwenden kann, gleichzeitig sind sie so erläutert, dass man sie den eigenen Zielen und Bedürfnissen anpassen kann. Eine digitale Version könnte diesen Schritt erleichtern.

Die weiterführenden Hinweise zeigen, dass das Buch sehr praxisnah entstanden ist und die Autor/inn/en die Tücken des pädagogischen Alltags kennen. Manche Methoden sind so komplex, dass wahrscheinlich eine weiterführende Lektüre notwendig ist, z.B. wenn es darum geht ein Kinder-Kontakt-Soziogramm zu erstellen oder Vorurteilsbewusstsein zu entwickeln.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Buch nicht nur für diejenigen interessant ist, die nach dem Situationsansatz arbeiten.

Fazit

Gute methodische Impulse, die den pädagogischen Alltag im Kindergarten bereichern können.


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 31.08.2015 zu: Daniela Kobelt Neuhaus, Ludger Pesch: Das Methodenbuch zum Situationsansatz. Planungsschritte in der Praxis umsetzen. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2015. ISBN 978-3-451-32894-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19124.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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