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Jochen Peichl: Narzisstische Verletzungen der Seele heilen

Cover Jochen Peichl: Narzisstische Verletzungen der Seele heilen. Das Zusammenspiel der inneren Selbstanteile. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2015. 250 Seiten. ISBN 978-3-608-89172-0. D: 27,95 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 37,90 sFr.
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Thema

Jochen Peichl beschäftigt sich in „Narzisstische Verletzungen der Seele heilen“ mit dem Phänomen der narzisstischen Verletzung aus der Perspektive der hypno-analytischen Teilearbeit. Er stellt Behandlungsmethoden und Interventionen vor um die geschwächten Persönlichkeitsanteile zu stärken.

Jeder narzisstischen Wunde liegt die Erfahrung von Vernachlässigung und einer seelischen Verletzung zu Grunde. Daraus entwickelt sich ein Kleinheits-Selbst, das im kindlichen Bemühen um Überleben durch ein Größen-Selbst überkompensiert wird. Wie bereits in anderen Arbeiten beschreibt der Autor die Ausbildung von verletzten Anteilen, Introjekten und unterschiedlichen WächterInnen, hier die spezifische Ausformung der Innenteile bei Narzissmus.

Im Praxisteil steht die Versorgung des verletzten, traumatisierten Kind-Anteils durch das Erwachsenen-Ich im Mittelpunkt. Gefühle von Neid, Scham, Aggression, existenzieller Angst und die Arbeit mit Sucht-Ego-States spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Ziel ist die Integration der Anteile im inneren System.

Autor

Jochen Peichl, Dr. med., bis Ende 2010 Oberarzt an der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik in Nürnberg, derzeit in freier Praxis tätig und Leiter des Institutes für hypno-analytische Teiletherapie InHAT, Vortragstätigkeit und Publikationen Arbeitsschwerpunkte:Persönlichkeitsstörungen, Trauma-assoziierte Störungen und dissoziative Störungen.

Aufbau

Das Buch besteht aus sieben Abschnitten

  1. Einleitung
  2. Narzissmus, ein paradoxes Konstrukt
  3. Die Choreografie der Innenteile: ein hypnotherapeutischer Ansatz
  4. Die narzisstische Verletzung der Seele
  5. Die Choreografie des Narzissmus – mein hypno-analytisches Teilemodell
  6. Versorgung und Therapie der narzisstischen Verwundung: ein hypno- und teiletherapeutischer Verbandskasten
  7. Schlussgedanken: Es ist nie zu spät für bessere Eltern!

Zu 1. Einleitung

Der Autor betrachtet das Individuum als ein System von verschiedenen Ego-States oder Selbst-Anteilen, die wie in einer modernen Tanzchoreografie miteinander verbunden sind, Muster bilden, sich verbinden und wieder trennen um so eine Anpassung an den jeweiligen Kontext zu ermöglichen, zu schützen, Sicherheit und Halt zu ermöglichen und von Verletzungen zu heilen. Narzisstische Verhaltensweisen versteht er als „… hoch kompetente und anerkennenswerte Kompensationsversuche einer verletzten Seele“ (S.10). Aus einer einst sinnvollen Lösung wird später im Leben ein Problem.

Zur Behandlung schreibt Jochen Peichl: „Um die Entstehung und die Heilung der narzisstischen Wunde, die wir alle in uns tragen, besser zu verstehen, werde ich nicht in den tiefsten Tiefen des Seelengrundes graben.“ vielmehr bezieht er sich auf eine Aussage des indischen Psychoanalytikers Sudhir Kakar wonach im Fluss des Lebens alles mehr oder weniger weit oben fließt. „‚Die allertiefste Tiefe ist eine Illusion‘“ (S.8).

Zu 2. Narzissmus, ein paradoxes Konstrukt

Wir können von einer Prävalenzrate der narzisstischen Persönlichkeitsstörung von ca. 1% in der Allgemeinbevölkerung ausgehen. Werden Betroffene von ihrem Umfeld als selbstbezogen, selbstherrlich, empfindlich und rücksichtslos beschrieben so geben PatientInnen selbst bei stationären Aufenthalten an, sie wünschen sich mehr Selbstwertgefühl und sie möchten sich besser abgrenzen können. Eine zentrale Frage von Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung ist für Jochen Peichl die Frage „Wer hat mich so geliebt, wie ich bin?“ (S. 12).

„Die basale Verletzlichkeit eines Menschen dessen zentrale Selbst-Bedürfnisse nach empathischer Spiegelung in der Kindheit nicht ausreichend erfüllt wurden, typischerweise durch elterliche Gleichgültigkeit oder Vernachlässigung, wird durch die Entwicklung eines grandiosen Selbst überdeckt und garantiert so ein Weiterleben mit Schrammen auf der Seele. Grandiosität ist das Pflaster für die Seelenwunde“ (S17). Somit ist der wesentliche Aspekt neben der Grandiosität die Verletzlichkeit der Betroffenen. Schwierigkeiten in der Regulation des Selbstwertgefühls und eine hohe Sensibilität gegenüber Zurückweisung und Kritik sind die Folgen einer frühen Traumatisierung.

Zu 3. Die Choreografie der Innenteile: ein hypnotherapeutischer Ansatz

Charakteristisch für ein hypnotherapeutisches Verständnis ist die Unterteilung des Selbst in einen erfahrenden und in einen reflektierenden Anteil. Ein Gefühl für sich selbst als kohärente und kontinuierliche Struktur entwickelt sich mit dem Erwerb der Sprache. Diese erwachsene Ich-Fähigkeit ermöglicht die unterschiedlichen Ich-Zustände durch eine Geschichte miteinander zu verbinden, sie bilden ein „narratives Selbst“. So werden die Interaktionen zwischen Kind, Eltern und Umwelt als Erfahrungseinheiten abgespeichert und können mit der Ausreifung des autobiografischen Gedächtnisses auf einer Erwachsenen-Ich Ebene reflektiert werden. Daraus entsteht ein „mich“, das über die Zeit konstant ist und eine Erfahrung von Kontinuität ermöglicht.

„Das vielleicht Wichtigste am autobiografischen Gedächtnis für Psychotherapeuten ist, dass es durch neue Erfahrungen verändert werden kann, das heißt: Die Geschichte, die ich bis heute über mich geschrieben habe, kann ich morgen auch umschreiben. Ich kann zwar die Vergangenheit nicht mehr ändern …, aber ich kann die Geschichte verändern, die ich über sie und damit über mich erzähle“ (S. 29).

Sind früh gemachte Beziehungserfahrungen mit wesentlichen Bezugspersonen wiederholt schmerzlich, verletzend oder traumatisierend, werden die Erfahrungen nach Jochen Peichl in Form folgender Anteile gespeichert: TäterIn, Opfer, RetterIn und SystemorganisatorIn. Der TäterInnenanteil übernimmt die Information des kalten, abweisenden Elternteils ins innere System. So wird das abwertende Fremdbild der Umgebung zu einem negativen Selbstbild. „…der äußere Täter lebt jetzt als Abbild, als negative Eltern-Repräsentanz im Inneren und bildet ein Introjekt-System“ (S. 40). Als Schutz zum Überleben entsteht der RetterInnenanteil um Bindung, Schutz und Sicherheit trotz widriger Umstände aufrecht zu erhalten. Der Opferanteil trägt die Emotionen und Erfahrungen der Verletzungen der Vergangenheit in sich, er/sie weiß nicht, dass das Erlebte vorbei ist und wird getriggert, wenn die Gegenwart als ähnlich wie damals bewertet wird. Der/Die SystemadministratorIn entspricht dem erwachsenen Selbst, er/sie hat einen beobachtenden Anteil und einen handelnden Anteil, er/sie sollte nach innen vermitteln und beruhigen können. Oft wird er/sie vom RetterInnenanteil attackiert, da er/sie aus dessen/deren Sicht versagt hat und nicht schützen konnte.

Ziel psychotherapeutischer Arbeit ist es, die Beziehungen der Teile untereinander zu erforschen und mehr Transparenz, Flexibilität und Freiheitsgrade im System zu ermöglichen. Die PatientInnen zu unterstützen seinen/ihren „Teilen gegenüber eine achtsame, freundliche nicht verurteilende und nicht bewertende Haltung einzunehmen“ (S.68) ist das Ziel der gemeinsamen Arbeit.

Zu 4. Die narzisstische Verletzung der Seele

In diesem Abschnitt geht es um die Dynamik der narzisstischen Verletzung. Jochen Peichl stellt Theorien und Zugänge aus unterschiedlichen Schulen vor, führt Aspekte dieser zusammen und stellt sein hypno-analytisches Teilemodell vor.

Zentral ist die Frage nach Liebe und Selbstliebe bei Narzissmus und charakteristisch ein geringer Selbstwert verbunden mit einer besonderen Abhängigkeit von der Bestätigung und Anerkennung durch andere. In der Einteilung in offenen und verdeckten Typus liegt der Unterschied darin, dass offene NarzisstInnen kalt und abweisend sind und mit Aggression und Macht versuchen ihre Interessen durchzusetzen während verdeckte NarzisstInnen sich anpassen und unterordnen um so ihr Ziel zu erreichen.

Der Autor tritt für ein Verständnis des Phänomens als kreative Lösung sowie für eine ressourcenorientierte und praktisch handhabbare Behandlung ein. Er bezieht sich dabei wesentlich auf hypnotherapeutische Ansätze zur Behandlung der Störung des Selbstwertes, zur Ich-Stärkung, Nachreifung und Integration feindseliger Introjekte. Aus der Schematherapie zieht er das Verständnis der inneren Dynamik heran. Das einsame, emotional vernachlässigte Kind, das all die Verletzungen gespeichert hat, soll nicht mehr gespürt werden, nie mehr. Zur Kompensation wird ein grandioses Selbst erschaffen, in dem sich die Betroffenen stark und überlegen fühlen können. In der Interaktion mit der Umwelt werden andere zur Bestätigung der eigenen Grandiosität gebraucht, wenn nötig werden dazu Dominanz und Manipulation eingesetzt. Bleibt die Bestätigung aus, wird alles versucht um nicht mit dem verletzten Teil in Kontakt zu kommen, verschiedene Formen von Sucht sollen dabei „helfen“. Schließlich ist der grandiose Teil auch ein kindlicher Anteil, der verzweifelt bemüht ist das Überleben zu sichern. Die Schematherapie unterscheidet zwei Formen der Kompensation: die Selbsterhöhung gegenüber anderen und die distanzierte Selbstberuhigung und Flucht vor den eigenen Gefühlen wenn die Betroffenen alleine sind. Im Verständnis der Transaktionsanalyse steht eine nicht gelungene Beziehung zur primären Bezugsperson im Mittelpunkt einer narzisstischen Störung, es kommt zu keiner inneren Repräsentanz der „guten Mutter“. Als Folge wird das Selbst aufgespalten in ein „dependent child“ und ein „touh child“. Das „touh child“ übernimmt stellvertretend die „Selbstbemutterung“, es hat eine WächterInnenfunktion und kann in dieser auch knallhart und verletzend sein. „Das ist die narzisstische Wut, die hilft, den Schmerz ungeschehen zu machen, ohne Rücksicht auf den anderen, ohne Zögern dem anderen das anzutun, was einem selbst angetan wurde“ (S.88). In seinem Teilekonzept unterscheidet Jochen Peichl nun folgende inneren Anteile: den Eltern-Ego-State (Introjekt), den verletzten Kind-Ego-State, den/die WächterIn/SchützerIn: Grandioser Selbst-Anteil offen oder verdeckt, den/die innere/n BeruhigerIn, die ProtektorInnen Ego-States und das Erwachsenen-Selbst/Alltagsselbst/den/die SystemorganisatorIn.

Zu 5. Die Choreografie des Narzissmus – mein hypno-analytisches Teilemodell

Die Grunderfahrung des Kindes ist es, nicht beachtet zu werden, einsam und verletzt zu sein. Ein grandioses Selbst schützt diesen verletzten Kind-Anteil, es ist ein hoch kompetenter Lösungsversuch. Aufgrund der mangelnden Fürsorge, Spiegelung und Abgrenzung kann der Balanceakt zwischen Bindung und Individuation in den ersten Lebensjahren nicht gelingen. Es kann sich weder Bindungssicherheit noch ein stabiler Selbstwert entwickeln. Der Autor unterscheidet vier verletzte Kindanteile, die entstehen: das einsame Kind, das fordernde Kind, das ausgebeutete Kind und das ehrgeizige Kind. Für das Dilemma von Bindung und Individuation unter diesen Bedingungen bleiben zwei Lösungsmöglichkeiten: Das Aufgeben der eigenen Individuation, „um sich den Werte- und Normenvorstellungen des Familiensystems optimal anzupassen und sich damit Lob und Anerkennung zu sichern“ (S. 98). Oder: „Die Zweite, genauso extreme Lösung bestünde in der Aufgabe der Bindungs- und Sicherheitswünsche und einer Idealisierung der rücksichtslosen Individuation, losgelöst von jeder Rückbezüglichkeit zu dem System, aus dem man kommt …“ (S. 99). Die beiden Lösungswege bezeichnet der Autor als Mutter-Theresa-Persönlichkeit beziehungsweise als Superman/Supergirl-Persönlichkeit. Bei der Mutter-Theresa-Persönlichkeit stehen Gefühle von Verlassenheit und Vernachlässigung im Vordergrund, Liebe und Anerkennung waren stets an Leistung gebunden. Es bildet sich ein negatives Selbstbild und in Folge ein kompensatorisches Größenselbst. Die eigene Individuation wird geopfert zugunsten einer abhängigen Beziehung zu Menschen. Beim Typus Superman/Supergirl-Persönlichkeit wurden die Kinder verwöhnt, über behütet, hochgelobt und sie erhielten keine nötigen Grenzen. Das so entstandene idealisierte Selbstbild ist brüchig und von steter Bestätigung durch andere abhängig. Das Grandiose Selbst ist der/die WächterIn des inneren verletzten Kind-Anteils. Zur Stabilisierung pendeln Betroffene zwischen „Größen-Selbst“ und „Kleinheits-Selbst“ hin und her.

Als Methoden zur Unterbrechung dieser früh entstandenen neuronalen Muster nennt Jochen Peichl:

  • die Perspektive, dass jemand mehr ist als nur sein Gefühl, Gedanke,…
  • die Suche nach der guten Absicht der Anteile
  • Das Symptom ist nicht das Problem, sondern die Lösung eines Problems
  • Humor, Geschichten und Tranceübungen
  • verletzte und traumatisierte Kindanteile in die Gegenwart holen

Zu 6. Versorgung und Therapie der narzisstischen Verwundung: ein hypno- und teiletherapeutischer Verbandskasten

Als grundlegendes Ziel psychotherapeutischer Arbeit formuliert der Autor die Aufhebung der Splittung der Innenteile in verletzte Kindanteile und WächterInnen, die als Folge einer frühen Verletzung entstanden sind.

Die Heftigkeit innerer kritischer Anteile wird als notwendige Maßnahme beschrieben um der Überflutung des Erwachsenen-Selbst durch einen verletzten Kind-Anteil entgegenzuwirken.

Opfer-Anteile können sehr unterschiedlich sein. Sie können entstehen als Substrat der Erfahrung einer frühen Traumatisierung, als abgespeichertes Wissen über ein früheres Opfer-Sein. Eine Opfer-Identität kann als Substitut einer wahren Identität dienen, was häufig bei verdeckten NarzisstInnen der Fall ist. Ebenso gut kann „ die Opfer-Rolle als narzisstische Plombe…“ auftauchen „… auf der inneren Bühne als ein Ego-State, mit stark anklagender und Ìch-bin ein-Opfer-der-Kindheit`-Haltung“ (S145). Außerdem finden sich bei schwerwiegenden Traumatisierungen täterimitierende und täterloyale Anteile im Opfer als stärkste Repräsentanz der narzisstischen Struktur des Täters/der Täterin. „Diese pathologisch-narzisstische Einstellung zu sich und zur Welt wird dem Opfer aufgezwungen, die Anmaßung, den anderen mit Gewalt entmenschlichen zu dürfen, schwappt in das innere System des Opfers über“ (S. 146).

Zentrale Gefühle in der Arbeit mit Menschen mit narzisstischer Verletzung sind Neid und Scham. Ziel ist es, dass das Erwachsenen-Ich Neid konstruktiv zur Entwicklung nutzen kann und Scham als wichtigen Hinweis auf Bedürfnisse nach Schutz und Integrität erkennt und hier die Grenzen wahrt. Bei aggressiven Anteilen unterscheidet der Autor zwischen der Wut und Aggression des verletzen Kindes, die meist zusammen mit Scham auftritt und der Wut und Aggression der ProtektorInnen, die vor Scham schützt. Sucht-Ego-States wiederum sind WächterInnen traumatisierter kindlicher Anteile, die durch Erregung, Betäubung und Fantasie schützen. Mithilfe dieser Kompetenzen sollen die dahinter liegenden verletzten Anteile behandelt werden, was sich suchtmindernd auswirkt. Intensive existenzielle Angst ist ein weiteres typisches Gefühl bei Menschen mit einer narzisstischen Verletzung, die ein lebenslanges Thema bleiben kann oder bei offenen NarzisstInnen als Abwehr der Angst in Aggression und narzisstische Wut umschlagen kann. Zur Arbeit mit allen genannten Gefühlen werden praxisnah Übungen und Fallbeispiele vorgestellt. Letztlich ist die Versorgung des verletzten Kind-Anteils das Ziel.

In der Arbeit mit den verletzten Kind-Anteilen nennt der Autor drei wesentliche Methoden:

  • Die Veränderung des „damals“ durch die Reise des Erwachsenen-Selbst in die Vergangenheit
  • Den Kind-Anteil in die Gegenwart bringen
  • Dem Kind-Anteil anzubieten die Belastung abzulegen

Es geht um die Wiedererlangung oder den Aufbau von Selbstkohärenz, um eine bessere Integration der Anteile, mehr Verständnis füreinander und letztlich um einen guten inneren Dialog und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Zu 7. Schlussgedanken: Es ist nie zu spät für bessere Eltern!

Den Abschluss bildet eine sehr schöne, nährende Tranceübung für das innere Kind, die der Autor frei abgewandelt hat nach dem afrikanischen Hypnotherapeuten Daniel A. Zeling.

Zielgruppe

Das Buch, gibt einen detailreichen, interessanten Einblick in das Innenleben von Menschen mit einer narzisstischen Verletzung aus der Sicht hypno-analytischer Teilearbeit. Es ist für PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen, PsychologInnen und alle Personen, die mit Betroffenen arbeiten lesenswert und kann zu mehr Klarheit über die innere Dynamik Betroffener beitragen. Insbesondere für die „schwierigen Seiten“ entsteht so mehr Verständnis. Es eignet sich aufgrund der durchwegs persönlichen, empathischen und sehr wertschätzenden Haltung auch gut für Betroffene im Sinne von Psychoedukation und Hilfe zur Selbsthilfe.

Fazit

Jochen Peichl ist es einmal mehr gelungen einen inspirierenden, interessanten Einblick in die innere Dynamik von Menschen zu ermöglichen. Die narzisstische Verletzung wird im Rahmen des hypno-analytischen Teilemodells beschrieben, dabei schöpft der Autor spürbar aus seinem reichhaltigem theoretischen und praktischen Wissen. Durch diesen weitreichenden Blick auf das Geschehen ist der Text nicht immer leicht lesbar. Die Betrachtung von Phänomenen aus Sicht unterschiedlicher Theorien ist in der Kürze manchmal schwer nachvollziehbar, zumal die Begriffe oft ähnlich sind, dann aber doch nicht exakt das Gleiche meinen. Dennoch ist das Buch ein inhaltlicher wie sprachlicher Genuss und es lohnt sich einzelne Passagen mehrmals zu lesen. Es ist eine überaus versierte und wohlwollende Arbeit zum Thema Narzissmus, die nicht nur das Erleben Betroffener verständlich macht, sondern auch viele Beispiele aus der Praxis und konkrete Interventionen für die Arbeit anbietet.

Abschließend bleibt für mich ein einziger Wunsch an den Autor offen: eine gendergerechte Sprache würde die ansonsten so achtsam gewählte Sprache aus meiner Sicht vervollständigen.


Rezensentin
Mag.a Manuela Pichler
Klinische- und Gesundheitspsychologin, Arbeitspsychologin
Publikation: http://www.zks-verlag.de/subjektives-wohlbefinden-im-alter-print/
Homepage www.praxispichler.at
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Zitiervorschlag
Manuela Pichler. Rezension vom 20.11.2015 zu: Jochen Peichl: Narzisstische Verletzungen der Seele heilen. Das Zusammenspiel der inneren Selbstanteile. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-608-89172-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19161.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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ISSN 2190-9245

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