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Mechthild Schroeter-Rupieper: Praxisbuch Trauergruppen

Cover Mechthild Schroeter-Rupieper: Praxisbuch Trauergruppen. Grundlagen und kreative Methoden für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Patmos Verlag (Ostfildern) 2015. 176 Seiten. ISBN 978-3-8436-0674-5. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

Dieses Buch zeigt anhand vieler Beispiele, wie Gruppenarbeit für Trauernde in der Praxis aussehen kann. Vermittelt werden Grundlagen und kreative Methoden für die Arbeit mit betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsene.

Autorin

Mechthild Schroeter-Rupieper ist Trauerbegleiterin und Inhaberin von Lavia – Institut für Familientrauerbegleitung in Gelsenkirchen. Sie ist auch als Fortbildungsreferentin tätig und hat mehrere Bücher über Abschied und Trauer geschrieben.

Aufbau

Zu Beginn gibt die Autorin eine kurze inhaltliche Einführung für die Arbeit in Trauergruppen (Definition von Trauer, Trauermodell von Worden) und die Rahmenbedingungen für die Leitung von Trauergruppen (Zielgruppen, Settings, Leitungsteam, etc.). Im Anschluss geht sie auf Inhalte, Abläufe und Methoden für die Gruppenarbeit mit den unterschiedlichen Zielgruppen näher ein.

Inhalt

Im ersten Kapitel werden die Grundlagen für die Trauerarbeit in Trauergruppen beschrieben. Schroeter-Rupieper sieht als roten Faden in der Arbeit in Trauergruppen das Wissen um Trauertheorien und die Alltagsrealität von Trauernden.

Für sie sind jedoch Trauermodelle keine Rezepte, die es zu befolgen gilt und die einen statischen und festgelegten Ablauf von Phasen, Stufen oder der Reihe nach zu erledigender Aufgaben beinhalten. Sie können aber eine Orientierungshilfe für Trauernde und somit auch für die Arbeit mit Trauergruppen sein.

Trauer ist ein individueller Prozess, der abhängig von unserer Geschichte und der Kultur, in der wir leben ist, persönlichkeitsorientiert verläuft und durch verschiedene Variablen beeinflusst wird. Trauer ist einzigartig und verlangt eine Aktivität, jedoch wählt jeder/r ihr/sein eigenes Tempo.

Aufgabe von Trauergruppenleiterinnen ist es, Themen abwechslungsreich zu vermitteln, damit die Gruppenarbeit zur Lebenswirklichkeit der Trauernden passt. Sie brauchen Fachlichkeit und Lebendigkeit.

In diesem Kapitel beschreibt sie auch das Trauermodell von Worden, der davon ausgeht, dass Trauernde Aufgaben bewältigen müssen, nämlich:

  • Begreifen und Akzeptieren des Verlustes
  • das Zulassen von Gefühlen
  • die Fähigkeit, die mit dem Verlust einhergehenden Veränderungen zu leben
  • die Verortung des Verstorbenen an einem guten Ort
  • und fügt noch "Funktionieren" nach Chris Paul hinzu.

Im nächsten Kapitel geht sie auf die Grundlagen und Rahmenbedingungen ein, die für die Leitung von Trauergruppen beachtet werden müssen. Sie plädiert für homogene Trauergruppen, die sich am Alter der Trauernden, der Todesart der Verstorbenen und an der Lebensphase orientieren: z. B.: jung verwitwete Eltern, Männer, Angehörige nach Suizid, Eltern, deren verstorbenen Kinder noch zuhause gelebt haben, etc. Die Vorteile homogener Gruppen liegen darin, dass man gezielte Gesprächsangebote machen kann, die dem Alltag und den oft altersentsprechenden Interessen der Trauernden entsprechen.

Bevor die Trauergruppe startet, empfiehlt sich mit den InteressentInnen ein persönliches Vorgespräch zum Kennenlernen und zur Bedarfsklärung zu führen. Für Kindertrauergruppen bietet sich ein gemeinsames Gespräch mit einem Elternteil oder einer Bezugsperson und dem Kind an.

Von einer Teilnahme an einer Trauergruppe ist abzuraten, wenn eine schwere psychische Erkrankung, Alkohol- oder Drogensucht oder bei Kindern Anpassungsschwierigkeiten vorliegen.

Anschließend beschreibt sie die unterschiedlichen Zielgruppen, an die sich Trauergruppen wenden können und geht auf die Charakteristika von Kinder- und Jugendtrauergruppen ein:

  • Geschlossene Kindertrauergruppe: Diese findet meist an 10 Nachmittagen unter der Leitung von 2 Gruppenleiterinnen plus Unterstützer statt. Der Todesfall der Großeltern, Eltern oder Geschwister darf akut sein. Auch wenn Kinder die Bedeutung des Verlustes nicht immer sofort begreifen, benötigen sie dennoch Orte, an denen sie über das Geschehene sprechen können.
  • Offener Jugendtrauertreff: Diese offene Gruppe verpflichtet die Jugendlichen nicht zu einer regelmäßigen Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die Treffen sollten max. 2 Wochen auseinanderliegen. Der Ablauf, vor allem die Eingangs- und Abschlussrituale sollten immer gleich sein, um auch den nicht regelmäßig Teilnehmenden durch wiederkehrende Abläufe Sicherheit zu geben.
  • Andauernde teiloffene Kinder- und Jugendtrauergruppe: Diese ist ein verbindliches Trauergruppenangebot, bei dem die Kinder und Jugendlichen ihrem Bedarf entsprechend die Dauer der Teilnahme selbst bestimmen. Da diese Gruppenform erfahrungsgemäß von Kindern über zwei bis vier Jahre besucht wird, bieten sich monatliche Treffen an. Der Ablauf der Treffen sollte immer gleich sein, da Rituale durch den Wiedererkennungswert Sicherheit geben.
  • Offene Kindertrauergruppen sind nicht empfehlenswert.

Ein Elternabend alle zwei bis drei Monate bietet sich im Sinne einer ergänzenden Elternarbeit an. Grundsätzlich ist die Begleitung der Eltern sehr wichtig, da Trauerbewältigung bei Kindern nur schwer funktioniert, wenn Elternteile sich nicht selbst mit dem Verlusterleben auseinandersetzen möchten.

Die Grundlage, um Trauergruppen zu leiten, ist eine qualifizierte Ausbildung, wobei Qualifizierung für Schroeter-Rupieper eine Kombination von Kopf, Herz und Bauch bedeutet. Empfehlenswert sind zwei Personen pro Leitungsteam. Zusätzlich zum Austausch mit den anderen Gruppenmitgliedern muss darauf geachtet werden, dass den Teilnehmenden Informationen über Trauerprozesse und Trauermodelle vermittelt werden. Die Gruppe sollte sich immer am gleichen Ort treffen, da nach Verlusterlebnissen bekannte Strukturen und Äußerlichkeiten Sicherheit vermitteln. Der Ablauf eines Gruppentreffens besteht aus 4 Phasen: Ankommen (ca. 20 Minuten), Austausch (ca. 60 Minuten), Pause (ca. 20 Minuten) und Abschied (ca. 20 Minuten).

In den folgenden Kapiteln geht sie auf die einzelnen Zielgruppen näher ein: Kindertrauergruppen, Trauergruppen mit Jugendlichen, Trauergruppen für verwaiste Eltern, Trauergruppen für verwitwete Männer und Frauen und Männertrauergruppen. Nach einem kurzen theoretischen Vorspann, in dem die Besonderheiten der einzelnen Gruppen kurz herausgearbeitet werden, beschreibt sie detailliert 6 Gruppentreffen. Diese stehen alle unter einem bestimmten Thema, der Hintergrund jeder Einheit wird kurz beleuchtet, der Ablauf, die Methoden sowie die Auswertung dieser genau beschrieben und das benötigte Material angegeben.

Diskussion

Das neue Buch von Schroeter-Rupieper ist klar und übersichtlich gestaltet und beginnt mit einem kurzen, theoretischen Einblick in die Grundlagen für die Arbeit mit Trauergruppen. Schwerpunkt des Buches ist aber die konkrete, praktische Arbeit mit Trauernden in Gruppen, wobei sie eine Differenzierung in Bezug auf die Betroffenheit der Trauernden macht. Vertiefend wird auf Kinder- und Jugendtrauergruppen eingegangen. Die Traueraufgaben von Worden werden durch kreative Methoden, die im Mittelpunkt aller Einheiten stehen, bearbeitet. Über diese kreativen Zugänge werden die Trauernden einerseits mit sich selbst in Kontakt gebracht, andererseits wird auch der Austausch unter den Gruppenmitgliedern angeregt. Die Autorin zeigt auf, dass Trauergruppen ermöglichen, dass die Traueraufgaben nicht alleine bewältigen werden müssen, sondern im Austausch mit anderen Betroffenen, Kraft und Zuversicht für das weitere Leben geben.

Fazit

Den Einblick, den die Autorin in die konkrete Arbeit mit Trauergruppen gibt, ist ein guter Einstieg für Trauerbegleiterinnen, die bereits Erfahrung mit Trauernden in Einzelsettings mitbringen und Trauergruppen leiten. Schroeter-Rupieper schöpft aus ihrer langjährigen Erfahrung mit Trauernden aller Altersgruppen und lässt die LeserInnen an diesem Erfahrungsschatz teilhaben. Die Vielfalt an erprobten Übungen, Methoden und Interventionen für die Gestaltung von Trauergruppen sowie der Aufbau und die Struktur der einzelnen Einheiten, umfasst jene Themen, die für die Bewältigung eines Todesfalls und eine Neuorientierung notwendig sind. Fragen, die die Autorin bei einzelnen Methoden formuliert, eignen sich als Tür- und Herzöffner, aber auch als Impulsgeber für eine vertiefende Auseinandersetzung.

Dieses Buch eignet sich für TrauerbegleiterInnen, die ihr Repertoire an kreativen Methoden erweitern möchten, aber schon auf fundierte Erfahrung in der Arbeit mit Trauernden zurückgreifen können.


Rezensentin
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Geschäftsführerin RAINBOWS-Österreich
Homepage www.rainbows.at
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Zitiervorschlag
Dagmar Bojdunyk-Rack. Rezension vom 18.12.2015 zu: Mechthild Schroeter-Rupieper: Praxisbuch Trauergruppen. Grundlagen und kreative Methoden für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Patmos Verlag (Ostfildern) 2015. ISBN 978-3-8436-0674-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19166.php, Datum des Zugriffs 23.01.2019.


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