socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2015

Cover Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2015. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2015. 3128 Seiten. ISBN 978-3-95853-043-0. 20,00 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Das „Jahrbuch Sucht“ fasst die neuesten Statistiken zum Konsum von Alkohol, Tabak, psychotropen und anderen Arzneimitteln mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential, illegalen Drogen sowie zu Essstörungen, Glücksspiel, Delikten unter Alkoholeinfluss und Suchtmitteln im Straßenverkehr zusammen. Darüber hinaus informiert es mit jeweils drei Beiträgen über die Suchtkrankenhilfe in Deutschland und aktuelle Themen. Schließlich beinhaltet es ein umfangreiches Anschriftenverzeichnis von deutschen und europäischen Einrichtungen aus dem Suchtbereich.

Herausgeberin und Autor_innen

Das „Jahrbuch Sucht“ wird von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) in Hamm herausgegeben. Der Verein, in dem mit wenigen Ausnahmen sämtliche Träger der ambulanten Beratung und Behandlung, der stationären Versorgung und der Selbsthilfe vertreten sind, wurde 1947 gegründet, um allen in der Suchtkrankenhilfe bundesweit tätigen Verbänden und gemeinnützigen Vereinen eine Plattform zu geben. Die DHS hat das Ziel, Menschen im Hinblick auf suchtbezogene Probleme zu informieren, zu beraten und auf Hilfeangebote aufmerksam zu machen. Dabei setzt sie zum einen auf vor beugende Maßnahmen (Suchtprävention), indem sie über Suchtgefahren informiert und über mögliche Folgen aufklärt. Zudem bieten ihre Mitgliedsverbände abhängigen Menschen und deren Angehörigen konkrete Hilfen und Hilfen zur Selbsthilfe an. Dies ermöglicht den Betroffenen, Wege aus der Abhängigkeit zu finden. Die DHS setzt sich zudem dafür ein, dass Beratung und Behandlung für Menschen mit Suchtproblemen ständig qualitativ weiterentwickelt und versorgungspolitisch gesichert werden. Das „Wissenschaftliche Kuratorium der DHS“ hat die Aufgabe, die DHS kontinuierlich zu beraten, ihre Arbeit zu fördern, zu begleiten und insbesondere die entsprechende wissenschaftliche Arbeit anzuregen und mitzugestalten. „Fachausschüsse der DHS“ greifen grundsätzliche und aktuelle Probleme von Sucht, Suchthilfe und Suchtprävention auf und erarbeiten Lösungsvorschläge, die zuverlässige Orientierungshilfen bieten. Sie geben grundlegende Impulse für Weiterentwicklungen und Standards der Suchthilfe und Suchtprävention (vgl. www.dhs.de).

Die Redaktion der vorliegenden Ausgabe, an deren Entstehung insgesamt 26 anerkannte Fachleute aus verschiedenen Organisationen mitgewirkt haben, lag in Händen von Dr. Raphael Gaßmann, Gabriele Bartsch und Jolanthe Kepp von der Geschäftsstelle der DHS.

Entstehungshintergrund

Das „Jahrbuch Sucht“ wird von der DHS jährlich herausgegeben. Die im Taschenbuchformat, nun bereits zum 58. Mal veröffentlichte Publikation erschien (in den Jahren von 2004 bis 2009 mit Festeinband, 2010 wie zuvor mit Pappeinband) bis 2011 in der Neuland Verlagsgesellschaft (Geesthacht), seither – nun wieder mit Festeinband und einem etwas größerem Format – im Verlag Pabst Science Publishers (Lengerich). Zum „Jahrbuch Sucht 2014“ vgl. die Besprechung des Rezensenten unter www.socialnet.de/rezensionen/16877.php.

Aufbau

Nach einem „Vorwort“ von Gabriele Bartsch und Raphael Gaßmann gliedert sich der Band in die folgenden sechs Kapitel, die teilweise Unterkapitel enthalten:

  1. Daten, Zahlen und Fakten (Birgit Lehner, Jolanthe Kepp)
  2. Suchtstoffe, Suchtformen und ihre Auswirkungen
    1. Alkohol – Zahlen und Fakten zum Konsum (Beate Gaertner, Jennis Freyer-Adam, Christian Meyer, Ulrich John)
    2. Tabak – Zahlen und Fakten zum Konsum (Thomas Lampert, Benjamin Kuntz)
    3. Medikamente 2013 – Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial (Gerd Glaeske)
    4. Illegale Drogen – Zahlen und Fakten zum Konsum (Boris Orth, Daniela Piontek, Ludwig Kraus)
    5. Glücksspiel – Zahlen und Fakten (Gerhard Meyer)
    6. Rauschgiftlage 2013 (Michael Hoffmann)
    7. Delikte unter Alkoholeinfluss (Rudolf Egg
    8. Suchtmittel im Straßenverkehr 2013 – Zahlen und Fakten (Martina Albrecht, Christine Leipnitz)
  3. Suchtkrankenhilfe in Deutschland
    1. Einführung von Katamnesen in der Ambulanten Rehabilitation Sucht – Ausgewählte Ergebnisse der ersten Entlass-Jahrgänge 2011 und 2012 (Renate Walter-Hamann, Theo Wessel)
    2. Jahresstatistik 2013 der professionellen Suchtkrankenhilfe (Barbara Braun, Jutta Künzel, Hanna Brand)
    3. Suchtrehabilitation durch die Rentenversicherung (Barbara Naumann)
  4. Aktuelle Themen
    1. Drug-Checking – ein sicheres Verfahren für Harm-Reduction und Monitoring? (Artur Schroers)
    2. Stigmatisierung Alkoholabhängiger (Christina Rummel)
    3. Was Sie außerirdischen Besuchern besser nicht zu erklären versuchen… Teil 6: Glauben (Raphael Gaßmann)
  5. AutorInnenverzeichnis
  6. Anschriften aus dem Suchtbereich.

Inhalt

In ihrem Vorwort weisen Gabriele Bartsch und Raphael Gaßmann darauf hin, dass das jeweils aktuelle DHS Jahrbuch Sucht von allen Druckerzeugnissen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zweifelsohne das meistzitierte ist. So werde der an dieser Stelle vor zwei Jahren gezogene Vergleich, dass jede/r Deutsche durchschnittlich pro Jahr etwa eine Badewanne randvoll mit Alkoholika trinkt, bis heute gern und häufig aufgegriffen. Neben solch redaktionellen Feststellungen gelte das öffentliche und mediale Interesse vor allem aber dem hier jährlich zusammengestellten Datenmaterial zu Suchtfragen. Wörtlich fahren sie sodann fort: „Im DHS Jahrbuch finden Sie stets dessen umfangreichste und aktuellste Sammlung, die zu haben ist“ (S. 7).

Unter der Überschrift „Daten, Zahlen und Fakten“ präsentieren sodann Birgit Lehner und Jolanthe Kepp von der DHS – sozusagen für „Schnellleser“ – im ersten Kapitel (S. 11-38) zusammenfassende Statistiken über Alkohol, Tabak, Psychotrope Medikamente, Illegale Drogen, Glücksspiel und Essstörungen.

Das umfangreiche zweite Kapitel „Suchtstoffe, Suchtformen und ihre Auswirkungen“ (S. 39-197) vereint acht Beiträge mit den neuesten Statistiken zum Konsum von Alkohol, Tabak, Medikamenten (Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential), Illegale Drogen, Glücksspiel, zur Rauschgiftlage 2013 sowie Delikte unter Alkoholeinfluss und Suchtmittel im Straßenverkehr. Die Fülle des hierbei übersichtlich aufbereiteten Zahlenmaterials ermöglicht es jedem daran Interessierten einfach, sich zu den einzelnen Themen einen fundierten Überblick zu verschaffen. Dank den in jedem Beitrag separat gegebenen Hinweisen auf weiterführende Literatur ist zugleich eine vertiefende Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema leicht möglich.

Im dritten Kapitel (S. 199-259) informiert das Buch in drei Beiträgen über die „Suchtkrankenhilfe in Deutschland“. Während hierbei Renate Walter-Hamann vom Deutschen Caritasverband e.V., Referat Gesundheit, Rehabilitation und Sucht (Freiburg) und Dr. Theo Wessel vom Gesamtverband für Suchthilfe e.V., Fachverband der Diakonie Deutschland (Berlin) über die „Einführung von Katamnesen in der Ambulanten Rehabilitation Sucht – Ausgewählte Ergebnisse der ersten Entlass-Jahrgänge 2011 und 2012“ (199-213) berichten, stellen Dr. Barbara Braun, Jutta Künzel und Hanna Brand vom Institut für Therapieforschung (München) die „Jahresstatistik 2013 der professionellen Suchtkrankenhilfe“ (S. 214-240) vor. Ferner berichtet Barbara Naumann von der Deutschen Rentenversicherung Bund über aktuelle Aspekte der „Suchtrehabilitation durch die Rentenversicherung“ (S. 241-259).

Wie in der Vergangenheit enthält auch das vorliegende Jahrbuch als viertes Kapitel die Rubrik „Aktuelle Themen“ (S. 261-290). Im ersten der insgesamt drei hier versammelten Beiträge präsentiert Dr. Artur Schroers vom Institut für Suchtprävention sowie Geschäftsführung und Büro des Koordinators für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien unter der Überschrift „Drug-Checking – ein sicheres Verfahren für Harm-Reduction und Monitoring?“ (S. 261-273) die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschungsarbeiten zu Drug-Checking als in Präventionsmaßnahmen integriertes Angebot und im Rahmen von Monitoring-Instrumenten. Ob, unter welchen Umständen und inwiefern unerwünschte Konsumanreize mit Drug-Checking verbunden sind und wie diese minimiert oder gar ausgeschlossen werden können, bedarf nach Ansicht des Autors weiterer Forschungen, die zu fördern sich angesichts der erwiesenen präventiven Chancen der Maßnahme mehr als lohne.

In ihrem Beitrag „Stigmatisierung Alkoholabhängiger“ verdeutlicht Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hamm), dass trotz des extrem weit verbreiteten Konsums von Alkohol und seiner weitgehenden Akzeptanz ein großer Teil der Bevölkerung Menschen mit Alkoholproblemen ablehnt. Während Alkoholabhängigkeit als „Charakterschwäche“ verurteilt werde, bleibe das Krankheitskonzept weitestgehend unberücksichtigt. Nach Ansicht der Autorin müssen Suchthilfe, Psychiatrie, Medizin und nicht zuletzt die Gesundheitspolitik auch weiterhin die Bevölkerung informieren sowie ihre eigenen Handlungen reflektieren, um der Krankheit Abhängigkeit ihr Stigma zu nehmen.

In seinem Beitrag „Was Sie außerirdischen Besuchern besser nicht zu erklären versuchen… Teil 6“ (S. 288-290) setzt sich Raphael Gaßmann mit dem Phänomen „Glauben“ auseinander, zumal – wie er an vier Beispielen, stellvertretend für viele, anschaulich aufzeigt – auch in der Drogen- und Suchtpolitik „gern und ausdauernd“ geglaubt wird: „Und häufig durchaus vorhandenen Gewissheiten und Beweisen zum Trotz“ (S. 289). Eine der Erkenntnisse des Autors: „Glaube bedarf keiner Begründung, das ist das Schöne. Jeder kann vor sich hin glauben, wie und was er möchte. Und selbstredend ist es angenehmer, Gefälliges zu glauben, als Unerwünschtes zur Kenntnis zu nehmen“ (S. 290). Dabei sei Denken aufregend schön. Warum dennoch von Profis, die nun wirklich nicht fürs Glauben bezahlt werden, auf Teufel komm raus geglaubt wird, sollten Sie besser nicht versuchen, Außerirdischen zu erklären.

Nach dem im fünften Kapitel (S. 291-294) wiedergegebenen „AutorInnenverzeichnis“ wird die Darstellung ergänzt durch das sechste Kapitel (S. 295-327) mit „Anschriften aus dem Suchtbereich“, die sich in die vier Bereiche „Bundesweit tätige Organisationen“, „Anschriften in den Bundesländern“, „Fachverlage“ und „Europäisches Ausland“ untergliedern.

Diskussion

Wer sich mit dem Thema Sucht ernsthaft auseinandersetzen möchte, braucht zunächst einmal verlässliche Daten, Zahlen und Fakten. Diese bietet seit vielen Jahren das jährlich von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. in Hamm herausgegebene „Jahrbuch Sucht“. Als zuverlässiges Standardwerk, das jeweils durch ein aktuelles und umfangreiches Anschriftenverzeichnis von deutschen und europäischen Einrichtungen im Suchtbereich ergänzt wird, handelt es sich um ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das umfassende Statistiken auf aktuellem Stand, prägnante Analysen und richtungsweisende Schwerpunkte für alle bereitstellt, denen es in der Diskussion um mehr als nur Stammtischparolen oder billige Polemik geht. Wer sich mit einem Thema intensiver und vertiefender auseinandersetzen möchte, findet darüber hinaus zu jedem Beitrag hilfreiche Hinweise auf weiterführende Literatur.

Fazit

Wer Fragen zum Thema Sucht hat, findet im „Jahrbuch Sucht 2014“ eine große Fülle an Statistiken und weiteren Informationen. Von daher führt an diesem langjährigen Standardwerk für alle, die hier kompetent mitreden können, kein Weg vorbei.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
E-Mail Mailformular


Alle 176 Rezensionen von Hubert Kolling anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 05.08.2015 zu: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2015. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2015. ISBN 978-3-95853-043-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19168.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung