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Stefan Fenner: Der Entwicklungsstand von Controlling­instrumenten ... (Krankenhaus)

Cover Stefan Fenner: Der Entwicklungsstand von Controllinginstrumenten in deutschen Krankenhäusern. Verlag Fritz Knapp GmbH (Frankfurt am Main) 2015. 365 Seiten. ISBN 978-3-8314-0861-0. D: 81,00 EUR, A: 83,30 EUR, CH: 109,00 sFr.
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Thema

Wie der Titel bereits sagt, untersucht Stefan Fenner den Entwicklungsstand des Controllings und seiner Instrumente von Krankenhäusern in Deutschland. Dazu führt er zunächst eine Bestandsaufnahme durch, um anschließend die erhobenen Controlling-Instrumente zu analysieren und in einem letzten Schritt eine Typisierung bezüglich des Entwicklungsstandes zu entwerfen.

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand als Dissertation in den Jahren 2012 und 2013, betreut von Prof. Dr. Nils Crasselt, und wurde als Band 67 der Schriftenreihe des zeb von Prof. Dr. Bernd Rolfes und Prof. Dr. Dres. h.c. Henner Schierenbeck herausgegeben.

Autor

Stefan Fenner erarbeitete die Inhalte in dieser Zeit als externer Doktorand am Lehrstuhl für Controlling an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universität Wuppertal, während er materiell und immateriell von seinem Arbeitgeber zeb unterstützt wurde.

Als nach eigenen Aussagen größte deutsche mittelständische Managementberatung ist zeb mit über 800 Mitarbeitern in der Management- und IT-Beratung tätig, ursprünglich mit dem Beratungsfokus auf Finanzdienstleistungen und auch mittlerweile im Bereich Health Care für Krankenhausträger.

Der vorliegende 67. Band ist der zweite Band in der zeb-Schriftenreihe im Bereich Health Care.

Aufbau

Nach dem Geleitwort des Herausgebers (2 Seiten) und dem Geleitwort des Doktorvaters (1 Seite) schließt ein Vorwort des Autors (1 Seite) an. Es folgen Inhaltsverzeichnis (4,5 Seiten), Abbildungsverzeichnis (62 Abbildungen), Tabellenverzeichnis (3 Tabellen), Abkürzungsverzeichnis (3 Seiten mit fachspezifischen wie auch Duden-gängigen Abkürzungen) vor dem eigentlichen Text (221 Seiten).

Das folgende Literaturverzeichnis umfasst auf 18 Seiten 270 Quellen. Im Anhang (Nr.1 bis 8) befinden sich die mit der empirischen Erhebung verbundenen Dokumente – vom Anschreiben und Fragebogen, über die Darstellungen von Durchführungsdetails bis hin zu den Ergebnissen der selbst erarbeiteten Krankenhaustypen. Das Buch schließt mit einer kurzen Beschreibung des zeb (Unternehmen, Selbstverständnis, Leistungen), einer Liste der übrigen 66 Bände der Schriftenreihe sowie einer Liste der 18 zeb-Standorte im In- und Ausland.

Der eigentliche Text gliedert sich in

  • Einleitung
  • A. Themenfeld und Zielsetzung
  • B. Wissenschaftstheoretische Einordnung
  • C. Aufbau der Arbeit
  • Erster Teil: Grundlagen zum Untersuchungsobjekt, Stand der Forschung und Zielsetzung der Arbeit
  • Zweiter Teil: Theoretische Fundierung und Konzeptualisierung von Controllinginstrumenten & Hypothesenformulierung
  • Dritter Teil: Empirische Untersuchung
  • Schlussbetrachtung

Inhalt

Der erste Teil beschäftigt sich zunächst im Unterkapitel A mit dem Untersuchungsobjekt der Krankenhäuser, genauer mit ihnen als Bestandteil des Gesundheitssystems, ihrer Finanzierung und der Marktentwicklung und den daraus erwachsenden Herausforderungen. Wichtige Rollen spielen dabei der Zwang zur Rationalisierung und der Strukturwandel im Krankenhaus. Das Unterkapitel B beschreibt den Status quo des Controllings im Krankenhaus, insbesondere verschiedene Konzeptionen und Funktionen des Controllings allgemein sowie Spezifika und Entwicklungsbedarf des Krankenhauscontrollings. Unterkapitel B schließt mit der Ausgangsbasis für die empirische Analyse und dem Forschungsziel, Kernfragen und einer Abgrenzung der Arbeit.

Im zweiten Teil schafft der Autor zunächst im Unterkapitel A einen theoretischen Bezugsrahmen (Kontingenztheorie), den er um kontingenztheoretisch begründete Kontextfaktoren und Krankenhausspezifische Kontextfaktoren erweitert. Es wird zudem begründet, warum das Kriterium „betriebswirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ verwendet wird, um den Entwicklungsstand eines Krankenhauses zu beschreiben.

Das Unterkapitel B beschreibt den Weg zu den Untersuchungsvariablen. Abgeleitet aus den Controllingaufgaben „Informationsversorgung“ sowie „Planung und Kontrolle“ werden die folgenden Instrumentengruppen operationalisiert: Berichtswesen, Planung, Liquiditätsplanung, Erlös-, Kosten- und Ergebnissteuerung, Risikomanagement, Zielsystem und Anreizsystem. Eine eindeutige Zuordnung der Instrumentengruppen zu den Aufgaben erfolgt laut Autor nicht, da die Instrumente häufig Komponenten beider Aufgaben beinhalten.

Im letzten Unterkapitel C des zweiten Teils werden pro Kontextfaktor und Instrumentengruppe Hypothesen formuliert. Diese beziehen sich auf die Größe des Unternehmens, die Koordinationskomplexität, die Komplexität der medizinischen Leistungen (gemessen am Case Mix Index), die erwerbswirtschaftliche Ausrichtung und die Zugehörigkeit zu einem Konzern oder Verbund.

Der dritte Teil ist der empirischen Erhebung gewidmet und gliedert sich in

  1. Untersuchungsmodell und Datenerhebung
  2. Statistisches Modell, verwendete Methodik und deskriptive Ergebnisse
  3. Prüfung der Hypothesen
  4. Deduktion und Diskussion von Kontext- und Entwicklungsstandtypen

Die Daten wurden per schriftlicher Befragung erhoben, der Rücklauf von 107 verwertbaren Datensätzen scheint dem Autor bezüglich zentraler Merkmalsausprägungen und der regionalen Verteilung repräsentativ.

Als Entwicklungsstandtypen werden die „kleinere Spezialklinik“, der „große Maximalversorger“ und das „Normalkrankenhaus“ identifiziert und dafür werden jeweils Gestaltungshinweise für die Controllingpraxis formuliert.

Die Schlussbetrachtung fasst die Untersuchung im Unterkapitel A zusammen, stellt die Limitationen der Untersuchung im Unterkapitel B dar und endet mit den Implikationen für die weitere Forschung (Unterkapitel C).

Methodisch stützt sich Stefan Fenner auf Interaktionsanalysen, Korrelationsanalysen und Clusteranalysen.

Diskussion

Der Entstehungshintergrund verdeutlicht, dass das Gesundheitswesen, insbesondere die Krankenhäuser, bezüglich betriebswirtschaftlicher Fragen nach und nach in den Fokus rückt. Das Buch bietet dem Branchenneuling eine Hinführung und erklärt auch grundlegende Sachverhalte (z.B. gibt es eine Definition von Verweildauer und des historisch relevanten Selbstkostendeckungsprinzips). Viele Details, insbesondere Zahlen zur demografischen Entwicklung und ihrer Wirkung auf die Nachfrage nach Krankenhausleistungen, erhellen die Branche. Als spezielle Region in einer neben Bundesgesetzen auch durch Landesgesetze geprägten Branche wird auf Nordrheinwestfalen Bezug genommen.

Die einleitenden Ausführungen über die Branche und ihre (gesamt-)wirtschaftliche Bedeutung verdeutlichen die Relevanz der Untersuchung. Die Ergebnisse der Untersuchung sind für Verantwortliche im Krankenhaus, Branchenanalysten sowie Berater in diesem Bereich gleichermaßen interessant. Insbesondere der kontingenztheoretische Ansatz und seine Einzelergebnisse eröffnen für Weiterentwicklungen – sowohl durch die Praktiker und ggf. ihre Berater selbst als auch die Wissenschaftler – etliche Ansatzpunkte. Überraschenderweise zeigen die untersuchten Krankenhäuser in ihrer Gesamtheit Lücken in gängigen Bereichen des Rechnungswesens wie Deckungsbeitragsrechnung und Kostenträgerrechnung, obwohl eher mit einer Positivselektion zu rechnen ist, d.h. eher die bezüglich Controlling aufgeschlosseneren Krankenhäuser teilgenommen haben. Manche der anderen Ergebnisse zeigen ein uneinheitliches Bild bezüglich der ermittelten Krankenhaustypen.

Fazit

Stefan Fenner untersucht den Entwicklungsstand des Controllings und seiner Instrumente von Krankenhäusern in Deutschland. Die Bestandsaufnahme der Controlling-Instrumente sowie die Typisierung von Krankenhäusern bezüglich des Entwicklungsstandes führen zu interessanten Ergebnissen sowohl für die Krankenhauspraktiker und versierte Berater selbst als auch Wissenschaftler auf diesem Feld.


Rezensentin
Prof. Dr. Brigitte Bürkle
Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Brigitte Bürkle. Rezension vom 24.03.2016 zu: Stefan Fenner: Der Entwicklungsstand von Controllinginstrumenten in deutschen Krankenhäusern. Verlag Fritz Knapp GmbH (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-8314-0861-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19173.php, Datum des Zugriffs 24.04.2019.


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