socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Gernot Hahn, Matthias Hüttemann (Hrsg.): Klinische Sozialarbeit

Cover Gernot Hahn, Matthias Hüttemann (Hrsg.): Klinische Sozialarbeit. Teil Evaluation psychosozialer Interventionen. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. 187 Seiten. ISBN 978-3-88414-608-8. D: 29,95 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 40,90 sFr.

Reihe: Klinische Sozialarbeit – Beiträge zur psychosozialen Praxis und Forschung, Bd. 7.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

„Evaluation ist ein unverzichtbarer Arbeitsschritt professioneller Prozessgestaltung. Evaluation folgt der Intervention und dient als Entscheidungs- und Planungsgrundlage für weitere Interventionen. Evaluation kann die Qualitätssicherung unterstützen und ist eine bedeutende Variante von Forschung. Aktuell gefragt sind insbesondere Evaluationsstudien zur Überprüfung der Effektivität und Effizienz psychosozialer Interventionen. Der siebte Band der Reihe „Klinische Sozialarbeit“ greift all diese Aspekte auf: Im ersten Teil werden Begriffe, Designs und Konzepte der Evaluation vermittelt und im zweiten Teil exemplarische Evaluationsprojekte und -strategien in psychosozialen Arbeitsfeldern vorgestellt.“ (Klappentext)

Autoren

Gernot Hahn leitet die forensische Ambulanz in Erlangen und unterrichtet an der Fachhochschule in Nürnberg und Coburg. Prof. Dr. Matthias Hüttemann: Professor für Klinische Sozialarbeit an der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten (Hahn/Hüttemann 2015, S. 2).

Aufbau

Der Haupttext gliedert sich nach einer kurzen Einleitung in zwei unterschiedlich große Parts – einen Teil, der unter der Überschrift Begriffe, Designs und Konzepte der Evaluation steht und einen Teil, der die Überschrift Evaluationen in Arbeitsfeldern trägt. Diese zwei Parts enthalten je zwischen 4-6 Beiträge unterschiedlicher Autoren zu verschiedenen Themenschwerpunkten. Das Buch endet mit einem Glossar von Evaluationsbegriffen und Angaben zu allen Autoren, deren Beiträge in diesem Buch aufgeführt sind.

Inhalt

Die Einleitung erstreckt sich über 9 Seiten und gibt einen Überblick der einzelnen Beiträge hinsichtlich ihrer Inhalte.

Teil I: Begriffe, Designs und Konzepte der Evaluation umfasst 57 Seiten und beginnt mit dem Beitrag „Evaluation: Motivlagen zwischen Legitimation und Weiterentwicklung einer professionellen Praxis in der Sozialen Arbeit“ von Joachim Merchel. Dieser befasst sich mit der Evaluation als sich allmählich herausbildende institutionalisierte Erwartung an Organisationen der Sozialen Arbeit. Dabei beschreibt Merchel, dass sich Evaluation in der Praxis der Sozialen Arbeit aufgrund der wiederkehrenden Frage nach der Wirkung sozialer Projekte zwar zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt hat, jedoch die Erwartungen zwischen Auftraggebern und Akteuren vor Ort allerdings differieren. Merchel differenziert dabei zwischen organisationsinternen und -externen Motiven für Evaluationsvorhaben und arbeitet deutlich heraus, dass es bei der Evaluation sozialer Projekte nicht darum geht, diese eben in irgendeiner Weise durchzuführen, weil sie durch die Auftraggeber nunmal gefordert wird. Es geht vielmehr darum, Evaluation als Chance für die Qualität sozialer Projekte zu betrachten und sie methodisch zu nutzen, um ein erfolgreiches Qualitätsmanagement zu gewährleisten.

Im zweiten Beitrag beschäftigen sich Edgar Baumgartner und Matthias Hüttemann mit dem Thema „Herausforderungen experimenteller und quasi-experimenteller Evaluationsdesigns“. Darin greifen sie Aspekte des ersten Beitrages auf, indem sie auf die besondere Bedeutung zwischen der Wirkung sozialer Projekte und deren Evaluation eingehen. Dabei gehen sie im Hinblick auf die Besonderheiten der Klinischen Sozialarbeit vor allem auf experimentelle und quasi-experimentelle Evaluationsdesigns ein und veranschaulichen diese an einem konkreten Beispiel aus der Beratung von Familien mit krebskranken Kindern.

Der dritte Beitrag des ersten Teils stammt von Sigrid Haunberger und steht unter der Überschrift „Realistic Evaluation als Evaluationsrahmen in der Klinischen Sozialarbeit“ und befasst sich mit dem Ansatz der Realistic Evaluation, der ursprünglich in der Kriminalprävention angewandt wurde. Dabei geht es konkret darum, nicht nur Ergebnisse, sondern auch Prozesse herauszufiltern und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Haunberger überträgt diesen Ansatz auf die Klinische Sozialarbeit anhand konkreter Beispiele aus dem Bereich des Gesundheitssystems.

Thomas Prinz und Sandra Borth haben den vierten Beitrag zum Thema „Sozialökonomische Wirkungsevaluation am Beispiel einer psychosozialen Intervention“ verfasst. Dabei stellen sie eine Verknüpfung zwischen der Wirkung sozialer Dienstleistungen und ökonomischen Grundgedanken her, indem sie anhand einer konkreten Fallstudie die Wirkung ebensolcher sozialen Dienstleistungen zu messen versuchen.

Der zweite Teil umfasst 99 Seiten und beginnt mit dem Beitrag „Anwendungsmöglichkeiten und Rahmen der Evaluation erzieherischer Hilfen (EVAS) am Beispiel von Hilfen bei dissozial auffälligen jungen Menschen“ von Jens Arnold und Michael Macsenaere. In diesem Beitrag wird besonders die Evaluation erzieherischer Hilfen thematisiert, die auf der Grundlage des §27 SGB VIII seit 1999 zur Sicherstellung und Entwicklung der Qualität dieser Hilfen bundesweit und trägerübergreifend regelmäßig durchgeführt wird. Aufgrund der bundesweiten Durchführung liegen mehr als 40.000 dokumentierte Hilfeverläufe als Datenmaterial vor. Am in der Überschrift genannten Beispiel verdeutlichen die Autoren den Nutzen und die Effekte dieser groß angelegten Evaluation. Außerdem wird diese Form der Evaluation von den Autoren kritisch reflektiert.

Der zweite Beitrag des zweiten Teils stammt von Christoph Walther und trägt den Titel „Wirksamkeitsforschung im Überblick: Ambulant Betreutes Wohnen psychisch kranker Menschen in Deutschland“. Darin befasst sich der Autor besonders mit einer Bestandsaufnahme solcher Studien, die sich mit der Wirksamkeit psychosozialer Interventionen im Bereich des ambulanten betreuten Wohnens psychisch kranker Menschen befassen. Walther kommt dabei zu dem Schluss, dass die Wirksamkeitsforschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen steckt. Aufgrund der steigenden Zahlen psychisch kranker Menschen, die das Angebot des ambulanten betreuten Wohnens benötigen, plädiert er dafür, dass es dringend notwendig ist, die Wirksamkeit in diesem Bereich nachweisen zu können.

Gernot Hahn ist Autor des dritten Beitrags zum Thema „Stichtagserhebung Forensische Ambulanzen in Deutschland“. In seinem Beitrag zeigt er exemplarisch anhand einer eigenen jährlichen Stichtagserhebung auf, wie diese im Bereich der Straffälligenhilfe und Strafrechtspflege eingesetzt werden kann und welche Effekte sie hervorruft. Es zeigt sich, dass dieses Instrumentarium kaum dafür geeignet ist, die Wirkung von Interventionen darzustellen. Jedoch eignet sie sich für die Darstellung von Strukturen, Rahmenbedingungen und Einzelphänomenen.

Der vierte Beitrag trägt den Titel „Evaluation eines Beratungsangebots für Angehörige von Schlaganfallbetroffenen“ und wurde von Johannes Jungbauer, Miriam Floren und Theresia Krieger verfasst. Die drei Autoren befassen sich in diesem Beitrag mit einem Modellprojekt namens „Der Angehörigenlotse“ und dessen Evaluationskonzept. Dabei geht es um die intensive professionelle Beratung pflegender Angehöriger durch alle Reha-Maßnahmen des zu pflegenden Schlaganfallpatienten hindurch. In der Evaluation geht es schwerpunktmäßig darum, wie die Angehörigen die Beratung wahrnehmen und welche Aspekte zu einer gelungenen Beratung beitragen.

Andrea Zumbrunn, Maja Basler und Simon Süsstrunk haben gemeinsam den fünften Beitrag über „Peer Counseling bei stark übergewichtigen Jugendlichen im Rahmen einer ambulanten Gruppentherapie“ verfasst. Darin wird eine Evaluationsstudie zu einem ambulanten Therapieprogramm Keep on Moving dargestellt, das sich an übergewichtige Kinder und Jugendliche und deren Familien richtet. Dabei geht es darum, zusätzlich zur konventionellen Therapie eine Begleitung durch andere Jugendliche zu erhalten, die das Programm bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Untersucht wurde besonders der Effekt der Unterstützung auf der Ebene der Peer-Group.

Um „Evaluation in zielorientierter Fallarbeit – die Zielerreichungsanalyse ZEA als exemplarisches Instrument für Diagnostik, Monitoring und Evaluation“ geht es im Beitrag von Helmut Pauls und Michael Reicherts. Sie verdeutlichen darin vor allem den Zusammenhang zwischen Diagnostik, Evaluation und Zielbezug und Bestandteile der Zielorientierung von Evaluationen. Außerdem wird der Ablauf der Zielerreichungsanalyse ausführlich behandelt.

Diskussion

Bei der Lektüre des Buches fällt zunächst die Themen- und Anwendungsvielfalt positiv auf. Die einzelnen Beiträge sind trotz unterschiedlicher Themenschwerpunkte sinnvoll und aufeinander aufbauend gegliedert. Besonders angenehm für den Leser gestaltet sich der Praxisbezug aller Beiträge des Buches. So werden Evaluationen psychosozialer Interventionen stets anhand konkreter Beispiele verdeutlicht und vertieft, was besonders für Leser, die sich mit diesem Thema noch nicht eingehend befasst haben, einen tiefen Einblick in ein neues Feld bietet. Aber auch der fachkundige Leser erhält hier neue Anregungen und Denkanstöße, die er in die eigene Praxis einfließen lassen kann. Aus diesem Grund ist das Buch vor allem für Personen aus der Praxis geeignet. Denn sie erhalten viele Methoden, Hilfestellungen und Denkanstöße in der Auseinandersetzung mit Evaluationsvorhaben. Aber auch Personen aus der Wissenschaft können anhand der verschiedenen dargestellten Methoden und Herausforderungen Ideen und Anregungen für eigene Forschungsvorhaben entwickeln.

Fazit

Das Buch richtet sich sowohl an Personen aus der Praxis, der Lehre und der Wissenschaft. Es ist leicht verständlich geschrieben und kann ebenso auch von Studierenden und Berufseinsteigern als erste Wissensaneignung und Einstieg in das Themenfeld genutzt werden.


Rezensentin
Helen Schneider
M.A.
E-Mail Mailformular


Lesen Sie weitere Rezensionen zum gleichen Titel: Nr.19293


Alle 7 Rezensionen von Helen Schneider anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Helen Schneider. Rezension vom 29.07.2015 zu: Gernot Hahn, Matthias Hüttemann (Hrsg.): Klinische Sozialarbeit. Teil Evaluation psychosozialer Interventionen. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. ISBN 978-3-88414-608-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19177.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung