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Monika Himmler: Lebenscollagen. Erinnerungsarbeit [...] stationären Altenpflege

Rezensiert von Alexandra Günther, 14.01.2016

Cover Monika Himmler: Lebenscollagen. Erinnerungsarbeit [...] stationären Altenpflege ISBN 978-3-8316-4325-7

Monika Himmler: Lebenscollagen. Erinnerungsarbeit mit ästhetisch-bildnerischen Ausdrucksmitteln in der stationären Altenpflege. Herbert Utz Verlag (München) 2015. 397 Seiten. ISBN 978-3-8316-4325-7. D: 69,00 EUR, A: 71,00 EUR, CH: 89,00 sFr.
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Thema

Mit kunstpädagogischer Erinnerungsarbeit können Ressourcen aus der persönlichen Vergangenheit von pflegebedürftigen Menschen im Pflegeheim geweckt werden. Die Erinnerung daran, was geleistet und erlebt wurde, soll dazu beitragen, die Anforderungen der letzten Lebensphase zu bewältigen.

Autorin

Monika Himmler leitete als Kunst- und Physiotherapeutin über zwölf Jahre Malgruppen und Bewegungsangebote in der stationären Altenarbeit. Nach ihrem Studium in Kunstpädagogik, pädagogischer Psychologie und Kunstgeschichte promovierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Während des Promotionsstudiums konzipierte sie künstlerische Projekte für ältere Menschen im stationären Altenpflegebereich.

Aufbau

Das Fachbuch von Monika Himmler stellt ihre Doktorarbeit mit dem Projekt „Lebenscollagen“ vor. Sie ist folgendermaßen aufgebaut:

  1. Lebendigkeit im Alter – Altenarbeit mit ästhetisch-bildnerischen Ausdrucksformen
  2. Voraussetzungen und Perspektiven des Alterns in Institutionen
  3. Die Architektur des lebensgeschichtlichen Erinnerns
  4. Das kunstpädagogische Projekt „Lebenscollagen“
  5. Deskriptiv-interpretative Auswertung des Bildmaterials und der Texte
  6. Zusammenfassung.

Inhalt

Monika Himmler untersucht in ihrer Forschungsarbeit die Frage, inwieweit kunstpädagogische Erinnerungsarbeit in der Gruppe alten Menschen hilft, die Herausforderungen der letzten Lebensphase im Pflegeheim zu bewältigen. Gerade alte Menschen im Pflegeheim sind besonders darauf angewiesen, innerlich einen sinnvollen Lebenszusammenhang trotz sozialer und räumlicher Umbrüche herzustellen. Die Autorin verweist auch auf die Belastungen, die mit dem institutionalisierten Alltag im Pflegeheim einhergehen. Sowohl im theoretischen als auch im praktischen Projektteil der Arbeit dient der Begriff „Lebenscollage“ als Leitprinzip.

Die Autorin setzt sich zu Beginn der Arbeit mit anderen kunstpädagogischen Projekten wie dem Modellprojekt „Kreativität im Alter“ von Karl-Peter Sprinkart auseinander. Außerdem zeigt sie die interdisziplinären Grundlagen ihrer Arbeit auf, die für die Entwicklung ihrer Methode relevant sind. Sie geht auf aktuelle Forschungsarbeiten ein, die für den Themenbereich Kunstpädagogik und Biographiearbeit mit alten Menschen veröffentlicht wurden.

Die Autorin greift des Weiteren entwicklungspsychologische, sozialpsychologische und gerontologische Theorien über das Altern auf. Daraus erarbeitet sie Prinzipien für gelingendes Altern. Sie bezieht sich vorzugsweise auf die Ansätze von Paul B. Baltes, Erik H. Erikson und Heiner Keupp. Weiterhin nimmt sie Bezug auf Erwin Böhm und Naomie Feil.

Kunstpädagogische Erinnerungsarbeit bietet einen ganzheitlichen Zugang zu Gedächtnisinhalten. Das Collageverfahren entspricht nach Himmler der Struktur der Erinnerungsprozesse, in dem lebensgeschichtliche Erfahrungen neu zusammengesetzt und verbunden werden. Zugleich hat das Verfahren der Collage, mit einfachen, künstlerischen Mitteln, den Vorteil, dass alte Menschen zu zufriedenstellenden Bildergebnissen gelangen.

Himmler arbeitete in ihrem Projekt „Lebenscollagen“ mit zwei geschlossenen Gruppen von pflegebedürftigen, alten Menschen aus einem Münchner Pflegeheim. Jede der Gruppen hatte zwölf Teilnehmer. Gruppe A bestand seit mehr als zehn Jahren als Malgruppe unter der Leitung der Autorin. Bei Gruppe A wählte Himmler chronologisch am Lebenslauf orientierte Erinnerungsthemen aus. Gruppe B entstand aus neuen Teilnehmern, alle Bewohner aus dem Pflegeheim. Hier standen die Erinnerungsthemen in Verbindung zum Körper, wie zum Beispiel „Meine Hände erzählen“. Eine leichte bis mittelschwere Demenzerkrankung hatte ein Fünftel der teilnehmenden Bewohner in Gruppe B.

Die Autorin diskutiert die Gemeinsamkeit und Abgrenzung ihrer Methode zur Kunsttherapie. Frühere traumatische oder belastende Lebenserfahrungen aufzulösen, sind nicht Hauptziel der Arbeit. Vielmehr gilt es, dass die alten Menschen persönliche, lebensgeschichtliche Ressourcen und einen übergreifenden, positiven Lebenssinn finden. Gestaltung und Erinnerung stehen dabei in wechselseitiger Beziehung mit biografischem Erzählen in der Gruppe. Die Autorin entwickelt das sogenannte Drei-Kreise-Modell, Erinnern-Erzählen-Gestalten, nach Ernst Rebel, durch die Kategorie der Gruppenkonstellation weiter.

Anhand von ausgewähltem Bildmaterial aus der einjährigen Projektarbeit veranschaulicht die Autorin die Entwicklung der alten Menschen in der künstlerischen Erinnerungsarbeit. Sie geht dabei erneut auf die Themenauswahl, das Material, persönliche Hintergründe der Teilnehmer und die biographischen Gespräche ein.

Diskussion

Kunstpädagogische, biographieorientierte Erinnerungsarbeit verfolgt ein anderes Ziel als künstlerische Aktivierungsangebote in Pflegeheimen. Die Begleitung in der letzten Lebensphase bemisst sich danach, inwiefern der alte Mensch Hilfestellung bekommt, die gegenwärtige Entwicklungsaufgabe zu bewältigen. Die persönliche Entwicklung kann bis zuletzt im Zusammenwirken von ästhetischen Prozessen und Erinnerungsvorgängen gefördert werden, auch unter den institutionellen Bedingungen im Pflegeheim. Allein Bettlägerigkeit und fortgeschrittene Demenzerkrankung schließen die Teilnahme an der Gruppe aus.

Detaillierte Ausführungen z.B. über den Ablauf, die Stundenthemen oder Vor- und Nachbereitungen sind nicht im Buch zu finden.

Fazit

Das Fachbuch von Monika Himmler zeigt einen neuen, kunstpädagogischen Ansatz der Erinnerungsarbeit mit alten Menschen im Pflegeheim. Der Begriff „Lebenscollage“ ist darin der rote Faden. An diesem werden die interdisziplinären, theoretischen Bezüge diskutiert und reflektiert. Zugleich wird er im kunstpädagogischen Projekt mit den alten Menschen im Pflegeheim gestalterisch umgesetzt. Bildbeispiele veranschaulichen die Erinnerungs- und Gestaltungsprozesse der Teilnehmer.

Für Führungskräfte und Fachkräfte aus der Kunstpädagogik oder Kunsttherapie zeigt das Buch neue Möglichkeiten für die Arbeit mit alten Menschen im Altenpflegeheim auf.

Rezension von
Alexandra Günther
M.A., Pädagogin/Ethikerin
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Es gibt 39 Rezensionen von Alexandra Günther.

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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 14.01.2016 zu: Monika Himmler: Lebenscollagen. Erinnerungsarbeit mit ästhetisch-bildnerischen Ausdrucksmitteln in der stationären Altenpflege. Herbert Utz Verlag (München) 2015. ISBN 978-3-8316-4325-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19178.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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