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Markus Burgmer, Gereon Heuft u.a.: Diagnostik-Trainer Psychosomatik und Psychotherapie

Cover Markus Burgmer, Gereon Heuft, Gudrun Schneider: Diagnostik-Trainer Psychosomatik und Psychotherapie. Interaktiv - fallbasiert - psychodynamisch ; Buch + E-Learning. Schattauer (Stuttgart) 2015. 166 Seiten. ISBN 978-3-7945-5208-5. 69,99 EUR.
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Thema

Der Diagnostik Trainer vermittelt Grundlagen der psychodynamischen Diagnostik, unterstützt durch interaktives Online-Training in einem virtuellen Krankenhaus. Es werden klinischen Lehrfälle vorgestellt anhand derer die Diagnostik der Krankheitsbilder durch das Erlernen einer „Mustererkennung“ geübt wird. Studenten und Berufsanfängern aus den Bereichen Medizin, Psychologie sowie Weiterbildungsassistenten in Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie sollen die Grundlagen der Diagnostik vermittelt werden.

Autoren und Autorin

  • Prof. Dr. med. Markus Burgmer ist seit 2006 als Oberarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie im Universitätsklinikum Münster tätig.
  • Univ.-Prof. Dr. med. Gereon Heuft ist seit 1999 Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikum Münster.
  • Prof. Dr. med. Gudrun Schneider ist seit 1999 leitende Oberärztin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikum Münster.

Entstehungshintergrund

Gerade im Medizinstudium ist es häufig schwierig das theoretisch erworbene Wissen auf den konkreten Patienten zu übertragen. Im Bereich der Psychosomatik und Psychotherapie können zudem Übertragungs- sowie Gegenübertragungsprozesse eine korrekte Diagnosestellung verhindern. Die Autoren haben im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Verbesserung der Lehre ein E-Learning-Projekt entwickelt. Aus dem Forschungsprojekt gwonnene Erfahrungen bilden die Grundlage für die aktuelle Veröffentlichung, welche zur Verbesserung der Lehre beitragen soll.

Aufbau

Der Diagnostik-Trainer besteht aus einem Buch und dem Zugang zum Online-Fallsimulator.

  • Das Buch erklärt zunächst den Umgang mit der Kombination aus Buch und E-Learning. Es folgen die ausgewählten klinischen Lehrfälle, die mit der zugehörigen klinischen Beschreibung sowie dem Fallbeispiel dargestellt werden. Abschließend wird die psychodynamische Diagnostik mittels der Operationalsierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD)-2 erläutert.
  • Der Inmedea-Fallsimulator beinhaltet die zehn klinischen Lehrfälle, anhand derer die Kenntnisse der Diagnostik erlernt und vertieft werden können.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Geleitwort von Johannes Kruse, der sehr nachvollziehbar deutlich macht, warum eine Erweiterung der bisherigen Lernkonzepte zum Nutzen aller Beteiligter zwingend notwendig ist. Dem folgt das Vorwort der Autoren und Autorin in welchem geschildert wird, wo Ihrer Meinung nach die bisherigen Hauptursachen von Fehldiagnosen liegen. Hierbei werden vorrangig die mangelnde Übung in der interpersonellen Kommunikation sowie der Gegenübertragungsreaktionen genannt.

Im ersten Kapitel stellen die Autoren dar, warum es aus ihrer Sicht zur Verbesserung der Lehre notwendig war ein neues Lernkonzept zu entwickeln und in welchem Forschungsrahmen dies möglich wurde. Es wird eine detaillierte Erklärung zum Aufbau des Buches abgegeben in dem sowohl der Aufbau wie auch die Hintergrundgedanken zur Auswahl des Inhalts und der thematischen Schwerpunktsetzung deutlich werden. Abschließend wird erläutert, wie das Buch und der Fallsimulator verwendet werden können. Wobei angeraten wird zunächst mit dem Fallsimulator zu arbeiten und anschließend die weiteren Kapitel zu behandeln.

Der Fallsimulator ermöglicht nach erfolgreicher Anmeldung Zugang zu den zehn Fällen der Psychosomatik und Psychotherapie. Aufgebaut als virtuelles Krankenhaus, beginnt der Einstieg an der Anmeldung. Von dort ist es möglich zu virtuellen Hörsälen, der Bibliothek, einem Café, Kliniken, einer Praxis und der Verwaltung zu gelangen. Sowie den Simulator über den Ausgang wieder zu verlassen. In den Hörsälen sind die Fallbeispiele zu finden, die Bibliothek ermöglicht Zugang zu Fachinformationen, das Café den Austausch mit anderen Nutzern, die weiteren Funktionen von Inmedea sind für diesen Lernschwerpunkt unerheblich. Nachdem man den Zugang zu den Hörsälen gewählt hat, ist es möglich eine Einführung zu lesen und sich anschließend den Fallbeispielen zu widmen. Nachdem man einen Fall ausgewählt hat trifft man in einem virtuellen Behandlungsraum auf den Patienten. Es erscheint eine Hilfefunktion die erste Anleitung anbietet. Es ist möglich die Patientenakte Einblick zu nehmen, sowie eine Anamnese durchzuführen und anschließend Untersuchungen durch zu führen auf denen die abschließende Therapieplanung aufbaut. Zur Anamnese werden acht verschiedene Hauptpunkte angegeben aus denen nach eigenem Ermessen zur Patientenbefragung ausgewählt werden kann. Die Antworten der Patienten werden durch Videosequenzen mit Schauspielern dargestellt. Anschließend wählt man die körperliche Diagnostik aus, deren Untersuchungsergebnisse man sofort erhält. Im letzten Schritt erstellt der Anwender einen Therapieplan und erhält nach Abschluss der Therapie und einem multiple Choice Test zum Krankheitsbild die Rückmeldung über seine Behandlungsentscheidung.

Das zweite Kapitel stellt den theoretischen Hintergrund zu den Fallbeispielen. Zunächst wird eine allgemeine klinische Beschreibung der Erkrankung angeführt. Anschließend wird das entsprechende Krankheitsbild und typische störungsspezifische Interaktionsmuster der Betroffenen in der Sprechstunde erläutert, mit Verweisen auf die entsprechende Videosequenz im Inmedea-Fallsimulator. Die Lehrfälle beinhalten die Krankheitsbilder Anorexia nervosa, Psychoonkologie, Binge-Eating-Störung, Somatisierungsstörung, Fybromyalgie, Reizdarmsyndrom, Bulimia nervosa, Dissoziative Krampfanfälle, Posttraumatische Belastungsstörung sowie Dissoziative Bewegungsstörung.

Das dritte Kapitel thematisiert die psychodynamische Diagnostik mittels der OPD-2. Nach einer allgemeinen Einführung und Erklärung des OPD-2 werden die verschiedenen Gegenübertragungsprozesse der Fallbeispiele vertiefend dargestellt. Ergänzend werden dem Krankheitsbild häufig zugehörige Gegenübertragungsprozesse benannt, wenn diese im Fallbeispiel nicht gezeigt werden.

Diskussion

Nach umfangreicher Einführung im ersten Kapitel kann die Arbeit mit dem Fallsimulator begonnen werden. Auch der Simulator führt anhand einer erklärenden Hilfefunktion durch die Bedienung. Das Anamnesegespräch ist in viele Videosequenzen gestückelt, die verschiedenen Auswahlpunkten zugeordnet wurden. Dies ermöglicht meiner Ansicht, dass eigene Anamneseverhalten zu überprüfen, erschwert es aber, sich in die Gegenübertragungsprozesse hinein zu versetzen. Auch die Bedienung ist etwas umständlich, da um zu einer Videosequenz zu gelangen zunächst zwischen mehreren Menüpunkten gewählt werden muss, welche in weitere Unterpunkte geteilt sind. Diese Schritte müssen für jede Videosequenz erneut eingegeben werden. Zu jeder Videosequenz ist eine kurze Erklärung hinterlegt, die bei Interesse gelesen werden kann, was ich als sehr hilfreich empfand. Im Zusammenspiel mit dem zweiten und dritten Kapitel des Buchs ergeben die Fälle im Simulator ein sehr umfassendes detailliertes Bild der verschiedenen Krankheitsbilder.

Fazit

Es ist deutlich spürbar, dass die Hauptzielgruppe des Diagnostik-Trainers Mediziner und Medizinerinnen sind. Dies zeigt sich besonders bei der physischen Untersuchung und in der Diagnostik der Fallbeispiele. Um hier korrekt auszuwählen bedarf es einiger Fachkenntnisse. Trotzdem und zum Teil auch gerade deshalb ist der Diagnostik-Trainer auch für Sozialpädagogen interessant. Bei einer interessierten Auseinandersetzung erweitern sich automatisch die Kenntnisse über medizinische Fachausdrücke, Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten. Die Videosequenzen ermöglichen es das eigene Gesprächsverhalten kritisch zu betrachten. Denn nur wenn die „richtigen“ Fragen gestellt werden, gelingt eine korrekte Diagnoseerstellung. Die thematisierten Gegenübertragungsprozesse entstehen auch in Gesprächssituationen zwischen Sozialpädagogen und NutzerInnen.


Rezensentin
Anna-Lena Mädge
M. A. Soz.Päd./Soz.Arb.
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Zitiervorschlag
Anna-Lena Mädge. Rezension vom 28.08.2015 zu: Markus Burgmer, Gereon Heuft, Gudrun Schneider: Diagnostik-Trainer Psychosomatik und Psychotherapie. Interaktiv - fallbasiert - psychodynamisch ; Buch + E-Learning. Schattauer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-7945-5208-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19235.php, Datum des Zugriffs 06.12.2019.


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