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Eva Buff Keller, Stefan Jörissen: Abschlussarbeiten im Studium betreuen und bewerten

Cover Eva Buff Keller, Stefan Jörissen: Abschlussarbeiten im Studium betreuen und bewerten. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 120 Seiten. ISBN 978-3-8252-4345-6. D: 9,99 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 14,50 sFr.

UTB, Bd. 4345. Kompetent lehren, Bd. 4.
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Thema

Die AutorInnen beschreiben das Thema ihres vorliegenden Buches „…als komplexes Aufgabenfeld, bei dem zwei zentrale Aufgaben für Dozierende zusammenkommen: die fachliche wie die soziale Begleitung und Betreuung von Studierenden und die Vermittlung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen …“ (S. 8).

Aufbau

Das Buch (wiewohl vom Umfang eher eine Broschüre) geht in acht Kapitel auf folgende Sachverhalte ein:

  1. Überblick (S. 10-17)
  2. fachliche und überfachliche Kompetenzen (S. 18-33)
  3. Wissenschaftliches Schreiben (S. 34-50)
  4. Wirk- und Kontextfaktoren für die Begleitung von wissenschaftlichen Arbeiten (S. 51-60)
  5. Ablauf einer Begleitung (S. 61-80)
  6. Bewerten von schriftlichen Arbeiten (S. 81-96)
  7. Zusammenfassung (S. 97-101)

Schlusswort und Literatur folgen hinterdrein.

Inhalt

Im ersten Kapitel wird einleitend ein Überblick über Rahmenbedingungen, Ebenen und Dimensionen und Begrifflichkeiten geboten. Darin werden zentrale Begriffe (BA- und MA-Arbeiten) historisch rückgeführt, Rahmenbedingungen und Anforderungen aufgeführt und ein Framework der AutorInnen aufgeführt mit mehreren personellen Ebenen und Dimensionen. Eine abgrenzende wie integrierende Betrachtungsweise zu Begleiten, Betreuen und Beraten folgt darauf. Den Abschluss des ersten Kapitels bilden differenzierende Erläuterungen zu den Begrifflichkeiten Studiengänge, Dozentinnen und Studenten.

Im zweiten Kapitel werden fachliche und überfachliche Kompetenzen fokussiert. Darin wird explizit auf Kompetenzen verwiesen, die nicht in direktem fachlichem Zusammenhang stehen, die Studierende dennoch zu erwerben haben. Differenziert werden in nachfolgenden Abschnitten sowohl überfachliche Kompetenzen als Gegenstand des Hochschulstudiums in den Blick genommen, die von den AutorInnen binnendifferenziert unterteilt sind nach Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen. Die Vermittlung dieser überfachlichen Kompetenzen unterteilen Buff Keller undJörissen in die Formen der additiven, integrierten und individuell reflexiven Vermittlung. Daher kommt der curricularen Verankerung der Vermittlung der Kompetenzen eine tragende Rolle zu.

Das dritte Kapitel ist dem Wissenschaftlichen Schreiben gewidmet. Die AutorInnen gewichten darin zum einen Schreibtypen und Schreibprozess(e), rekurrieren auf die Signifikanz und Relevanz der Vermittlung und gehen detailliert auf strukturierende didaktische Inhalte ein. Im letzten Unterkapitel wird dezidiert auf die Begleitung von Abschlussarbeiten abgehoben. Dazu werden Planung, exemplarische Rückmeldungen und deren differenzierende Ebenen sowie die Methode des Peer-Feedbacks vorgestellt.

Im vierten Kapitel werden Wirk- und Kontextfaktoren für die Begleitung von wissenschaftlichen Arbeiten näher beleuchtet. In je eigenen Abschnitten stehen dabei einzelne Sektoren im Vordergrund wie die Persönlichkeit der BetreuerIn, das (angestrebte) Kontinuum von Führen und Beraten, aber auch die Verankerung von Abschlussarbeiten innerhalb eines Projekts der Betreuenden im Fokus. Abgeschlossen wird das vierte Kapitel mit einem Überblick zu institutionellen Rahmen für die Begleitung von wissenschaftlichen Arbeiten und dem Betreuungskonzept.

Der Ablauf einer Begleitung steht im gleichnamigen 5. Kapitel im Vordergrund. Neben der Abbildung eines prototypischen Ablaufs einer Begleitung werden Themensuche und Vorbereitung, Startphase und Contracting, die Durchführungs- und die Abschlussphase fokussiert. Jeweils kurz gehaltene kleinere thematische Abschnitte innerhalb der fokussierten Themen geben vertiefende Einblicke. Die AutorInnen zeigen dazu anhand eines Beispiels auf, wie die Umsetzung gelingen kann. Sie verdeutlichen dies an einem Leitfaden für die Begleitung von Bachelorarbeiten an einer FH.

Im sechsten Kapitel wird auf die Bewertung schriftlicher Arbeiten rekurriert. Formen und Ziele von Rückmeldungen (als summative und formative Rückmeldungen) werden ebenso dargestellt wie die Rolle der Bewerterin. Notengebung und Bewertungskriterien schließen als Abschnitte daran an und beschließen gleichzeitig da Kapitel.

Das 7. Kapitel konturiert als Zusammenfassung die verschiedenen Ebenen (Studiengang, Betreuende etc.) und endet mit einer Checkliste für Dozierende zur Betreuung von Abschlussarbeiten.

Diskussion

Eva Buff Keller und Stefan Jörissen legen mit ihrer Abhandlung zur Betreuung, Anleitung und Bewertung von Abschlussarbeiten im Studium ein Werk vor, das Abschlussarbeiten (und in diesem generellen Begriff verschiedene Qualifikationsarbeiten umfassend) in einem überfachlichen Framework verortet, das seinerseits plurale Ebenen umfasst.

In sieben Kapiteln werden Themen angesprochen, die eine Bandbreite von Kompetenzen, Schreibtypen Begleitungsprozesse, Faktoren und Bewertung umfassen. So wird im ersten Kapitel ein Überblick geboten zu Rahmenbedingungen, Ebenen und Dimensionen der Begleitung. Als allgemeine Intention des Buches geben die AutorInnen an: „Das vorliegende Buch soll Betreuende, aber auch Studiengangverantwortliche und andere Entscheidungsträgerinnen dazu inspirieren, ihre bisherige Betreuungspraxis bzw. die Strukturen bei der Betreuung von Abschlussarbeiten zu reflektieren und – wo nötig, sinnvoll und möglich – zu verbessern. Die Ausführungen beschreiben bewusst einen Idealzustand, der in der Realität nur teilweise besteht und der sich an vielen Hochschulen aufgrund der Rahmenbedingungen auch nicht vollständig realisieren lässt“ (S. 14).

Gleichzeitig werden – verstreut und dennoch zentral anmutend – immer wieder Studierende angesprochen, auch wenn sich der Nutzen des Bandes für AbsolventInnen nur bedingt erschließen lässt. Es wird mit dem vorliegenden Band der Eindruck erweckt, dass die AutorInnen gleichzeitig zwischen den angesprochenen verschiedenen Ebene oszillieren, indem sie einerseits den zentralen Stellenwert von Abschlussarbeiten betonen, diese in ihrem vorgestellten Framework verorten, damit implizit auf Strategieprozesse verweisen, wobei dennoch unausgesprochen bleibt, wessen und welche Strategieprozesse angesprochen werden. Dass vorrangig Studierende (und damit die AbsolventInnen) von Hochschulen ihr Thema (so sie es selbst wählen / eigenständig bestimmen können) und damit ihre Abschlussarbeit strategisch auswählen (sollten / werden / könnten), bleibt in den Ausführungen von Buff Keller und Jörissen nur marginal repräsentiert.

Zum anderen werden in einzelnen Kapiteln immer wieder implizit auch rechtliche Grenzen angeschnitten, die mit Grauzonen (im schlimmsten Falle etablierter Praxis) überlappen: „Klären Sie die Zuständigkeiten bei der Beurteilung einer Arbeit und stellen Sie sicher, dass alle beteiligten ein gemeinsames Verständnis davon haben. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Betreuung einer Arbeit z.B. durch Angehörige des Mittelbaus, die Beurteilung aber formal durch eine Lehrstuhlinhaberin erfolgt. In solchen Fällen muss für alle beteiligten transparent sein, in welcher Form die eigentlichen Betreuerinnen bei der Notengebung beteiligt sind. Eine solche Beteiligung sollte in jedem Fall formalisiert sein und sich nicht auf eine informelle Nachfrage („Welche Note würdest Du geben?“) beschränken“ (S. 88). Die hier vorgeschlagene (oder eher geforderte) Transparenz scheint vielleicht nicht an allen Hochschulen etabliert und beinhaltet dazu hochschulpolitische Forderungen (z.B. nach Partizipation). Zudem werden Betreuende damit in einem Doppelanspruch belassen, der strukturell implizit ist, dem sich aber auch nicht entzogen werden kann (insbesondere dann nicht, wenn von Seiten des Mittelbaus die angesprochenen Transparenz- und Partizipationsforderungen gegenüber den Dienstvorgesetzten nicht immer durchsetzbar erscheinen).

Fazit

Eva Buff Keller und Stefan Jörissen legen mit ihrem Band ein Werk zur strategischen Ausrichtung von Fakultäten / Fachbereichen vor, das sich an verschiedene Zielgruppen in hochschulinternen Kontexten richtet. Die unterschiedlichen Zielrichtungen werden korrespondierend angesprochen, wozu nicht zuletzt die beigefügten Checklisten beitragen.


Rezensentin
Dr. Miriam Damrow
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Diversity Education und Internationale Bildungsforschung
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Zitiervorschlag
Miriam Damrow. Rezension vom 11.08.2015 zu: Eva Buff Keller, Stefan Jörissen: Abschlussarbeiten im Studium betreuen und bewerten. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-8252-4345-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19246.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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