socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Christin Haude, Sabrina Volk (Hrsg.): Diversity Education in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte

Cover Christin Haude, Sabrina Volk (Hrsg.): Diversity Education in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 240 Seiten. ISBN 978-3-7799-3241-3. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Herausgeberinnen

Christin Haude ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim. Arbeits- und Interessenschwerpunkte sind Frühe Kindheit und Diversity.

Sabrina Volk ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim. Arbeits- und Interessenschwerpunkte sind Frühe Kindheit und Diversity.

Thema

Der Band richtet den Fokus auf Ausbildungsinhalte und -strukturen für das pädagogische Personal. Verschiedene grundlegende Sichtweisen bezüglich Diversity Education und Inklusion sollen zusammengeführt werden, um die Herausforderungen aufzugreifen und mögliche Lösungswege zu diskutieren.

Aufbau

Die Beiträge in diesem Buch sind zu zwei Teilen zusammengefasst.

Zu Teil I

Teil I: Einführung und Darstellung von Diversity bzw. Inklusion in frühpädagogischen Ausbildungsbereichen: Dieser Teil enthält sieben Beiträge.

Einführend schildert Elisabeth Tuider wie das Begriffspaar Intersektionalität/Diversity Eingang in deutschsprachige wissenschaftliche Debatte gefunden hat, diskutiert die Verschränktheit unterschiedlicher Gruppenmerkmale und benennt Herausforderungen der Diversityperspektive für eine inkludierende Pädagogik.

Anschließend beschreibt Ulrich Heimlich die Ausbildungsstrukturen der pädagogischen Fachkräfte in Deutschland (Fachschule, Hochschule) und formuliert Anforderungen an die Fachkräfte im Bereich der inklusiven Bildung.

Peter Cloos benennt die Defizite in der aktuellen kindheitspädagogischen Professions- und Professionalisierungsforschung und zeigt Perspektiven auf.

Defizite in der aktuellen Ausbildung greift auch Dana Tegge auf, stellt die Qualifikationen der heute in der Frühpädagogik Beschäftigten dar und benennt zentrale Professionalisierungserfordernisse.

Ute Eggers beleuchtet die Ausbildungsrichtlinien und die curriculare Einordnung des Themas und plädiert für eine kompetenzorientierte Fachdidaktik zum Erwerb von Handlungskompetenz in diesem Bereich.

Rahel Dreyer schildert frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung mit besonderem Blick auf Inklusion und erkennt auch dort deutliche Defizite in der Arbeit mit beeinträchtigten Kinder, weil sie sehr vom klinischen Ansatz geprägt ist.

In einem sehr langen Beitrag berichten Christin Haude und Sabrina Volk über eine organisationstheoretische Untersuchung über Ausbildungskonzepte in frühpädagogischen Bildungsangeboten mittels einer Dokumentenanalyse und stellen fest, dass sich kein Konzept von Diversitiy nachzeichnen lässt sondern lediglich einzelne Versuche bezogen auf einzelne Aspekte. Die Ausbildung orientiere sich am Konstrukt der gesunden Normalentwicklung. Sie zeichnen einen langen Weg von Fröbel bis in die heutige Zeit nach und arbeiten „Bruchstellen“ heraus, an denen Veränderungen möglich gewesen wären. Sie gehen verstärkt auf die Ausbildung in der Heilerziehungspflege ein und fragen, ob das Wissen über komplexe Vielfalt nur Theorie in kindheitspädagogischen Studiengängen sei.

Zu Teil II

Teil II: Impulse zur Implementierung von Diversity und Inklusion in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte. Dieser Teil umfasst vier Beiträge.

Edita Jung beschreibt die Vielschichtigkeit des Inklusionsanspruchs als Ausgangspunkt für ein Ausbildungskonzept und davon abgeleitet die Eckpunkte eines frühpädagogischen Anforderungs- und Kompetenzprofils. Dabei sieht sie die Herausbildung einer entsprechenden professionellen Haltung als bedeutsam, wofür wiederum die Lehrkräfte verantwortlich sind.

Die nächsten beiden Beiträge setzen sich mit dem Berufsbild der Heilerziehungspflege auseinander. Frank Dieckbreder und Heidrun Kiessl werben für einen BA-Studiengang der Heilerziehungspflege und fokussieren dabei auf Module mit dem Fokus Diversity und mit speziellem Praxistransfer zu integrativen Kitas.

Für den Bereich der Ausbildung an Fachschulen thematisiert Martin Herrlich Spannungsfelder im Kontext Diversity und stellt das Konzept „individueller Ausbildungsplan“ (Praxis und Schule) vor.

Abschließend geben Christin Haude und Sabrina Volk Empfehlungen zur (Selbst-)Evaluation, in dem sie Fragen zum Ist-Zustand, zu Zielen und deren Umsetzung formulieren.

Diskussion

Die Erzieherausbildung und die Ausbildung in ähnlichen Bereichen werden wegen zu großer Verschulung und mangelnder Anbindung an aktuelle Forschung (häufig zu recht) kritisiert. Inklusion/Diversivität werde nicht als Querschnittsaufgabe sondern als zusätzliche Aufgabe gesehen.

Vor allem die Herausgeberinnen kritisieren die Orientierung an der „gesunden Normalentwicklung“ sowie Abgrenzungs- und Absonderungsbestrebungen innerhalb der Bildungslandschaft. Sie positionieren sich klar, scheinen dabei aber zu übersehen, dass z.B. eine genaue Diagnostik Grundlage für gezielte Hilfemaßnahmen ist sowie die inklusiven Impulse der Frühförderung und der Sonderpädagogik, wie sie in der Praxis häufig vorzufinden sind. Es geht nicht um Absondern, aber jeder Mensch braucht auch Erfahrungen mit Gleichen und sollte exklusive besondere Angebote im sehr positiven Sinne bekommen.

Insgesamt werden deutliche Defizite und Problemstellungen aufgezeigt, die zukünftig bearbeitet werden sollten. Es werden auch vielversprechende innovative Curricula dargestellt. Obwohl im Titel des Buches die frühpädagogischen Fachkräfte stehen, stehen sie bei vielen Beiträgen nicht im Fokus, es wird ein weites Berufsfeld besprochen.

Noch eine letzte Anmerkung: Die Beiträge sind nicht in einfacher Sprache geschrieben; das Lesen erfordert hohe Sprachkompetenz.

Fazit

Den vielfältigen Herausforderungen moderner (inklusiver) Pädagogik müssen sich auch die Ausbildungseinrichtungen für diese Fachkräfte stellen. Es werden die geschichtliche Entwicklung der Ausbildungsinhalte dargestellt, Probleme aufgezeigt, Kompetenzprofile erstellt sowie innovative Lehrpläne vorgestellt.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
E-Mail Mailformular


Alle 156 Rezensionen von Lothar Unzner anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 04.05.2017 zu: Christin Haude, Sabrina Volk (Hrsg.): Diversity Education in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3241-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19259.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung