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Daniela Schreiter: Schattenspringer. Wie es ist, anders zu sein

Cover Daniela Schreiter: Schattenspringer. Wie es ist, anders zu sein. Panini Verlags GmbH (Stuttgart) 2014. 158 Seiten. ISBN 978-3-86201-950-2. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

Darf man ein solches Buch in einem Forum für sozialwissenschaftliche Literatur rezensieren? Es fällt in jeder Hinsicht auf: schon die Gestaltung des Einbands lässt stutzen, dann ist es ein Comic und es ist überwiegend in schwarz-weiß gehalten. Ja, man darf ein solches Buch rezensieren, denn das Thema ist sehr sozialwissenschaftlich, es geht um (Asperger-) Autismus. Daniela Schreiter ist Asperger-Autistin und arbeitet als Illustratorin und Comic-Zeichnerin. Sie beschreibt in diesem Buch ihre Sicht auf die Welt bzw. ihr Anderssein in dieser Welt, wie am Untertitel deutlich wird. Dabei geht es nicht nur um Ausgrenzung, sondern auch um ein anderes Erleben, Verstehen und Erfahren, dass mit dieser Welt nur bedingt kompatibel ist.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel beschreibt sie Geburt und Aufwachsen („Gelandet“) und stellt die Probleme mit der Reizempfänglichkeit und -verarbeitung (visuell, olfaktorisch & gustatorisch) dar.

Das zweite Kapitel widmet sich dem Thema Schule, wo es viele Missverständnisse, Unterforderung (Langeweile) und Ausgrenzung gab.

Im 3. Kapitel geht es um ihre Welt, nämlich was sie zur eigenen Sicherheit und Orientierung unerlässlich benötigt und was passiert, wenn dieses labile Gerüst durcheinandergebracht wird.

Kapitel 4 macht anhand des Beispiels Schwimmen deutlich, wie schwierig es sein kann, gespeicherte Erinnerungen/Assoziationen zu überwinden, um sich auf etwas (Neues) einzulassen.

In Kapitel 5 geht es um Freunde, wobei die Spezies Menschen aus Sicht der Autorin zu der anstrengenden Sorte gehört, während die Spezies Tier viel eindeutiger und sympathischer ist.

Diskussion und Fazit

Das Buch ist toll (und macht Lust auf Schattenspringer 2). Auch wenn die Autorin und ein anderer Autist, der ein Vor- und Nachwort verfasst hat, betonen, dass jeder Autismus auch sehr individuell ist, so ist vieles Typisierende sehr gut aufgezeigt worden. Der Comic ist an vielen Stellen auch witzig (eher Autismus untypisch), dann wiederum ist das Medium auch eine tolle Ausdrucksmöglichkeit, plastisch Verwirrung, Ausgrenzung, Irritation und Gefühle in der Bündelung darzustellen.

Wer meint, dass Buch sei eher für Schüler geeignet, weil denen das Medium Comic leichter zugänglich ist (sowohl von der Bildsprache als auch von der Linguistik her), der irrt. Nicht nur, dass Comics heute eine große Renaissance erleben, sondern hier ist es ein tolles (und hervorragend passendes) Medium für die Botschaften der Autorin. Das Buch bietet als Ergänzung zu Fachbüchern viele gute Informationen, ergänzende Perspektiven, gute Binnenwahrnehmungen und lässt innehalten und fragen, wo habe ich (als Elternteil, Therapeut, Mitarbeiter, Mensch) möglicherweise eine (ungewollte) „Ungerechtigkeit“ gegenüber einem Menschen mit Autismus begangen. Das Buch macht sensibel, fordert auf zum Innehalten, lässt vermeintliche Selbstverständlichkeiten noch einmal frag -würdig erscheinen. Ohne Frage- das Buch ist uneingeschränkt zur empfehlen, und wer häufiger Autisten begegnet, für den muss es Pflichtlektüre werden.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 24.08.2015 zu: Daniela Schreiter: Schattenspringer. Wie es ist, anders zu sein. Panini Verlags GmbH (Stuttgart) 2014. ISBN 978-3-86201-950-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19296.php, Datum des Zugriffs 20.06.2019.


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