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Sandra Hupka-Brunner, Hans-Ulrich Grunder u.a. (Hrsg.): Qualität in der Bildung

Cover Sandra Hupka-Brunner, Hans-Ulrich Grunder, Manfred Max Bergmann, Christian Imdorf (Hrsg.): Qualität in der Bildung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2015. 189 Seiten. ISBN 978-3-7815-2045-5. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Herausgeberin und Herausgeber

Manfred Max Bergmann ist Ordinarius für Sozialforschung und Methodologie an der Universität Basel, Extraordinarius an der University oft he Western Cape und Gastprofessor an der University of International Bussiness and Economics in Peking.

  • Hans Ulrich Grunder ist Professor für Erziehungswissenschaft und Direktor ad interim des Instituts für Bildungswissenschaften (IBW) an der Universität Basel.
  • Sandra Hupka-Brunner ist Ko-Leiterin des Projektes TREE – Transition von der Erstausbildung ins Erwerbsleben, am Institut für Soziologie der Universität Bern.
  • Christian Imdorf hat die SNF Förderugnsprofessur am Seminar für Soziologie der Universität Basel inne.

Neben den Herausgebern wirken als Autoren pädagogische Hochschullehrer aus Schweizer Hochschulen mit.

Entstehungshintergrund und Thema

Der Sammelband vereint die weiterentwickelten Beiträge der Ringvorlesung „Qualitätsdiskurs in der Bildung“ im Herbstsemester 2013 an der Universität Basel. Hierbei wurden insbesondere folgende Fragenkomplexe behandelt:

  • Was ist Bildung? Wie wird Bildung in den jeweiligen pädagogischen Institutionen oder Feldern thematisiert?
  • Wie wird Qualität in der Bildung definiert? Was kennzeichnet den sektoriellen Qualitätsdiskurs?
  • Wer führt den Qualitätsdiskurs (soziale Akteure)und in welchem sozialen Kontext verläuft er? Wie lässt sich der Qualitätskurs positionieren?
  • Lässt sich Qualität messen? Ist Qualität überhaupt quantifizierbar? Falls ja: Wie wäre Qualität zu messen?
  • Wie wirkt der Qualitätsdiskurs auf die Bildungsakteure? Welche Effekte des Qualitätsdiskurses in der Bildung lassen sich auf die an den Debatten Beteiligten feststellen?

Der Diskurs über die Qualität von Bildung und über die Qualität in der Bildung ist sehr vielschichtig. Dabei zeigen sich sehr unterschiedliche Verständnisse von Qualität in den Bildungsprozessen, die zu einer weitgehend unkoordinierten und divergierenden Verwendung dieses Begriffes führen. Dies hat eine unsystematische Verwendung von Theorieansätzen, Modellen und Konzepten im bildungspraktischen Bereich zur Folge.

Die Autorinnen und Autoren wollen sich in ihren Beiträgen jeweils auf die Eingangs dargestellten Fragenkomplexe beziehen, so dass eine breit gefächertes Diskursarrangement entstehen könnte.

Aufbau und Inhalt

Franziska Vogt, Professorin und Leiterin des Instituts für Lehr- und Lernforschung an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, untersucht in ihrem Beitrag die Bildung in der frühen Kindheit. Obwohl die empirische Bildungsforschung belegt, dass eine gute Qualität frühkindlicher Bildung für die weitere Entwicklung positive Effekte zeigt, gibt es starken Widerstand gegen Bildung in der frühen Kindheit. Pädagogische Qualität setzt in diesem Kontext entsprechende Rahmenbedingungen und Professionalisierung voraus. Es fehlt jedoch noch an verlässlichen Hinweisen darüber, was pädagogische Qualität umfasst, wie Bildung in der frühen Kindheit zu konzipieren ist und was für die pädagogische Praxis der Erziehenden entscheidend ist.

Regula Julia Leemann, Professorin für Bildungssoziologie an der Pädagogischen Hochschule Basel, befasst sich in ihrem Beitrag mit der Geschlechtergerechtigkeit als Qualitätskriterium im Kontext von Schule und Bildung. Dabei entwickelt sie einen Vorschlag für die Definition von Geschlechtergerechtigkeit. Weiterhin untersucht sie die Wirkung der Geschlechtergerechtigkeit auf die Bildungsakteure. Letztendlich kommt sie zum Ergebnis, dass die Qualität der Geschlechtergerechtigkeit nicht widerspruchsfrei und abschließend bestimmt werden kann.

Katja Scharenberg, Senior Researcher der Universität Bern, stellt in Ihrer Ausarbeitung erziehungswissenschaftliche Theorien und Modelle zur Schulqualität vor und gibt einen Überblick über ausgewählte Forschungsbefunde zu Kontexteffekten. Als Kriterium für die Qualität von Schulen steht dabei die Effektivität im Vordergrund. Dabei muss der schulische Kontext berücksichtigt werden, um valide Rückschlüsse auf die Qualität der pädagogischen Prozesse innerhalb der einzelnen ziehen zu können.

Carsten Quesel, Professor für Bildungssoziologie und Ko-Leiter des Zentrums „Bildungsorganisation und Schulqualität“ an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz Basel, untersucht die Exzellenrethorik im bildungspolitischen Reformdiskurs der USA um die Jahrtausendwende. Dabei kommt er zum Ergebnis, dass sich der Anspruch auf Exzellenz mobilisierend, aber auch lähmend und destruktiv auswirken kann.

Philipp Gonon, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich, zeichnet nach, wie der Qualitätsdiskurs die Berufsbildung in der Schweiz beeinflusst hat. Dank einer Differenzierung und Hybridisierung beruflicher Bildung, die Anschlüsse und Übergänge in die akademisch ausgerichtete Bildung ermöglicht, hat sich die berufliche Bildung als gesellschaftlich anerkannte Alternative zum Weg über das Abitur etabliert.

Amrita Zahir, Leiterin der Fachstelle Studienangebotsentwicklung und Vizerektorat Lehre & Entwicklung an der Universität Basel, stellt Theorien der Steuerungs- und Verwaltungsdiskurse sowie der Policy Gestaltung und Analyse vor und erläutert am Beispiel der Universität Basel, wie sich Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte damit in Einklang bringen lassen.

Hans-Peter Hauser, Leiter des Konzeptbüros „kontextweiterbildung“, arbeitet heraus, dass die gängigen Zertifizierungsmaßnahmen weitgehend auf formale Eigenschaften der Weiterbildungsanbieter und auf die Rahmenbedingungen fokussieren, während der eigentliche „Qualitätskern“ nicht überprüft wird. Er sieht in diesem Bereich auch keinen politischen Gestaltungswillen. Deshalb orientieren sich die Weiterbildungsangebote auch nicht am gesellschaftlich-kulturellen Weiterbildungsbedarf, sondern an der gewinnbringenden Vermarktung von Angeboten.

Tobias Studer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Soziale Arbeit an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz Basel, untersucht die Effekte sozialpädagogischen Handelns. Erfordert eine Konzeption, welche geeignet wäre, sozialpädagogisches Handeln mit den Zielen individueller Mündigkeit und der Erhöhung von Diskursivität zu ermöglichen.

Jan Weisser, Prof. und Leiter des Instituts Spezielle Pädagogik und Psychologie der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz Basel, untersucht am Beispiel der inklusiven Bildung die Rationalität von Qualitätsdiskursen, welche deren reflexive Erschließung anleiten. Anschließend untersucht er die Modellierungsprobleme inklusiver Bildung. Dabei versteht er unter inklusiver Bildung institutionalisierte Prozesse der Aneignung und Vermittlung von Weltwissen unter Bedingungen gleicher Partizipationschancen bei unterschiedlichen Voraussetzungen.

Fazit

Der selbst formulierte Anspruch der Herausgeber war, Antworten auf folgende Fragebereiche zu finden: Was ist Bildung? Wie wird Qualität in der Bildung definiert? Wer führt den Qualitätsdiskurs (soziale Akteure)und in welchem sozialen Kontext verläuft er? Lässt sich Qualität messen? Wie wirkt der Qualitätsdiskurs auf die Bildungsakteure?

Diese Fragen werden von den Autoren auf hohem theoretischen Niveau erörtert, ohne meist wirklich Antworten zu geben. Wer in diesem Werk konkrete, umsetzbare Anregungen für die Bildungspraxis sucht, wird dagegen enttäuscht sein. Die Schwerpunkte der Abhandlungen liegen im frühkindlichen und schulischen Bereich sowie in der Hochschule. Die berufliche Bildung wird nur gestreift.

Damit bietet die Zusammenstellung einen Beitrag zur hochschulinternen Diskussion von Bildungsqualität ausschließlich aus dem Fokus der Hochschullehre, aber leider nicht mehr. Das Lebenslange Lernen und das Lernen im Arbeitsprozess wird ignoriert.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 11.03.2016 zu: Sandra Hupka-Brunner, Hans-Ulrich Grunder, Manfred Max Bergmann, Christian Imdorf (Hrsg.): Qualität in der Bildung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2015. ISBN 978-3-7815-2045-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19298.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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