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Volker Heyse, Andrea E. Abele-Brehm u.a. (Hrsg.): Erfolgreich in die Zukunft

Cover Volker Heyse, Andrea E. Abele-Brehm, Max Giger (Hrsg.): Erfolgreich in die Zukunft. Schlüsselkompetenzen in Gesundheitsberufen : Konzepte und Praxismodelle für die Aus,- Weiter- und Fortbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. 655 Seiten. ISBN 978-3-86216-184-3. 79,99 EUR.
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Herausgeber und Thema

29 Beiträge füllen das international ausgerichtete Buch und haben den Anspruch sich – sowohl theoretischer Natur wie in Form von ausgewiesenen Praxisbeispielen – den Schlüsselkompetenzen in Gesundheitsberufen zuzuwenden. Wie im Band „Aufbruch in die Zukunft. Erfolgreiche Entwicklungen
von Schlüsselkompetenzen in Schulen und Hochschulen“, welches unter der Herausgeberschaft von Volker Heyse die Entwicklung der Schlüsselkompetenzen innerhalb verschiedener Bildungsorte bespricht, versammeln die Herausgeber Volker Heyse und Max Giger Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und befragen diese als Expertinnen und Experten der beruflichen Praxis nach ihren Erfahrungen und konzeptionellen Umsetzungen im Feld der Medizin, Therapie und Pflege.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in drei Kapitel. Das erste Kapitel bespricht die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Gesundheitswesen, das zweite Kapitel wendet sich der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen in Gesundheitsberufen zu und das abschließende dritte Kapitel erläutert laterale Kooperationen im genannten Bereich.

Zu I. „Zukünftige Versorgungsmodelle/Entwicklungstrends im Gesundheitswesen“

Unter der Kapitelüberschrift „Zukünftige Versorgungsmodelle/Entwicklungstrends im Gesundheitswesen“ versammeln sich insgesamt fünf Beiträge.

Nach einer grundlegenden Einführung in das allgemeine Verständnis von Kompetenzmodellen und Qualifikationsprofilen, erfolgt eine Besprechung der Notwendigkeit der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen in der Humanmedizin (18-28).

Als Antwort auf die aktuellen demografischen Entwicklungen und die Personalisierte Medizin, welche die Mediziner vor komplexe aber auch ethisch schwierige Entscheidungen stellt, bedarf es einer verstärkten Haltung, in welcher die „patientenorientierte Zusammenarbeit“ (35) der Ausgangspunkt medizinischen Handelns sein sollte (29-41).

Es folgt ein Blick nach Österreich. Das dortige Gesundheitssystem und die damit einhergehenden Reformen werden kurz skizziert. Eine abschließende Analyse ausgewählter Berufe schildert die aktuellen Wandlungsprozesse (43-58).

Der vierte Beitrag verweist auf die „individuellen Problemlagen, Interessen und Perspektiven von Menschen“ (61). Um der Komplexität einer jeder Biografie gerecht werden zu können, werden „Biografiesensible Kompetenzen“ (63) zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen herangezogen.

Eine Skizzierung der verschiedenen Welten im Krankenhaus (75) veranschaulicht die dort zu meisternden interdisziplinären Problemlagen und stellt das Qualitäts- und Risikomanagement in den Mittelpunkt, um der Patientensicherheit gerecht zu werden. Am Beispiel eines darauf zugeschnittenen Studienganges an der Universität in Klagenfurt wird dies erläutert (71-86).

Zu II. „Entwicklung von Schlüsselkompetenzen im Gesundheitswesen“

Im Hauptkapitel des Buches erörtern 17 Artikel -subsummiert innerhalb von sechs thematischen Bereichen welche sich verschiedenen Professionen und Disziplinen zuordnen lassen (1-6) – die „Entwicklung von Schlüsselkompetenzen im Gesundheitswesen“.

Die Humanmedizin (87-178) bespricht in vier Artikeln ärztliche Professionalisierungskonzepte, ärztliche Kommunikationskompetenz am Beispiel der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Kompetenzanforderungen an eine fachärztliche Weiterbildung und im letzten Beitrag wird eine webbasierte Kompetenzüberprüfung von Studierenden der Medizin vorgestellt.

Im Themenfeld der Psychiatrie, Psychotherapie, Psychologie (179-236) erörtern zwei Artikel Schlüsselkompetenzanforderungen in den Aus- und Weiterbildungsbereichen der Erwachsenenpsychiatrie und der Psychotherapie.

Die Anforderungen an die Pharmazie (219-240) werden mit einem Betrag vorgestellt.

Vier Aufsätze wenden sich den Therapieberufen (271-364) zu. Beginnend mit der Vorstellung des Bachelorstudiums an der Fachhochschule Bern, werden im zweiten Artikel die Schlüsselkompetenzen von Physiotherapeuten vorgestellt. Die Handlungskompetenz in der Ergotherapieausbildung findet im dritten Beitrag Erwähnung. Abschließend widmet sich eine Autorin der Notwendigkeit von Reflexion im professionell-beruflichen Handeln.

Am umfangreichsten werden die Pflegeberufe vorgestellt. Die ersten zwei Beiträge beschreiben ausgehend vom PBL-Ansatz (problem based learning) die Schlüsselkompetenzanforderungen in der Pflegeausbildung in Österreich und in einem Pflegestudium an einer deutschen Fachhochschule. (367-407) Das Konzept der APN (advanced practice nursing), welches einen Master in Nursing Science zur Voraussetzung hat, wird im dritten Beitrag dieser Rubrik vorgestellt, wohingegen die Herausforderungen der Integration von südeuropäischen Pflegekräften im vierten Beitrag an zwei Fallbeispielen Beachtung finden. (409-438). Anforderungen an die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonen beschäftigen die Beitragenden im fünften Artikel. Beschlossen wird dieses dann mit Überlegungen zur Qualifizierung von Führungskräften im Pflegebereich. (439-476)

Die Schlüsselkompetenzen von Hebammen und Entbindungshelfern (479-507) werden anhand von kompetenzbasiertem Handeln in der Ausbildungsstätte und der Praxis thematisiert, des Weiteren wird die Qualitätssicherung im Studiengang Hebammen abschließend erörtert.

Zu III. „Laterale Kooperationen im Rahmen der Versorgungskette“

Das Buch wird abgeschlossen durch das Aufzeigen von verschiedenen Beziehungsstrukturen als „Laterale Kooperationen im Rahmen der Versorgungskette“. Diese werden innerhalb von weiteren fünf Beiträgen skizziert. (509-628) Das Beziehungsdreieck zwischen Arzt, den medizinischen Fachangestellten und den Pateinten findet im ersten Beitrag eine ausführliche Besprechung. Ein interprofessionelles Verhaltenstraining wird vorgestellt, sowie ein Ansatz zur kompetenzorientierten Weiterbildung für Health Professionals.

Diskussion und Fazit

Die Vielzahl der Beiträge verhindert eine individuell auf jeden Aufsatz zugeschnittene Besprechung. Dies ist jedoch nicht zwingend notwendig, denn ein Buch dieses Umfangs lebt von der stilistischen und inhaltlichen Vielfalt, von unterschiedlichen, adressatenspezifischen Blickwinkeln in die Theorie und Praxis. Die Mischung ist den Herausgebern erneut gut gelungen.

Einschränkend anzumerken ist bezüglich der breiten Diversität jedoch, dass ein wesentlicher Bereich keine Erwähnung gefunden hat, der in den letzten Jahren die Medizinlandschaft stark beschäftigt hat: vervollständigt hätte das Buch ein eigenständiger Aufsatz zu den Anforderungen an die Palliativmedizin bzw. die palliativ-hospizliche Versorgungslandschaft. Gerade diese ist in Deutschland unter anderem aufgrund der Diskussionen zur gesetzlichen Neuregelung des ärztlich assistierten Suizids und den Überlegungen zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland zum Gegenstand zahlreicher Diskussionen geworden. Das Sterben und der Tod gehören zum menschlichen Leben und somit auch konstitutiv zum hier vorgestellten Tätigkeitsbereich. Diese Themen finden leider nicht oft Erwähnung.

Welcher Schlüsselkompetenzen und Haltungen es in der vorgestellten Triade Arzt, Pflegeperson und Patient bedarf, wenn die menschliche Endlichkeit – eines Erwachsenen oder eines Kindes – zum Gegenstand wird, wäre eine aktuelle und notwendige Frage gewesen. Ergänzt um die steigende Interkulturalität und Internationalität der Patienten und ihrer verschiedenen (religiösen) Lebensentwürfe zeigt sich eine zusätzliche Komponente, welche die Medizinlandschaft der nächsten Jahre sicher nachhaltig beschäftigen wird.

Die Leserschaft dieses umfangreichen Buches erhält innerhalb von 52 Beiträgen eine breite und differenzierte Einsicht in die aktuellen Anforderungen innerhalb eines sich wandelnden Medizinbereiches. Das Verständnis von Krankheit und Gesundheit, die demografische Neusortierung der Gesellschaft, die Bedeutung des medizinischen Fortschritts für das eigene Leben und für die Fragen der Lebensqualität – um nur einige Entwicklungen zu nennen – dominieren nicht nur, aber doch wesentlich den medizinischen Bereich.

Das Buch ist uneingeschränkt allen zu empfehlen, die sich innerhalb dieser skizzierten Veränderungen bewegen und Menschen bei ihrer Gesundwerdung und in ihrem Krankheitsverlauf beistehen.


Rezensentin
Agnieszka Maluga
M.Edu.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Kiel


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Zitiervorschlag
Agnieszka Maluga. Rezension vom 12.01.2016 zu: Volker Heyse, Andrea E. Abele-Brehm, Max Giger (Hrsg.): Erfolgreich in die Zukunft. Schlüsselkompetenzen in Gesundheitsberufen : Konzepte und Praxismodelle für die Aus,- Weiter- und Fortbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. ISBN 978-3-86216-184-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19317.php, Datum des Zugriffs 18.07.2018.


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