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Gudrun Schaade: Ergotherapie bei Demenzerkrankungen

Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 04.01.2005

Cover Gudrun Schaade: Ergotherapie bei Demenzerkrankungen ISBN 978-3-540-20468-8

Gudrun Schaade: Ergotherapie bei Demenzerkrankungen. Ein Förderprogramm. Springer (Berlin) 2004. 3., überarbeitete Auflage. 101 Seiten. ISBN 978-3-540-20468-8. 29,95 EUR. CH: 51,00 sFr.
Reihe: Ergotherapie. Mit einem Geleitwort von Jan Wojnar
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Zur Thematik des Buches

Demenzerkrankungen werden in den letzten Jahren zunehmend ein Gegenstandsbereich verschiedener Professionen. Während das Hauptaugenmerk im professionellen Bereich bisher überwiegend auf die Pflege und Betreuung Demenzkranker durch Pflegekräfte und Ärzte gelegen hat, beschäftigen sich nun auch mehr und mehr weitere Berufsgruppen wie Sozialarbeit, Hauswirtschaft und auch Ergotherapie mit der Demenz als ein spezielles Arbeitsfeld. Diese Entwicklung wird durch die allgemeine Einschätzung einer positiven Lebensweltgestaltung gefördert. So tritt anstelle des therapeutischen Nihilismus die Erkenntnis, durch gezielte Aktivierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen leisten zu können.

Autorin

Die Autorin weist u.a. eine jahrelange Erfahrung als Beschäftigungstherapeutin in der Betreuung Demenzkranker in stationären Einrichtungen der Altenhilfe in Hamburg auf. U. a. unterrichtet sie zusätzlich an Fachschulen für Ergotherapie und führt Seminare durch.

Inhalt

  1. Das Buch beginnt im ersten Kapitel mit den Grundlagen der Demenz und den unterschiedlichen Behandlungskonzepten im Bereich der Ergotherapie (Bobath-Konzept, Affolter-Konzept u.a.).
  2. Kurz werden dann im zweiten Kapitel die verschiedenen Gedächtnisstrukturen (Ultrakurzgedächtnis, Arbeits- und Langzeitgedächtnis) erläutert.
  3. Im Anschluss werden im dritten Kapitel eingehend die Elemente der Beschäftigungstherapie für Demenzkranke im stationären Bereich aufgeführt: Einbindung der Therapie im Stationsalltag, Rhythmus und Bewegung, Wahrnehmungstraining, Gedächtnistraining und der biografische Ansatz.
  4. Hierauf folgt im vierten Kapitel die Beschreibung der Methoden der Beschäftigungstherapie für Demenzkranke gemäß der Unterteilung in Einzel- und Gruppentherapie. Die Autorin verweist besonders auf die Bedeutung von Regelmäßigkeit, ständige Wiederholungen und das Prinzip des Rhythmus' in der Aktivierung von Demenzkranken hin. Des Weiteren betont sie, dass an die Demenzkranken keine Erwartungen im Sinne einer Leistungserbringung oder eines Trainingseffektes gestellt werden darf. Die Therapiestunden sollten eher in einer spielerischen Atmosphäre gestaltet werden, „um die intellektuellen Restmöglichkeiten der Patienten zu stimulieren“ (Seite 49).
  5. Das fünfte Kapitel enthält eine knappe Zusammenfassung der Grundlagen der Therapie mit Demenzkranken. Als Zugangsmöglichkeiten im Umgang mit Demenzkranken in der Beschäftigungstherapie werden folgende Faktoren aufgeführt: Rhythmus, Langzeitgedächtnis, Automatismen und Folgen, Tätigkeiten des täglichen Lebens, Berühren und Führen und Stimulation gespeicherter Bewegungsmuster.
  6. Das sechste Kapitel mit der Titel „Mittel“ enthält ausführlich beschrieben eine Reihe von Materialien für die Beschäftigungstherapie mit Demenzkranken. Lieder, Sprichwörter, Märchen, Gedichte und Sprüche teils unterteilt in jahreszeitliche Zuordnung oder in Themenschwerpunkte wie „Lebensmittel“, „Wald“, „Ernte“, „Advent“ und „Weihnachten“ werden als Beispiele im Sinne von Arbeitsanleitungen für die konkrete Beschäftigung dargestellt.
  7. Den Abschluss der Arbeit bildet das äußerst knappe Kapitel 7 mit Ausführungen über die Betreuung Demenzkranker im Endstadium. Der Anhang der Publikation besteht aus dem „Bogen zur ergotherapeutischen Befunderhebung in der Gerontopsychiatrie“.

Kritische Würdigung

Der Rezensent sieht einen deutlichen Widerspruch in dem Anspruch der Autorin, an die Demenzkranken keine Anforderungen stellen zu wollen, aber gleichzeitig eine Fülle von Praxisbeispielen mit teils kognitiv anspruchsvollen Inhalten zu offerieren. In den Übungsbeispielen werden ständig Fragen gestellt, und zu Leseleistungen, Begriffsfindungen und Satzergänzungen aufgefordert – all dies erinnert den Rezensenten eher an Gedächtnistrainingsstunden für kognitiv unbeeinträchtigte Senioren als an Gruppenangebote für Demenzkranke im mittleren oder schweren Stadium.

Positiv hervorzuheben ist der neurowissenschaftlich orientierte Ansatz der Autorin, die Beschäftigung und Betreuung im Kontext von ständiger Wiederholung und Rhythmus zu gestalten. Auch die vielen Hinweise und Tipps bezüglich des Umgangsstiles und der Milieu- und Raumgestaltung bei den Gruppenangeboten zeigen, dass hier reflektierte Praxis und langjährige Erfahrungen in der Beschäftigung mit Demenzkranken die Grundlage für diese Aussagen bilden.

Fazit

Sieht man von den Übungsbeispielen im sechsten Kapitel einmal ab, können Ergotherapeuten und auch Mitarbeiter des begleitenden Dienstes in den Heimen diesem Buch eine Reihe von fundierten Anregungen und neuen Vorgehensweisen in der Beschäftigung und Betreuung Demenzkranker entnehmen.

Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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Es gibt 220 Rezensionen von Sven Lind.

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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 04.01.2005 zu: Gudrun Schaade: Ergotherapie bei Demenzerkrankungen. Ein Förderprogramm. Springer (Berlin) 2004. 3., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-540-20468-8. Reihe: Ergotherapie. Mit einem Geleitwort von Jan Wojnar. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1932.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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