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Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast u.a. (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 10.08.2004

Cover Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast u.a. (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation ISBN 978-3-525-46172-3

Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast, Sylvia Schroll-Machl. (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1: Grundlagen und Praxisfelder. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2003. 462 Seiten. ISBN 978-3-525-46172-3. 49,90 EUR. CH: 84,00 sFr.
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Einführung in die Thematik

Die zunehmende Globalisierung im Welthandel stellt die Unternehmen immer wieder vor neue interkulturelle Herausforderungen. Das Wissen um interkulturelle Zusammenhänge sichert in solchen Zeiten einen Wettbewerbsvorteil am Markt. Dabei macht die zunehmende Globalisierung und Internationalisierung nicht im Wirtschaftsbereich halt sondern breitet sich auf alle Lebensbereiche aus. Das Handbuch geht im Hinblick auf diese Tendenzen davon aus, dass der Umgang mit den Problemen und Entwicklungspotenzialen interkultureller Prozesse gelernt werden kann. Dies gilt sowohl für die Gesellschaft als Ganzes, wie auch für jeden einzelnen. Der erste hier rezensierte Band führt in die Grundlagen und Praxisvertreter der interkulturellen Kommunikation und Kooperation ein. Im zweiten Band werden ausgewählte länderspezifische Kulturkreise und damit verbundene interkulturelle Anforderungen vorgestellt und erläutert.

Der Herausgeber, die Herausgeberinnen

Das Herausgeberteam nutzt seine langjährige Erfahrung im Bereich der interkulturellen Kompetenz und des interkulturellen Trainings, um die Ergebnisse ihrer Arbeit in zwei Bänden zusammenzufassen. Dr. Alexander Thomas ist Professor für soziale Psychologie und Organisationspsychologie an der Universität Regensburg und beschäftigt sich seit Jahren mit interkulturellen Fragestellungen. Dr. Eva-Ulrike Kinast (Dipl. Psychologin) arbeitet als selbstständige Managementberaterin und Coach für Unternehmen. Dr. Sylvia Schroll-Machl ist ebenfalls Dipl. Psychologin und ist als freiberufliche Trainerin im Bereich interkultureller Trainings und Personalentwicklung tätig.

Aufbau und Inhalt

Band 1 ist in zwei Bereiche gegliedert: im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen interkulturelle Kommunikation und Kooperation erarbeitet und im zweiten Teil konkrete Praxisfelder in zentralen Managementbereichen unter dem Aspekt interkulturelle Herausforderungen genauer beschrieben.

Im Grundlagenteil setzen sich die Autoren mit der Thematik kulturellen Verhaltens auseinander. In verschiedenen Beiträgen werden die Aspekte von Kulturverständnis, Kulturdimensionen, sowie interkulturelle Wahrnehmung, Kommunikation und interkulturellem Lernen theoretisch erschlossen und vorgestellt.

In der interkulturellen Begegnung prägen zum einen unsere Erwartungen an den anderen als auch die eigene Position dem anderen gegenüber das Erleben von Fremdartigkeit. Das Handbuch will verschiedene Facetten beleuchten, die den Prozess des interkulturellen Lernens erhellen und somit dazu beitragen, das Verstehen und Erfassen von Rahmenbedingungen interkulturellen Handelns, also interkulturelle Kompetenz zu realisieren.

Das Erfassen und Verstehen von fremden Werten, Normen und Orientierungssystemen reicht nach Ansicht der Autoren allein nicht aus, um interkulturell kompetent agieren zu können. Genauso wichtig sind ein Verständnis und ein Reflektieren der eigenen kulturellen Wurzeln, Muster und Prägungen. Erst damit können die Potenziale von zwei unterschiedlichen kulturellen Systemen gewinnbringend für beide Seiten genutzt werden. Ein nicht zu unterschätzender ökonomischer Gewinn für Wirtschaftsunternehmen, für deren Einsatzbereiche das Werk in erster Linie geschrieben wurde. Es geht zunächst um Lösungsansätze für interkulturelle Herausforderungen der Wirtschaft, was aus dem Titel leider nicht ersichtlich wird. Aufgrund dieses Verständnisses formuliert Thomas Anforderungen für die Bewältigung interkultureller Zusammenarbeit auf drei Ebenen: auf der Ebene der eigenkulturellen, der fremdkulturellen und der interkulturellen Orientierung. Im interkulturellen Kontext müssen Eigenes und Fremdes aufeinander abgestimmt werden. Dies erfordert eine Distanzierung vom Gewohnten und einen Perspektivenwechsel in Bezug auf die Handlungsmöglichkeiten und Handlungsgrenzen des eigenen Orientierungssystems.

Sehr anschaulich und verständlich stellt Layer den Aspekt der Kulturdimensionen anhand der Forschungen von Hofstede, Hall, Trompenaas und Demorgon dar. Dieses Kapitel bietet auf diese Weise einen schnellen und fundierten Überblick über den Stand der Kulturforschung und für die interkulturelle Praxis bedeutsame Fragestellungen und Herausforderungen, z.B. anhand der Dimension Zeit, die vielfältige Art der Möglichkeiten, mit dem Aspekt Zeit im Leben und der Gesellschaft umzugehen.

Der interkulturellen Kommunikation kommt nach Thomas eine entscheidende Rolle in der Kulturbegegnung zu, weil Kommunikation die wichtigste Form der sozialen Interaktion darstellt. Interkulturelle Kommunikation definiert er als Kommunikation unter kulturellen Überschneidungsbedingungen, d.h. dort wo zwei unterschiedliche Kulturen sich begegnen. Eine gemeinsame Sprache ist für eine solche Kommunikation unerlässlich, auch wenn der Autor darauf hinweist, dass es oft nicht die Muttersprache der beiden Akteure ist sondern z.B. englisch. Genauso bedeutsam ist in interkulturellen Begegnungen eine für beide Seiten nachvollziehbare und verständliche Form der nonverbalen Kommunikation.

Einen interessanten Aspekt bringt Walter mit ethischen Leitlinien für interkulturelles Handeln in den Sammelband ein. Er geht davon aus, dass eine ethische Wertorientierung ein wesentliches Element für den unternehmerischen Erfolg darstellt. Dabei betrachtet er die Herausforderungen im interkulturellen Kontext vor dem Hintergrund der europäisch geprägten Verantwortungsethik. Sie ist vergleichsweise offen und eröffnet Zugänge zu den allgemeinen Menschenrechten. Mit ihr lassen sich die Folgen und Auswirkungen des eigenen Tuns überprüfen und Verfahrensweisen für Mediation im sozialen wie im interkulturellen Kontext bewerten. Es geht um die Frage, wie interkulturelle Austauschprozesse gelingen können. Ein wesentliches Merkmal aus ethischer Sicht stellt die Verfahrensfairness dar. Im interkulturellen Dialog übernehme ich Verantwortung für meine eigene Kommunikation, für die kommunikative und Beziehungsebene und überdenke mein Verhältnis zu Rationalität und Gerechtigkeit. Nur wenn in einer Kooperation beide Seiten einen Nutzen daraus ziehen (der durchaus längerfristig angelegt sein kann) werden interkulturelle Kontakte Bestand haben. Letztendlich greift Winter den Aspekt der Wertschätzung des Partners in interkulturellen Überschneidungssituationen unter ethischen Gesichtspunkten noch einmal auf und eröffnet damit eine reflexive Wertedimension, die bisher nicht näher beschrieben wurde.

Zielgruppe

Das Handbuch ist geschrieben für Leser, die sich für die vielfältigen Aspekte interkultureller Kommunikation und Kooperation interessieren, denen als Personalverantwortliche an praktisch orientierten Umsetzungen gelegen ist, und für Wissenschaftler, die sich in die wichtigsten theoretischen Grundlagen und Methoden im Zusammenhang mit Interkulturalität vertiefend einarbeiten wollen. Darüber hinaus ist es für Trainer im interkulturellen Bereich geeignet.

Fazit

Das Handbuch bietet für interessierte Leser aus dem Bereich der Wirtschaft eine fundierte und anschauliche Einführung in die wesentlichen Aspekte interkultureller Herausforderungen im Alltagsgeschäft. Die theoretischen Grundlagen im ersten Kapitel zu interkultureller Kommunikation und Kooperation erlauben einen grundlegenden Einstieg in die Materie. Leider sind die Aspekte der Kommunikation und der Kooperation nicht in der gleichen Weise ausdifferenziert wie das Thema Kultur und Interkulturalität. Für Leser aus dem sozialen Bereich ist der theoretische Abriss ebenfalls sehr geeignet, sich mit dem Thema der interkulturellen Begegnung auseinander zu setzen. Der Gewinn liegt hier vor allem in der gelungenen Zusammenstellung der Forschungen im Bereich der Kulturforschungen.

Im zweiten Teil des Buches werden Praxisfelder beschrieben, die im Managementhandeln in Unternehmen hinsichtlich des Themas wichtig sind (z.B. Interkulturelle Verhandlungsführung, Konfliktmanagement, Projektmanagement, interkulturelle Arbeitsgruppen). Aus diesen Beispielen kann jeder Manager in einem Unternehmen mit internationalen Kontakten Gewinn für sein operatives Geschäft ziehen. Für Sozialpädagogen und Sozialmanager ist der Bezug zur täglichen Arbeit sicher nur in speziellen Einzelsituationen herzustellen. Damit haben die Autoren erreicht, was ihr Ziel war, ein strategisches Konzept für Interkulturalität in Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Der Interessierte aus dem sozialen Bereich wird sich bei einem Preis von 49,90 EUR allerdings gut überlegen, ob er dieses Werk in seine persönliche Fachbibliothek aufnimmt.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 42 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 10.08.2004 zu: Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast, Sylvia Schroll-Machl. (Hrsg.): Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1: Grundlagen und Praxisfelder. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2003. ISBN 978-3-525-46172-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1933.php, Datum des Zugriffs 17.05.2022.


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