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Stefan Kühl (Hrsg.): Schlüsselwerke der Organisations­forschung

Cover Stefan Kühl (Hrsg.): Schlüsselwerke der Organisationsforschung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2015. 767 Seiten. ISBN 978-3-658-09067-8. D: 69,99 EUR, A: 71,95 EUR, CH: 87,50 sFr.
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Thema

Der Band stellt über 100 zentrale Texte aus dem Bereich der Organisationsforschung vor. Jeder Beitrag ist nach einem einheitlichen Schema aufgebaut und geht den folgenden Fragen nach:

  • In welchem Kontext ist der Text entstanden (wovon möchte er sich abgrenzen, an welche Arbeiten schließt er an)?
  • Was sind die Hauptargumente der Arbeit?
  • Was ist die These, wie wird die These begründet?

Herausgeber

Stefan Kühl ist Professor für Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld. Seine aktuellen Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit den Unterschieden zwischen Gruppen, Familien, Organisationen und Bewegungen. Er ist Autor wichtiger Publikationen, etwa „Wenn die Affen den Zoo regieren. Die Tücken der flachen Hierarchien“, „Das Regenmacher-Phänomen. Widersprüche im Konzept der lernenden Organisation“, „Organisation, eine sehr kurze Einführung“ und „Sisyphos im Management. Die vergebliche Suche nach der optimalen Organisationsstruktur“.

Aufbau und Inhalt

Schlüsselwerke, dieser laut Selbstbeschreibung „einzigartigen Einführung in die Hauptwerke der Organisationsforschung“ wurden mit Bezug auf Luhmann primär ausgewählt nach Reputation. Das Buch bietet demnach kurze und leicht verständliche Beiträge zu den zentralen Klassikern des Themengebietes und ein „unverzichtbares Nachschlagewerk für die Organisationsforschung“

Zielgruppensind StudentInnen und DozentInnen der Sozialwissenschaft sowie SozialwissenschaftlerInnen.

Die Beiträge im Band haben alle den gleichen Aufbau: Zunächst wird das Schlüsselwerk kontextualisiert, es wird gezeigt, wodurch seine Abfassung initiiert wurde, an welche Diskurse es anschließt und gegen welche Position es Stellung bezieht. Danach wird der Inhalt des Werkes referiert, es wird die Rezeption dargestellt und aufgezeigt, wie in der Organisationsforschung an das Werk angeschlossen worden ist.

Neben einem Index mit zentralen Grundbegriffen der Organisationsforschung gibt es eine Übersicht über Schlüsselwerke der Organisationsforschung, die einen Überblick über Theorien und Ansätze, Organisationstypen, Entstehung und Ausbreitung von Organisationen und zu Methoden der Organisationsforschung bietet. Zu einzelnen Theorien etc. wird hier auf die im Buch befindlichen Werke verwiesen. Dieser Überblick ist gut, erleichtert die Systematisierung und gibt dem ansonsten Lexikon-Artig angelegten Buch eine Struktur.

Weiters erläutert Kühl seine Kriterien für die Auswahl der Schlüsselwerke. Neben wissenschaftlicher Reputation, die die Auswahl bewusst von praxisorientierter Forschung abgrenzt und theoretisch hohe Ansprüche stellt ist dies auch eine auf die Organisationsforschung bezogene Reputation, weiters Disziplinen übergreifende, theoriebezogene und internationale Reputation. Auf über 760 Seiten beschrieben wird jedes Werk auf ca. vier Seiten auf nachvollziehbare Art beschrieben.

Eine stichwortartige Lektüre einzelner Kapitel zeigt, dass die Beschreibungen sehr übersichtlich, informiert und informierend und wirklich hilfreich sind. Die Art des Buches macht es allerdings (mir jedenfalls) unmöglich, es zur Gänze zu lesen, der folgende Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis nur von den Buchstaben „Co“ bis „Cz“ gibt eine Vorstellung über die Anzahl der beschriebenen Werke:

  • Coase (1937): The Nature of the Firm;
  • Cohen/March/Olsen (1972): A Carbage Can Model of Organizational Choice;
  • Cohen/March (1974): Leadership and Ambiguity ;
  • Coleman (1974): Power and the Structure of Society;
  • Coser (1974): Greedy Instiutions ;
  • Crozier (1964): The Bureaucratic Phenomenon ;
  • Crozier/Friedberg (1977): L´acteur et le système;
  • Cyert/March (1963): A Behavioral Theory of the Firm;
  • Czarniawska-Joerges (1992): Exploring Complex Organizations ;
  • Czarniawska (1997): Narrating the Organization.

Das vollständige Inhaltsverzeichnis ist auf der Homepage des Verlages ersichtlich und gibt sicher auch eine gute Entscheidungshilfe für den Kauf: www.springer.com/de/book/9783658090678

Auch die Liste der AutorInnen wäre zu lange, um sie hier abzubilden, sie haben ihre Sache allerdings gut gemacht, die Beiträge zeugen von hoher Kenntnis der Materie.

Diskussion

Ich gratuliere zu dem Werk, zur gelungenen Zusammenstellung wichtiger „Schlüsselwerke“ – man kann sich vorstellen, wie viel Arbeit hinter einem solchen Prozess steckt – und auch zur Umsetzung des Konzepts in den einzelnen Kapiteln. Was es nicht bietet, ist ein inhaltlicher Überblick zur Einbettung dieser lexikalischen Kurzkapitel, eine Art Landkarte zur Orientierung, die über den Index am Beginn des Buches hinausgeht. Dieser fehlt aber zu Recht, da nicht nur das Buch dadurch unhandlich geworden wäre, sondern es solche Werke bereits gibt.

Der vorliegende Band kann daher Einführungen in die Organisationssoziologie nicht ersetzen, aber wunderbar ergänzen. Insofern ist es zu begrüßen, dass der Herausgeber sich nicht an dem Satz von Karl Valentin „Es ist bereits alles gesagt, aber nicht von jedem“ orientiert hat.

Fazit

Das Buch ist empfehlenswert als wirklich gut gemachtes Nachschlagewerk.


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 28.08.2015 zu: Stefan Kühl (Hrsg.): Schlüsselwerke der Organisationsforschung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2015. ISBN 978-3-658-09067-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19345.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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