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Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Hrsg.): Inklusion auf dem Weg

Cover Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Hrsg.): Inklusion auf dem Weg. Das Trainingshandbuch zur Prozessbegleitung. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2015. 303 Seiten. ISBN 978-3-7841-2752-1.

AutorInnen: Barbara Borkamp, Ludger Deckers, Raymund Elfting, Wiebke Lawrenz, Monika Menzel, Thomas Müller-Heßling, Raimund Patt, Dr. Andrea Platte, Christian Schmidt, Dr. Ansgar Stracke-Mertes.
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Thema

Das Thema Inklusion wird im Zuge der Rezeption der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) mit hoher Intensität und in einer großen Breite gesellschaftlich diskutiert. Die Verwendung des Inklusionsbegriffes steht für einen grundlegenden Wechsel im Verständnis von Behinderung. Beeinträchtigungen werden als Teil der menschlichen Vielfalt und Unterschiedlichkeit verstanden. Behinderungen entstehen nach diesem Verständnis erst aus der Wechselwirkung von Beeinträchtigungen mit Einstellungs- und umweltbedingten Barrieren. Hieraus folgt ein veränderter Blick der stärker auf die sozialräumlichen Gegebenheiten gerichtet ist und so versucht Bedingungen zu schaffen, die es allen Menschen, mit und ohne Beeinträchtigung, erlauben, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzuhaben. Diese veränderte Sicht auf Beeinträchtigung und Behinderung ist ein Charakteristikum der UN-BRK, mit deren Ratifizierung in Deutschland, im Jahr 2009, ist diese veränderte Sicht somit Grundlage für gesellschaftliches Handeln, das die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen wahren will. Statt die Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen nur in speziellen Angeboten zu wahren, sollen Barrieren beseitigt werden um Teilhabe für alle in den üblichen gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen möglich zu machen. Eine solche Veränderung stellt eine erhebliche Herausforderung für verschiedenste Organisationen dar. Wenn auch die Diskussion im Bereich Bildung und Schule noch dominiert, so wird inzwischen doch von erfreulich vielen Akteuren verstanden, dass auch in anderen Bereichen Veränderungen notwendig werden, um die Kernforderungen der UN-BRK, wie Inklusion umzusetzen. Hier setzt das besprochene Buch an. Es bietet ein Konzept an, das Trainer befähigen soll, Personen, die in unterschiedlichsten Organisationen Veränderungen in Richtung Inklusion moderierend begleiten, zu Prozessbegleitern zu schulen.

Autoren und Entstehungshintergrund

Das Buch wird herausgegeben von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und ist, entsprechend dem Untertitel, ein Trainingshandbuch, das auf den Erfahrungen in der Begleitung von unterschiedlichen Organisationen „auf dem Weg der Inklusion“ aufbaut. In dieses Werk ist insbesondere die Ausbildung von Prozessbegleitern in sechs Schulungszyklen eingeflossen. Dargestellt werden Inhalte, Methoden und das dahinterstehende Konzept. Zentrales Element der Prozessbegleitung und der im Buch vorgestellten Konzepte ist der Einsatz der verschiedenen Versionen und Ausgaben des Index für Inklusion. Er „dient als Referenzrahmen für die inklusive Entwicklung“ (S. 289) und nimmt eine entsprechend prominente Position ein. Auch wenn das Handbuch mit vielen Vorschlägen für Ablauf, Inhalt und Methoden aufwartet, betonen die Autoren, sowohl generell als auch in speziellen Zusammenhängen die Offenheit des Trainingskonzeptes und die Notwendigkeit der Anpassung an die jeweilige Gruppe und den Anlass. An diesen Stellen wird der gemeinsame Hintergrund der Autoren deutlich, die alle über Erfahrungen in der Moderation und Prozessbegleitung verfügen und denen die Weitergabe pragmatischer Hilfen für die Durchführung ein Anliegen ist.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet und beginnt mit Ausführungen zu den Adressaten, den Anlässen für eine Prozessbegleitung und zur Arbeit mit diesem Buch. Das folgende Kapitel, „Voraussetzungen – 14 Punkte, ohne die es nicht geht“ benennt für die Prozessbegleitung grundlegende Maßgaben, auf die regelmäßig im Buch wieder verwiesen wird. Diese befassen sich beispielsweise mit der Rollenklarheit oder der Feedbackkultur, oder auch der wertmäßigen Ausrichtung eines Prozesses.

Den eigentlichen Modulen wird vorangestellt, wie mit diesen zu arbeiten ist. Die anschließend vorgestellten Module sind so konzipiert, dass sie jeweils in einem eintägigen Workshop stattfinden und in der Regel aus 9-12 Einheiten bestehen. In diesem vorbereitenden Abschnitt werden Hinweise zu den grundsätzlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Räumlichkeiten, der verwendeten Materialien und der Zeit gegeben. In jedem Modul wiederholen sich bestimmte Abläufe, wie das Ankommen, der Einstieg, die Arbeit mit den Index Fragen sowie die Abschlussphase. Hierzu werden praktische Gestaltungshinweise und Varianten genannt. Es werden außerdem zu Beginn die Ziele jedes Moduls aufgeführt, sowie die jeweilige Dauer und Gruppengrößen mit der eine Einheit durchführbar ist, vorgeschlagen. Hierüber informiert eine Übersicht zu Beginn jedes Kapitels. Am Kapitelende sind Arbeitsblattentwürfe abgebildet, auf die in dem Modul jeweils Bezug genommen wird. Diese Dokumente stehen auch online zum Download zur Verfügung.

Um die Verbindung zwischen den Modulen herzustellen und so einen roten Faden zu knüpfen, werden Plakate, beispielsweise zu inklusiven Werten oder den Vereinbarungen zur Zusammenarbeit nach ihrer Erarbeitung, in jeder weiteren Sitzung im Gruppenraum drapiert und auf diese wieder Bezug genommen.

Im Folgenden wird die Bezeichnung der Titel der Module wiedergegeben, sowie der Inhalt kurz vorgestellt:

Modul 1 – Einführung und Grundlagen

In diesem Modul werden die Grundlagen für die weitere Zusammenarbeit in der Fortbildung gelegt. Dabei werden Methoden vorgeschlagen, bei denen gemeinsames Erarbeiten, die Würdigung unterschiedlicher Perspektiven und ein selbstverantwortetes Lernen im Vordergrund stehen. Entsprechend dem Motto, „Inklusion basiert auf der Erkenntnis, dass Unterschiedlichkeit und Vielfalt wertvolle Ressourcen sind“ (S.37) und dem Konzept folgend, dass in dieser Fortbildung inklusive Werte vor allem durch Erleben vermittelt werden, nimmt die Benennung und Nutzung von Stärken und Ressourcen einen breiten Raum innerhalb der Übungen ein. Definitionen von Inklusion etwa aus der UN-BRK, die Geschichte der Index-Ausgaben und Regeln für die Arbeit in der Gruppe werden kooperativ erarbeitet und in den Kontext der weiteren Module gestellt.

Modul 2 – Die Rolle als Prozessbegleiter klären und stärken

Dieses Modul bereitet die spätere Arbeit der Teilnehmenden als Prozessbegleiter dadurch vor, dass die Rollenerwartung gegenüber einer Prozessbegleitung und das Selbstkonzept der Teilnehmer besprochen werden. Die vorgeschlagenen Übungen arbeiten dabei einerseits mit freien Assoziationen und geben so Gelegenheit, offen an den Vorerfahrungen der Teilnehmer anzuknüpfen und gehen andererseits auf Anforderungen ein, die sich regelmäßig in einer Prozessbegleitung ergeben. Die Herstellung von Rollenklarheit, die Reflektion über Eigen- und Fremdwahrnehmung, sowie die Analyse von Kompetenzen die vorhanden sind bzw. erweitert werden sollten, sind Ziele dieses Moduls. Diese Ziele werden unter Rückgriff auf unterschiedliche Methoden verfolgt, welche berücksichtigen, dass ein Kompetenzaufbau wesentlich von der „Selbststeuerung der Teilnehmenden“ abhängt. Gleichzeitig wird durch Übungen auf die spätere Rolle vorbereitet.

Modul 3 – Prozessbegleitung anlegen und beginnen

Das Modul 3 ist dem Beginn einer Prozessbegleitung gewidmet. Praktische Aspekte, wie die Durchführung von ersten telefonischen Kontakten und ersten Gesprächen, werden als Übung vorgeschlagen und die notwendigen Informationen vermittelt. Schwerpunkte sind der Aufbau und die Klärung von Arbeitsbeziehungen mit dem Auftraggeber, die in einen Kontrakt münden und die Vorstellung des Prozessmodells. Bei Teilnehmenden wird zwar Vorwissen zur Organisationsentwicklung vorausgesetzt, die wesentlichen Schritte von Veränderungsprozessen werden aber dennoch vergleichsweise intensiv behandelt. Entsprechend der grundsätzlichen methodischen Herangehensweise werden Reflektionsübungen, Vermittlungseinheiten und Anwendungsübungen miteinander verbunden. Das Wissen über wiederkehrende Prozessschritte und notwendigen Absprachen dient, anknüpfend an das vorherige Modul, der Rollenklarheit und der Orientierung im Begleitprozess. Der heuristische Charakter solcher Übersichten wird betont. Hilfreich sind dabei auch die zahlreichen Querverweise zwischen den einzelnen Kapiteln des Buches.

Modul 4 – Haltung, Standpunkt, Zielorientierung

Anknüpfend an das Modul 2 werden in diesem Kapitel Aspekte der Selbst- und Fremdwahrnehmung bei der Moderation von Prozessen bearbeitet. Sowohl verbale wie nonverbale Aspekte einer erfolgreichen Kommunikation werden in den Übungen analysiert, reflektiert und eingeübt. Dies geschieht nicht (nur) auf einer oberflächlichen Ebene, vielmehr wird die enge Verbindung zwischen innerer und äußerer Haltung in Bezug zu den bearbeiteten Themen wird deutlich gemacht, „die eigene Persönlichkeit und die Professionalität in der Prozessbegleitung stehen also im Mittelpunkt“ (S. 121).

Die Kompetenz Ziele, passend zum jeweiligen Prozess zu finden, zu formulieren und zu verfolgen, aber ggf. auch anzupassen, knüpft an die vorherige Einheit an. Ziele in Abhängigkeit von der jeweiligen Ausgangslage, den Ressourcen, den zeitlichen Restriktionen und der gewünschten Veränderungsrichtung zu formulieren ist herausfordernd und wird in dieser Einheit nur einführend beschrieben. Die Notwendigkeit von Flexibilität hierbei, aber auch der große Nutzen von Zielen in Veränderungsprozessen wird erläutert und in Simulationen mit verteilten Rollen erfahrbar gemacht.

Modul 5 – Mit Vielfalt und Widerständen umgehen

Kapitel fünf beschäftigt sich mit Vielfalt und Widerständen. Ein Veränderungsprozess ist ohne Widerstände in der einen oder anderen Art nicht denkbar. Es werden deswegen Erklärungen für das Auftreten von Widerstand und reservierten Haltungen dem Prozess gegenüber ausführlich behandelt. Die Übungen sollen für die Wahrnehmung von Widerständen sensibilisieren und helfen, die wertvollen Informationen in Äußerungen des Widerstands zu entschlüsseln. Diese sollen so für die Analyse der Organisation und den Verlauf des Prozesses nutzbar gemacht werden. Für den Umgang mit Widerständen ist die Reflektion der eignen Beobachtungsebene und der verschiedenen Ebenen, auf denen Verfahrensmöglichkeiten gefunden werden, äußerst hilfreich. Neben Input- und Reflektionseinheiten wird in diesem Kapitel auch eine Simulation vorgeschlagen, die praxisnah auf herausfordernde Situationen in einer Moderation vorbereitet. Auch hier wird dem Wechsel der verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen ein hoher Stellenwert beigemessen.

Insgesamt ist hier das Ziel, Widerstände nutzbar zu machen und Bedingungen zu schaffen, in denen Veränderungen möglich werden. Die Komplexität von Veränderungsprozessen erfordert es, die Kompetenz von Prozessbegleitern zu hilfreichen Interventionen bei Widerständen, permanent zu erweitern.

Kapitel 6 – Selbstreflexion und Methodenrepertoire

Dieses Kapitel widmet sich der Frage, welche Methoden bei der Arbeit mit dem Index für Inklusion in der Prozessbegleitung eingesetzt werden können und wovon die Wahl der Methode abhängt. Es werden in diesem Kapitel allerdings weniger Methoden vorgestellt als in den anderen Kapiteln. Statt dessen wird die Ebene beleuchtet, von der die Wahl der Methode abhängig gemacht werden sollte. Es wird betont, dass dies keine triviale Abwägung ist, da Inklusion im Wesentlichen eine Frage der persönlichen Haltung darstellt. Veränderungsprozesse, insbesondere beim Thema Inklusion, stellen bestehende Werthaltungen in Frage. Die verschiedenen Versionen des Index für Inklusion setzen hier an, um über den Einsatz von Fragen zur Reflexion und zum Perspektivwechsel anzuregen. Die Frage, wann in einem Prozess welche Fragen des Index mit welcher Methode bearbeitet werden sollten ist ein Abwägungsprozess, in welchem die jeweilige Gruppe, der Kontext, die Ziele aber auch die Persönlichkeit der Prozessbegleiter eine erhebliche Rolle spielen. In diesem Modul, das auch an anderer Stelle im Ablauf der Module eingeplant werden kann, sollen die Prozessbegleiter über diese Fragen reflektieren, sich über geeignete Methoden austauschen oder ggf. auch neue entwickeln. Auch wenn die individuelle Auswahl und Reflexion der passenden Methode betont wird, wird dennoch auch auf Methoden verwiesen, deren Einsatz sich aus Sicht der Autoren bewährt hat.

Modul 7 – Systemische Beratung inklusiv gestalten

Während die Mehrzahl der Module die Teilnehmenden auf die Rolle als Prozessbegleiter vor allem mit Blick auf individuelle Faktoren vorbereitet, wird in diesem Modul die Einbindung von Personen in Systeme verdeutlicht und dargestellt, wie dieses Wissen genutzt werden kann. Neben einer eher assoziativen und reflexiven Vorgehensweise wird aber auch ein theoretischer Input zum Systemverständnis gegeben. Die Darstellung folgt dabei einem konstruktivistischen Verständnis (Gregory Bateson), das als sehr gut anschlussfähig für das vorgestellte Beratungsverständnis angesehen wird. Neben der Interdependenz der Mitglieder eines Systems soll die Sensibilität für die Konstruktion der Regeln, Normen und Werte gesteigert werden. Inklusive Veränderungsprozesse stellen diese teilweise in Frage, was im System zu Irritationen und Unsicherheiten führt. Diese Reaktionen auf Veränderungen mit der Konstruktion des Systems und dessen Entstehungsgeschichte in Verbindung zu bringen hilft, die Metaebene hinter Veränderungen besser zu verstehen. Abschließend wird der Bogen noch einmal explizit zur individuellen Ebene geschlagen, da Systemstrukturen in Veränderungsprozessen zwar auch von Bedeutung sind, Moderatoren jedoch immer mit einzelnen Personen zusammenarbeiten, die als Teil eines Systems gesehen werden können.

Modul 8 – Die Rolle und Funktion von Steuerungsstrukturen

Veränderungsprozesse erfordern in Organisationen Aspekte von Führung, Leitung, Steuerung und Kooperation. Ein Austausch und ein geteiltes Verständnis dieser Begriffe soll durch assoziative Methoden zu Beginn hergestellt werden. Hierdurch soll auch die Sensibilität für Steuerungsmuster bei den Teilnehmern gesteigert werden und die jeweilige Steuerungskultur der Teilnehmer reflektiert werden. Die Anforderungen an Steuerungsgruppen vor dem Hintergrund inklusiver Veränderungsprozesse werden anschließend reflektiert. Ihnen kommt eine große Bedeutung zu, da die Zusammensetzung, die Kultur der Zusammenarbeit, die Transparenz des Vorgehens und nicht zuletzt die Auftragsklärung für den Gesamtprozess von erheblicher Bedeutung sind. Ebenfalls wird in diesem Modul das generelle Planungsverständnis anhand eines Planungszirkels, der Orientierungshilfe bieten soll, verdeutlicht. Gerade weil Veränderungsprozesse in der Regel nicht nach der Regel ablaufen, ist eine solche Orientierungshilfe sinnvoll, um Ressourcen zu bündeln und Vorhaben planbar zu halten. Das Verständnis für das Zusammenspiel von Führung, Leitung, Steuerung und Kooperation in einem an Inklusion orientierten Veränderungsprozess wird in diesem Modul gemeinsam vertieft und zentrale Aspekte vermittelt.

Modul 9 – Abschluss und Ausblick: Eine Prozessbegleitung beenden

Dieses Modul behandelt das Ende von Begleitprozessen auf unterschiedlichen Ebenen. Einerseits geht es um das Ende der Fortbildung der Prozessbegleiter und andererseits um die Vermittlung der Kompetenzen an diese, eigene Prozesse abzuschließen. Daneben wird aber auch als Drittes die Ebene der Trainer angesprochen, welche die Fortbildung durchführen. Dem Abschluss wird ein eigenes umfangreiches Kapitel gewidmet, da nach Ansicht der Autoren diesem Aspekt häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und dadurch weder die Fortschritte gewürdigt, noch die Perspektive für die Weiterentwicklung entfaltet wird. Beide Aspekte stehen bei den verschiedenen Einheiten dieses Moduls im Fokus. Die Ebenen, auf die sich diese beziehen, variieren dabei. Dieses Modul schließt an die richtigerweise komplexe Betrachtung der Prozessverläufe an, so werden die Lernfortschritte der Teilnehmer von diesen reflektiert, aber auch, an die vorherigen Module anknüpfend, in der Gruppe gearbeitet. Beispielsweise wird der erarbeitete Kontrakt (Modul 3) zur Grundlage des Abschlusses gemacht. Auch für den Abschluss der Fortbildung wird im Sinne einer „Kultur des Abschieds“ ein Vorschlag gemacht. Aus diesem Abschluss sollen wichtige Hinweise für den weiterlaufenden Prozess der inklusiven Veränderung gewonnen werden.

Evaluation ist ebenfalls ein Thema dieses Moduls, das in zwei Einheiten behandelt wird. Es wird allerdings auch vorgeschlagen, dieses Thema wegen seiner zentralen Bedeutung zum Gegenstand eines eigenen Moduls zu machen. Wie an anderen Stellen auch, wird hier auf weitere Literatur verwiesen.

Ausblick und Anhang

Am Ende des Buches wird noch einmal betont, dass das vorliegende Werk offen gestaltet ist und den momentanen Stand eines bewährten Konzeptes wiedergibt. Es ist offen hinsichtlich der Anpassung an die jeweiligen Bedingungen der Organisationen und der Gruppen. Hier können Methoden, Themen, Arbeitsmaterialien und Ähnliches sinnvollerweise ergänzt werden. Bei aller Offenheit wird aber die Bedeutung der grundlegenden Orientierung unterstrichen, die sich in den „14 Punkten ohne die es nicht geht“ manifestieren.

Es werden noch einmal die unterschiedlichen Nutzergruppen des Buches angesprochen und ihnen Anregungen für die Nutzung nahegebracht. Wenn etwa ein Träger überlegt, Trainer zu bitten, nach diesem Konzept Prozessbegleiter auszubilden, sollte auch überlegt werden, das eigene Leitbild mit dem Index für Inklusion auf seine inklusive Orientierung hin zu überprüfen.

Abschließend findet sich noch ein Glossar, eine Zusammenfassung der verschiedenen Module und Hinweise auf die verwendete und empfohlene Literatur, sowie Kurzbiografien der zehn Autoren.

Diskussion

Das Buch wird seinem Titel in zweifacher Weise voll und ganz gerecht. Einerseits ist es durch die Nennung von Methoden, vorgeschlagenen Abläufen, Hinweisen zur Durchführung, der Benennung von Zielen, den zur Verfügung vorgestellten Arbeitsmaterialien und Ähnlichem so praxisorientiert, wie ein Trainingshandbuch sein sollte. Andererseits wird durch die häufige Betonung der Notwendigkeit von Anpassungen und einer an den jeweiligen Bedingungen orientierten Durchführung der Komplexität der Wege zur Inklusion Genüge getan. Es wird richtigerweise betont, dass es für Veränderungen in Richtung Inklusion kein anzuwendendes Rezeptwissen gibt, das immer und überall greift. Stattdessen werden die Komplexität des Themas und die Notwendigkeit differenzierten Vorgehens betont. Da das Konzept für Prozessbegleitung unterschiedlicher Zielgruppen und Organisationen passend sein soll, bleiben manche Ausführungen notwendigerweise eher allgemein.

Hervorzuheben ist auch die hervorragende Übersichtlichkeit, die sehr ansprechende grafische Gestaltung sowie der Verweis auf andere Medien (Videos) und Methoden.

Entsprechend dem inhärenten Verständnis von Inklusion bleibt das Werk konsequent an einem weiten Inklusionsverständnis orientiert und vermeidet sogar die Benennung von möglichen Differenzkategorien. Hier erscheint fraglich, ob aus pragmatischen Gründen eine Benennung von diesen und deren jeweiligen spezifischen Bedarfen nicht sinnvoll sein kann, da sonst die Gefahr besteht, dass diese nicht beachtet werden.

Das Konzept des Handbuchs macht die Arbeit mit den verschiedenen Versionen und Ausgaben des Index für Inklusion zum zentralen Gegenstand der Prozessbegleitung. An einigen Stellen wird die korrekte Verwendung des Index für Inklusion mit Inklusion gleichgestellt (z. B. 247). Dies stellt eine Engführung und Überhöhung eines sicherlich nützlichen Instrumentes dar. Da die UN-BRK und die Dokumente zu deren Umsetzung, wie etwa die abschließenden Bemerkungen des UN-Ausschusses (http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/UN-Dokumente/CRPD_Abschliessende_Bemerkungen_ueber_den_ersten_Staatenbericht_Deutschlands_ENTWURF.pdf) hilfreiche konkrete Hinweise auf bestehende Menschenrechte enthalten, wäre ein expliziterer Bezug in Erwägung zu ziehen.

Fazit

Entsprechend dem Titel ist dieses Buch ein sehr hilfreiches Werk für alle, die Personen zu Prozessbegleitern von Inklusionsprozessen ausbilden wollen und dabei überwiegend mit dem Index für Inklusion arbeiten. Es wird der Komplexität des Themas durch ein hohes Maß an Differenziertheit gerecht und ist, nicht zuletzt durch die übersichtliche Gestaltung, dabei trotzdem noch sehr gut verständlich. Die vielen praktischen Hinweise aus den Erfahrungen in Begleitprozessen, aber auch zu den ausführlich dargestellten Methoden verdeutlichen die Fundierung der Autoren im Thema Inklusion und bieten nützliche Hilfestellungen auch über den eigentlichen Zweck des Buches hinaus.


Rezensent
Matthias Kempf
M.A. Bildung und Soziale Arbeit, Dipl. Soz. Arb., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) der Universität Siegen
Homepage www.uni-siegen.de/zpe/mitglieder/wissenschaftlich/k ...


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Zitiervorschlag
Matthias Kempf. Rezension vom 19.02.2016 zu: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Hrsg.): Inklusion auf dem Weg. Das Trainingshandbuch zur Prozessbegleitung. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2015. ISBN 978-3-7841-2752-1. AutorInnen: Barbara Borkamp, Ludger Deckers, Raymund Elfting, Wiebke Lawrenz, Monika Menzel, Thomas Müller-Heßling, Raimund Patt, Dr. Andrea Platte, Christian Schmidt, Dr. Ansgar Stracke-Mertes. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19374.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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