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David L. Cameron, Ragnar Thygesen (Hrsg.): Transitions in the field of special education

Cover David L. Cameron, Ragnar Thygesen (Hrsg.): Transitions in the field of special education. Theoretical perspectives and implications for practice. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2015. 300 Seiten. ISBN 978-3-8309-3117-1. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 46,90 sFr.
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Thema

Übergänge sind in der Kindheits- und Jugendforschung sowie in der Pädagogik, nicht zuletzt im Teilbereich der Sonderpädagogik, ein wichtiges Thema. Phasen des Wechsels, etwa vom Kindergarten in die Schule, zwischen verschiedenen Schulstufen und schließlich ins Arbeitsleben entscheiden nicht selten über Erfolg und Misserfolg in der weiteren Bildungs- und Berufsbiographie. Aber auch Disziplinen, im zu besprechenden Band die Sonderpädagogik, können sich „in transition“ befinden, was im Deutschen passender mit „im Wandel“ zu übersetzen wäre. Übergänge mit Bezügen zur Sonderpädagogik und Wandlungen der Sonderpädagogik in einem nordeuropäischen Kontext sind denn auch die übergreifenden Themen der im Waxmann Verlag erschienenen Anthologie „Transitions in the field of special education. Theoretical perspectives and implications for practice“ (2015).

Herausgeber und Autoren

Die beiden Herausgeber, David Lansing Cameron und Ragnar Thygesen, arbeiten beide als Professoren an der Universität Agder, Norwegen, zugleich die Heimstatt für die Mehrzahl der insgesamt 17 Autoren. Nur jeweils ein Kapitel stammt aus der Feder von Verfassern aus Dänemark, Schweden, Finnland und Neuseeland.

Entstehungshintergrund

An der Universität Agder existiert bereits seit längerem eine rege Forschungstätigkeit im Bereich der Inklusion und Sonderpädagogik. Dabei lassen sich mehrere Forschungsschwerpunkte identifizieren: der Übergang vom Kindergarten in die Schule, die Entwicklung inklusiver Lernumgebungen, „Drop-out“ aus der weiterführenden Schule sowie die sich wandelnde sonderpädagogische Berufsrolle. Die norwegischen Herausgeber haben die Herausforderung angenommen, diese vielschichtigen Themen in einem Band zusammenzuführen.

Aufbau und Inhalt

Nach einem einleitenden Kapitel der Herausgeber ist die Anthologie in zwei Teile aufgeteilt:

  1. „Part 1: Special education in transition“ und
  2. „Part 2: Transitions in special education“.

Das Inhaltsverzeichnis kann folgendem Link entnommen werden: www.waxmann.com. Der rote Faden der Veröffentlichung wird sichtbar in Fragen von „adapting, supporting, and ameliorating barriers to the learning process“ (Cameron & Thygesen, 2015, S. 15). Jedes Kapitel enthält ein Abstract, das den Einstieg in die Lektüre erleichtert.

Der erste Teil des Buches behandelt unter Einschluss norwegischer, dänischer, schwedischer und finnischer Perspektiven Wandlungen der Sonderpädagogik und hier insbesondere Veränderungen der sonderpädagogischen Berufsrolle. Dabei wird deutlich, dass die vor allem in Deutschland viel gelobten skandinavischen Schulsysteme sich vielfach in einem Spannungsverhältnis befinden. Einerseits ist die bildungspolitische Ambition nach Inklusion unübersehbar, etwa in Dänemark im 2012 verabschiedeten sog. Inklusionsgesetz. Andererseits sehen nordeuropäische Erziehungswissenschaftler sich mit Phänomenen konfrontiert, welche die Entwicklung einer inklusiven Schule erschweren. Dazu gehören u.a. die Marktorientierung von Bildungsangeboten in Schweden und die Persistenz separierender sonderpädagogischer Förderung in Finnland. Insbesondere die Rolle von Sonderpädagogen ist vielfach noch umstritten – wer oder was soll durch diese Berufsgruppe wie gefördert werden: das einzelne Kind oder die inklusive Schulentwicklung? Die Antworten auf diese komplexe Frage unterscheiden sich in den vier nordeuropäischen Ländern.

Der zweite Teil des Bandes richtet sich eher an Leser mit einem spezifischen Interesse an Fragen des Übergangs in Norwegen, insbesondere zwischen verschiedenen Stufen im Bildungssystem und in Bezug auf ein heterogenes Lernumfeld. Als gemeinsame Klammer lässt sich die Notwendigkeit der Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren im Schulsystem festmachen. Doch sind die Themen der jeweiligen Kapitel äußerst vielschichtig und behandeln u.a. die Bereiche Sprachentwicklung, Multikulturalismus, Verhaltensauffälligkeiten, Elternarbeit, Beurteilung sowie Einstieg ins Berufsleben. Etwas freistehend, da nicht in einem norwegischen Kontext entstanden, wirkt das abschließende Kapitel des Neuseeländers David Mitchell zu Standards und Richtlinien beim Übergang von Jugendlichen mit Behinderung ins Berufsleben.

Diskussion

Die pädagogische Literatur Skandinaviens ist noch immer zu großen Teilen in der jeweiligen Landessprache verfasst. Leser, die jene Sprachen nicht beherrschen, sind vielfach auf englischsprachige Veröffentlichungen angewiesen. Die Herausgeber David Lansing Cameron und Ragnar Thygesen haben den Versuch unternommen, ganz unterschiedliche Aspekte unter dem Titel „Transitions in the field of special education“ zusammenzufassen. Dieser Versuch ist im Wesentlichen geglückt, gleichwohl gewisse Mängel in der Kohärenz der Publikation vorhanden sind, was jedoch dem Entstehungshintergrund des Werkes geschuldet ist und vernachlässigt werden kann.

Fazit

Jeder der in der Anthologie enthaltenen Texte ist für sich lesenswert, insbesondere für Leser mit einem Interesse für Entwicklungen in der nordeuropäischen Pädagogik. Die Veröffentlichung unterstreicht damit nicht zuletzt, dass Übergänge im sonderpädagogischen Kontext ein weites Feld darstellen.


Rezensent
Dr. Thomas Barow
University of Gothenburg, Department of Education and Special Education. Universität Erfurt, Fachgebiet Sonder- und Sozialpädagogik
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Zitiervorschlag
Thomas Barow. Rezension vom 24.05.2016 zu: David L. Cameron, Ragnar Thygesen (Hrsg.): Transitions in the field of special education. Theoretical perspectives and implications for practice. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2015. ISBN 978-3-8309-3117-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19400.php, Datum des Zugriffs 24.02.2018.


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