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Karl Peter Sprinkart: Nachhaltigkeit messbar machen

Cover Karl Peter Sprinkart: Nachhaltigkeit messbar machen. Integrierte Bilanzierung für Wirtschaft, Sozialwirtschaft und Verwaltung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2015. 300 Seiten. ISBN 978-3-8029-3974-7. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Thema

In der Sozialwirtschaft ebbt der Diskurs um Möglichkeiten und Grenzen eines umfassenderen Ausweises von Wirkung nicht ab. Über die Potenziale der unmittelbaren Effizienz und Effektivität von pädagogischem Handeln hinaus geht es vor allem um die Frage, ob und wie das Gemeinwohl im engeren und weiteren Sinne durch sozialwirtschaftliche Aktivitäten gefördert wird bzw. welche Zugangsweisen und Methoden der Wirkungsmessung am vielversprechendsten sind. In der Sphäre der Erwerbswirtschaft werden gegenwärtig ebenfalls Modelle intensiv diskutiert, die eine Integrierte Bilanzierung mit monetären, sozialen und ökologischen Faktoren ermöglichen.

Entstehungshintergrund

Karl Peter Sprinkart konnte Experten aus Wissenschaft und Praxis für einen Reader gewinnen, der den aktuellen Stand der Diskussion um Integrierte Bilanzierung für Wirtschaft, Sozialwirtschaft und Verwaltung darstellen soll. Die Beiträge drehen sich rund um die Frage der transparenten Bilanzierung von Nachhaltigkeit und Mehrwert und sollen tragfähige methodische Ansätze darlegen.

Herausgeber

Karl Peter Sprinkart lehrt Kultur- und Kommunikationswissenschaft als Professor an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München. Er ist auch beratend im Bereich Innovations- und Veränderungsprozesse für Finanz- und Medienunternehmen tätig.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält eine Einleitung, 15 Beiträge in vier übergeordneten Abschnitten sowie einen Appendix.

Nach der Einleitung des Herausgebers, in welcher er die Integrierte Bilanzierung als eine neue Figur im Strategiediskurs vorstellt und einen Überblick über die Beiträge des Sammelbandes gibt, schildert Karl Peter Sprinkart im ersten Hauptabschnitt „Orientierung“ in seinem Beitrag zur „Renaissance der Werte“ historische Hintergründe der Bilanzierung. Er geht darüber hinaus auf einen neuen Kulturwandel ein, der von wirtschaftenden Organisationen eine umfassendere Darlegung der Effekte ihrer Tätigkeit einfordert. Jeremy Nicholls schließt mit einem Beitrag zur ethischen Perspektive an. Er betont unter anderem die Perspektiven der Nachhaltigkeit und Wahrhaftigkeit von Integrierten Bilanzen.

Im zweiten Hauptabschnitt werden Methoden thematisiert. Den Beginn macht Andreas Rickert mit einer Abhandlung zur öffentlichkeitswirksamen Berichterstattung über soziale Arbeit. Er schildert den Social Reporting Standard zur Erfassung sozialer Wirkungszusammenhänge. Lena Maria Wörrlein und Marius Mews berichten im Anschluss über Coprorate Citizenship und Reporting als Methode zur Standardisierung und Wirkungsorientierung von Unternehmen. Christiane Ksienzyk skizziert des Weiteren die Möglichkeiten der sozialen Gewinn- und Verlustrechnung als Medium der Transparenz für CSR-Aktivitäten, Volker Then und Konstantin Kehl beschließen diesen Teil mit dem Social Return on Investment als Werkzeugkasten für die erweiterte Bilanzierung von Organisationen der Sozialwirtschaft.

Im dritten Hauptabschnitt werden die Potenziale einer Integrierten Bilanzierung eruiert. Klaus Schellberg untersucht die strategischen Möglichkeiten des Social Return on Investment für den Sozialbereich, Ryan Little präsentiert eine Betrachtung zu „Impact Investing: New Sources of Capital to Finance Social and Environmental Outcomes“. Nicolette Behnke und Armin Slotta schildern die Anforderungen an die „Assurance eines Integrated Reporting“ sowie deren Einfluss auf die Welt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Simone Fischer, Johann Schnabel und Tobias Klinkert schließen thematisch mit der Betrachtung der Integrierten Bilanzierung als wachsenden Markt für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften an.

Der vierte Hauptabschnitt wendet sich dann der Praxis zu. Unter der Überschrift „Eine bessere Wirtschaft für eine bessere Welt“ beschreiben zunächst Helmut Lind und Christine Miedl den Prozess der Gemeinwohlorientierung bei der Sparda-Bank München. Ottmar Schader umreißt daraufhin Wirkungsorientierung als Steuerungsprinzip im Sozialreferat der Landeshauptstadt München, wobei unter anderem die Herausforderungen des Aufbaus eines wirkungsorientierten Controllings und einer entsprechenden Steuerung sozialer Dienstleistungen beschrieben werden. Franz-Theo Gottwald erläutert Gemeinwohlbilanzen im Stiftungsbereich am Beispiel der Schweisfurth-Stiftung, Peter Dürr, Nadine Tschauner und Georg Zollner widmen sich unter „Versicherungen als Solidargemeinschaften“ der Erfassung sozialer und ökologischer Wirkungszusammenhänge in einer Branche der Versicherungswirtschaft. Klaus Seiler beschreibt noch die Verknüpfung von Entrepreneurship Teaching und Bilanzierung, bevor Dominik Domnik mit „Integriertes Reporting und integrierte Bilanzierung in der Arbeit der Social Entrepreneurship Akademie“ diesen letzten Teil abschließt.

Der Appendix enthält eine Beschreibung von Prozessphasen der Social Return on Investment-Analyse in der Praxis. Die Autorin ist Christiane Ksienzyk.

Diskussion und Fazit

Der vorliegende Sammelband von Karl Peter Sprinkart spiegelt gut den aktuellen Stand der methodischen Ansätze rund um eine werteorientierte Bilanzierung einschließlich entsprechender Diskurse um Möglichkeiten und Restriktionen wieder. Der Reader darf auch als substanzieller Beitrag zur Zukunft des Ausweises von Wirkung sozialwirtschaftlicher Einrichtungen und Träger angesehen werden.

Für Verantwortliche aus dem sozialen Sektor und der Sozialverwaltung dürften insbesondere die Beiträge von Klaus Schellberg, Ottmar Schader und Andreas Rickert interessant sein, da sie Zugänge zum Social Return on Investment nachvollziehbar darstellen und die strategischen und methodischen Implikationen verdeutlichen. Darüber hinaus kann auch der Beitrag aus dem Stiftungsbereich von Franz-Theo Gottwald relevante Impulse für den Aufbau einer Gemeinwohlbilanz sozialer Organisationen und Sozialverwaltungen liefern.

Die genannten Beiträge können durchaus auch als Basislektüre in Studiengängen der Sozialen Arbeit empfohlen werden.

Ein interessanter Beitrag zur Zukunft des werteorientierten Ausweises von Wirkung sozialer Organisationen und Sozialverwaltungen.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 13.11.2015 zu: Karl Peter Sprinkart: Nachhaltigkeit messbar machen. Integrierte Bilanzierung für Wirtschaft, Sozialwirtschaft und Verwaltung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2015. ISBN 978-3-8029-3974-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19510.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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