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Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management: Case Management Leitlinien

Cover Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management: Case Management Leitlinien. Rahmenempfehlungen, Standards und ethische Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. 82 Seiten. ISBN 978-3-86216-236-9. 26,99 EUR.
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Thema und Zielsetzung

Das Thema des Buches ergibt sich bereits aus dem Titel: Ziel ist es, den Leser über Standards im Bereich des Case Managements zu informieren. Dabei erfüllt das Buch die Kriterien von Leitlinien, gibt damit allgemein verbindliche Standards vor und schlägt mit der Herausgabe dieser Leitlinie(n) den traditionellen Weg anderer wissenschaftlicher Disziplinen ein, wie z.B. der Medizin mit ihrer ständig steigenden Zahl an Leitlinien.

Herausgeber bzw. Autor/en

Herausgeber des Buches über die Leitlinien des Case Managements ist die (gleichnamige) Fachgesellschaft: Die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). Sie ist der allgemein anerkannte Maßstab im Bereich des Case Managements.

Die DGCC und ihre Mitglieder sind Herausgeber von zahlreichen maßgebenden Standardwerken im Bereich des Case Managements.

Entstehungshintergrund

Die Handlungsweise bzw. das Instrument des Case Management erfährt seit einigen Jahren eine zunehmende Verbreitung in verschiedenen Bereichen, wobei hier insbesondere das Sozial- und Gesundheitswesen aber auch die Arbeitsvermittlung sowie die Versicherungswirtschaft zu nennen sind. Hier hat sich im Laufe der Zeit die Notwendigkeit und der Wunsch nach einer Fachgesellschaft ergeben, die wiederum für die Standards in diesem Bereich gewissermaßen verantwortlich ist, womit sie nun Eigenschaften und Merkmale des Verfahrens des Case Managements beschreiben, die für die Anwendung quasi bindend sind.

Ausgangspunkte sind dabei die „National Association of Social Workser“ (NASW), die 1992 die ersten Standards des Case Managements formulierte und die Case Management Society of America (CMSA), die 1995 Standards veröffentlichte. Allerdings wird Case Management auch von weiteren Fachgesellschaften „für sich“ beansprucht und hat daher zu mehreren Leitlinien geführt, die unterschiedliche Schwerpunkte des Case Managements betonen. Mittlerweile ist Case Management im SGB successive fest(er) verankert; die DGCC stellte vor ihrer Gründung eine Fachgruppe verschiedener Fachgesellschaften dar. Die Autoren des vorliegenden Buches sind aktuelle und ehemalige Protagonisten der DGCC.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert, wobei zunächst ein kurzes Vorwort gegeben wird, das von der Definition des Case Managements gefolgt wird. Hier wird Case Management von der DGCC wie folgt definiert: „Case Management ist eine Verfahrensweise in Humandiensten und ihrer Organisation zu dem Zweck, bedarfsentsprechend im Einzelfall eine nötige Unterstützung, Behandlung, Begleitung, Förderung und Versorgung von Menschen angemessen zu bewerkstelligen. Das Handlungskonzept ist zugleich ein Programm, nach dem Leistungsprozesse in einem System der Versorgung und in einzelnen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens effektiv und effizient gesteuert werden können.“ Damit wird das Subjekt des Buches klar und verbindlich definiert, bevor sich der erste Abschnitt mit den „Rahmenempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Case und Care Management e.V. zum Handlungskonzept Case Management“ anschließt. Diese Rahmenempfehlungen basieren auf einem Vorstandsbeschluss aus dem Jahre 2008. Nach der Darstellung der Präambel wird der „Zweck des Case Managements“ präzisiert. Gefolgt wird dies durch die Darstellung der „Grundlagen“ mitsamt „Indikationskriterien“ und „Voraussetzungen“. Während bei den Indikationskriterien ein hohes Abstraktionsniveau zu finden ist, da sich das Case Management auf zahlreiche Bereiche erstreckt, wird bei den Voraussetzungen mit Zitaten aus dem SGB argumentiert.

Der erste Abschnitt wurde von Hugo Mennemann (als Vorstandsmitglied der DGCC) und Kollegen geschrieben und zeigt in sechs Kapiteln erste Eckpfeiler des Case Managements auf. Das Hauptkapitel des ersten Abschnitts ist dabei das sechste Kapitel über „Die Case Management umsetzende Organisation“, die DGCC. Dieses Kapitel geht auf interschiedliche Aspekte des Case Managements ein und stellt dabei Aspekte wie das Qualitätsmanagement, Verantwortung und Befugnisse, Dokumentation sowie die Überprüfung der festgelegten Qualitätsstandards in den Vordergrund.

Der zweite Abschnitt des Buches stellt die „Ethische Grundlage der Detuschen Gesellschaft für Care und Casemanagement e.V. zum Handlungskonzept Case Management“ vor. Hier beschreiben Hugo Mennemann und Kollegen nach einer kurzen Einführung die allgemeinen Grundsätze des Case Managements sowohl im Rahmen von Menschenrechten im Sinne des Case Managements als humandienstliches Verfahren als auch im Rahmen des Sozialgesetzbuches. Schließlich stellen die Autoren nach den beschriebenen allgemeinen Grundlagen nun spezifisch Grundlagen dar. Hier sehen sie ethische Grundlagen in den Bereichen Autonomie, Gerechtigkeit, Toleranz, Transparenz, Partizipation, uvm. und beschreiben zu vielen Punkt sowohl ethische Grundlagen als auch ethisches Handeln und weitere Aspekte.

Der dritte Abschnitt handelt von den Standards der „Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management e.V. zur Normierung und Auditierung – Case Managemenet auf der Organisationsebene“. Die Standards definieren die Autoren Mennemann und Ribbert-Elias anhand von Normsätzen und berufen sich auf die DIN ISO 9001:2008, die auch den Standards der DGCC als Grundlage gilt. Hier findet der Leser ein ausführliches Tabellenwerk über Normungen. Das sich daran anschließende Kapitel widmen die Autoren der Auditierung und somit der Überprüfbarkeit der Anwendung der Standards. Auch hier findet der Leser erneut ein ausgiebiges Tabellenwerk, in diesem Fall über Qualitätskriterien.

Der letzte Abschnitt wurde vom derzeitigen Vorstandsvorsitzenden der DGCC, Peter Löcherbach, und Kollegen verfasst. Nach einer kurzen Einleitung und der Beschreibung des zu beschreibenden Gegenstandes widmet sich dieser vierte und somit letzte Abschnitt den Statuten der DGCC zum einen bezüglich der Aus-/ Weiterbildung zum Case Manager und zum anderen den Richtlinien zur Anerkennung von Ausbildern zum Case Manager. Hier werden auch Übergangsregelungen für Case Manager in der Beschäftigungsorientierung vorgesehen.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dürfte unstrittig im Bereich der Anwender des Case Managements liegen; hierbei profitieren Handelnde aus dem Feld der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik genau so wie Handelnde im Bereich der Gesundheitswissenschaften/ Patientenversorgung, Arbeitsvermittlung und Versicherungswirtschaft. Das Buch dürfte somit auf der einen Seite eine sehr breite Leserschaft interessieren, dürfte aber zum anderen gerade für diejenigen interessant und entscheidend sein, die sich der Leitlinien und Qualitätsmaßstäbe v.a. im Bereich des Case Managements interessieren.

Diskussion und Fazit

Die Formulierung von Leitlinien und die Einhaltung Letzterer als Qualitätsmerkmal bzw. Qualitätsstandards ist mittlerweile in vielen Bereichen üblich. Diese verbindlichen Aspekte helfen Handelnden, ihr eigenes Handeln einzuschätzen und im Sinne der Ziele entsprechend auszurichten. Auf diesen Weg begibt sich auf die DGCC mit diesem kleinen Buch und folgt somit den „Strömungen“ anderer etablierter Disziplinen. Die DGCC gibt somit ihren Anwendern verbindliche Rahmenbedingungen mit, um das Case Management für seine Anwender in standardisierter Form im Dienste der Klienten gewinnbringend anzuwenden.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 14.03.2018 zu: Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management: Case Management Leitlinien. Rahmenempfehlungen, Standards und ethische Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. ISBN 978-3-86216-236-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19511.php, Datum des Zugriffs 24.06.2018.


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