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Michaela Hach (Hrsg.): Handbuch Qualitätsmanagement (Palliativ­versorgung)

Cover Michaela Hach (Hrsg.): Handbuch Qualitätsmanagement in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. (SAPV). Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. 230 Seiten. ISBN 978-3-86321-238-4. 59,95 EUR.
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Thema und Autoren

Die Palliative Care umfasst alle Bereiche der Versorgung und Begleitung unheilbar Schwerkranker und Sterbender. Es ist eine interprofessionelle, klinisch und kommunikativ ausgerichtete Teamleistung, die sich an Patienten und deren Angehörige richtet und die in einzelnen Teams für Erwachsene und Kinder gegliedert ist. Diese Einzeleinrichtungen zusammenzuführen und dabei einen Qualitätsanspruch einzulösen, ist das Ziel des vorgelegten Handbuches „Qualitätsmanagement in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung“.

Herausgeber dieses Bandes ist der Fachverband SAP Hessen, ein Zusammenschluss aller hessischen Palliative Care Teams, der die Umsetzung der Interessen aller beteiligten Leistungserbringer und deren interne Kommunikation sowie die Weiterentwicklung der gesetzlichen, vertraglichen und konzeptionellen Rahmenbedingungen in der Palliativversorgung koordiniert.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in neun Kapitel unterschiedlicher Länge gegliedert. Mit dem „Vorwort, Einleitung und Leitbild“ ist das erste Kapitel überschrieben. Es folgen sechs Grußworte und das Vorwort. Das Handbuch wird als praxisnahe Prozessdarstellung von personellen und zeitlichen Rahmenbedingungen und spezifischen Leitzielen charakterisiert, das mit einer Onlineplattform verknüpft ist.

Kapitel zwei ist dem „Leitbild“ vorbehalten, was im ersten Kapitel im Titel schon genannt, wozu aber keine Aussagen getroffen wurden. Palliativ Care umfasse neben der Sterbebegleitung die Symptomlinderung und Stabilisierung in nicht heilbaren Situationen mit dem Ziel des würdevollen Lebens bis zum Tod. Die Gesetzesgrundlage ist im SGB V in den §§ 37b und 132d geregelt, so dass für jeden gesetzlich Versicherten ein Rechtsanspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) bestehe.

Mit „Kernprozesse“ ist das dritte Kapitel überschrieben (S.27). Die SAPV diene dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern. Statt eines kurativen Ansatzes stehe der medizinisch pflegerische Aspekt im Mittelpunkt, Symptome und Leiden einzelfallgerecht zu lindern. Voraussetzung dafür sei das Vorliegen einer ärztlichen Verordnung. Auf den folgenden 19 Seiten werden Antragsdokumente bis zum Behandlungsvertrag vorgestellt, die besser im Anhang hätten platziert werden können, weil sie den Lesefluss ungünstig beeinflussen. Bis auf geringe Textpassagen zur Erstvisite, zum Assessment sowie zum Theorie- und Hilfeplan folgen erneut eine unübersehbare Flut von Formularen bis zum Ende des Kapitels auf Seite 140. In den Ausführungen werden neben der Patientenverfügung auf das vorbeugende Krisenmanagement, die Regelversorgung und die Überleitung in die palliative Basisversorgung verwiesen.

Kapitel vier „Standards“ setzt sich mit dem Umgang mit Medikamenten, der Verordnung und Bestellung von Hilfsmitteln sowie der Maßnahmen im Todesfall auseinander.

Die „Öffentlichkeitsarbeit“ wird im fünften Kapitel auf einer Seite thematisiert (S. 159). Es wird betont, dass diese in der SAPV ein operatives Kommunikationsinstrument und strategische Führungsaufgabe sei, um das Versorgungsangebot bekannter zu machen.

Kapitel sechs, auch nur kaum eine Seite füllend, ist dem „Fort- und Weiterbildungskonzept“ gewidmet.

Im siebten Kapitel werden auf drei Seiten die „Gesetzlichen Regelungen, Richtlinien, Musterverträge, LL“ aufgezählt. Was „LL“ bedeutet, wird nicht genannt, vermutlich sind es Leitlinien.

Es folgt Kapitel acht mit der „Hygiene und Arbeitssicherheit“, indem der Infektionsschutz, der Reinigungs- und Desinfektionsplan sowie die Gefährdungsbeurteilung im Mittelpunkt der Ausführungen stehen.

Im neunten und damit im letzten Kapitel „Qualitätsmanagement (QM)“ geht es um das QM allgemein, das interne und externe QM sowie um die Prüfung dieses Anspruches. Es folgt ein Glossar, ein Abkürzungs-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis.

Fazit

Die vorliegende Publikation wurde als Qualitätshandbuch konzipiert und sollte einerseits Gestaltungsspielräume in der Individualität der Patientenversorgung einräumen als andererseits nicht zu enge Vorgaben machen, um letztlich Unterstützung und Orientierung im Spannungsfeld der SAPV geben zu können (S.17).

Handbücher sind Nachschlagewerke, die ihre Gültigkeit und Verbindlichkeit auf der Basis einer umfassenden Synthese aller vom jeweiligen Fach erbrachten Forschungsleistungen, also einen Überblick über das Ganze, verdanken. Das vorgelegte ist das Produkt des Fachverbandes SAPV Hessen e.V. und damit vieler anerkannter Spezialisten, die versucht haben, das gültige Wissen des Faches zu organisieren, zu vernetzen und zu ordnen. Diesen Anspruch kann das „Handbuch Qualitätsmanagement in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung“, wenn auch bedingt, einlösen. Allerdings ist die Gestaltungsweise äußerst fraglich für die Lese- und damit Begreifbarkeit der Ausführungen. Abgesehen vom DIN-A4-Format und der doch recht mäßigen Papierqualität, enthält es mindestens über zwei Drittel nur Vorlagen und Anweisungen, die es nicht ermöglichen, einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Aspekte der SAPV zu erhalten. Es hätte dem Handbuch sehr viel mehr Handhabbarkeit verliehen, wenn im Text auf diese einzelnen Dokumente im Anhang verwiesen worden wäre, die für die weiteren Arbeitsschritte notwendig sind. Positiv ist, dass das Handbuch mit einer Onlineplattform verknüpft ist, um eine kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung zu ermöglichen.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 21.10.2015 zu: Michaela Hach (Hrsg.): Handbuch Qualitätsmanagement in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. (SAPV). Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-86321-238-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19532.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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