Ulrike Petermann, Franz Petermann: Training mit sozial unsicheren Kindern
Rezensiert von Prof. Dr. Thomas Heidenreich, 03.02.2016
Ulrike Petermann, Franz Petermann: Training mit sozial unsicheren Kindern. Behandlung von sozialer Angst, Trennungsangst und generalisierter Angst ; mit Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. 329 Seiten. ISBN 978-3-621-28245-1. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 64,30 sFr.
Thema
Das vorliegende Werk widmet sich einer im Kindesalter weit verbreiteten Problematik: Ängste im sozialen Bereich, Trennungsangst und generalisierte Angst. Es handelt sich dabei um die 11. Auflage eines bereits seit 1983 regelmäßig neu aufgelegten Standardwerks, das eine Fülle praktischer Arbeitsmaterialien enthält.
AutorInnen
Ulrike und Franz Petermann arbeiten seit langem am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen. Sie entwickeln schwerpunktmäßig verhaltenstherapeutisch begründete Behandlungen für Kinder mit verschiedenen Problembereichen.
Entstehungshintergrund
Bereits die erste Auflage des Buches 1983 stellte soziale Ängste im Kindesalter und Ansätze zu deren Bewältigung vor. Die seit der letzten Auflage des Bandes (2010) entwickelten Neuerungen wurden in diese 11., deutlich überarbeitete, Auflage integriert. Dies beinhaltet u.a. ein ergänzendes Modul für die Einzeltherapie (Psychoedukation) sowie die Empfehlungen für das Vorgehen bei Kindern im Vorschulalter.
Aufbau und Inhalt
Die elf Kapitel des vorliegenden Buches sind in zwei große Teile gegliedert:
- Teil I (Kapitel 1-3) stellt das Störungsbild sozialer und generalisierter Ängste im Kindesalter vor.
- Der deutlich umfangreichere Teil II (Kapitel 4-11) ist der Therapie gewidmet.
Kapitel 1 stellt die Ausdrucksformen und den Verlauf sozialer Ängste im Kindesalter dar. Die Darstellung ist mit Fallberichten angereichert und es wird die diagnostische Einordnung der einzelnen Problembereiche (soziale Angststörung, Trennungsangst, generaliserte Angst) vorgestellt. Neben der ICD-10 wird auch auf das jüngst erschienene DSM-5 eingegangen. Die Folgen kindlicher sozialer Angststörung werden vorgestellt, ebenso Befunde zu Häufigkeit, dem oft schlechten Verlauf und der Komorbidität.
Kapitel 2 stellt die Diagnostik bei ängstlichem und sozial unsicherem Verhalten vor. Es wird betont, dass stets eine multimodale Diagnostik indiziert ist, die kognitive, emotionale, körperliche und verhaltensbezogene Aspekte umfasst. Besonders intensiv wird die klassifikatorische Diagnostik vorgestellt und Hinweise zur Exploration der Eltern gegeben.
Kapitel 3 stellt die Erklärungsansätze für soziale Ängste und Unsicherheit im Kindesalter dar: das biopsychosoziale Modell wird vorstellt (z. B. genetische Aspekte, Lernprozesse und beeinträchtigte Erziehungskompetenz).
Der Behandlungsteil beginnt mit der Vorstellung der Konzeption des Vorgehens (Kapitel 4) – hier werden die einzelnen Behandlungskomponenten sowie der Aufbau des Programms, die Indikation und die Gestaltung der therapeutischen Beziehung vorgestellt.
Kapitel 5 stellt die Einzeltherapie mit Schulkindern dar. Ziele, therapeutische Ansatzpunkte sowie die Einzelmodule der Behandlung werden ausführlich und praktisch orientiert mit Verweis auf die umfangreichen im Anhang abgedruckten Arbeitsblätter erläutert.
Kapitel 6 stellt die Gruppentherapie mit Schulkindern vor, wobei der Aufbau und die Inhalte weitgehend dem in Kapitel 5 vorgestellten Vorgehen entsprechen – ergänzt durch gruppenspezifische Elemente.
Kapitel 7 stellt die Einzeltherapie mit Vorschulkindern vor, während Kapitel 8 der Gruppentherapie mit Vorschulkindern gewidmet ist.
Die das Buch abschließenden Kapitel 9 bis 11 widmen sich der Eltern- und Familienberatung (Kapitel 9), der Erfolgskontrolle (Kapitel 10) sowie Hinweisen zum Erlernen des Vorgehens (Kapitel 11). Mit ca. 80 Seiten liegen sehr umfangreiche und praktisch gut einsetzbare Arbeitsblätter vor, ein Glossar rundet das Buch ab.
Fazit
Mit der hier vorliegenden 11. Auflage des Standardwerks von Ulrike und Franz Petermann liegt eine aktuelle und sehr praktisch gehaltene Darstellung therapeutischer Interventionen zur Behandlung von Angststörungen im Kindesalter vor (soziale Angst, Trennungsangst, generalisierte Angst). Durch den Bezug auf verschiedene Altersgruppen (Vorschule vs. Schule) sowie Behandlungssettings (Einzel vs. Gruppe) werden jeweils sehr spezifische Vorgehensweisen geschildert.
Das Buch sei allen Berufsgruppen empfohlen, die mit sozial ängstlichen und generalisiert ängstlichen Kindern arbeiten und die an praktischen Behandlungselementen interessiert sind. Dem socialnet-Rezensenten der 9. Auflage dieses Buches (vgl. die Rezension) ist beizupflichten, wenn er das Kästner´sche Prinzip „es gibt nichts Gutes außer man tut es“ als möglichen Leitspruch dieses Bandes zitiert.
Rezension von
Prof. Dr. Thomas Heidenreich
Dipl.-Psych., Professur „Psychologie für Soziale Arbeit und Pflege“ an der Hochschule Esslingen
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Es gibt 2 Rezensionen von Thomas Heidenreich.



