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Daniel Schönfeld, Fidan Düz u.a.: Kulturelle Vielfalt im betrieblichen Arbeitsalltag

Cover Daniel Schönfeld, Fidan Düz, Carolin Oppenrieder, Veronika Schlasze, Martin Schubert, Martin Steinbach: Kulturelle Vielfalt im betrieblichen Arbeitsalltag. Auszubildende gewinnen und integrieren. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2015. 47 Seiten. ISBN 978-3-7639-5515-2. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.

Leitfaden für die Bildungspraxis, Bd. 65.
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Thema

In Deutschland hatte 2011 knapp ein Viertel der jungen Leute zwischen 15 und 25 Jahren einen Migrationshintergrund. Weniger als der Hälfte der Schulabgänger mit Migrationshintergrund gelingt der Übergang in eine Ausbildung. Auf der anderen Seite möchten sich immer mehr Unternehmen der kulturellen Vielfalt öffnen. Der vorliegende Leitfaden gibt Ausbildungsbetrieben konkrete Handlungsempfehlungen, um vermehrt junge Leute mit Migrationshintergrund für eine Ausbildung in dem Betrieb zu gewinnen und kulturelle Vielfalt im Arbeitsalltag zu etablieren und zu festigen. Dabei werden auch Maßnahmen vorgestellt, um die Chancen von Diversity zu nutzen und die Risiken zu managen.

Autoren und Entstehung

Der Band ist im Rahmen des Projekts „XENOS Panorama Bund“ entstanden, einem Verbundprojekt von vier Partnern: Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH, u.bus Gesellschaft für regionale Entwicklung und europäisches Projektmanagement mbH, CONVIS Consult &Marketing GmbH und UPJ e.V., einem Netzwerk von Unternehmen und Organisationen im CSR-Bereich.

Aufbau und Inhalt

Der Leitfaden umfasst sieben Kapitel und ein ausführliches Literaturverzeichnis.

1. Einleitung. Betriebe beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Gruppe der Auszubildenden mit Migrationshintergrund. Kultursensible Unternehmen möchten bewusst, dass die Belegschaft die Vielfalt der Kunden widerspiegelt, die Leistungsfokussierten möchten kultursensibler mit Auseinandersetzungen umgehen und die Sorgenvollen der Entstehung interkultureller Probleme oder Konflikten vorbeugen.

2. Integration in die betriebliche Ausbildung. Die relativ schlechteren Chancen von Bewerbern mit Migrationshintergrund liegen sowohl in der häufig geringeren schulischen Eignung als auch in erhöhten Zugangsbarrieren begründet. Die Autoren nennen drei Argumente, Vielfalt nicht als Problemquelle sondern als Ressource zu sehen:

  1. Kulturelle Unterschiede werden (zu) selten direkt thematisiert
  2. Bewerber mit Migrationshintergrund unterscheiden sich hinsichtlich Motivation und Engagement nicht von deutschen Bewerbern
  3. Kulturelle Vielfalt stellt einen Wertschöpfungsfaktor dar, indem sie Kreativität und Problemlösungskapazität steigern.

3. Cultural Diversity Management. Cultural Diversity Management bringt Vorteile für das Individuum (Wertschätzung),das Arbeitsteam (unterschiedliche Perspektiven, Konfliktreduktion durch positiveres Klima) und für das Unternehmen (gesteigertes Ansehen für Bewerber und neue Kundensegmente). Die Autoren geben Handlungsempfehlungen in vier Schritten für die interkulturelle Öffnung:

  1. Klares Bekenntnis und Entscheidung der Geschäftsführung
  2. Empfehlungen für die Personalgewinnung
  3. Maßnahmen zur Personalbindung
  4. Evaluation von Cultural Diversity Management

4. Ausbildungsmarketing. Das vierte Kapitel spezifiziert Maßnahmen und Tipps zum Ausbildungsmarketing entlang der Struktur: Analyse der Ausgangssituation – Zielformulierung – strategische Marketingplanung. Vor allem die Kommunikation (Medien, Veranstaltungen, Netzwerke) muss auf die kulturell vielfältige Zielgruppe ausgerichtet werden.

5. Auswahlverfahren. Auch das Auswahlverfahren sollte kulturell sensibel und fair gestaltet werden. Hierzu schlagen die Autoren Maßnahmen vor, wie die Erweiterung des Anforderungsprofils und der Stellenanzeigen um interkulturelle Kompetenzen, Anonymisierung der Bewerbungen und sogenannte Culture Fair Intelligence Tests sowie ein kultursensibles Vorstellungsgespräch.

6. Cultural Diversity Management während der Ausbildung. Während der Ausbildung gilt es Cultural Diversity in den betrieblichen Alltag zu integrieren sowie zielgerichtet als Ressource zu nutzen und in kooperative Lernformen zu thematisieren und zu trainieren. Um kulturell bedingten Spannungen vorzubeugen, werden oft Diversity-Trainings eingesetzt, deren Methoden vorgestellt und durch Beispiele (zum Download) konkretisiert werden.

7. Nutzung externer Hilfen. Für den Fall, dass während der Ausbildung Probleme bezüglich der Sprache oder der Leistungen zeigen, verweisen die Autoren auf zwei geförderte Hilfsangebote: eine Einstiegsqualifizierung sowie ausbildungsbegleitende Hilfen.

Diskussion

Dieser Leitfaden ist eine sehr nützliche Arbeitsgrundlage für Ausbildungsverantwortliche in Betrieben. Er bringt wesentliche Hintergründe und Argumente kurz und überzeugend auf den Punkt, verzichtet auf zeitraubende theoretische Umwege und gibt einen umfassenden Überblick über konkrete Handlungsanweisungen, teils ergänzt durch Links mit detaillierteren Ausführungen und Beispielen aus der betrieblichen Praxis. Der Leitfaden ist ausführlich genug, um Personalreferenten einen Handlungs-und Argumentationsrahmen zu geben, aber auch kurz und allgemein genug, um von erfahrenen Personalreferenten ganz unterschiedlicher Betriebe und Branchen direkt in eine Aktionsliste übersetzt werden zu können.

Fazit

Dieser Leitfaden fasst kurz und knapp die erforderlichen Schritte zusammen, die notwendig sind, um vermehrt BewerberInnen mit Migrationshintergrund für betriebliche Ausbildungen zu rekrutieren, kulturelle Vielfalt im Betrieb zu etablieren bzw. zu in den Ausbildungsalltag zu integrieren. Er verweist auf Hilfsangebote, die zur Verfügung stehen, wenn die Leistungsfähigkeit zum Problem wird und ist alles in allem eine übersichtliche und brauchbare Handreichung für Personalabteilungen in Ausbildungsbetrieben, die sich kulturell öffnen möchten.

Summary

This guide provides a comprehensive and concise overview of the steps necessary to recruit more applicants with a migration background for vocational training programs and to establish and integrate Cultural Diversity within the company and the educational scheme respectively. It offers information about state-funded supporting programs for language and other specific learning needs. Overall it is a useful roadmap for Human Resources in companies wishing to increase their diversity.


Rezension von
Dipl.-Kfm. Tatjana van de Kamp
Dipl. Kauffr.; MA (Arbeits- und Organisationspsychologie)
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Zitiervorschlag
Tatjana van de Kamp. Rezension vom 13.01.2016 zu: Daniel Schönfeld, Fidan Düz, Carolin Oppenrieder, Veronika Schlasze, Martin Schubert, Martin Steinbach: Kulturelle Vielfalt im betrieblichen Arbeitsalltag. Auszubildende gewinnen und integrieren. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2015. ISBN 978-3-7639-5515-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19575.php, Datum des Zugriffs 09.08.2020.


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